Raps – Erkennen und Nutzen
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Ackerpflanze/Feldfrucht (bzw. Zwischenfrucht) sowie ihr Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Der Raps (Brassica napus) ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Ackerbaukulturen in Mitteleuropa und gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Was in der vorindustriellen Zeit primär als Brennstoff für Öllampen und als technisches Schmiermittel diente, hat sich dank enormer züchterischer Erfolge zu einer multifunktionalen Vorzeigepflanze entwickelt. Heute liefert moderner Raps nicht nur ein ernährungsphysiologisch hervorragendes Speiseöl, sondern auch unverzichtbares, eiweißreiches Kraftfutter für die Tierhaltung sowie biogene Rohstoffe für die Industrie.
Informationskategorien zu dieser Ackerpflanze/Feldfrucht
Ackerpflanze-Steckbrief „Raps“
- Botanischer Name: Brassica napus
- Deutscher Name: Raps
- Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
- Gattung: Kohl (Brassica)
- Weitere Namen: Reps, Lewat
- Lebensdauer: ein- oder zweijährig (in Mitteleuropa agronomisch meist winterannuell angebaut)
- Wuchsform: krautig, aufrecht, im oberen Bereich verzweigt
- Wuchshöhe: 30 bis 150 cm
- Blütezeit: April bis Mai
- Fruchtreife/Ernte: Juni bis Juli (Frühsommer)
- Standort/Boden: anspruchsvoll, tiefgründige Böden mit hohem Nährstoffbedarf
- Landwirtschaftlicher Nutzen: Speiseölgewinnung, Eiweißfuttermittel (Rapsschrot/-kuchen), Biokraftstoff, Bienenweide
Bestimmung/Beschreibung der Ackerpflanze
Zur Blütezeit im Frühjahr prägen die leuchtend gelben Rapsfelder das Landschaftsbild. Im Herbst nach der Aussaat erkennst du die Kultur an flach dem Boden anliegenden, kräftigen Blattrosetten.
Vegetative Merkmale (Wurzel, Stängel, Blätter)
- Wurzel: Der Raps bildet eine sehr kräftige, fleischige Pfahlwurzel aus, die den Boden tiefgründig erschließt.
- Stängel: Die Sprossachse wächst straff aufrecht, ist im oberen Bereich verzweigt und meist vollständig kahl (selten am Ansatz schwach behaart).
- Blätter: Die grundständigen Blätter (bis 25 cm lang) sind gestielt und im Umriss leierförmig bis fiederteilig gelappt, mit einem deutlich größeren Endlappen. Die oberen Stängelblätter sitzen ungestielt am Halm. Ihre ohrförmige Basis umschließt den Stängel, sie sind lanzettlich bis eiförmig und meist ganzrandig oder leicht gewellt.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Der endständige, traubige Blütenstand vereint 20 bis 60 Einzelblüten. Die zwittrigen Kreuzblüten sind vierzählig mit leuchtend gelben Kronblättern (1 bis 1,6 cm lang). Sie besitzen sechs Staubblätter. Raps ist fakultativ fremdbefruchtend (Wind und Bienen) sowie selbstbefruchtend. Eine Einzelblüte verblüht nach 1 bis 2 Tagen, der Gesamtbestand blüht jedoch 3 bis 5 Wochen.
- Frucht/Samen: Es entwickeln sich linealische, schwach vierkantige bis zylindrische Schoten (5 bis 9,5 cm lang), die vom Trieb abstehen. Jede Schote enthält 12 bis 20 kugelige, dunkelbraune bis schwärzliche Samen mit einer fein genetzten Oberfläche.
Verwechslungsgefahren auf dem Acker:
- Agronomischer Mythos: Oft werden leuchtend gelbe Felder im Spätsommer oder Herbst für Raps gehalten. Hierbei handelt es sich jedoch fast ausnahmslos um den verwandten Weißen Senf (Sinapis alba), der zu diesem Zeitpunkt großflächig als abfrierende Gründüngung und Zwischenfrucht angebaut wird.
Anbau der Ackerpflanze/Feldfrucht
Standortbedingungen: Die Rapspflanze stellt im Ackerbau höchste Ansprüche an die Nährstoffversorgung. Neben einem enormen Bedarf an den Makronährstoffen Stickstoff, Kalium und Schwefel verlangt sie zwingend eine gute Absicherung mit den Mikronährstoffen Bor, Mangan und Molybdän.
Aussaat & Pflege: In Mitteleuropa dominiert der Anbau von Winterraps (während z.B. Kanada auf Sommerraps setzt). Die Aussaat erfolgt früh (Mitte August bis in die erste Septemberwoche). Raps benötigt ein exaktes Saatbett mit einem leicht verfestigten Ablagehorizont (2 bis 3 cm Ablagetiefe) und einer flach gelockerten Krume. Die Saatstärke liegt bei 35 bis 70 Körnern pro Quadratmeter (Hybridsorten benötigen weniger als Liniensorten). Ziel vor dem Winter ist die Bildung einer kräftigen Blattrosette und eines tiefen Wurzelhalses, ohne dass die Pflanze bereits eine verlängerte Sprossachse (Schossen) ausbildet, um Frostschäden zu vermeiden.
Ernte & Fruchtfolge: Die Ernte erfolgt durch Mähdrusch im Frühsommer. Die Pflanze ist extrem selbstunverträglich. Raps darf in der Fruchtfolge maximal einen Anteil von 25 bis 33 Prozent einnehmen. Es müssen zwingend Anbaupausen von drei bis vier Jahren eingehalten werden, um eine Anreicherung hartnäckiger Krankheiten (wie der Kohlhernie) und Schädlinge (Rübennematoden) im Boden zu verhindern.
