Borretsch - (eingeschränkt) essbar

Borretsch (Borago officinalis)
Borretsch

Borretsch – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Der Borretsch (Borago officinalis) ist der Punk unter den Gartenkräutern: Borstig behaart, aber mit einem Herz aus himmelblauen Blütensternen. Die meisten kennen ihn als klassisches „Gurkenkraut“ oder unverzichtbare Zutat der Frankfurter Grünen Soße. Doch die Pflanze polarisiert: Während sie kulinarisch und für Insekten ein Highlight ist, mahnen Toxikologen zur Vorsicht. Warum dieser mediterrane Einwanderer in Maßen genossen eine Bereicherung, in Massen aber bedenklich ist, erfährst du hier.

Wildpflanzen-Steckbrief „Borretsch“

  • Botanischer Name: Borago officinalis
  • Deutscher Name: Borretsch
  • Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
  • Gattung: Borretsch (Borago)
  • Synonyme/Volksnamen: Gurkenkraut, Kukumerkraut, Blauhimmelstern, Herzfreude, Wohlgemutsblume
  • Lebensdauer: einjährig (samenvermehrend)
  • Wuchsform: krautig, buschig, aufrecht
  • Lebensform: Therophyt (überdauert als Samen im Boden)
  • Wuchshöhe: 40 cm bis 70 cm
  • Wurzelwerk: kräftige Pfahlwurzel mit zahlreichen Seitenwurzeln
  • Blütezeit: Mai bis September
  • Blütenstand: lockere Wickel mit nickenden Einzelblüten
  • Fruchtreife: Juli bis Oktober
  • Boden/Standort: nährstoffreich, feucht, durchlässig, sonnig bis halbschattig; Gärten, Ruderalflächen
  • Hauptinhaltsstoffe: Schleimstoffe, Gerbstoffe, Kieselsäure, Vitamin C, Gamma-Linolensäure (Samen), Pyrrolizidinalkaloide (PAs)
  • Giftigkeit: schwach giftig (leberschädigende Stoffe in den Blättern)
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Bilder & Fotos „Borretsch“

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Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Erscheinungsbild & Stängel:
Die gesamte Pflanze wirkt „ungekämmt“. Stängel und Blätter sind dicht mit steifen, abstehenden Borstenhaaren besetzt, die sich bei Berührung rau und stachelig anfühlen. Der Stängel ist dick, saftig und innen hohl.

Blätter:
Die dunkelgrünen Blätter sind fleischig und fühlen sich derb an. Die unteren Blätter sind groß, oval und gestielt, während die oberen am Stängel sitzend und eher länglich-lanzettlich geformt sind. Zerreibt man ein Blatt, entströmt sofort der typische Gurkengeruch.

Blüten:
Die Blüten sind kleine Kunstwerke: Sie bestehen aus fünf leuchtend blauen (selten weißen) Kronblättern, die sternförmig ausgebreitet sind. In der Mitte bilden eine kontrastreiche, weiße Nebenkrone und schwarze Staubbeutel einen markanten „Streukegel“.
Spannendes Detail: Die Blüten wechseln ihre Farbe. Sie öffnen sich rosa und werden erst durch Änderung des pH-Wertes in der Zelle blau (ein ähnlicher Effekt wie bei Lackmuspapier).

Früchte/Samen:
Aus der Blüte entwickeln sich bis zu vier kleine, runzelige Nüsschen (Klausen). Sie besitzen ein fettreiches Anhängsel (Elaiosom), das Ameisen anlockt, welche für die Verbreitung sorgen.

Verwechslungsgefahren:
Junge Blattrosetten können entfernt mit denen des Roten Fingerhuts (Digitalis purpurea – tödlich giftig!) oder der Ochsenzunge (Anchusa) verwechselt werden. Achte auf den Gurkengeruch – den hat nur der Borretsch.

