Labkraut – Wiesen - essbar

Labkraut - Wiesen (Galium mollugo)
Labkraut - Wiesen

Wiesen-Labkraut (Artengruppe) – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Das Wiesen-Labkraut, welches botanisch eigentlich eine Artengruppe aus mehreren sehr ähnlichen Pflanzen darstellt, ist ein allgegenwärtiger Begleiter auf Fettwiesen und an Wegrändern. Zur Familie der Rötegewächse gehörend, war es historisch nicht nur für die Käseherstellung und als Färberpflanze von Bedeutung, sondern erweist sich heute als hervorragendes, mild schmeckendes Wildgemüse, das sogar unter dem Schnee geerntet werden kann.

Wildpflanzen-Steckbrief „Wiesen-Labkraut“

  • Botanischer Name: Galium mollugo agg. (Artengruppe, umfasst u. a. Galium mollugo und Galium album)
  • Deutscher Name: Wiesen-Labkraut (Artengruppe)
  • Familie: Rötegewächse (Rubiaceae)
  • Gattung: Labkräuter (Galium)
  • Andere Namen: Weißes Labkraut, Weißes Waldstroh, Grasstern, Gemeines Labkraut
  • Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
  • Wuchsform: Krautige Pflanze
  • Wuchshöhe: 25 bis 100 cm
  • Wurzelwerk: Tiefreichendes Wurzelsystem mit ausläuferartigen Rhizomen
  • Blütezeit: Mai bis September
  • Blütenstand: Üppiger, schmal pyramidenförmiger, rispiger bis traubiger Blütenstand
  • Fruchtreife: Juli bis Oktober
  • Boden/Standort: Fettwiesen, lichte Auwälder, Wegränder, Trockenrasen
  • Hauptinhaltsstoffe: Iridoid-Glykoside (Asperulosid), Flavonoide, Gerbstoffe, Kieselsäure, Labenzym, in der Wurzel Alizarin (roter Farbstoff)
  • Giftigkeit: Für den Menschen in allen Pflanzenteilen ungiftig.
BuchTipps

Wildpflanzen-Wissen, das mit nach draußen darf.

📖 Entdecke meine handverlesenen Buchtipps zum Sammeln, Kochen und Heilen. Authentisch, praxiserprobt und voller Liebe zur Natur.

Bilder & Fotos „Wiesen-Labkraut“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Das Wiesen-Labkraut fällt besonders durch seine schaumigen, weißen Blütenwolken auf, die sich im Hochsommer oft üppig über die umgebenden Gräser der Fettwiesen legen.

Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)

  • Stängel: Der Stängel wächst aufsteigend bis aufrecht, ist meist glatt (selten leicht behaart) und deutlich vierkantig.
  • Blätter: Die Blätter sind schmal, linealisch bis lanzettlich und weisen nur einen erkennbaren Hauptnerv auf. Sie stehen sternförmig in Quirlen (Wirteln) um den Stängelknötchen.
  • Unterscheidung innerhalb der Artengruppe: Beim eigentlichen Wiesen-Labkraut (G. mollugo) bestehen die Quirle meist aus 8 Blättern. Beim Weißen Labkraut (G. album) können es 4 bis 10 Blätter pro Quirl sein.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blütenstand: Viele kleine Einzelblüten drängen sich zu einem ausladenden, reichblütigen Blütenstand zusammen.
  • Blüten: Die winzigen Blüten sind reinweiß und vierzählig (radförmig mit vier Kronzipfeln). Beim Weißen Labkraut messen sie etwa 3 bis 4 mm im Durchmesser und sitzen an sehr kurzen Blütenstielen. Das eigentliche Wiesen-Labkraut hat noch kleinere Blüten (2 bis 3 mm), die an etwas längeren Stielen sitzen.
  • Früchte: Es bilden sich glatte, eiförmige und leicht gerunzelte Spaltfrüchte, die bei Reife in zwei einsamige Teilfrüchte zerfallen.

Verwechslungsgefahren:

  • Waldmeister (Galium odoratum): Wächst fast ausschließlich in Laubwäldern, hat deutlich breitere, lanzettliche Blätter und verströmt getrocknet einen intensiven Cumarin-Duft. (Ungiftig)
  • Kletten-Labkraut (Galium aparine): Besitzt raue Kletterborsten am vierkantigen Stängel und an den Blättern, wodurch die Pflanze stark an der Kleidung haftet. (Ungiftig)
  • Echtes Labkraut (Galium verum): Hat stark nadelartige Blätter und blüht leuchtend goldgelb statt weiß. (Ungiftig)
Pflanzenbestimmung

Mein Bestimmung ❤️ Buch-Tipp:

Dieses Buch garantiert schnelles und sicheres Bestimmen durch die bewährte Einteilung nach Blütenfarbe und Blütenform und mehr als 2.000 naturgetreuen Zeichnungen.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Keine offizielle Droge
  • Inhaltsstoffe: Iridoid-Glykoside, Gerbstoffe, Flavonoide
  • Monographie-Status: Keine (weder HMPC noch Kommission E)

In der modernen, evidenzbasierten Pflanzenheilkunde hat die Artengruppe des Wiesen-Labkrauts keine Bedeutung. Auch in der historischen Volksheilkunde wurde es im Gegensatz zu seinen Verwandten, dem Echten Labkraut und dem Kletten-Labkraut, kaum bis gar nicht für medizinische Zwecke genutzt. Es gibt folglich keine gesicherten medizinischen Anwendungen für diese Pflanze.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Medizin ❤️ Buch-Tipp:

Wissenswertes über 300 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe, Anwendung und Heilwirkung.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Im Gegensatz zu vielen anderen Wildkräutern besticht das Wiesen-Labkraut durch eine ausgesprochen milde Würze. Der Geschmack erinnert an eine harmonische Mischung aus Kopfsalat und jungem Rucola.

