Kriech-Quecke - essbar

Kriech-Quecke (Elymus repens)

Kriech-Quecke – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Bilder & Beschreibung der Graspflanze / des Grases, sowie Information über Vorkommen und Nutzung

Die Kriech-Quecke ist für viele Gärtner das Inbegriff des hartnäckigen Unkrauts, doch aus botanischer und heilkundlicher Sicht ist sie ein faszinierendes Süßgras. Als robuste Pionierpflanze besiedelt sie nahezu jeden Boden und wurde historisch nicht nur als wertvolle Arznei, sondern in Notzeiten auch als nahrhafte Kohlenhydratquelle geschätzt.

Wildpflanzen-Steckbrief „Kriech-Quecke“

  • Botanischer Name: Elymus repens
  • Deutscher Name: Kriech-Quecke
  • Familie: Süßgräser (Poaceae)
  • Gattung: Quecken (Elymus)
  • Andere Namen: Gemeine Quecke, Gewöhnliche Quecke, Zweckgras
  • Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
  • Wuchsform: Krautiges Gras
  • Wuchshöhe: 50 bis 120 cm (selten bis 150 cm)
  • Wurzelwerk: Tiefwurzelnd (bis 80 cm) mit weitreichenden, kriechenden Rhizomen
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Blütenstand: Zweizeilige Ähre
  • Fruchtreife: August bis Oktober
  • Boden/Standort: Nährstoff- und stickstoffreiche Böden, Äcker, Wiesen, Wegränder, Ufersäume und Schuttplätze
  • Hauptinhaltsstoffe: Polysaccharide (Triticin), Schleimstoffe, Zuckeralkohole (Mannitol), Kieselsäure, ätherisches Öl
  • Giftigkeit: Für den Menschen in allen Pflanzenteilen ungiftig.
BuchTipps

Wildpflanzen-Wissen, das mit nach draußen darf.

📖 Entdecke meine handverlesenen Buchtipps zum Sammeln, Kochen und Heilen. Authentisch, praxiserprobt und voller Liebe zur Natur.

Bilder & Fotos „Kriech-Quecke“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Die Kriech-Quecke ist ein hochwüchsiges, formenreiches Gras, das durch seine unterirdischen Ausläufer oft dichte Horste oder großflächige Flecken in der Landschaft bildet.

Vegetative Merkmale (Halm, Blätter & Wurzel)

  • Halme: Die Halme sind kahl, stehen aufrecht oder sind an der Basis leicht gebogen. Sie weisen meist drei bis fünf deutlich erkennbare Knoten (Nodien) auf.
  • Blätter: Die schlaffen Laubblätter sind grün und oft abwischbar blau bereift. Sie werden 6 bis 30 cm lang und 3 bis 8 mm breit. Die Blattoberseite ist rau und flach gerippt.
  • Blattgrund: Am Übergang vom Blatt zum Halm sitzen kleine, stängelumfassende und bewimperte Öhrchen. Das Blatthäutchen (Ligula) ist häutig und extrem kurz (unter 1 mm).
  • Rhizom (Überdauerungsorgan): Die Pflanze bildet ein sehr ausgedehntes, stark verzweigtes und helles Netz aus unterirdischen Kriechsprossen (Rhizomen) .

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blütenstand: Die endständigen Ähren sind schlank und 5 bis 20 cm lang. Die einzelnen Ährchen sitzen locker bis dicht gepackt an der Achse.
  • Ährchenanordnung: Ein zentrales Erkennungsmerkmal der Quecke ist, dass die Ährchen mit ihrer Breitseite (nicht mit der Schmalseite) an der Ährenspindel anliegen.
  • Spelzen: Die Hüllspelzen sind spitz, lanzettlich geformt und fünfnervig. Die Deckspelzen tragen keine oder nur sehr kurze Grannen.
  • Früchte: Im Herbst reifen die Grasfrüchte (Karyopsen). Bei der Reife brechen meist ganze Ährchen von der Spindel ab.

