Berg-Ulme – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Berg-Ulme ist ein majestätischer, heimischer Laubbaum aus der Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae). In Mitteleuropa ist sie eine charakteristische Begleiterin in schattigen Schlucht- und Bergmischwäldern. Durch ihr markantes, asymmetrisches Laub ist sie leicht zu erkennen. Wie alle heimischen Ulmen-Arten wird ihr Bestand jedoch seit Jahrzehnten massiv durch das tückische Ulmensterben (eine Pilzkrankheit) bedroht, weshalb große, alte Exemplare zunehmend selten werden.
Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch
Baum-Steckbrief „Bergulme“
- Botanischer Name: Ulmus glabra
- Deutscher Name: Berg-Ulme
- Familie: Ulmengewächse (Ulmaceae)
- Gattung: Ulmen (Ulmus)
- Andere Namen: Weiß-Rüster
- Lebensdauer: Mehrjährig (bis 400 Jahre, aufgrund des Ulmensterbens heute jedoch selten)
- Wuchsform: Sommergrüner Baum
- Wuchshöhe: 30 bis 35 Meter (selten bis 40 Meter)
- Wurzelwerk: Kräftiges Herzwurzelsystem
- Blütezeit: März bis April (weit vor dem Laubaustrieb)
- Blütenstand: Knäuelige, ungestielte Blütenbüschel (Trugdolden)
- Fruchtreife: April bis Mai
- Boden/Standort: Halbschattig bis schattig; bevorzugt sickerfeuchte, kühle, nährstoff- und basenreiche Lehm- oder Tonböden (oft in Schluchtwäldern).
- Hauptinhaltsstoffe: Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Kieselsäure
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung des Baumes
Die Berg-Ulme wächst zu einem stattlichen Baum mit einer runden, dicht beblätterten Krone heran. Am schnellsten erkennt man Ulmen allgemein an ihrer „Schiefblättrigkeit“ (asymmetrischer Blattgrund). Die Berg-Ulme zeichnet sich zusätzlich durch besonders raue Blätter und oft drei-zipfelige Blattspitzen aus.
Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)
- Rinde/Borke: In der Jugend glatt und silbergrau, im Alter bildet sich eine graubraune, netzartig längsrissige Borke.
- Zweige & Knospen: Die jungen Zweige sind kräftig und behaart. Die Blattknospen sind groß, eiförmig und rostbraun behaart.
- Blätter: Sie stehen wechselständig, sind fast ungestielt (sehr kurz gestielt) und werden 10 bis 16 cm lang. Die Blattbasis ist stark asymmetrisch (die dem Zweig zugewandte Blatthälfte reicht viel tiefer den Stiel hinab). Die Blätter sind in der Mitte am breitesten und der vordere Rand bildet oft drei markante Spitzen (Zipfel) aus. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und durch steife Borstenhaare spürbar rau wie feines Sandpapier. Die Unterseite ist heller und weich behaart.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die Blüten erscheinen Wochen vor den Blättern direkt an den blattlosen Kurztrieben. Sie sitzen fast ungestielt in dichten, rötlich-grünen Knäueln dicht am Zweig.
- Früchte (Flügelnüsse): Die Früchte reifen extrem schnell. Die Samen (Nüsschen) liegen genau im Zentrum eines flachen, breit-eiförmigen bis runden, grünen Hautsaums (Flügel). Dieser Flügel dient im zeitigen Frühjahr (noch vor dem Laub) als Photosynthese-Organ.
Verwechslungsgefahren:
- Feld-Ulme (Ulmus minor): Ihre Blätter sind deutlich kleiner (meist nur bis 8 cm lang), auf der Oberseite meist glatt (nicht rau) und haben nie die drei aufgesetzten Spitzen der Berg-Ulme. Der Samen liegt zudem bei der Frucht nicht mittig im Flügel, sondern ist nach oben zur Spitze hin verschoben.
- Flatter-Ulme (Ulmus laevis): Die Blüten und Früchte hängen an 1 bis 2 cm langen, fadenförmigen Stielen und „flattern“ im Wind (die Berg-Ulme hat ungestielte Blüten/Früchte). Der Samen der Flatter-Ulme liegt ebenfalls mittig, der Flügelrand ist jedoch dicht bewimpert (bei der Bergulme kahl).
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Ulmenrinde (Ulmi cortex)
- Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Gerbstoffe, Phytosterole
- Monographie-Status: Keine (weder HMPC noch Kommission E für die heimischen Ulmen; in der Medizin wird heute meist die Amerikanische Rotulme genutzt).
Die Berg-Ulme spielt in der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie keine relevante Rolle mehr.
In der Volksmedizin schätzte man früher die getrocknete innere Rinde (Bast) jüngerer Zweige. Aufgrund des hohen Schleimstoff- und Gerbstoffgehaltes wurde eine Abkochung (Dekokt) als zusammenziehendes (adstringierendes) und reizlinderndes Gurgelwasser bei Schleimhautentzündungen in Mund und Rachen eingesetzt. Auch äußerlich verwendete man Ulmenrinden-Umschläge traditionell zur Wundheilung oder bei leichten Ekzemen. Innerliche Anwendungen bei Durchfall gelten heute als weitgehend obsolet.
Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Gehölze (Bäume und Sträucher) nehmen in der Phytotherapie und Homöopathie seit jeher einen bedeutenden Stellenwert ein. Sie enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Linderung verschiedenster Beschwerden beitragen können. Die Informationen auf diesen Seiten bieten dir einen fundierten Überblick über die botanischen Merkmale und traditionellen Anwendungen. Sie stellen jedoch keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Heilkraft von Pflanzen empfiehlt sich ein Blick in die einschlägige Fachliteratur. Ein bewährtes Standardwerk ist beispielsweise „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt darin detailliert die Anwendungsmöglichkeiten in der Schulmedizin, Phytotherapie und Volksheilkunde sowie die Nutzung innerhalb der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Berg-Ulme bietet essbares Laub und feine, milde Samen, die jedoch kulinarisch nur eine Nischenrolle in der Wildkräuterküche spielen.
- Früchte/Samen (April bis Mai): Die noch weichen, unreifen und grünen Flügelnüsse hängen oft in dichten Trauben an den Ästen. Sie sind fast papierartig, schmecken mild-nussig und können roh als ungewöhnlicher Snack oder frische, knackige Salatzutat gegessen werden.
- Blätter (März bis April): Ganz junge, frisch ausgetriebene Blätter sind essbar und schmecken dezent salatartig. Sie müssen jedoch sehr früh im Jahr geerntet werden, da sie durch Einlagerung von Kieselsäure (Borstenhaare) rasch sehr zäh und kratzig im Mund werden. Später im Jahr lassen sich die Blätter nur noch trocknen und für Teemischungen verwenden.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die heimische Flora bietet faszinierende Möglichkeiten für eine naturnahe Ernährung. Auf diesen Seiten erfährst du alles Wissenswerte über die Bestimmung und Nutzung der wichtigsten Bäume und Sträucher. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Pflanzenteile, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da der Fokus dieses Lexikons auf der botanischen Fachkunde liegt, findest du hier keine detaillierten Rezepte. Zur kulinarischen Umsetzung empfehle ich dir stattdessen diese spezialisierten Bücher über die Wildkräuter-Küche.
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Eigenschaften & Verwendung des Holzes
Holzeigenschaften: Das Holz der Ulme ist im Handel unter dem Namen „Rüster“ bekannt. Es ist ringporig, schwer, hart und zeichnet sich durch eine hervorragende Festigkeit aus, bleibt dabei aber elastisch und zäh. Optisch besticht es durch eine extrem dekorative, lebhafte Maserung mit einem gelblichen Splint und einem hell- bis dunkelbraunen Kernholz (bei der Berg-Ulme „Weiß-Rüster“ oft etwas heller).
- Nutzung & Handwerk: Rüster ist ein gesuchtes und wertvolles Holz für den exklusiven Innenausbau und hochwertigen Möbelbau. Es wird vorrangig zu edlen Deckfurnieren verarbeitet. Aufgrund der enormen Zähigkeit und Stoßdämpfung (es spaltet sich sehr schwer) war es früher das wichtigste Holz für die Wagner (Stellmacher) zur Herstellung von Radnaben, Speichen und Gewehrschäften. Auch für Treppen, Parkett und Musikinstrumente ist es sehr beliebt.
- Brennwert & Energetische Nutzung: Hat einen guten Brennwert, ist aber als reines Brennholz durch das Ulmensterben und seinen Wert als Tischlerholz praktisch bedeutungslos. Zudem lässt es sich mit der Axt extrem schwer spalten.
Geschichtliches zu diesem Baum
Die Tragödie des Ulmensterbens
Die Berg-Ulme (wie auch die Feld-Ulme) ist das tragische Opfer einer globalen Baum-Pandemie, des „Holländischen Ulmensterbens“. Verursacht wird diese Krankheit durch den asiatischen Schlauchpilz Ophiostoma ulmi (und seinen aggressiveren Nachfolger Ophiostoma novo-ulmi). Der Pilz wird von winzigen Ulmensplintkäfern (Borkenkäfern) übertragen, die bei ihrem Reifungsfraß in den Baumwipfeln die Pilzsporen in die wasserleitenden Gefäße (Tracheen) des Baumes einbringen. Der Baum reagiert auf den Pilz, indem er seine eigenen Gefäße mit Wucherungen (Verthyllung) verstopft, um den Pilz zu stoppen. Dadurch unterbricht der Baum jedoch seine eigene Wasserversorgung – er vertrocknet innerhalb weniger Wochen kläglich bei vollem Laub. Bisher gibt es in freier Natur kein Gegenmittel, weshalb mächtige, alte Ulmen aus unseren Wäldern fast verschwunden sind.
Biologische Klimaanlage
Die großen, rauen Blätter der Berg-Ulme erfüllen im Wald eine wichtige ökologische Funktion. Durch ihre enorme Blattoberfläche und die raue Struktur filtern sie hervorragend Staub und Luftschadstoffe. Zudem verdunstet der Baum durch das breite Laubwerk große Mengen an Wasser. Im Zusammenspiel mit Berg-Ahorn und Esche sorgt die Berg-Ulme in kühlen, feuchten Schluchtwäldern (ihrem natürlichen Habitat) für ein besonders ausgeglichenes, feucht-kühles Mikroklima.
Videobeitrag zu „Bergulme“
Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du viele weitere Bestimmungsvideos speziell für die Bergulme. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst diesen Baum/Strauch über seinen gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Außerdem findest du im Kanal Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden
- Kosmos-Baumführer – 370 Bäume und Sträucher (Mitteleuropa)
- de.wikipedia.org – voll mit Baum & Strauch-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Bäumen & Sträuchern)
- www.baumkunde.de – Baumarten Datenbank
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über Bäume und Sträucher
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