Echter Faulbaum – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes. Dieser Baum ist GIFTIG und NICHT für die menschliche Ernährung geeignet
Der Echte Faulbaum ist ein unscheinbarer, aber ökologisch hochgradig wertvoller heimischer Strauch aus der Familie der Kreuzdorngewächse. Seinen wenig schmeichelhaften Namen verdankt er dem charakteristischen Fäulnisgeruch seiner frischen Rinde. Während er für den Menschen im rohen Zustand giftig ist und früher vor allem zur Herstellung von Schießpulver geschätzt wurde, spielt er heute eine unersetzliche Rolle in der Natur – unter anderem als wichtigste Kinderstube für den Zitronenfalter.
Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch
Baum-Steckbrief „Echter Faulbaum“
- Botanischer Name: Frangula alnus (Synonym: Rhamnus frangula)
- Deutscher Name: Echter Faulbaum
- Familie: Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae)
- Gattung: Faulbäume (Frangula)
- Andere Namen: Pulverholz, Schusterholz
- Lebensdauer: Mehrjähriges Gehölz
- Wuchsform: Mehrstämmiger, unregelmäßig verzweigter Strauch, selten Kleinbaum
- Wuchshöhe: 2 bis 4 Meter (als Baum bis zu 8 Meter)
- Wurzelwerk: Herzwurzler
- Blütezeit: Mai bis August
- Blütenstand: Achselständige, trugdoldige Büschel
- Fruchtreife: Juli bis Oktober
- Boden/Standort: Frische, wechselfeuchte bis feuchte Böden (Erlenbrüche, Auwälder, Moore), meidet dauerhafte Staunässe, subozeanisches Klima
- Hauptinhaltsstoffe: Anthranoide (insbesondere Glucofranguline), Gerbstoffe
- Giftigkeit: Giftig in allen frischen Teilen (insbesondere Rinde, Blätter und unreife/reife Beeren)
Bestimmung/Beschreibung des Baumes
Der Faulbaum lässt sich besonders leicht durch seine unauffälligen Blüten und das gleichzeitige Vorhandensein von grünen, roten und schwarzen Beeren am selben Zweig erkennen.
Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)
- Rinde/Borke: Grau-braun, meist flach-längsrissig. Bei Verletzung der Rinde verströmt das Holz einen unangenehmen, fauligen Geruch. Eine ausgeprägte Borke fehlt meist.
- Zweige: Junge Triebe sind unbedornt (wichtiges Unterscheidungsmerkmal).
- Blätter: Wechselständig angeordnet, 4 bis 7 cm lang und 2,5 bis 5 cm breit. Eiförmig bis elliptisch mit abgerundetem oder keilförmigem Grund.
- Blattadern: Sehr markant sind die 7 bis 9 bogig aufsteigenden, fast parallel verlaufenden Blattadernpaare, die unterseits deutlich hervorstehen.
- Blattrand: Ganzrandig (selten extrem undeutlich gezähnt). Im Herbst leuchtend gelbe Färbung.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Unscheinbare, grünlich-weiße, 5-zählige Sternchenblüten (6 bis 12 mm groß). Sie sitzen in kleinen Büscheln direkt in den Blattachseln.
- Frucht: Etwa 8 mm große, kugelige Steinfrüchte mit 2 bis 3 Kernen. Saftig-fleischige Außenwand. Reifeprozess verläuft von Grün über Rot zu Schwarzviolett.
- Phänologie: Durch die extrem lange Blütezeit finden sich an einem Strauch oft gleichzeitig Blüten sowie unreife grüne, halbreife rote und vollreife schwarze Früchte.
Verwechslungsgefahren:
- Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica): Besitzt einen fein gesägten Blattrand und oft dornig zugespitzte Kurztriebe (Dornen). Seine Blattadern (nur 3-4 Paare) laufen stark bogenförmig zur Spitze hin zusammen.
