Weiße Taubnessel – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Weiße Taubnessel (Lamium album) ist eine überaus anpassungsfähige und weit verbreitete heimische Wildpflanze, die oft in direkter Nachbarschaft zur wehrhaften Brennnessel wächst. Obwohl sie dieser optisch zum Verwechseln ähnlich sieht, besitzt sie keinerlei Brennhaare. In der Naturheilkunde ist sie als offiziell anerkannte Heilpflanze geschätzt, während sie in der Wildkräuterküche mit einem überraschend intensiven Steinpilzaroma und süßen Nektarblüten punktet. Für unsere heimischen Hummeln ist sie zudem eine unverzichtbare Nahrungsquelle.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Weiße Taubnessel“
- Botanischer Name: Lamium album
- Deutscher Name: Weiße Taubnessel
- Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
- Gattung: Taubnesseln (Lamium)
- Andere Namen: Bienensaug, Honigblume, Blumennessel
- Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: Krautig, aufrecht
- Wuchshöhe: 20 bis 70 cm
- Wurzelwerk: Unterirdische, weithin kriechende Ausläufer (Rhizome)
- Blütezeit: April bis Oktober
- Blütenstand: Scheinquirle in den Blattachseln der oberen Laubblätter
- Fruchtreife: Ab Frühsommer (fortlaufend)
- Boden/Standort: Stickstoffreiche, frische Böden (Ruderalstellen, Wegränder, Gräben, Hecken, Schuttplätze)
- Hauptinhaltsstoffe: Iridoidglykoside (u.a. Lamalbid), Schleimstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Flavonoide, ätherisches Öl
- Giftigkeit: Für den Menschen in allen Pflanzenteilen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Weiße Taubnessel wächst als aufrechte, ausdauernde krautige Pflanze. Sie bildet dichte Bestände und ist zur Blütezeit durch ihre auffällig großen, strahlend weißen Lippenblüten sehr leicht und sicher von echten Brennnesseln zu unterscheiden.
Vegetative Merkmale (Stängel, Blätter, Wurzel)
- Stängel: Markant vierkantig, innen oft hohl, wenig verzweigt und zerstreut behaart.
- Blätter: Kreuzgegenständig am Stängel angeordnet und gestielt. Die herz- bis eiförmige Blattspreite ist beidseitig weich behaart, und der Blattrand ist grob gesägt bis gezähnt.
- Wurzeln/Überdauerung: Sie bildet stark wuchernde, grüne bis bleiche Ausläufer (Rhizome), durch die sie oft flächendeckende Polster bildet.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die 2 bis 2,5 cm großen, weißen Lippenblüten sitzen gebündelt in Scheinquirlen in den Blattachseln. Die helmförmige Oberlippe ist an der Außenseite behaart und wölbt sich schützend über die Staubblätter. Die Unterlippe dient als Landeplatz für Insekten. Im Inneren der Kronröhre befindet sich ein feiner Haarring.
- Frucht: Aus der Blüte entwickelt sich eine Spaltfrucht, die bei Reife in vier kleine, kantige Teilfrüchtchen (Klausen) zerfällt.
Verwechslungsgefahren:
- Große Brennnessel (Urtica dioica): Vor der Blüte optisch sehr ähnlich, besitzt jedoch stark brennende Haare (Brennnesseltest: vorsichtig berühren). Für den Menschen essbar und sehr gesund.
- Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum): Gleicher Wuchs, blüht jedoch auffällig purpurrot und besitzt oft einen silbrigen Längsstreifen auf den Blättern. (Für den Menschen ungiftig).
- Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum): Bleibt meist deutlich kleiner (bis 30 cm), ist einjährig, die obersten Blätter sind oft rötlich überlaufen, und ihr fehlt der weiße Blatt-Mittelstreifen. Für den Menschen ungiftig.
- Goldnessel (Lamium galeobdolon): Ähnlicher Wuchs, blüht jedoch gelb. Für den Menschen ungiftig.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Lamii albi flos (Taubnesselblüten), Lamii albi herba (Taubnesselkraut)
- Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Gerbstoffe, Iridoide
- Monographie-Status: Positive Monographie der Kommission E (nur für die Blüten, nicht für das Kraut).
