Rainfarn – Erkennen und Sammeln
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze. Diese Pflanze ist GIFTIG und NICHT für die menschliche Ernährung geeignet
Der Rainfarn ist eine ebenso markante wie umstrittene Gestalt der heimischen Flora. Mit seinen leuchtend gelben, knopfartigen Blütenständen und dem tief eingeschnittenen Laub prägt der ausdauernde Korbblütler im Hochsommer viele Wegränder und Böschungen. Er strömt einen intensiven, würzigen Duft aus, der nicht jedem gefällt, aber Fliegen und Käfer magisch anzieht. Aufgrund seines Gehalts an Nervengiften (Thujon) war er historisch ein potentes (und riskantes) Heilmittel gegen Würmer. Heute wird er vor allem als natürliche Insektenabwehr und traditionelle Färbepflanze geschätzt.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Rainfarn“
- Botanischer Name: Tanacetum vulgare
- Deutscher Name: Rainfarn
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Wucherblumen (Tanacetum)
- Andere Namen: Wurmkraut, Gülden Knöpfle, Westenknöpfe
- Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: Aufrechte, stark wuchernde Staude
- Wuchshöhe: 60 bis 130 cm
- Wurzelwerk: Weit kriechendes Rhizom (Kriechwurzler)
- Blütezeit: Juli bis September
- Blütenstand: Doldenrispe aus körbchenförmigen Teilblütenständen
- Fruchtreife: August bis Oktober
- Boden/Standort: Sommerwarme, nicht zu trockene, nährstoffreiche und humose Böden; Wegränder, Dämme, Ufer (Stromtalpflanze), Schuttplätze und Brandstellen.
- Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl (viel Thujon, Campher, Borneol), Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide.
- Giftigkeit: In allen Teilen stark giftig (Thujon-Gehalt stark schwankend).
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Der Rainfarn ist aufgrund seines straff aufrechten Wuchses, der farnähnlichen Blätter und der charakteristischen, zungenlosen „Knöpfchenblüten“ meist leicht anzusprechen. Er riecht beim Zerreiben sehr streng, würzig bis kampferartig.
Vegetative Merkmale (z. B. Stamm/Stängel, Rinde, Blätter)
- Stängel: Der Stängel wächst starr aufrecht, ist kantig, oft rötlich überlaufen und verzweigt sich erst im oberen Drittel im Bereich der Blütenstände.
- Blätter: Sie stehen wechselständig, sind dunkelgrün und tief gefiedert (farnähnlich). Die einzelnen Fiederabschnitte sind schmal-lanzettlich und am Rand scharf gezähnt. Die unteren Blätter sind gestielt, die oberen sitzen direkt am Stängel. Eine Besonderheit: Als „Kompasspflanze“ richten sich die Blätter in praller Sonne oft senkrecht nach Süden aus, um der stärksten Strahlung zu entgehen.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blütenstand: Viele kleine, leuchtend gelbe Blütenkörbchen (ca. 1 cm breit, 5 bis 6 mm hoch) bilden eine flache bis leicht gewölbte Scheindolde.
- Blüten: Die Körbchen bestehen ausschließlich aus Röhrenblüten (etwa 100 Stück pro Körbchen). Auffällige Zungenblüten am Rand (wie etwa bei der Margerite) fehlen komplett. Dies verleiht der Blüte ihr typisches, knopfartiges Aussehen.
- Früchte: Die glatten Nussfrüchte (Achänen) sind fünfrippig, etwa 1 mm lang und besitzen meist keinen Pappus (Flugschirm).
Verwechslungsgefahren:
- Mutterkraut (Tanacetum parthenium): Gehört zur gleichen Gattung, besitzt aber auffällige weiße Zungenblüten am Rand der Körbchen und riecht weniger streng.
- Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris): Ebenfalls sehr giftig. Es hat jedoch stets deutliche gelbe Zungenblüten und anders geformte, weniger tief und gleichmäßig zerschlitzte Blätter.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Tanaceti flos (Rainfarnblüten) / Tanaceti herba (Rainfarnkraut)
- Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl (bis zu 70 % Thujon), Sesquiterpenlactone (Parthenolid), Bitterstoffe, Gerbstoffe.
- Monographie-Status: Keine (Negativ bewertet bzw. nicht empfohlen aufgrund der Toxizität).
