Löwenzahn – Gewöhnlicher - essbar

Löwenzahn - Gewöhnlicher (Taraxacum sect. Ruderalia)
Löwenzahn - Gewöhnlicher

Gewöhnlicher Löwenzahn – Bestimmen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Der Gewöhnliche Löwenzahn ist wohl eine der bekanntesten Wildpflanzen überhaupt. Von vielen Gärtnern als hartnäckiges Unkraut verkannt, ist dieser anpassungsfähige Korbblütler in Wahrheit ein wertvolles Wildgemüse, eine anerkannte Heilpflanze und eine unverzichtbare, frühe Nahrungsquelle für unzählige Insekten. Als heimischer Pionier besiedelt er beinahe jeden verfügbaren Lebensraum, von der fetten Wiese bis zur kleinsten Mauerritze.

Wildpflanzen-Steckbrief „Gewöhnlicher Löwenzahn“

  • Botanischer Name: Taraxacum sect. Ruderalia (häufig auch als Taraxacum officinale agg. zusammengefasst)
  • Deutscher Name: Gewöhnlicher Löwenzahn
  • Familie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Gattung: Löwenzahn (Taraxacum)
  • Andere Namen: Pusteblume, Butterblume, Kuhblume, Maistock, Bettseicher
  • Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
  • Wuchsform: Krautige Rosettenpflanze
  • Wuchshöhe: 10 bis 30 cm (selten bis 40 cm)
  • Wurzelwerk: Kräftige, fleischige Pfahlwurzel (bis zu 1 bis 2 Meter tief)
  • Blütezeit: April bis Juli (Nachblüten bis in den Herbst)
  • Blütenstand: Einzelnes, endständiges Blütenkörbchen
  • Fruchtreife: Mai bis Herbst
  • Boden/Standort: Stickstoffreiche, tiefgründige Böden; Wiesen, Weiden, Wegränder, Gärten, Schuttplätze und Brachen
  • Hauptinhaltsstoffe: Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone), Inulin (in der Wurzel, vor allem im Herbst), Kalium, Triterpene, Flavonoide, Vitamin C
  • Giftigkeit: Für den Menschen in allen Pflanzenteilen ungiftig.
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Bilder & Fotos „Gewöhnlicher Löwenzahn“

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Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Der Löwenzahn ist durch seine gezähnten Blätter und die leuchtend gelben Blütenköpfe sehr markant. Bei Verletzung sondern alle Pflanzenteile einen weißen Milchsaft ab.

Vegetative Merkmale (Wurzel, Blätter & Stängel)

  • Wurzel: Die Pflanze besitzt eine außen dunkelbraune bis schwarze, innen weiße und fleischige Pfahlwurzel, aus der sie sich selbst nach tiefer Verletzung wieder regenerieren kann.
  • Blätter: Die Blätter stehen alle in einer dichten grundständigen Rosette. Sie sind 10 bis 30 cm lang, länglich-lanzettlich und unregelmäßig tief schrot- bis löwenzahnartig eingeschnitten. Die Blattzipfel weisen meist in Richtung der Blattbasis.
  • Stängel: Der Blütenstängel entspringt direkt der Blattrosette. Er ist blattlos, außen oft leicht spinnwebig behaart, rund und innen komplett hohl.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blütenkörbchen: Am Ende jedes hohlen Stängels sitzt eine einzelne Scheinblüte (Körbchen), die einen Durchmesser von 3 bis 5 cm erreicht. Sie besteht ausschließlich aus hunderten gelben Zungenblüten (keine Röhrenblüten).
  • Hüllblätter: Unter der Blüte sitzt ein Kranz aus grünen Hüllblättern. Die äußeren Hüllblätter sind meist nach unten zurückgeschlagen.
  • Blühverhalten: Die Blüten öffnen sich bei Sonnenschein und schließen sich über Nacht, bei Regen oder großer Trockenheit.
  • Früchte (Pusteblume): Es bilden sich schlanke, tonnenförmige Schließfrüchte (Achänen). Sie sind mit einem gestielten, weißen Haarkranz (Pappus) versehen, der als Schirmflieger für die Windausbreitung dient.

Verwechslungsgefahren:

  • Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) & Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis): Diese und andere gelbe Korbblütler sehen dem Löwenzahn oft sehr ähnlich. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist der Stängel: Nur der echte Löwenzahn (Taraxacum) hat einen glatten, völlig blattlosen und innen komplett hohlen Stängel („Röhrl“). Die Stängel der Doppelgänger sind markig (ausgefüllt) oder verzweigt.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Löwenzahnwurzel mit Kraut (Taraxaci radix cum herba), Löwenzahnblätter (Taraxaci folium)
  • Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Inulin, sehr hoher Kaliumgehalt, Triterpene
  • Monographie-Status: HMPC (Traditional use), Kommission E (Positiv-Monographie)

In der evidenzbasierten Phytotherapie ist der Löwenzahn eine hochgeschätzte Heilpflanze. Die Drogen werden offiziell zur Behandlung von leichten bis krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl und Blähungen sowie bei Appetitlosigkeit eingesetzt. Durch die enthaltenen Bitterstoffe regt die Pflanze die Sekretion der Verdauungssäfte und insbesondere den Gallenfluss an. Zudem ist die Pflanze durch den ungewöhnlich hohen Kaliumgehalt ein starkes, aber kaliumsparendes Diuretikum (harntreibendes Mittel), das zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege genutzt wird. In der Volksheilkunde wird der Löwenzahn zudem als mildes Abführmittel, begleitend bei Rheuma und zur „Blutreinigung“ bei Frühjahrskuren verabreicht.

