⏱️ Ca. 9 Min. Lesezeit

Gewöhnlicher Blutweiderich – Bestimmen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Stell dir vor, du stehst im Hochsommer an einem Flussufer oder am Rand eines feuchten Grabens. Plötzlich leuchtet dir eine purpurrote Fackel entgegen. Das ist der Gewöhnliche Blutweiderich (Lythrum salicaria). Er ist nicht nur eine der auffälligsten heimischen Sumpfpflanzen, sondern auch ein ökologisches Schwergewicht und eine alte Heilpflanze, die schon Charles Darwin faszinierte. Während er in Nordamerika als invasiver Neophyt bekämpft wird, ist er bei uns ein unverzichtbarer Lebensraum für Insekten.

Wildpflanzen-Steckbrief „Gewöhnlicher Blutweiderich“

  • Botanischer Name: Lythrum salicaria
  • Deutscher Name: Gewöhnlicher Blutweiderich
  • Familie: Weiderichgewächse (Lythraceae)
  • Gattung: Blutweideriche (Lythrum)
  • Synonyme/Volksnamen: Gemeiner Weiderich, Stolzer Heinrich, Blutkraut
  • Lebensdauer: ausdauernd (mehrjährig)
  • Wuchsform: krautig, aufrecht, horstig
  • Lebensform: Hemikryptophyt (Überwinterungsknospen am Boden) / Helophyt (Sumpfpflanze)
  • Wuchshöhe: 50 cm bis 120 cm (selten bis 200 cm)
  • Wurzelwerk: kräftiges, verholzendes Rhizom (Überdauerungsorgan)
  • Blütezeit: Juni bis September
  • Blütenstand: lange, dichte Scheinähren (purpurrot)
  • Fruchtreife: August bis Oktober
  • Boden/Standort: nass, nährstoffreich, zeitweise überschwemmt; Ufer, Gräben, Feuchtwiesen
  • Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe (Salicarin), Flavonoide (Vitexin), Anthocyane, Pektine, ätherisches Öl
  • Giftigkeit: für Menschen ungiftig
Buchtipps Wildpflanzen-Wissen

Wildpflanzen-Wissen, das mit nach draußen darf.

📖 Entdecke meine handverlesenen Buchtipps zum Sammeln, Kochen und Heilen. Authentisch, praxiserprobt und voller Liebe zur Natur.

Bilder & Fotos „Gewöhnlicher Blutweiderich“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Erscheinungsbild & Stängel:
Die Pflanze wächst straff aufrecht und bildet oft imposante Horste. Der Stängel ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal: Er ist vierkantig bis sechskantig (fast quadratisch im Querschnitt, ähnlich wie bei Lippenblütlern) und je nach Standort kurz behaart bis filzig.

Blätter:
Die Laubblätter sitzen direkt am Stängel (ungestielt/sitzend). Ihre Form erinnert an Weidenblätter (daher der Name „Weiderich“): länglich-lanzettlich mit herzförmigem Grund. Ein spannendes Detail ist die Anordnung: Sie stehen oft quirlständig zu dritt am Stängel, können aber auch gegenständig (paarweise) wachsen.

Blüten:
Die Blütenstände sind lange, kerzenartige Scheinähren, die schon von Weitem leuchten. Jede einzelne Blüte hat meist 6 purpurrote Kronblätter (im Gegensatz zu den 4 Blütenblättern der Weidenröschen, mit denen er oft verwechselt wird).

Früchte/Samen:
Es bilden sich unscheinbare eiförmige Kapseln, die bei Reife aufspringen. Die winzigen Samen besitzen Schleimhaare, die bei Nässe aufquellen und kleben – so reisen sie an den Füßen von Wasservögeln in neue Gebiete.

Verwechslungsgefahren:
Am ehesten mit dem Zottigen Weidenröschen (Epilobium hirsutum). Unterscheidung: Das Weidenröschen hat 4 Blütenblätter (Blutweiderich 6) und runde Stängel (Blutweiderich kantig).