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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge (Verwendeter Teil): Borretschöl (aus Samen), selten getrocknetes Kraut/Blüten
  • Inhaltsstoffe: Gamma-Linolensäure (Öl), Pyrrolizidinalkaloide (Kraut)
  • Monographie-Status: Kraut/Blüten: Negativ (wegen Toxizität); Öl: Traditionell genutzt

Behördliche Einschätzung (Schulmedizin):

Das aus den Samen gewonnene Borretschöl ist reich an Gamma-Linolensäure und wird medizinisch (innerlich und äußerlich) bei atopischen Ekzemen (Neurodermitis) anerkannt eingesetzt. Es gilt – bei korrekter Herstellung – als frei von giftigen Alkaloiden.
Vom medizinischen Einsatz des Krautes (Tee, Extrakte) wird heute behördlich dringend abgeraten, da der Gehalt an leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloiden (PAs) stark schwankt und riskant ist.

Volksheilkunde & Tradition:

Früher galt Borretsch als „Herzfreude“ und wurde zur Stimmungsaufhellung („macht fröhlich“), bei Fieber oder zur „Blutreinigung“ genutzt. Diese Anwendungen sind heute obsolet, da das Risiko den Nutzen überwiegt.

⚠️ Sicherheit & Gegenanzeigen:

  • Das Kraut enthält Pyrrolizidinalkaloide (PAs, z.B. Amabilin), die leberschädigend und krebserregend wirken können.
  • Keine dauerhafte medizinische Anwendung von Tee oder Krautextrakten!
  • Schwangere, Stillende und Leberkranke sollten auf Borretsch-Kraut verzichten.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil:

Geschmack: Erfrischend nach Gurke, leicht säuerlich und mineralisch salzig.
Nutzwert: Beliebtes Gewürz für Salate, Saucen und Deko.

Verwendung nach Pflanzenteilen:

  • Blätter & Triebspitzen (April bis Juli): Junge, zarte Blätter (noch ohne harte Stacheln) fein gehackt in Gurkensalat, Quark oder der „Frankfurter Grünen Soße“. Von der Zubereitung älterer Blätter in großen Mengen (z. B. als Spinatgemüse) ist wegen der leberschädigenden PAs jedoch zwingend abzuraten.
  • Blüten (Mai bis September): Die blauen Sterne sind essbar und schmecken süßlich-mild. Perfekt als Deko, kandiert auf Desserts oder eingefroren in Eiswürfeln für Sommerdrinks.
  • Samen: Dienen der Ölgewinnung, kaum direkte Küchennutzung.

Verarbeitung & Tipps:

Die borstigen Haare stören im Mund. Hacke die Blätter daher immer sehr fein oder verwende nur ganz junge Triebe. Die Blüten enthalten deutlich weniger Alkaloide als die Blätter und sind unbedenklicher.

⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor regelmäßigem Verzehr. Die Dosis macht das Gift: Ein gelegentlicher Gurkensalat mit Borretsch oder die saisonale „Grüne Soße“ gelten als unbedenklich. Vermeide jedoch den täglichen Konsum großer Mengen (z.B. in Smoothies).

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Etymologie & Geschichte:
Der Name könnte vom arabischen abu-rach („Vater des Schweißes“) kommen, was auf die schweißtreibende Wirkung in der alten Heilkunde hindeutet. Plinius der Ältere prägte den Satz: „Ego borago gaudia semper ago“ (Ich, Borretsch, bringe immer Freude). In England gibt man die Blüten traditionell in den „Pimm’s Cup“ Cocktail.

Ökologie:
Für Imker ist Borretsch Gold wert. Er produziert witterungs- und standortabhängig reichlich und zuckerreichen Nektar, der zudem sehr schnell nachfließt. Auch Hummeln beißen sich manchmal regelrecht in die Blüten, um an den Nektar zu kommen.

Videobeitrag zu „Borretsch“

Borretsch (Borago officinalis)

Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für den Borretsch. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.

Quellen und weitere Informationen

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