⚠️ Sicherheit & Gegenanzeigen:

  • Bei einem akuten Darmverschluss, einer Entzündung der Gallenwege oder einem Eitergeschwür der Gallenblase darf Löwenzahn nicht angewendet werden.
  • Bei bekannten Gallensteinleiden darf eine Anwendung nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen (Gefahr einer Kolik durch den angeregten Gallenfluss).
  • Aufgrund der stark harntreibenden Wirkung sollte Löwenzahntee nicht direkt vor dem Schlafengehen getrunken werden.
  • Der weiße Milchsaft in den Stängeln kann bei häufigem Kontakt empfindliche Haut reizen (Kontaktdermatitis).

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Der Löwenzahn besticht durch sein prägnantes, bitter-würziges Aroma, das an Chicorée oder Radicchio erinnert. Die Blüten hingegen überraschen mit einer feinen, honigartigen Süße.

  • Blätter (Frühjahr bis Herbst): Die jungen, zarten Blätter aus dem frühen Frühjahr eignen sich hervorragend als kräftige Basis für Wildkräutersalate. Ältere Blätter sind deutlich bitterer. Ihre Bitterkeit kann gemildert werden, indem man sie kleinschneidet und für etwa eine Stunde in kaltes Wasser (oder Salzwasser) legt. Sie eignen sich fein gehackt auch für Suppen, Eierspeisen, Kräuterquark oder als kräftige Zutat im Grünen Smoothie.
  • Blütenknospen (Frühjahr): Die noch fest geschlossenen Knospen, die tief in der Blattrosette sitzen, können in Essig oder Öl eingelegt werden und dienen dann als aromatische, regionale „falsche Kapern“.
  • Blüten (Frühjahr bis Sommer): Die abgezupften gelben Zungenblüten sind eine süßliche, essbare Dekoration. Aus den ganzen Blütenköpfen lässt sich zudem durch Auskochen und Einköcheln mit Zucker ein köstlicher, veganer Löwenzahnhonig (Sirup oder Gelee) herstellen.
  • Wurzeln (Herbst bis Frühjahr): Die Pfahlwurzel kann im Herbst (dann hat sie den höchsten Inulingehalt) oder zeitigen Frühjahr geerntet werden. Gekocht dient sie als herbes Wurzelgemüse. Historisch und auch heute wieder beliebt ist die geröstete und vermahlene Wurzel als lokaler, koffeinfreier Kaffee-Ersatz (Muckefuck).
  • Stängel (Frühjahr): Die rohen Blütenstängel können (gewässert, um den bitteren Milchsaft abzumildern) wie Spaghetti-ähnliche Nudeln in Salaten verwendet werden (in Österreich als „Röhrlsalat“ bekannt).
⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Wie bei allen bitterstoffreichen Pflanzen kann ein übermäßiger Rohverzehr (etwa durch riesige Mengen in Smoothies) zu einer Übersäuerung des Magens oder zu Übelkeit führen. Taste dich an die Menge heran.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Die perfekte Anpassung an den Mähroboter

Der Löwenzahn ist ein Meister der phänotypischen Plastizität, also der Anpassung an seine Umwelt. Auf einer ungestörten, hoch wachsenden Wiese schiebt er seine Blätter schräg nach oben und lässt seine Blütenstängel bis zu einem halben Meter in die Höhe wachsen, um mit den Gräsern um Licht zu konkurrieren. Wächst er hingegen auf einem häufig gemähten Rasen oder an einem stark betretenen Weg, presst er seine Blattrosette extrem flach auf den Boden. Die Blütenstängel werden dann oft nur wenige Millimeter kurz, sodass die Blüte direkt auf dem Boden aufsitzt und selbst vom Rasenmäher nicht erfasst wird.

Lebensretter für die Frühlings-Insekten

Da der Löwenzahn oft als erste massenhaft auftretende Wiesenpflanze im Frühjahr blüht, ist er eine ökologisch essenzielle Bienenweide. Wenn Honigbienen und Wildbienen aus der Winterruhe erwachen, liefert ihnen das reiche Pollen- und Nektarangebot des Löwenzahns die lebensnotwendige Energie zum Aufbau ihrer Völker. Um ein einziges Kilogramm Löwenzahnhonig zu produzieren – einen kräftigen, goldgelben Honig, der schnell feinkörnig auskristallisiert – müssen Bienen schätzungsweise über 100.000 Blütenbesuche absolvieren.

Von Bettnässern und Löwenzähnen

Der Name „Löwenzahn“ bezieht sich offensichtlich auf die scharf gezähnten Blattränder, die an das Gebiss eines Raubtiers erinnern. Weitaus humorvoller und praktischer sind jedoch die alten Volksnamen. Bezeichnungen wie „Bettseicher“, „Bettpisser“ oder das französische „Pissenlit“ weisen unmissverständlich auf die stark harntreibende Wirkung der Pflanze hin. Auch für Kinder bietet die Pflanze viel Unterhaltung: Die ausgeblühten Fruchtstände laden als „Pusteblume“ zum Wegblasen der Schirmchen ein. Spaltet man den hohlen Stängel der Länge nach auf und legt ihn in Wasser, rollen sich die Streifen durch die unterschiedliche Quellfähigkeit der Zellwände zu lustigen Spiralen auf.

Videobeitrag zu „Gewöhnlicher Löwenzahn“

Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia)

Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für den Gewöhnlichen Löwenzahn. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.

Quellen und weitere Informationen

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