Kirschpflaume - essbar

Kirsche - Gew.Traubenkrische (Prunus padus)
Kirsche - Gew.Traubenkirsche

Kirschpflaume – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Die Kirschpflaume, oft auch Myrobalane genannt, ist ein im Vorfrühling üppig weiß blühender Wild- und Zierobstbaum aus der Familie der Rosengewächse. Ursprünglich im Balkan und in Kleinasien beheimatet, ist sie bei uns heute ein fest etablierter Neophyt, der an Waldrändern, in Hecken und in alten Obstgärten verwildert wächst. Ökologisch ist sie als einer der ersten Frühjahrsblüher eine essenzielle Nahrungsquelle für Insekten, während sie botanisch eine besondere Rolle einnimmt: Durch eine natürliche Kreuzung mit dem heimischen Schlehdorn ist sie die Urmutter unserer heutigen Kulturpflaumen und Zwetschgen.

Baum-Steckbrief „Kirschpflaume“

  • Botanischer Name: Prunus cerasifera
  • Deutscher Name: Kirschpflaume
  • Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Gattung: Steinobstgewächse (Prunus)
  • Andere Namen: Myrobalane, Wildpflaume, Türkische Pflaume
  • Lebensdauer: Mehrjähriges Gehölz
  • Wuchsform: Sommergrüner Strauch oder kleiner, oft breitkroniger Baum
  • Wuchshöhe: 5 bis 8 Meter
  • Wurzelwerk: Herzwurzler bis Tiefwurzler
  • Blütezeit: März bis April
  • Blütenstand: Einzeln oder zu wenigen in kleinen Büscheln an Kurztrieben
  • Fruchtreife: Juni bis August (je nach Sorte)
  • Boden/Standort: Wärmeliebend und anspruchslos. Frische, nährstoffreiche Böden an Wegrändern, Hecken und in Auen.
  • Hauptinhaltsstoffe: Fruchtfleisch: Kalium, Vitamin C, Provitamin A, Pektine, Fruchtsäuren, Anthocyane. Samen/Blätter: Cyanogene Glykoside (Amygdalin).
  • Giftigkeit: Fruchtfleisch und Blüten sind ungiftig. Samen (Kerne) und Blätter sind schwach giftig.

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Bilder & Fotos „Kirschpflaume“

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Bestimmung/Beschreibung des Baumes

Die Kirschpflaume fällt im zeitigen Frühjahr durch ihre extrem frühe, weiße Blütenpracht auf, die oft noch vor der Schlehe erscheint. Ein guter Test zur Unterscheidung von verwandten Arten ist der Blatttest.

Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)

  • Rinde/Zweige: Die jungen Langtriebe sind kahl, grün und verfärben sich auf der Sonnenseite oft rötlich. Später werden sie graubraun mit feinen Korkwarzen (Lentizellen). Die Borke des Stammes ist schwarzgrau und unregelmäßig flach rissig. Im Gegensatz zum Schlehdorn besitzen die Zweige keine echten Dornen (Kurztriebe können manchmal dornenartig enden, sind aber weicher).
  • Blätter: Wechselständig, 3 bis 7 cm lang, elliptisch bis verkehrt-eiförmig und am Ende zugespitzt. Der Rand ist fein gekerbt.
  • Blattbeschaffenheit: Die Oberseite ist glänzend dunkelgrün, die Unterseite matt und heller. Ein wichtiges Merkmal: Fühlst du das Blatt zwischen den Fingern, wirkt es auffallend dünn und papierartig. Am Blattgrund (Übergang zum Stiel) sitzen oft 1 bis 2 winzige Nektardrüsen.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Die 5-zähligen Blüten (2 bis 2,5 cm groß) stehen meist einzeln an deutlich erkennbaren Stielen. Sie sind reinweiß, im Zentrum manchmal zartrosa, und verströmen einen intensiven, süßlichen Duft. Sie erscheinen oft kurz vor oder zusammen mit dem Laubaustrieb.
  • Frucht: Eine kugelige Steinfrucht (2 bis 3 cm Durchmesser), die in Form und Größe einer großen Kirsche oder Mirabelle ähnelt. Die Farbe variiert je nach Sorte stark von leuchtend Gelb über Rot bis hin zu dunklem Blauviolett. Der leicht abgeflachte Steinkern lässt sich (im Gegensatz zur Pflaume) nur sehr schwer vom Fruchtfleisch lösen.

