Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) sind eine weltweit, jedoch mit Schwerpunkt in den Tropen und Subtropen verbreitete Gehölzfamilie innerhalb der Ordnung der Rosenartigen (Rosales). Ein markantes taxonomisches Merkmal dieser überwiegend strauchigen oder baumförmigen Pflanzen ist der stark ausgeprägte, nektarbildende Diskus im Zentrum der kleinen Blüten. Regional und global haben viele Vertreter dieser oft bedornten Familie durch ihre stark abführend wirkenden Inhaltsstoffe oder essbaren Steinfrüchte eine hohe kulturhistorische Bedeutung erlangt.
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Meist laubabwerfende oder immergrüne verholzende Pflanzen, vorwiegend Sträucher, kleine Bäume oder kletternde Lianen, deren Sprossachsen bei einigen Gattungen in spitzen Dornen enden.
- Blätter: In der Regel wechselständig und spiralig, seltener kreuzgegenständig angeordnet; die einfachen Laubblätter sind ganzrandig oder gezähnt und besitzen kleine, oft hinfällige Nebenblätter.
- Blüten & Blütenstand: Die radiärsymmetrischen, vier- oder fünfzähligen Blüten stehen meist in achselständigen Zymen oder Büscheln; charakteristisch ist ein auffälliger, oft fleischiger Nektardiskus, der den Fruchtknoten ringförmig umgibt.
- Früchte: Es entwickeln sich je nach Art fleischige Steinfrüchte, beerenartige Spaltfrüchte, trocken aufspringende Kapselfrüchte oder zur Windausbreitung geflügelte Nussfrüchte.
- Wichtige Inhaltsstoffe: Kennzeichnend, insbesondere für die heimischen Vertreter, ist ein hoher Gehalt an stark abführend und schleimhautreizend wirkenden Anthrachinon-Derivaten (wie Emodin und Frangulin) in der Rinde und in den unreifen Früchten.
Verwendung & ökologische Bedeutung
Ökologisch dienen heimische Kreuzdorngewächse zahlreichen Insekten durch ihren offenen Nektardiskus als wertvolle Nahrungsquelle und stellen durch ihre im Winter am Strauch haftenden Früchte eine essenzielle Basis für die Vogelwelt (Ornithochorie) dar. Darüber hinaus sind sie eine essenzielle Raupenfutterpflanze für hochspezialisierte heimische Schmetterlingsarten wie den Zitronenfalter. Medizinisch und wirtschaftlich werden die anthrachinonhaltigen Rinden (nach einjähriger Lagerung oder thermischer Vorbehandlung) und Früchte traditionell als starkes pflanzliches Abführmittel (Laxans) genutzt, während in den Subtropen Arten wie die Jujube (Ziziphus) als wertvolles, nährstoffreiches und süßes Wildobst kultiviert werden.
Baum-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Faulbaum – Echter (Frangula alnus, Syn.: Rhamnus frangula)
Giftig | Der Echte Faulbaum wächst als unbewehrter, feuchtigkeitsliebender Strauch bevorzugt in lichten Auenwäldern, an Bachläufen und in Flachmooren. Im Gegensatz zum Kreuzdorn fehlen ihm die Dornen, und seine giftigen, anfangs roten und im Spätsommer schwarz abreifenden Steinfrüchte werden gerne von Vögeln verzehrt. Die Rinde und Früchte des Echten Faulbaums enthalten hohe Konzentrationen an Anthrachinonen und verströmen beim Anschneiden im frischen Zustand einen charakteristischen, leicht fauligen Geruch, der ihm seinen deutschen Namen verlieh.
Kreuzdorn – Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica)
Giftig | Der wehrhafte Purgier-Kreuzdorn ist ein sparrig verzweigter Strauch kalkhaltiger, eher trockener Standorte, dessen Kurztriebe häufig in spitzen, kreuzgegenständigen Sprossdornen enden. Er bildet erbsengroße, schwarze und stark abführend wirkende beerenartige Steinfrüchte aus, die ihm nicht nur den Artnamen „cathartica“ (reinigend), sondern in der Volksmedizin auch seine historische Bedeutung als drastisches Abführmittel einbrachten. Zudem ist der giftige Purgier-Kreuzdorn eine herausragende ökologische Schlüsselart, da er zusammen mit dem Faulbaum die wichtigste Raupenfutterpflanze für den heimischen Zitronenfalter darstellt.
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