Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Nachtkerzengewächse

Nachtkerzengewächse (Onagraceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Nachtkerzengewächse (Onagraceae) bilden eine weltweit verbreitete, formenreiche Familie innerhalb der Ordnung der Myrtenartigen (Myrtales). Ein zentrales Erkennungsmerkmal sind die meist vierzähligen Blüten, die radiärsymmetrisch oder (wie beim Schmalblättrigen Weidenröschen) leicht spiegelsymmetrisch aufgebaut sind. Charakteristisch ist der fast immer unterständige Fruchtknoten, der oft am Grund einer röhrenförmigen Verlängerung der Blütenachse (Hypanthium) sitzt; aus ihm entwickeln sich meist langgestreckte Kapselfrüchte.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Überwiegend ein-, zwei- oder mehrjährige krautige Pflanzen sowie ausdauernde Stauden; seltener Sträucher oder (in den Tropen) Bäume, die oft als schnellwüchsige Pionierpflanzen agieren.
  • Blätter: Wechselständig, gegenständig oder wirtelig angeordnet, meist mit einer ungeteilten Blattspreite und einem ganzrandigen bis gezähnten Blattrand; Nebenblätter sind oft stark reduziert oder fehlen komplett.
  • Blüten & Blütenstand: Meist zwittrige, vierzählige und mit einem doppelten Perianth ausgestattete Blüten, die einzeln in Blattachseln oder in traubigen Blütenständen stehen und auffällig lange Blütenröhren (Hypanthien) bilden können.
  • Früchte: Zumeist röhrenförmige, langgestreckte und fachspaltige Kapselfrüchte, die bei der Reife aufspringen und oft mit einem Haarschopf versehene, flugfähige Samen entlassen; seltener Beeren (bei Fuchsien) oder Nüsse.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Reich an Gerbstoffen (Tanninen) und entzündungshemmenden Flavonoiden in den grünen Pflanzenteilen sowie sehr hohe Konzentrationen der wertvollen Gamma-Linolensäure (eine essenzielle Omega-6-Fettsäure) in den Samen bestimmter Gattungen wie der Nachtkerze (Oenothera).

Verwendung & ökologische Bedeutung

Die Nachtkerzengewächse besitzen sowohl als Zier- als auch als Nutzpflanzen einen enormen Stellenwert. Besondere Bedeutung kommt der Gattung der Nachtkerzen (Oenothera) zu, deren extrem ölreiche Samen in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie zur Gewinnung von Gamma-Linolensäure genutzt werden, welche bei entzündlichen Hauterkrankungen Linderung verschafft. Ökologisch haben Arten wie die Gemeine Nachtkerze eine primäre Ausrichtung auf nachtaktive Schwärmer als Bestäuber entwickelt, da sich ihre stark duftenden Blüten erst in der Dämmerung öffnen. Weidenröschen (Epilobium) fungieren hingegen als essenzielle Pioniervegetation auf Waldlichtungen und Kahlschlägen, wo sie den Boden vor Erosion schützen und unzähligen tagaktiven Insekten, wie Bienen und Schwebfliegen, eine überaus reiche Nektar- und Pollenquelle bieten.

Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Nachtkerze - Gemeine (Oenothera biennis)
Nachtkerze – Gemeine

Nachtkerze – Gemeine (Oenothera biennis)
Essbar/essbare Teile | Die Gemeine Nachtkerze ist eine markante zweijährige Pionierpflanze, deren große, leuchtend gelbe Blüten sich erst in der Abenddämmerung öffnen und einen intensiven Duft verströmen. Sie wird in der Dämmerung primär von nachtaktiven Schwärmern bestäubt, während ihre Samen in der Naturheilkunde zur Gewinnung des wertvollen Nachtkerzenöls dienen. Ihre fleischigen Pfahlwurzeln, die im ersten Standjahr geerntet werden, schätzte man früher als nahrhaftes, beim Kochen rötlich anlaufendes Wurzelgemüse unter dem Namen „Schinkenwurz“.

Nachtkerze - Rotkelchige (Oenothera glazioviana)
Nachtkerze – Rotkelchige

Nachtkerze – Rotkelchige (Oenothera glazioviana)
Essbar/essbare Teile | Die Rotkelchige Nachtkerze ist ein stattliches Kraut, das sich durch seine namensgebenden, rot überlaufenen Kelchblätter und einen auffällig rot punktierten Stängel von ähnlichen Arten abhebt. Ihre extrem großen, tiefgelben Kronblätter entfalten sich in einer rasanten, mit bloßem Auge gut sichtbaren Bewegung am frühen Abend. Ökologisch bietet die Rotkelchige Nachtkerze spät fliegenden Nachtfaltern reichlich Nektar, während ihre essbaren, mild schmeckenden Blüten oft als dekorative Salatbeigabe Verwendung finden.

Weidenröschen - Schmalblättriges (Epilobium angustifolium)
Weidenröschen – Schmalblättriges

Weidenröschen – Schmalblättriges (Epilobium angustifolium)
Essbar/essbare Teile | Das Schmalblättrige Weidenröschen ist eine wuchskräftige, ausdauernde Pionierstaude, die Kahlschläge und Waldränder im Hochsommer mit einem leuchtend purpurroten Blütenmeer überzieht. Im Gegensatz zu vielen anderen Gattungsvertretern stehen seine großen Blüten in langen Trauben und weisen eine leichte Spiegelsymmetrie (Zygomorphie) auf. Die jungen, spitz zulaufenden Blätter des Schmalblättrigen Weidenröschens ergeben nach einer leichten Fermentation einen schmackhaften, gerbstoffreichen und koffeinfreien Schwarztee-Ersatz.

Weidenröschen - Zottiges (Epilobium hirsutum)
Weidenröschen – Zottiges

Weidenröschen – Zottiges (Epilobium hirsutum)
Essbar/essbare Teile | Das Zottige Weidenröschen bevorzugt wechselfeuchte Standorte wie Uferböschungen oder Gräben und fällt durch seine dichte, weich abstehende Drüsenbehaarung an Stängeln und Blättern auf. Die trichterförmigen, leuchtend rosaroten Blüten können einen charakteristischen Duft nach gekochten Äpfeln verströmen, der im Hochsommer eine Vielzahl von Wildbienen und Schmetterlingen anlockt. Alle oberirdischen Teile des Zottigen Weidenröschens gelten als essbar und reich an Flavonoiden, wobei sie aufgrund des Gerbstoffgehalts vorzugsweise in Maßen als milde, gesundheitsfördernde Teezutat eignen.

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