Vogel-Wicke – Bestimmen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Vogel-Wicke (Vicia cracca) ist ein faszinierender Kletterkünstler, der unsere heimischen Wiesen und Waldsäume im Sommer mit leuchtend blauvioletten Blütentrauben überzieht. Als Vertreterin der Hülsenfrüchtler leistet sie einen enorm wichtigen ökologischen Beitrag als Bodenverbesserer und Insektenweide. Für uns Menschen ist sie kulinarisch nutzbar – erfordert jedoch zwingend botanisches Grundwissen über ihre Zubereitung, da sie roh verzehrt giftig wirken kann.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Vogel-Wicke“
- Botanischer Name: Vicia cracca
- Deutscher Name: Vogel-Wicke
- Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
- Gattung: Wicken (Vicia)
- Andere Namen: Gewöhnliche Vogelwicke, Gemeine Vogelwicke
- Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: Krautig, kletternd (Rankpflanze)
- Wuchshöhe: 30 bis 120 cm
- Wurzelwerk: Tiefwurzler mit unterirdischen Ausläufern; bildet Wurzelknöllchen
- Blütezeit: Juni bis August
- Blütenstand: Traubig, oft einseitswendig, mit 10 bis 40 Einzelblüten
- Fruchtreife: August bis Oktober
- Boden/Standort: Frische bis mäßig trockene, humose Lehm- und Tonböden; Wiesen, Weiden, Säume, Äcker und Ruderalstellen
- Hauptinhaltsstoffe: Flavonoide (Kämpferol, Quercetin), Gerbstoffe, Asparagin; in Samen: hitzelabile Lektine, Blausäureglykoside, Pyrimidinderivate
- Giftigkeit: Für den Menschen im rohen Zustand leicht giftig bis giftig (besonders die Samen). Nach fachgerechter Zubereitung (Erhitzen) essbar.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Vogel-Wicke fällt im Grünland durch ihren kletternden Wuchs auf, bei dem sie sich mit feinen Ranken an umliegenden Gräsern und Stauden emporarbeitet, gekrönt von dichten, violetten Blütenständen.
Vegetative Merkmale (Stängel, Wurzel & Blätter)
- Wuchs & Wurzel: Dünne, teils verzweigte Stängel klettern rankend in die Höhe. Unterirdisch breitet sie sich über Ausläufer aus und reicht mit einer kräftigen Pfahlwurzel in die Tiefe. An den Wurzeln sitzen kleine Knöllchen.
- Blätter: Sie sind gefiedert und bestehen aus 8 bis 12 Fiederblättchen-Paaren. Die einzelnen Blättchen sind schmal-länglich (ca. 1 cm lang und 2 bis 6 mm breit).
- Ranken: Am vorderen Ende der gefiederten Blätter befindet sich eine verzweigte Wickelranke, die sich spiralförmig um Stützen wickeln kann.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüten: Blauviolett bis purpurfarben. Die fünfzähligen, zygomorphen Schmetterlingsblüten (8 bis 12 mm lang) sitzen dicht gedrängt zu 10 bis 40 Stück in einseitswendigen Trauben.
- Früchte: Aus den Blüten entwickeln sich bis zu 25 mm lange Hülsenfrüchte, die bei Reife schwarz werden und so Wärme speichern.
- Samen: Kugelig, eiweißreich, stärkehaltig und bis zu 3 mm dick. Die ausgetrockneten Schoten springen auf und schleudern die „Rollsamen“ 1 bis 2 Meter weit weg.
Verwechslungsgefahren:
- Feinblättrige Wicke (Vicia tenuifolia): Besitzt noch etwas schmalere Blätter und die Einzelblüten fallen mit 1,2 bis 1,5 cm etwas größer aus.
- Zottige Wicke (Vicia villosa): Unterscheidet sich deutlich durch einen stark abstehend flaumig bis zottig behaarten Stängel.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Keine offizielle Heilpflanzendroge etabliert.
- Inhaltsstoffe: Flavonoide, Gerbstoffe.
- Monographie-Status: Keine Bearbeitung durch Kommission E oder HMPC.
Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Wildpflanzen hat die Vogel-Wicke medizinisch keine Bedeutung. Es gibt keine evidenzbasierten Studien, die eine heilkundliche Nutzung stützen würden. Spannenderweise findet sie sogar in der historischen europäischen Volksheilkunde kaum bis gar keine Erwähnung. Sie wird daher ausschließlich als Wildgemüse (unter Beachtung der Giftigkeit roh) und nicht als Heilpflanze betrachtet.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die grünen Pflanzenteile schmecken würzig, die Blüten weisen eine leichte Süße auf und die reifen Samen haben nach dem Kochen ein feines, bohnenartiges Aroma.
- Blätter & Triebspitzen (Frühjahr): Nur in sehr kleinen, kleingeschnittenen Mengen als rohe Würze verwendbar. Besser ist es, sie zu garen und als herbe Beigabe für Suppen, Fonds oder Gemüsegerichte zu nutzen.
- Blüten (Juni bis August): In Kleinstmengen eine essbare, süßliche Roh-Dekoration. Werden sie erhitzt, geht ihre leuchtende Farbe leider verloren.
- Schoten & Samen (Spätsommer): Ganz junge Schoten können in einem Pfannengemüse mitgegart werden. Die reifen, harten Samen sind exzellente Stärke- und Eiweißlieferanten, erfordern aber Vorbereitung (siehe Warnhinweis).
Die Vogel-Wicke ist roh leicht giftig bis giftig! Sie nutzt Blausäureglykoside, Pyrimidinderivate und hitzelabile Lektine (besonders in Keimlingen und Samen) als effektiven Fraßschutz. Werden mehr als nur homöopathische Würz-Mengen verwendet, müssen die Pflanzenteile zwingend über Nacht eingeweicht und danach gut durchgekocht werden. Das Einweichwasser ist wegzuschütten. Nur durch ausreichendes Erhitzen werden die Lektine zerstört.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Von Namensherkunft und Futterpflanzen
Warum heißt diese Wicke eigentlich „Vogel-Wicke“? Wie alle Leguminosen (Hülsenfrüchtler) ist die Pflanze ein hervorragender Eiweißlieferant. Da sie jedoch roh toxische Inhaltsstoffe aufweist und eine für den Menschen nutzbare Aufbereitung sehr aufwendig war, verschmähte man sie oft als menschliche Nahrung. Man überließ die eiweißreichen, kleinen Samen schlichtweg den Vögeln – daher der Name.
Symbiose-Spezialist und Bodenverbesserer
Ökologisch ist die Vogel-Wicke ein echter Segen für magere Böden. An ihren Wurzeln bildet sie kleine Knötchen, in denen sie mit speziellen Knöllchenbakterien (Rhizobien) zusammenlebt. Diese Bakterien sind in der Lage, elementaren Stickstoff aus der Luft zu binden und der Pflanze als Nährstoff zur Verfügung zu stellen. Sterben Wurzelteile oder die Pflanze im Winter ab, reichert dieser gebundene Stickstoff den Boden an und wirkt als natürlicher Dünger für umliegende Pflanzen.
Raffinierte Blütenökologie & Nektarraub
Der Blütenaufbau ist ein Meisterwerk der Evolution. Es handelt sich um vormännliche „Schmetterlingsblumen mit Bürsteneinrichtung“. Der Pollen wird oft schon in der geschlossenen Knospe über dem behaarten Griffel entleert. Landet ein Insekt, klappt das sogenannte „Schiffchen“ (untere Kronblätter) herab, und die Griffelbürste stempelt den Pollen auf den Insektenbauch. Nach mehrmaligem Besuch ist die Bürste abgewetzt, wodurch die Narbe klebrig und nun selbst bereit für fremden Pollen wird. Erdhummeln haben dieses System allerdings durchschaut: Mit ihren kurzen Rüsseln kommen sie nicht an den Nektar. Sie begehen „Nektarraub“, indem sie die Blüte von der Seite aufbeißen. Diese Löcher werden später oft auch von Honigbienen genutzt.
Tastende Ranken (Thigmotropismus)
Um an das Sonnenlicht zu gelangen, nutzt die Wicke endständige Wickelranken, die aus umgewandelten Fiederblättern bestehen. Diese Ranken führen kreisende Suchbewegungen aus. Sobald sie einen mechanischen Berührungsreiz (wie einen Grashalm) wahrnehmen, reagieren sie prompt und wickeln sich darum. Diese fesselnde pflanzliche Bewegungskoordination nennt der Botaniker „Thigmotropismus“.
Videobeitrag zu „Vogel-Wicke“
👉 Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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