Die Weiße Taubnessel ist eine in der evidenzbasierten Phytotherapie anerkannte Heilpflanze. Die Kommission E befürwortet die Anwendung der Blüten innerlich bei leichten Katarrhen (Entzündungen) der oberen Luftwege. Hier wirken die enthaltenen Schleimstoffe reizlindernd und legen sich wie ein Schutzfilm über die gereizten Schleimhäute. Äußerlich wird die Pflanze in Form von Umschlägen oder Teilbädern bei leichten, oberflächlichen Entzündungen der Haut sowie in der Frauenheilkunde bei unkompliziertem Ausfluss (Fluor albus) eingesetzt. Hierbei macht man sich die adstringierenden (zusammenziehenden) und antientzündlichen Eigenschaften der Gerbstoffe zunutze.
In der traditionellen Volksheilkunde ist das Anwendungsspektrum noch breiter. Dort nutzt man Aufgüsse zusätzlich zur sanften Durchspülung bei Blasenleiden, zur Linderung von Magen-Darm-Beschwerden oder legt abgekochte Kompressen auf Gichtknoten, Krampfadern und leichte Verbrennungen. Diese volksmedizinischen Anwendungen sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Weiße Taubnessel überrascht mit einem intensiven Grundaroma nach frischen Steinpilzen. Die Blüten hingegen bestechen durch ihren süßen, nektarreichen Geschmack.
- Blätter & Triebspitzen (Februar bis April): Junge, weiche Blätter vor der Blüte eignen sich hervorragend als roh verzehrte Beigabe in Vorspeisensalaten. Gekocht lassen sie sich wie Spinat oder mildes Wildgemüse verarbeiten, werten Gemüsesuppen auf und passen perfekt zu Gerichten wie vegetarischer Lasagne oder Bratlingen. In Grünen Smoothies sollte die Pflanze aufgrund der dominanten Pilznote jedoch nur als mildes Gewürz dosiert werden.
- Blüten (April bis Oktober): Eine essbare, zuckersüße Dekoration. Sie veredeln Nachspeisen, Kuchen, bunte Sommersalate oder Kräuterbutter.
- Wurzeln & Ausläufer (Herbst): Die hellen Rhizome können roh als erdige Knabberei genossen, in Suppen mitgekocht oder kleingeschnitten für Pestos verwendet werden. Geröstet dienten sie historisch als koffeinfreier Kaffeeersatz.
- Samen (Spätsommer bis Herbst): Die getrockneten Teilfrüchte lassen sich im Winter auf der Fensterbank zu nährstoffreichen Keimlingen ziehen.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Die raffinierte Architektur der Hummel-Blüte
Die zygomorphen (spiegelsymmetrischen) Blüten der Weißen Taubnessel sind ein Paradebeispiel für evolutionäre Anpassung. Die Unterlippe dient als bequemer Landeplatz für anfliegende Insekten. Der Nektar ist jedoch tief in der Kronröhre verborgen, sodass fast ausschließlich langrüsselige Insekten, allen voran unsere heimischen Hummeln, an die süße Belohnung gelangen. Ein speziell ausgebildeter Haarring im Inneren der Blüte fungiert dabei als „Tresorraum“: Er schützt den Nektar vor dem Auswaschen durch Regen und hält kleine, unwillkommene Nektardiebe fern, die zur Bestäubung der Pflanze keinen Beitrag leisten würden. Drängt sich eine kräftige Hummel in die Blüte, berührt sie zwangsläufig die unter der schützenden Oberlippe verborgenen Staubblätter und sichert so den Pollentransfer.
Ein wuchernder Kulturfolger mit Anlaufzeit
Ökologisch betrachtet gehört die Weiße Taubnessel zu den sogenannten Archäophyten – Pflanzen, die bereits mit dem Beginn des frühen Ackerbaus durch den Menschen in unsere Breiten gelangten. Als typischer Kulturfolger und Ruderalpflanze profitiert sie massiv von nährstoff- und stickstoffreichen Böden, wie sie in der Nähe menschlicher Siedlungen, an Feldrändern oder auf Schuttplätzen vorkommen. Eine biologische Besonderheit der Pflanze ist ihre „Anlaufzeit“: Aus Samen gekeimte Exemplare sind in der Regel erst ab dem zweiten oder dritten Standjahr blühfähig. Hat sich die Pflanze jedoch einmal etabliert, überwintert sie meist grün und erobert ihre Umgebung durch ihr dichtes, unterirdisches Rhizom-Geflecht äußerst ausbreitungsaktiv.
Videobeitrag zu „Weiße Taubnessel“ (ab Min. 8:18)
👉 Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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