Einteilung von Pflanzen abhängig von ihrer Lebensdauer und Wuchsform

Vertrocknetes Blatt auf Zweig - Lebensdauer von Pflanzen

Die Lebensdauer von Pflanzen ist ein zentrales Klassifizierungsmerkmal in der Botanik. Pflanzen werden anhand ihres Lebenszyklus in einjährige, zweijährige, mehrjährige (hapaxanthe) und ausdauernde (pollakanthe) Arten unterteilt. Die Nomenklatur erfordert eine präzise Differenzierung zwischen der absoluten Lebensdauer und der Blühhäufigkeit.

Einjährige (annuelle) Pflanzen

Der Begriff annuell (von lat. annuus, jährlich) bezeichnet Pflanzen, die ihren gesamten Lebenszyklus – von der Keimung über die Blüten- und Samenbildung bis zum Absterben – innerhalb einer Vegetationsperiode abschließen. Sie wachsen ausschließlich als krautige Pflanzen und überdauern ungünstige Jahreszeiten (Winter oder Trockenperioden) als Samen im Boden. In der Lebensformen-Klassifikation nach Raunkiær werden sie als Therophyten bezeichnet.

Innerhalb der annuellen Pflanzen wird aufgrund des Keimungszeitpunktes zwischen Sommer- und Winterannuellen unterschieden.

Sommerannuelle Pflanzen

Sommerannuelle Pflanzen keimen im Frühjahr, durchlaufen ihr Wachstum, blühen, fruchten und sterben im darauffolgenden Herbst ab. Die Samen ruhen im Boden bis zum nächsten Frühjahr.

Winterannuelle Pflanzen

Winterannuelle Pflanzen keimen bereits im Spätsommer oder Herbst. Sie überwintern meist im vegetativen Stadium als Blattrosette und setzen ihr Wachstum im folgenden Frühjahr fort. Für den Übergang zur generativen Phase (Schossen und Blütenbildung) benötigen sie zwingend einen Kältereiz (Vernalisation).

Fakultativ winterannuelle Pflanzen

Einige Arten weisen eine hohe phänologische Flexibilität auf und können sowohl sommer- als auch winterannuell auftreten. Sie bringen unter günstigen Bedingungen mehrere Generationen pro Jahr herv und blühen teilweise auch während milderer Winterphasen.

Alle annuellen Pflanzen sind obligat hapaxanth (von griech. hapax = einmal, anthos = Blüte), was bedeutet, dass sie nach einmaliger Blühphase und Fruchtreife absterben.

Zweijährige (bienne) Pflanzen

Zweijährige (bienne) Pflanzen benötigen zwei Vegetationsperioden für ihren Lebenszyklus. Im ersten Jahr erfolgt das rein vegetative Wachstum durch die Bildung einer grundständigen Blattrosette und eines Speicherorgans (Rübe oder Pfahlwurzel). Nach einer obligatorischen Vernalisation im Winter erfolgt im zweiten Jahr das Streckungswachstum der Sprossachse, die Blüte, Samenbildung und das anschließende Absterben der Pflanze. Sie wachsen als krautige Hemikryptophyten und sind ebenfalls hapaxanth.

Mehrjährige (plurienne) Pflanzen

In der botanischen Nomenklatur beschreibt der Begriff plurienn Pflanzen, die mehrere Jahre bis Jahrzehnte vegetativ wachsen, aber nur ein einziges Mal in ihrem Leben blühen und danach absterben (plurienn-hapaxanth). Sie können krautig oder verholzend wachsen.

  • Beispiele: Viele Arten der Agaven (Agave spp., Asparagaceae) sowie bestimmte Bambus-Arten (Bambusoideae, Poaceae), die signifikante Biomasse aufbauen, bevor die finale Blühinduktion erfolgt.

Begriffsabgrenzung „Mehrjährigkeit“

Im allgemeinen und gärtnerischen Sprachgebrauch wird der Begriff „mehrjährig“ oft unspezifisch für alle Pflanzen verwendet, die älter als ein Jahr werden. Botanisch korrekt grenzt die „Mehrjährigkeit“ (plurienn) jedoch streng hapaxanthe Lebenszyklen von der „Ausdauer“ (perenn/pollakanth) ab.

Ausdauernde (perenne) Pflanzen

Ausdauernde oder perennierende Pflanzen (lat. perennis, das Jahr hindurch dauernd) leben über viele Jahre hinweg und blühen im Regelfall mehrmals in ihrem Leben (pollakanth). Diese Gruppe umfasst sowohl krautige als auch verholzende Pflanzen.

Krautige ausdauernde Pflanzen (Stauden): Bei diesen sterben die oberirdischen, photosynthetisch aktiven Pflanzenteile vor der ungünstigen Jahreszeit ab. Die Überdauerung erfolgt durch unterirdische Speicherorgane wie Rhizome, Knollen, Zwiebeln (Geophyten) oder durch bodennahe Erneuerungsknospen (Hemikryptophyten).

Verholzende ausdauernde Pflanzen (Gehölze): Diese behalten ihre oberirdischen Achsen dauerhaft bei. Die Überdauerungsknospen befinden sich oberhalb der Schneedecke (Phanerophyten).

Wuchsformen: Krautige und verholzende Pflanzen

Krautige Pflanzen weisen kein ausgeprägtes sekundäres Dickenwachstum auf; ihre Sprossachsen verholzen nicht. Zu dieser Gruppe zählen alle einjährigen, zweijährigen sowie die ausdauernden krautigen Stauden.

Verholzende Pflanzen bilden ein aktives Kambium aus, das durch sekundäres Dickenwachstum massives Holzgewebe (Xylem) produziert. Hierzu zählen Bäume und Sträucher. Eine morphologische Übergangsform stellen Halbsträucher dar. Bei diesen verholzen lediglich die basalen Triebabschnitte, während die jährlichen, blütentragenden Neutriebe krautig bleiben und im Winter abfrieren (z.B. Echter Salbei, Salvia officinalis, Lamiaceae).

Videobeitrag „Lebensdauer von Pflanzen“

Lebensdauer von Pflanzen