In der modernen, evidenzbasierten Humanmedizin hat der Rainfarn aufgrund seiner unberechenbaren Toxizität absolut keinen Platz mehr. Aktuelle Forschungen zeigen zwar interessante in-vitro-Wirkungen (z. B. eine hemmende Wirkung von Rainfarn-Extrakten auf Herpesviren), diese rechtfertigen jedoch keine therapeutische Anwendung am Menschen.
In der historischen Volksheilkunde (und teils noch in der Tierheilkunde) war die Pflanze unter dem Namen „Wurmkraut“ bekannt. Die Blüten und das Kraut wurden bei innerem Parasitenbefall (Maden- und Spulwürmer) verabreicht. Äußerlich nutzte man Breiumschläge bei Quetschungen, Rheuma oder zur Vertreibung von Flöhen und Kopfläusen.
- Starke Giftigkeit: Das im ätherischen Öl enthaltene Nervengift Thujon kann schwere Vergiftungen auslösen. Mengen von mehr als 1 bis 3 Gramm Rainfarn rufen bereits Vergiftungserscheinungen (Erbrechen, Krämpfe, Herzrhythmusstörungen, im Extremfall Atemlähmung) hervor.
- Schwangerschaft: Wegen der enthaltenen Thujone und Sesquiterpenlactone ist die Anwendung in der Schwangerschaft strikt verboten (Gefahr von Fehlgeburten / Abortivum).
- Kontaktallergien: Das Berühren der Pflanze kann durch die Sesquiterpenlactone (v. a. Parthenolid) teils heftige allergische Hautreaktionen auslösen.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Rainfarn ist eine Giftpflanze. Er besitzt einen extrem bitteren, kampferartigen Geschmack. Er ist kein Speisekraut und hat in der täglichen Ernährung nichts verloren.
- Blätter & Blüten (Frühjahr bis Herbst): Historisch wurden in einigen Regionen winzigste Mengen (z.B. ein bis zwei Einzelblättchen oder ein Blütenköpfchen) zum Aromatisieren von fetten Speisen, Omeletts oder speziellen Gebäckstücken („Rainfarn-Küchlein“) genutzt. Auch das Überbrühen und Weggießen des Wassers zur Milderung des Aromas wird beschrieben. Angesichts des Toxizitätsrisikos und des stark schwankenden Thujongehalts der Wildpflanzen wird von dieser Praxis heute jedoch dringend abgeraten.
Verwende Rainfarn unter keinen Umständen für Grüne Smoothies, Salate oder großzügige Teemischungen. Das Risiko einer Überdosierung mit dem Neurotoxin Thujon ist schlichtweg zu groß. Für eine würzige, kampferartige Note in der Küche gibt es unbedenkliche Alternativen (wie z. B. bestimmte Thymian- oder Salbei-Arten).
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Natürliche Insektenabwehr und Totenkult
Die stark flüchtigen ätherischen Öle des Rainfarns haben eine nachweislich abwehrende Wirkung auf viele Insekten. Bereits im Mittelalter streute man das Kraut auf den Boden von Wohnstuben und Scheunen, um Ungeziefer wie Flöhe oder Motten fernzuhalten. Im kolonialen Nordamerika ging man sogar so weit, Rainfarn in Särge zu legen oder Leichentücher mit dem Pflanzenextrakt zu tränken, um den Leichnam vor Insektenfraß zu schützen. Auch heute noch machen sich Imker diese Eigenschaften zunutze und verwenden getrockneten Rainfarn als Rauchmittel (Smoker), um die Bienen bei der Arbeit am Stock zu beruhigen. Im Bio-Gartenbau wird Rainfarn-Brühe zudem erfolgreich eingesetzt, um den Kartoffelkäfer-Befall drastisch zu reduzieren.
Die Farbe der Gülden Knöpfle
Die knopfartigen Blütenköpfe, die von Kindern mancherorts noch heute als „Spielgeld“ verwendet werden, bergen eine intensive Leuchtkraft. Traditionell wird der Rainfarn als Färbepflanze geschätzt. Kocht man die Blüten aus und setzt das Beizmittel Alaun zu, lässt sich Wolle und Leinen in einem tiefen, satten Dunkelgelb bis Dunkelgrün färben.
Videobeitrag zu „Rainfarn“
Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für den Rainfarn. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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