Was blüht denn da? Buch-Tipp

Mein Bestimmung ❤️ Buch-Tipp:

Dieses Buch garantiert schnelles und sicheres Bestimmen durch die bewährte Einteilung nach Blütenfarbe und Blütenform und mehr als 2.000 naturgetreuen Zeichnungen.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich.

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge (Verwendeter Teil): Das blühende Kraut (Lythri herba) und die Wurzel
  • Inhaltsstoffe: Hoher Gerbstoffgehalt (Ellagitannine), Flavonoide, Schleimstoffe
  • Monographie-Status: Negativ-Monographie (Kommission E, Nullmonographie)

Behördliche Einschätzung (Schulmedizin):

Aufgrund unzureichender klinischer Wirksamkeitsbelege hat die Kommission E eine Nullmonographie (Negativ-Bewertung) erteilt. In der evidenzbasierten Phytotherapie gibt es daher keine anerkannte medizinische Anwendung.

Volksheilkunde & Tradition:

Der Name „Blutweiderich“ deutet auf die alte Nutzung hin: Er wurde als blutstillendes Mittel (bei Wunden, Nasenbluten oder starker Menstruation) eingesetzt. Im 19. Jahrhundert nutzte man ihn sogar begleitend bei Cholera-Epidemien gegen den starken Flüssigkeitsverlust. Gurgellösungen aus der Wurzel helfen bei Zahnfleischentzündungen.

Wirkweise (Pharmakologie):

Die Gerbstoffe wirken „gerbend“ auf Haut und Schleimhäute: Sie ziehen das Gewebe zusammen, entziehen Bakterien den Nährboden und bilden eine Schutzschicht. Das dichtet den Darm bei Durchfall ab und stillt Blutungen.

⚠️ Sicherheit & Gegenanzeigen:

  • Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts kann übermäßiger Verzehr bei empfindlichen Personen zu Magenbeschwerden führen (Übelkeit).
  • Nicht über einen längeren Zeitraum hochdosiert einnehmen.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Viele Wildpflanzen werden seit Langem in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und in der Volksheilkunde verwendet. Auf diesen Seiten erfährst du, was über ihre Anwendung bekannt ist – und wie gut es belegt ist: Steht eine Monographie (HMPC oder Kommission E) dabei, wurde die Anwendung fachlich bewertet. Formulierungen wie „traditionell“, „in der Volksheilkunde“ oder „der Überlieferung nach“ bedeuten, dass ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis fehlt. Angaben zur Homöopathie beschreiben nur die Verwendung, keine nachgewiesene Wirkung.

Diese Informationen sind keine medizinische Beratung und ersetzen nicht den Rat von Ärztin, Arzt oder Apotheke. Selbst gesammelte Kräuter sind keine geprüften Arzneimittel: Ihr Wirkstoffgehalt schwankt, und Verwechslungen sind möglich. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Vorerkrankungen und bei Einnahme von Medikamenten wende Heilpflanzen nur nach ärztlicher Rücksprache an.

Weiterführende Fachliteratur findest du in meiner Buchtipp-Ecke „Medizin & Heilung“. Ein bewährtes Nachschlagewerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt die Pflanzen aus Sicht der Phytotherapie und der Volksheilkunde und geht auch auf die Homöopathie ein.

* Affiliate-Link (Werbung): Kaufst du über diesen Link ein, erhalte ich eine kleine Provision, die dieses Projekt unterstützt. Für dich ändert sich der Preis nicht. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Das große Buch der Heilpflanzen

Mein Medizin ❤️ Buch-Tipp:

Wissenswertes über 300 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe, Anwendung und Heilwirkung.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil:

Geschmack: Herb-säuerlich, zusammenziehend (adstringierend) und leicht fruchtig. Manche vergleichen das Aroma junger Teile entfernt mit Dörrpflaumen.
Nutzwert: Eher Würz- und Färbepflanze als Massengemüse.