- Alpen-Heckenkirsche (Lonicera alpigena): Blätter gegenständig angeordnet (Faulbaum: wechselständig), doppelte Beeren, rotes reifes Fruchtstadium.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Faulbaumrinde (Frangulae cortex)
- Inhaltsstoffe: Anthranoidglykoside (mind. 7 % Glucofrangulin A und B, Frangulin), Gerbstoffe, Flavonoide
- Monographie-Status: Positiv bewertet (HMPC als „Well-established use“, Kommission E, ESCOP)
Die medizinische Bedeutung des Faulbaums ist gut belegt und stützt sich ausschließlich auf die Rinde. In der evidenzbasierten Phytotherapie wird ein Extrakt oder Teeaufguss aus der getrockneten Faulbaumrinde als dickdarmwirksames, stimulierendes Abführmittel (Laxans) zur kurzzeitigen Behandlung von gelegentlicher Verstopfung eingesetzt. Die in der Rinde enthaltenen Glucofranguline werden erst im Dickdarm durch Bakterien in ihre aktive Form umgewandelt. Dort hemmen sie die Wasseraufnahme aus dem Darm und stimulieren die Darmperistaltik, was zu einer weichen Stuhlkonsistenz und einer beschleunigten Darmentleerung führt. Faulbaumrinde ist Bestandteil zahlreicher industriell gefertigter Abführtees und pflanzlicher Dragees.
In der Volksheilkunde wurde der Faulbaum früher auch äußerlich bei Hauterkrankungen oder als Wurmmittel eingesetzt, was heute jedoch aufgrund fehlender Belege und des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht mehr praktiziert wird.
- Toxizität der frischen Pflanze: Frische Faulbaumrinde ist stark reizend und giftig! Sie führt unweigerlich zu heftigem Erbrechen, Koliken und blutigen Durchfällen. Die Rinde muss vor einer medizinischen Nutzung entweder mindestens ein Jahr gelagert oder künstlich bei 80 bis 100 °C gealtert (erhitzt) werden, um die toxischen reduzierten Anthron-Derivate in die milderen, oxidierten Anthrachinone umzuwandeln.
- Anwendungsdauer: Abführmittel mit Anthranoiden dürfen ohne ärztlichen Rat niemals länger als 1 bis 2 Wochen angewendet werden. Dauergebrauch führt zu Elektrolytverlust (besonders Kaliummangel), der die Darmträgheit paradoxerweise weiter verstärkt und zu Herzrhythmusstörungen führen kann.
- Kontraindikationen: Nicht anwenden bei Darmverschluss (Ileus), chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), ungeklärten Bauchschmerzen, schweren Dehydratationszuständen sowie während der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren.
Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Gehölze (Bäume und Sträucher) nehmen in der Phytotherapie und Homöopathie seit jeher einen bedeutenden Stellenwert ein. Sie enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Linderung verschiedenster Beschwerden beitragen können. Die Informationen auf diesen Seiten bieten dir einen fundierten Überblick über die botanischen Merkmale und traditionellen Anwendungen. Sie stellen jedoch keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Heilkraft von Pflanzen empfiehlt sich ein Blick in die einschlägige Fachliteratur. Ein bewährtes Standardwerk ist beispielsweise „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt darin detailliert die Anwendungsmöglichkeiten in der Schulmedizin, Phytotherapie und Volksheilkunde sowie die Nutzung innerhalb der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Echte Faulbaum besitzt keinerlei kulinarischen Wert und ist eine reine Giftpflanze. Alle Pflanzenteile sind für den Menschen ungenießbar und toxisch.
- Pflanzenteile & Erntezeit: Keine Nutzung als Nahrungsmittel.
Der Echte Faulbaum ist giftig. Der Verzehr der süßlich schmeckenden, aber giftigen Beeren (insbesondere durch Kinder) oder die missbräuchliche Nutzung frischer Pflanzenteile führt zu Vergiftungserscheinungen. Symptome sind Übelkeit, heftiges Erbrechen, starke Leibschmerzen sowie wässriger und teils blutiger Durchfall. Bei versehentlichem Verzehr mehrerer Beeren sollte der Giftnotruf kontaktiert werden.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die heimische Flora bietet faszinierende Möglichkeiten für eine naturnahe Ernährung. Auf diesen Seiten erfährst du alles Wissenswerte über die Bestimmung und Nutzung der wichtigsten Bäume und Sträucher. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Pflanzenteile, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da der Fokus dieses Lexikons auf der botanischen Fachkunde liegt, findest du hier keine detaillierten Rezepte. Zur kulinarischen Umsetzung empfehle ich dir stattdessen diese spezialisierten Bücher über die Wildkräuter-Küche.
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Eigenschaften & Verwendung des Holzes
Holzeigenschaften: Das Holz des Faulbaums ist halbringporig. Optisch unterscheidet es sich in ein gelblich-weißes Splintholz und ein markantes, gelbrotes bis rötliches Kernholz. Es weist eine Rohdichte von etwa 0,56 bis 0,6 g/cm³ auf. Das Holz ist fein und reich an Fasern.
