Echte Kamille- Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Echte Kamille ist zweifellos der unangefochtene „Star“ der europäischen Phytotherapie. Seit Jahrtausenden als „Mutterkraut“ verehrt, besiedelt diese zähe Pionierpflanze Äcker und Wegränder. Ihr markantestes Merkmal – der hohle Blütenboden – ist der Schlüssel, um sie sicher von ihren medizinisch wirkungslosen oder gar reizenden Doppelgängern zu unterscheiden. Wer ihren charakteristischen, apfelartigen Duft einmal in der Nase hatte, wird ihn nie wieder vergessen.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Echte Kamille“
- Botanischer Name: Matricaria chamomilla (Syn. Matricaria recutita)
- Deutscher Name: Echte Kamille
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Kamillen (Matricaria)
- Andere Namen: Feldkamille, Mutterkraut, Kummerblume, Apfelkraut
- Lebensdauer: Einjährig (annuell), seltener überwinternd
- Wuchsform: Krautig, aufrecht, stark verzweigt
- Wuchshöhe: 15 bis 50 cm
- Wurzelwerk: Pfahlwurzel
- Blütezeit: Mai bis September
- Blütenstand: Köpfchen (Korbblüten)
- Fruchtreife: Juli bis Oktober
- Boden/Standort: Nährstoffreiche, frische Lehm- und Tonböden; Äcker, Schuttplätze, Wegränder (Kulturfolger)
- Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl (Bisabolol, Chamazulen), Flavonoide (Apigenin), Cumarine, Schleimstoffe
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Echte Kamille ist eine stark duftende, filigrane Pflanze. Das sicherste Bestimmungsmerkmal erfordert jedoch den „Schnitt-Test“ durch das Blütenköpfchen.
Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)
- Stängel: Der Stängel wächst aufrecht, ist kahl (nicht behaart) und im oberen Bereich meist stark ästig verzweigt.
- Blätter: Die Blätter sind zwei- bis dreifach fiederschnittig. Das bedeutet, sie bestehen aus sehr vielen, feinen, fadenförmigen Zipfeln (ca. 0,5 mm breit). Sie wirken dadurch dillartig oder fedrig.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die Blütenköpfchen bestehen aus einem Kranz weißer Zungenblüten und einer Mitte aus gelben Röhrenblüten. Wichtig: Gegen Ende der Blütezeit schlagen sich die weißen Blütenblätter charakteristisch nach unten um.
- Der Blütenboden (Goldstandard): Schneidet man ein Blütenköpfchen der Länge nach durch, ist der Boden bei der Echten Kamille hohl und kegelförmig aufgewölbt. Dies unterscheidet sie von fast allen Verwechslungspartnern. Zudem fehlen zwischen den gelben Röhrenblüten die sogenannten Spreublätter (kleine Häutchen).
- Duft: Zerreibt man die Blüte, entsteht sofort der typische, angenehme Kamillenduft.
Verwechslungsgefahren:
- Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum): Blütenboden ist markig gefüllt (nicht hohl) und flacher. Die Pflanze ist geruchlos. Medizinisch unwirksam.
- Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis): Blütenboden ist markig gefüllt. Zwischen den gelben Röhrenblüten befinden sich kleine Spreublätter (Lupe!). Geruchlos bis leicht krautig.
- Stinkende Hundskamille (Anthemis cotula): Riecht beim Zerreiben sehr unangenehm/eklig. Kann Hautreizungen verursachen.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Matricariae flos (Kamillenblüten)
- Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl (α-Bisabolol, Matricin), Flavonoide, Cumarine
- Monographie-Status: Positiv (HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO)
Die Echte Kamille gehört zu den am besten untersuchten Heilpflanzen der Welt. Ihre Wirkung beruht auf einem Vielstoffgemisch, das entzündungshemmend (antiphlogistisch), krampflösend (spasmolytisch), wundheilungsfördernd und antibakteriell wirkt.
- Innerlich: Bei Magen-Darm-Beschwerden wie Gastritis, Blähungen und Krämpfen sowie bei Menstruationsbeschwerden.
- Äußerlich: Als Inhalation bei Entzündungen der oberen Atemwege. Als Sitzbad oder Spülung bei Entzündungen im Anal- und Genitalbereich. Als Salbe oder Umschlag bei bakteriellen Hauterkrankungen und Wunden.
- Allergien: Personen mit bekannter Korbblütler-Allergie (z.B. gegen Beifuß oder Arnika) sollten auf Kamille verzichten (Kreuzallergie möglich).
- Augen: Kamillentee gehört nicht ins Auge! Schwebstoffe und feine Härchen können die Bindehaut stark reizen. Am Auge nur sterile Fertigpräparate verwenden.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Während die Kamille meist nur medizinisch betrachtet wird, bietet sie auch kulinarisch interessante Nuancen. Ihr Aroma ist blumig, honigartig und leicht apfelähnlich.
- Blüten (Mai bis August): Die frischen oder getrockneten Blütenköpfchen sind die Basis für den bekannten Tee. Kulinarisch können sie zum Aromatisieren von Sahne, Desserts, Sirup oder Likören verwendet werden. Als essbare Deko auf Salaten sind sie ein Hingucker.
- Knospen & junge Blätter (April bis Mai): Sehr junge, zarte Blätter können in Kleinstmengen (!) Wildkräutersalaten beigemischt werden. Sie schmecken würzig-aromatisch.
Verwechslungen mit der Stinkenden Hundskamille sind kulinarisch fatal, da diese Übelkeit erregen kann. Der „Nasen-Test“ (angenehmer Duft) und der „Schnitt-Test“ (hohler Boden) sind vor der Verwendung in der Küche Pflicht.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Warum ist Kamillenöl blau?
Ein faszinierendes Phänomen der Phytochemie zeigt sich bei der Destillation von Kamillenöl: Es ist tiefblau. Diese Farbe stammt vom Inhaltsstoff Chamazulen. Der Witz dabei: In der lebenden Pflanze kommt dieser Stoff gar nicht vor. Er entsteht erst unter Hitzeeinwirkung (z.B. bei der Wasserdampfdestillation) aus der farblosen Vorstufe Matricin. Ein kalter Ölauszug (Mazerat) bleibt daher eher grünlich-gelb, während das ätherische Öl blau leuchtet.
Etymologie: Der Apfel am Boden
Der Name „Kamille“ leitet sich vom griechischen chamaimelon ab, was wörtlich „Erdapfel“ oder „Apfel am Boden“ bedeutet (chamei = auf der Erde, melon = Apfel). Dies bezieht sich auf den typischen, leicht apfelartigen Duft der zerriebenen Blütenköpfchen. Der Gattungsname Matricaria geht auf das lateinische matrix (Gebärmutter) zurück und verweist auf die jahrtausendealte Tradition der Kamille als „Mutterkraut“ in der Frauenheilkunde.
Videobeitrag zu „Echte Kamille“
Noch mehr Informationen und Bestimmungsvideos für die Echte Kamille findest du im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Durch kurze Videos kannst du den gesamten Lebenszyklus dieser Wildpflanze verfolgen. Außerdem kannst du viele weitere heimische (essbare) Wildkräuter, Bäume und Sträucher in ihrem Werden und Vergehen kennen und bestimmen lernen.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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