Verwendung nach Pflanzenteilen:

  • Junge Triebe (April bis Mai): Die weichen, noch nicht verholzten Stängel können geschält und kurz blanchiert als Wildgemüse gegessen werden (ähnlich wie grüner Spargel, aber herber). Roh oder eingelegt aromatisieren sie Getränke.
  • Blätter (April bis Mai): Ganz junge Blätter können fein gehackt in Salate gegeben werden. Später werden sie durch die Gerbstoffe zu zäh und bitter.
  • Blüten (Juni bis September): Sie sind das Highlight! Essbare Deko auf Desserts oder Salaten. Ausgekocht färben sie Flüssigkeiten, Sirup oder Zucker intensiv rot.
  • Wurzeln: Früher als Notnahrung gekocht, heute aufgrund der Holzigkeit kaum kulinarisch relevant.

Verarbeitung & Tipps:

Nutze die Blüten, um Gelee oder Limonade eine tolle rote Farbe zu geben. Ein paar Blüten im Wildkräuterquark sind ein optischer Hingucker.

⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Die Pflanze ist für Menschen ungiftig, aber der hohe Gerbstoffgehalt macht sie in großen Mengen schwer verdaulich. Taste dich geschmacklich heran.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Sammle und iss nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst. Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort Hilfe holen – in Österreich Rettung 144 oder Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43, in der Schweiz 145, in Deutschland 112 oder den Giftnotruf deines Bundeslandes.

So sammelst du richtig: Sammle abseits stark befahrener Straßen, gespritzter Felder und Hundewiesen, wasche alles gründlich und nimm nur so viel, wie du brauchst. Geschützte Pflanzen sind tabu: Beachte die Naturschutzbestimmungen deines Bundeslandes, und grabe Wurzeln nur mit Erlaubnis des Grundeigentümers aus. Probiere neue Pflanzen zuerst in kleinen Mengen – vor allem, wenn du zu Allergien neigst.

Rezepte findest du hier bewusst nicht. Für die Küche empfehle ich dir diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

Wer sich für Survival und Notnahrung interessiert, findet in den Büchern und Kursen von Johannes „Joe“ Vogel * praxisnahes Wissen dazu. Der Wildnispädagoge zeigt, wie man sich aus den Ressourcen der Natur versorgen kann.

* Affiliate-Link (Werbung): Kaufst du über diesen Link ein, erhalte ich eine kleine Provision, die dieses Projekt unterstützt. Für dich ändert sich der Preis nicht. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen

Mein Kochen/Küche ❤️ Buch-Tipp:

Infos über Vorkommen, Blütezeit und Verwendung in der Küche, Ernährung und Medizin von 2000 Pflanzen- & Baumarten!

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich.

Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Charles Darwin und die drei Blütenformen:
Der Blutweiderich besitzt eine faszinierende Eigenschaft, die schon Darwin begeisterte: die Heterostylie. Es gibt drei verschiedene Blütentypen (lang-, mittel- und kurzgrifflig), die auf unterschiedlichen Pflanzen wachsen. Eine erfolgreiche Befruchtung findet fast nur statt, wenn Pollen von einem Typ auf die Narbe eines anderen Typs gelangt. Das zwingt die Insekten zur Fremdbestäubung und sichert die genetische Vielfalt.

Ökologie:
Er ist ein Nektar-Eldorado für Schmetterlinge, Bienen und Schwebfliegen. Zudem ist er die Futterpflanze für die Raupen des Nachtpfauenauges.

Videobeitrag zu „Gewöhnlicher Blutweiderich“

Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria)

Noch mehr Informationen und Bestimmungsvideos über den Blutweiderich findest du im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Durch kurze (kommentierte) Videos kannst du den gesamten Lebenszyklus dieser Wildpflanze verfolgen. Außerdem kannst du viele weitere heimische (essbare) Wildkräuter, Bäume und Sträucher in ihrem Werden und Vergehen kennen und bestimmen lernen.

Quellen und weitere Informationen

Mehr essbare & giftige Wildkräuter & Pflanzen

Wildpflanzen und Kräuter Lexikon - Seiten A-Z Übersicht
Wildpflanzen A-Z

Essbare & giftige Wildpflanzen A-Z
Online Lexikon Hauptübersicht. Hier findest du ALLE beschriebenen (essbaren & giftigen) Wildkräuter, Wiesenkräuter, Wildblumen & Pflanzen auf einen Blick!