  • Stängel, Blätter & Triebspitzen (Fast ganzjährig): Selbst unter einer winterlichen Schneedecke lassen sich oft noch intakte, grüne Blattrosetten finden. Die zarten Blätter und weichen oberen Stängelabschnitte sind eine exzellente Grundlage für milde Wildkräutersalate oder lassen sich gedünstet als Blattgemüse verarbeiten. Durch die große Milde können sie auch in großen Mengen in Grüne Smoothies gegeben werden, ohne das Getränk geschmacklich zu dominieren.
  • Blüten (Mai bis September): Die noch knospigen oder bereits geöffneten Blütenstände sind eine dekorative und zartwürzige essbare Garnitur für Salate, Suppen oder auch Desserts.
  • Samen (August bis Oktober): Die kleinen Früchte können im Spätsommer gesammelt werden. Trocken und dunkel gelagert, lassen sie sich im Winter zur Anzucht von frischen Sprossen nutzen. Leicht in der Pfanne geröstet und vermahlen, dienten sie in Notzeiten als koffeinfreier Kaffee-Ersatz.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

Für alle, die tiefer in die Themen Survival und Notnahrung eintauchen möchten, sind die Bücher und Kurse von Johannes „Joe“ Vogel * eine erstklassige Empfehlung. Als renommierter Experte für Wildnis-Wissen vermittelt er praxisnah, wie man sich autark aus den Ressourcen der Natur versorgen kann.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Kochen/Küche ❤️ Buch-Tipp:

Infos über Vorkommen, Blütezeit und Verwendung in der Küche, Ernährung und Medizin von 2000 Pflanzen- & Baumarten!

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Bestäubung und Ausbreitung

Das Wiesen-Labkraut spielt eine wertvolle ökologische Rolle auf unseren Wiesen. Seine offen dargebotenen, nektarreichen Blüten wirken wie ein Magnet auf ein breites Spektrum von Insekten. Sie werden intensiv von Fliegen, Schwebfliegen (Syrphiden), Käfern, Wespen sowie kurz- und mittelrüsseligen Wildbienen beflogen. Auch bei der Verbreitung seiner Nachkommen setzt die Pflanze auf Vielfalt: Die kleinen Spaltfrüchte werden nicht nur vom Wind verweht, sondern haften bei Nässe gelegentlich an Tierfellen (Kleb- oder Klettausbreitung) oder durchlaufen völlig intakt den Verdauungstrakt von pflanzenfressenden Tieren (Endozoochorie), um am Zielort gut gedüngt keimen zu können.

Käsemacher und Rote Farbe

Der Name „Labkraut“ und der wissenschaftliche Gattungsname „Galium“ (vom griechischen gala für Milch) deuten auf die große historische Bedeutung der gesamten Pflanzenfamilie hin. Das Kraut enthält ein pflanzliches Enzym, das ähnlich wie tierisches Lab aus Kälbermägen funktioniert und Milcheiweiß zum Gerinnen bringt. Es wurde früher von Bauern und Sennen bei der Käseherstellung genutzt. Doch das Wiesen-Labkraut barg noch ein weiteres Geheimnis unter der Erde: In seinen Wurzeln verbirgt sich Alizarin, ein intensiver roter Farbstoff. Ähnlich wie beim eng verwandten Färberkrapp wurden die Wurzeln in der Vergangenheit ausgegraben, um Wolle und andere Textilien natürlich rot zu färben.

Unbeliebt beim Weidevieh

Während Wildkräutersammler das Wiesen-Labkraut für seine Milde schätzen, wird es in der professionellen Landwirtschaft heute oftmals als störendes Unkraut auf Fettwiesen bekämpft. Der Grund dafür ist pragmatischer Natur: Wenn das Heu einen zu großen Anteil an Labkraut aufweist, wird es von den Rindern verschmäht. Auch beim direkten Weidegang meiden viele Tiere alte Bestände der Pflanze, da die Stängel im fortgeschrittenen Alter recht zäh werden können.

Videobeitrag zu „Wiesen-Labkraut“

Wiesen-Labkraut (Galium mollugo agg.)

Weitere Bestimmungsvideos für das Wiesen-Labkraut findest du auf dem YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Begleite dieses Wildkraut durch die Jahreszeiten und lerne es anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Auch viele weitere heimische (essbare) Wildpflanzen, Bäume und Sträucher werden für Bestimmung und Nutzung näher gebracht.

Quellen und weitere Informationen

Unterstützte das Lexikon

Hilf das Lexikon zu erhalten! 🙏

Kleine Dinge für dich, große Hilfe für mich & das Wildkräuter-Lexikon!

Mehr essbare & giftige Wildkräuter & Pflanzen

Wildpflanzen und Kräuter Lexikon - Seiten A-Z Übersicht
Wildpflanzen A-Z

Essbare & giftige Wildpflanzen A-Z
Online Lexikon Hauptübersicht. Hier findest du ALLE beschriebenen (essbaren & giftigen) Wildkräuter, Wiesenkräuter, Wildblumen & Pflanzen auf einen Blick!