Verwechslungsgefahren:

  • Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca): Die Früchte sehen fast identisch aus. Der Mirabellenkern löst sich jedoch bei Reife sehr leicht vom Fruchtfleisch. Zudem fassen sich die Blätter der Mirabelle derber und fester an, nicht so zart und papierartig wie bei der Kirschpflaume.
  • Schlehdorn (Prunus spinosa): Blüht ebenfalls weiß vor dem Laubaustrieb, ist aber ein extrem stacheliger, dichter Strauch. Die Zweige sind schwarz (nicht grün/rötlich). Die Früchte sind wesentlich kleiner, tiefblau bereift und roh durch Gerbstoffe stark adstringierend (pelzig zusammenziehend).
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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Keine offizielle Droge
  • Inhaltsstoffe: Pektine, Vitamine, Mineralien
  • Monographie-Status: Keine (weder HMPC noch Kommission E)

Für die Kirschpflaume gibt es keine gesicherten medizinischen Anwendungsgebiete. Sie spielt in der evidenzbasierten Phytotherapie keine Rolle.

In der Volksheilkunde wird sie ebenfalls nicht als spezifisches Heilmittel genutzt. Als diätetisches Lebensmittel fördern die frischen Früchte jedoch aufgrund ihres hohen Gehalts an wasserlöslichen Pektinen und Zellulose die Verdauung und regulieren eine träge Darmtätigkeit auf natürliche Weise.

Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Gehölze (Bäume und Sträucher) nehmen in der Phytotherapie und Homöopathie seit jeher einen bedeutenden Stellenwert ein. Sie enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Linderung verschiedenster Beschwerden beitragen können. Die Informationen auf diesen Seiten bieten dir einen fundierten Überblick über die botanischen Merkmale und traditionellen Anwendungen. Sie stellen jedoch keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Heilkraft von Pflanzen empfiehlt sich ein Blick in die einschlägige Fachliteratur. Ein bewährtes Standardwerk ist beispielsweise „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt darin detailliert die Anwendungsmöglichkeiten in der Schulmedizin, Phytotherapie und Volksheilkunde sowie die Nutzung innerhalb der Homöopathie.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Das Fruchtfleisch schwankt je nach Sorte und Reifegrad zwischen säuerlich-wässrig und herrlich aromatisch-süß. Vor allem in der orientalischen Küche schätzt man die Pflanze wegen ihrer kulinarischen Vielseitigkeit.

  • Früchte roh (Juni bis August): Vollreife Früchte sind ein hervorragendes Naschobst direkt vom Baum. In der türkischen Kultur werden jedoch ganz gezielt die noch grünen, knackig-säuerlichen, unreifen Früchte im Frühsommer geerntet und roh als Erfrischung gegessen (verkauft unter dem Namen „Can Erik“).
  • Früchte verarbeitet: Vollreif eignen sie sich durch den Pektingehalt exzellent für süß-saure Marmeladen, Säfte oder Kompott. In Georgien wird aus unreifen und reifen Früchten die berühmte, scharf-saure Würzsoße „Tqemali“ gekocht, die dort zu nahezu jedem Fleischgericht serviert wird.
  • Blüten (März): Die feinen, duftenden Blüten können als essbare Dekoration, zum Kandieren oder zur Aromatisierung von Tees und Ansatzschnäpsen genutzt werden.
⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Das Fruchtfleisch ist völlig unbedenklich, jedoch enthalten die Steinkerne (Samen) sowie die Blätter cyanogene Glykoside (Amygdalin), aus denen im Körper giftige Blausäure entstehen kann. Beim rohen Verzehr dürfen die Kerne niemals zerknackt oder mitgegessen werden. Bei der Verarbeitung zu Smoothies, Säften oder Mus dürfen die Früchte auf keinen Fall mitsamt Kern in den Mixer! Koche die Früchte im Ganzen weich und streiche sie anschließend behutsam durch ein Sieb oder eine „Flotte Lotte“, um die unverletzten Kerne zu entfernen.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die heimische Flora bietet faszinierende Möglichkeiten für eine naturnahe Ernährung. Auf diesen Seiten erfährst du alles Wissenswerte über die Bestimmung und Nutzung der wichtigsten Bäume und Sträucher. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Pflanzenteile, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da der Fokus dieses Lexikons auf der botanischen Fachkunde liegt, findest du hier keine detaillierten Rezepte. Zur kulinarischen Umsetzung empfehle ich dir stattdessen diese spezialisierten Bücher über die Wildkräuter-Küche.