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Nutzung der Ackerpflanze/Feldfrucht
Ernährung & Inhaltsstoffe: Durch moderne Züchtungen („00-Raps“) liefert Raps ein ernährungsphysiologisch überragendes Öl, das reich an ungesättigten Fettsäuren ist.
- Menschliche Ernährung: Kaltgepresstes oder raffiniertes Rapsöl ist heute das mit Abstand wichtigste heimische Speiseöl. In der asiatischen und afrikanischen Küche werden auch Blätter und Stängel spezieller Varietäten als Blattgemüse verzehrt.
- Tierfutter: Die bei der Ölgewinnung anfallenden proteinreichen Koppelprodukte (Rapskuchen, Rapsexpeller, Rapsextraktionsschrot) sind essenzielle Eiweißfuttermittel in der Nutztierfütterung und ersetzen in Europa große Mengen importierten Sojaschrots.
- Industrie & Energie: Rapsöl ist der wichtigste Rohstoff für Biodiesel. Es wird zudem als biogenes Schmiermittel, in Weichmachern, Tensiden und Biokunststoffen verarbeitet. Das Nebenprodukt der Biodieselherstellung (Glycerin) fließt in die Futter-, Chemie- und Pharmaindustrie.
- Ökologischer Nutzen: Raps ist eine der wertvollsten Massentrachten in der Imkerei. Ein Hektar kann bis zu 494 kg des feinkristallinen Rapshonigs erbringen. Das auf dem Feld verbleibende Rapsstroh ist ein exzellenter Humuslieferant.
Geschichte & Entwicklung
Ursprung & Domestizierung: Raps stammt genetisch aus dem östlichen Mittelmeerraum und entstand vor Jahrtausenden durch eine natürliche Kreuzung aus Rübsen (Brassica rapa) und Gemüsekohl (Brassica oleracea). Früheste Nutzungsnachweise stammen aus Indien (ca. 2000 v. Chr.).
Historische Bedeutung: In Mitteleuropa gewann die Pflanze im 16. und 17. Jahrhundert (vor allem in Nordwestdeutschland) als wichtigste Ölfrucht an Bedeutung. Damals diente das Öl jedoch nicht der Ernährung, sondern war der zentrale Brennstoff für Öllampen, Grundstoff für die Seifensiederei und später ein wichtiges Schmiermittel für Dampfmaschinen. Günstige Erdölimporte ließen den Anbau im späten 19. Jahrhundert fast kollabieren, bevor kriegsbedingte Fettknappheit im 20. Jahrhundert (zur Margarineherstellung) ihn kurzzeitig reaktivierte.
Bedeutungswandel: Den endgültigen agrarischen Durchbruch als Lebensmittel schaffte der Raps erst in den 1970er Jahren durch revolutionäre deutsche Züchtungserfolge, die ihn von seinen giftigen Inhaltsstoffen befreiten.
Zusatzinformationen & Wissenswertes
Die agronomische Revolution: Der „00-Raps“
Bis Mitte der 1970er Jahre eignete sich Raps praktisch nicht für die menschliche oder tierische Ernährung. Das Öl bestand zu über 50 % aus Erucasäure. Die eiweißreichen Pressrückstände enthielten große Mengen an Senfölglycosiden (Glucosinolaten). Erst 1974 gelang es Züchtern, den sogenannten „0-Raps“ und wenig später den „00-Raps“ (Doppel-Null-Raps) auf den Markt zu bringen. Bei diesen modernen Genotypen wurde die Erucasäure auf unter 2 % reduziert und der Glucosinolat-Gehalt minimiert. Heute wird landwirtschaftlich ausschließlich dieser „00-Raps“ angebaut.
- Die in alten Rapssorten dominierende einfach ungesättigte Erucasäure führte bei Säugetieren und Menschen nachweislich zu krankhaften Herzmuskelveränderungen und Organschäden.
- Die in alten Rapskuchen enthaltenen Glucosinolate spalteten giftige Senföle ab. Dies führte bei Nutztieren zu massiven Verdauungsstörungen, Schilddrüsenschäden und bei Geflügel zu einem „Fischgeschmack“ der Eier. (Moderner 00-Raps ist hiervon befreit).
Bodenhygiene und Kohlhernie
Raps gilt agronomisch als phytosanitäres Risiko in engen Kreuzblütler-Fruchtfolgen. Die Einhaltung der strengen Anbaupausen schützt den Boden vor der „Kohlhernie“ (verursacht durch Plasmodiophora brassicae). Dieser bodenbürtige Krankheitserreger führt zu knollenartigen Wucherungen der Wurzeln, zerstört die Wasser- und Nährstoffaufnahme und kann Flächen für Jahrzehnte für den Kohlanbau ruinieren.
Videobeitrag zu „Raps“
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Quellen und weitere Informationen
- Ackerpflanzen und Feldfrüchte – von Margot Spohn
- www.landwirtschaft-bw.info – Kulturpflanzen im Ackerbau
- de.wikipedia.org – voll mit Baum & Strauch-Wissen
- www.lko.at – Wissensbeiträge der Landwirtschaftskammer
- www.biolib.de (Illustrationen von Bäumen & Sträuchern)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über Ackerpflanzen, Feld- & Zwischenfrüchte
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