Kleines Habichtskraut – Bestimmen, sammeln und verwenden
Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Das Kleine Habichtskraut ist ein ausdauernder Überlebenskünstler, der mit seinen leuchtend gelben Blüten und silbrig behaarten Blättern trockene, nährstoffarme Böden besiedelt. Als heimischer Korbblütler bildet es oft dichte Teppiche und dient an kargen Standorten als wichtiger ökologischer Pionier.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Kleines Habichtskraut“
- Botanischer Name: Hieracium pilosella
- Deutscher Name: Kleines Habichtskraut
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Habichtskräuter (Hieracium)
- Andere Namen: Dukatenröschen, Felsenblümeli, Langhaariges Habichtskraut, Nagelkraut, Mausöhrchen
- Lebensdauer: ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: krautig, bodendeckend
- Wuchshöhe: 5 bis 30 cm
- Wurzelwerk: flaches Wurzelsystem mit bis zu 30 cm langen, oberirdischen Ausläufern (Stolonen)
- Blütezeit: Mai bis Oktober
- Blütenstand: einzeln stehendes Blütenkörbchen
- Fruchtreife: Juli bis September
- Boden/Standort: sonnig, trocken, stickstoffarm; Trockenrasen, Heiden, Raine, lichte Wälder und Felsspalten
- Hauptinhaltsstoffe: Schleimstoffe, Umbelliferon, Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe
- Giftigkeit: in allen Pflanzenteilen ungiftig
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Das Kleine Habichtskraut erkennst du leicht an seiner stark behaarten Blattrosette und den einzeln stehenden, gelben Blütenkörbchen auf blattlosen Stängeln.
Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)
- Stängel: Der aufrechte Blütenstängel ist komplett blattlos und fein graufilzig behaart.
- Blätter: Die schmal-eiförmigen, ganzrandigen Laubblätter stehen in einer grundständigen Rosette. Sie fallen durch lange, abstehende Haare auf der Oberseite auf, während die Unterseite weiß- bis graufilzig behaart ist.
- Wuchsverhalten: Die Pflanze breitet sich über lange, oberirdische Ausläufer aus, an deren Enden neue Tochterrosetten wachsen.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blütenkörbchen: Das Körbchen (2 bis 3 cm Durchmesser) besteht aus bis zu 64 hellgelben Zungenblüten. Eine Besonderheit: Die äußeren Zungenblüten sind auf der Unterseite häufig markant rot gestreift.
- Blühverhalten: Die Blüten öffnen sich als typische Sonnenkinder nur bei gutem Wetter, meist zwischen 8:00 und 15:00 Uhr. Die schmalen Hüllblätter sind ebenfalls graufilzig.
- Früchte: Die Samen (Achänen) tragen einen haarigen Haarkranz (Pappus), der sie als „Schirmchenflieger“ auszeichnet.
Verwechslungsgefahren:
- Andere Habichtskräuter (z.B. Orangerotes Habichtskraut): Unterscheiden sich teils durch verzweigte Stängel, andere Blütenfarben oder fehlende Ausläufer. Eine Verwechslung ist unbedenklich, da auch diese ungiftig sind.
- Herbst-Löwenzahn (Leontodon autumnalis): Hat meist tief gebuchtete Blätter, die nicht die dichte, filzige Unterseitenbehaarung des Habichtskrauts aufweisen.
Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Hieracii pilosellae herba (Habichtskraut)
- Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide, Umbelliferon
- Monographie-Status: Keine aktuelle Positiv-Monographie (Kommission E / HMPC)
In der evidenzbasierten Schulmedizin wird das Kleine Habichtskraut heute kaum noch verwendet, da es für den Einsatz von Gerb- und Bitterstoffen wirksamere Arzneipflanzen gibt. In der traditionellen Volksheilkunde wird es jedoch weiterhin geschätzt. Dort spricht man ihm augenstärkende, schleimlösende, fiebersenkende, leicht zusammenziehende (adstringierende), harntreibende und antibiotische Eigenschaften zu. Verwendet wird meist das getrocknete Kraut als Teeaufguss bei leichten Magen-Darm-Beschwerden oder zur Unterstützung der Atemwege. Wissenschaftlich gesicherte Belege für diese Anwendungsgebiete fehlen jedoch weitgehend.
Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Grundgeschmack des Kleinen Habichtskrauts ist herb und erinnert an kräftige Blattsalate. Die dichte Behaarung der Blätter kann im Mundraum leicht störend wirken, lässt sich jedoch durch feines Zerkleinern oder Pürieren problemlos neutralisieren.
- Blätter & Triebspitzen (April bis Mai): Sie eignen sich fein geschnitten hervorragend als rohe Beigabe für Wildkräutersalate. Gekocht oder gedünstet passen sie gut in Gemüsefüllungen und Bratlinge. Wegen ihres milden Grundcharakters und der leichten Pürierbarkeit ist die Pflanze zudem eine exzellente Zutat für Grüne Smoothies.
- Blüten & Knospen (April bis Oktober): Die geschlossenen Knospen können in Essig eingelegt und als regionale Kapern-Alternative genutzt werden. Die voll erblühten, gelben Köpfchen sind roh essbar und eignen sich bestens als farbenfrohe Dekoration oder zarte Salatbeigabe.
- Wurzeln & Samen: Sie spielen für die menschliche Ernährung kulinarisch keine nennenswerte Rolle.
Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Ausgeklügelter Verdunstungsschutz
Um an seinen extrem trockenen und sonnigen Standorten (wie sonnenexponierten Felsspalten oder mageren Trockenrasen) zu überleben, hat das Kleine Habichtskraut einen cleveren Mechanismus entwickelt. Bei großer Hitze und Trockenheit rollen sich die Ränder der Blattrosetten nach oben ein. Dadurch wendet sich die helle, dicht graufilzig behaarte Blattunterseite dem Sonnenlicht zu. Die helle Fläche reflektiert das Licht, verringert die Erwärmung des Gewebes und schützt die Pflanze so effektiv vor einem lebensbedrohlichen Wasserverlust.
Meister der Ausbreitung
Die Pflanze ist ein wahrer Überlebens- und Verbreitungskünstler, der zwei völlig unterschiedliche Strategien kombiniert. Zur Fernausbreitung setzt sie auf den Wind: Ihre Samen sind winzige „Schirmchenflieger“ (Pappus), die eine Sinkgeschwindigkeit von nur 20 Zentimetern pro Sekunde haben. So können sie Strecken von über 10 Kilometern zurücklegen. Bei nassem Wetter haften sie zudem oft im Fell vorbeistreifender Tiere und werden so verschleppt. Die Nahausbreitung sichert die Pflanze parallel extrem erfolgreich vegetativ ab, indem sie lange oberirdische Ausläufer treibt, die am Ende wieder anwurzeln – so entstehen die typischen, dichten Habichtskraut-Teppiche.
Die Legende vom sehenden Habicht
Der botanische Gattungsname Hieracium (abgeleitet vom griechischen „hierax“ für Habicht) sowie der deutsche Name spiegeln einen faszinierenden alten Aberglauben wider. In der Antike beobachtete man Habichte, die majestätisch am Himmel kreisten und dabei Beute erspähten. Man glaubte, die Greifvögel würden den Milchsaft dieser Pflanze trinken oder sich damit die Augen benetzen, um ihre sprichwörtlich scharfe Sehkraft zu erhalten. Dieser Mythos prägte auch die Volksheilkunde tief, in der das Kraut über Jahrhunderte hinweg als Mittel zur Stärkung der Augenleiden galt.
Videobeitrag zu „Kleines Habichtskraut“
Weitere Bestimmungsvideos für das Kleine Habichtskraut findest du auf dem YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Begleite dieses Wildkraut durch die Jahreszeiten und lerne es anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Auch viele weitere heimische (essbare) Wildpflanzen, Bäume und Sträucher werden für Bestimmung und Nutzung näher gebracht.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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