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Eigenschaften & Verwendung des Holzes

Holzeigenschaften: Das Holz der Kirschpflaume ist extrem hart, dicht und neigt stark zur Sprödigkeit. Optisch ist es sehr attraktiv: Während der Splint gelblich ist, zeigt das Kernholz eine auffällige Maserung mit Farbstreifen, die von zartrosa über braun bis hin zu tiefem Violett reichen. Es schwindet beim Trocknen stark und reißt leicht ein.

  • Nutzung & Handwerk: Wegen der schweren Trocknung und der geringen Stammdurchmesser taugt es nicht als Bau- oder Möbelholz. Im spezialisierten Kunsthandwerk ist es jedoch hochbegehrt: Es lässt sich wunderbar drechseln und auf Hochglanz polieren. Es wird traditionell im Bogenbau, für edle Messerhefte, kleine Fasshähne und beim Bau von hochwertigen Holzblasinstrumenten verwendet.
  • Brennwert & Energetische Nutzung: Hat als Hartholz einen sehr hohen Brennwert, ist aufgrund seiner Seltenheit in waldbaulichen Beständen als klassisches Brennholz aber kaum von Bedeutung.

Geschichtliches zu diesem Baum

Die Urmutter unserer Zwetschgen

Die Genetik der Rosengewächse ist faszinierend und voller natürlicher Experimente. Botaniker gehen heute davon aus, dass unsere moderne Gartenpflaume und die Zwetschge (Prunus domestica) keine eigenständig entstandenen Wildarten sind. Stattdessen sind sie das Resultat einer spontanen, natürlichen Kreuzung in der Antike. Damals kreuzte sich der extrem herb-saure, winterharte europäische Schlehdorn (Prunus spinosa) mit der süßeren, aus dem Kaukasus stammenden Kirschpflaume (Prunus cerasifera). Das Ergebnis dieses Zufalls vereint bis heute die Winterhärte der Schlehe mit der Fruchtgröße und Süße der Kirschpflaume.

Die Blutpflaume: Ein roter Blickfang

Sehr oft begegnet dir in Gärten, Parks oder als Straßenbaum eine auffällige Variante der Kirschpflaume, die leuchtend weinrote bis schwarzrote Blätter trägt. Dies ist die sogenannte Blutpflaume (Prunus cerasifera ‚Nigra‘). Sie ist keine eigene Art, sondern lediglich eine rotblättrige Zuchtform (Sorte) der Kirschpflaume. Oft wird fälschlicherweise angenommen, es handle sich dabei um reine Ziergehölze, deren Früchte giftig seien. Das ist ein Mythos: Die roten bis violetten Früchte der Blutpflaume sind ebenso essbar und oft sogar besonders aromatisch und bestens für dunkelrotes Gelee geeignet.

Ein Baum als „Amme“ im Obstbau

Trotz ihrer teils geschmacklich faden Früchte hat die Wildform der Kirschpflaume eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für den globalen Obstbau. Da sie ein extrem anpassungsfähiges, starkes und trockenheitsresistentes Wurzelwerk ausbildet, wird sie massenhaft herangezogen, um als sogenannte Veredelungsunterlage zu dienen. Edle, anfälligere Pflaumen- oder Aprikosensorten werden in Baumschulen auf den robusten Stamm einer jungen Kirschpflaume gepfropft, um ihnen so zu einem starken und krankheitsresistenten Wachstum zu verhelfen.

Videobeitrag zu „Kirschpflaume“

Kirschpflaume (Prunus cerasifera)

Weitere Bestimmungsvideos für die Kirschpflaume findest du auf dem YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Begleite diesen Baum/Strauch durch die Jahreszeiten und lerne ihn anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Auch viele weitere heimische (essbare) Wildpflanzen, Bäume und Sträucher werden für Bestimmung und Nutzung näher gebracht.

Quellen und weitere Informationen

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