- Nutzung & Handwerk: Da der Faulbaum meist nur geringe Stammdurchmesser erreicht (selten über 15 cm), spielt er als klassisches Nutzholz in der Holzindustrie heute keine Rolle. Historisch wurden die geraden Triebe jedoch zum Flechten oder für Drechslerarbeiten genutzt.
- Brennwert & Energetische Nutzung: Das Holz liefert eine extrem hochwertige Holzkohle mit sehr geringem Ascheanteil.
- Weitere Besonderheiten (Pulverholz): In der Vergangenheit war das Holz des Faulbaums hochbegehrt. Aufgrund der extrem gleichmäßigen und fast rückstandslosen Verbrennung der Faulbaum-Holzkohle war sie die bevorzugte Kohlebasis für die Herstellung von hochwertigem Schwarzpulver. Dies bescherte dem Strauch den bis heute regional geläufigen Namen „Pulverholz“.
Geschichtliches zu diesem Baum
Eine Kinderstube für den Zitronenfalter
In der Natur spielt der Faulbaum eine herausragende ökologische Rolle, die weit über seine giftigen Eigenschaften hinausgeht. Er ist die mit Abstand wichtigste Raupennahrungspflanze für den Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni). Die Schmetterlingsweibchen legen ihre Eier im Frühjahr fast ausschließlich an den Knospen und jungen Blättern des Faulbaums (oder des Kreuzdorns) ab. Die grünen, hervorragend getarnten Raupen fressen sich an den Blättern satt. Ohne Bestände des Faulbaums würde der Bestand dieses auffälligen Frühlingsboten drastisch einbrechen.
Gestaffelte Reife und clevere Verbreitungsstrategie
Ein faszinierendes Merkmal des Faulbaums ist seine ungewöhnlich lange Blütezeit von Ende Mai bis tief in den Spätsommer. Da der Strauch kontinuierlich neue Blüten bildet, lassen sich an ihm alle Entwicklungsstadien der Fortpflanzung gleichzeitig beobachten: grünlich-weiße Blüten, unreife grüne Steinfrüchte, halbreife rote Früchte und glänzend schwarze, vollreife Beeren. Diese Sukzessivreife ist eine geniale ökologische Strategie. Sie garantiert, dass bestäubende Insekten (Bienen, Hummeln, Schlupfwespen und Käfer) über Monate hinweg Nektar und Pollen finden. Gleichzeitig lockt der Strauch von Spätsommer bis in den Winter kontinuierlich samenverbreitende Vögel an. Wacholderdrosseln, Misteldrosseln und Fasane verzehren die für sie ungiftigen Beeren und scheiden die Kerne intakt wieder aus (Endochorie), was die Fernausbreitung der Pflanze sichert. Die herabfallenden Früchte sorgen zudem für eine reiche Naturverjüngung direkt unter der Mutterpflanze.
Etymologie: Vom Gestank und Schießpulver
Der deutsche Name „Faulbaum“ ist auf eine charakteristische, aber verborgene Eigenschaft zurückzuführen: Ritzt man die Rinde eines frischen Zweiges an oder bricht man ihn durch, verströmt das feuchte Holz einen unangenehmen, aasartigen oder fauligen Geruch. Der botanische Gattungsname Frangula leitet sich hingegen vom lateinischen Wort frangere (brechen) ab. Dies spielt auf die Brüchigkeit des zarten Holzes der Zweige an. Die Volksnamen „Pulverholz“ oder „Schießbeere“ sind ein direktes Echo seiner industriellen Vergangenheit, in der die Holzkohle des Strauches eine entscheidende strategische Bedeutung in der Munitionsherstellung hatte.
Videobeitrag zu „Echter Faulbaum“
Noch mehr Informationen und Bestimmungsvideos zum Echten Faulbaum findest du im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Durch kurze Videos kannst du den gesamten Lebenszyklus dieses Baumes/Strauches verfolgen. Außerdem kannst du viele weitere heimische (essbare) Wildkräuter, Bäume und Sträucher in ihrem Werden und Vergehen kennen und bestimmen lernen.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden
- Kosmos-Baumführer – 370 Bäume und Sträucher (Mitteleuropa)
- de.wikipedia.org – voll mit Baum & Strauch-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Bäumen & Sträuchern)
- www.baumkunde.de – Baumarten Datenbank
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über Bäume und Sträucher
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