Verwechslungsgefahren:

  • Hunds-Quecke (Elymus caninus): Wächst horstig ohne die typischen unterirdischen Kriech-Rhizome und besitzt deutlich längere Grannen an den Deckspelzen.
  • Deutsches Weidelgras (Lolium perenne): Sieht sehr ähnlich aus, aber bei diesem Gras sitzen die Ährchen mit der Schmalseite zur Ährenspindel, nicht mit der Breitseite.
Pflanzenbestimmung

Mein Bestimmung ❤️ Buch-Tipp:

Dieses Buch garantiert schnelles und sicheres Bestimmen durch die bewährte Einteilung nach Blütenfarbe und Blütenform und mehr als 2.000 naturgetreuen Zeichnungen.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Queckenwurzelstock (Graminis rhizoma)
  • Inhaltsstoffe: Polysaccharide, Schleimstoffe, Mannitol, lösliche Kieselsäure
  • Monographie-Status: HMPC (Traditional use), Kommission E (Positiv-Monographie)

In der evidenzbasierten Phytotherapie ist der Queckenwurzelstock als mildes, harntreibendes Mittel anerkannt. Die getrockneten Rhizome werden als Teezubereitung zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege eingesetzt sowie präventiv, um der Bildung von Nierengrieß vorzubeugen. In der traditionellen Volksheilkunde wird die Pflanze weitaus universeller angewandt, unter anderem zur „Blutreinigung“, zur Anregung des Stoffwechsels und bei diversen Unterleibsbeschwerden, wofür jedoch die modernen klinischen Belege fehlen.

⚠️ Sicherheit & Gegenanzeigen:

  • Bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit darf eine Durchspülungstherapie mit Quecke nicht durchgeführt werden.
  • Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter Wasser täglich) ist während der Anwendung zwingend zu achten.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Medizin ❤️ Buch-Tipp:

Wissenswertes über 300 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe, Anwendung und Heilwirkung.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Die Kriech-Quecke ist stark stärkehaltig und schmeckt eher mehlig-grasig. Kaut man die Rhizome länger, wandeln Enzyme die Stärke in Zucker um, wodurch sich ein süßlicher Geschmack entwickelt.

  • Rhizome (Wurzeln) & Erntezeit: Ab September bis in den Winter (in der blütenlosen Zeit). Sie können gereinigt roh gekaut werden, um den süßen, stärkehaltigen Saft zu extrahieren. Getrocknet und zu feinem Mehl vermahlen, dienten sie historisch als kohlenhydratreiches Streckmittel für Getreidemehl.
  • Blätter & Erntezeit: Sehr junge, zarte Frühlingsblätter (März bis April) können hauchfein geschnitten als kleine Salatbeigabe genutzt werden. Ältere Blätter sind zu zäh und stark kieselsäurehaltig.
  • Samen & Erntezeit: Ab Ende Juli bis Oktober. Die Karyopsen können roh geknabbert oder ähnlich wie kleines Getreide verarbeitet werden.
⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Wie viele Wildgräser ist auch die Kriech-Quecke eine Wirtspflanze für den Pilz Claviceps purpurea, der das gefürchtete Mutterkorn bildet . Mutterkorn ist stark giftig! Beim Sammeln der Samen im Spätsommer muss zwingend darauf geachtet werden, dass sich keine dunklen, hornartigen Pilzkörper in den Ähren befinden.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

Für alle, die tiefer in die Themen Survival und Notnahrung eintauchen möchten, sind die Bücher und Kurse von Johannes „Joe“ Vogel * eine erstklassige Empfehlung. Als renommierter Experte für Wildnis-Wissen vermittelt er praxisnah, wie man sich autark aus den Ressourcen der Natur versorgen kann.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Kochen/Küche ❤️ Buch-Tipp:

Infos über Vorkommen, Blütezeit und Verwendung in der Küche, Ernährung und Medizin von 2000 Pflanzen- & Baumarten!

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Ökologische Bedeutung und das „Unkraut“-Image

Die Kriech-Quecke ist durch ihre enormen Überlebensstrategien ein Meister der Ausbreitung. Sie vermehrt sich nicht nur generativ (über Samen), sondern in erster Linie vegetativ über ihre unterirdischen Kriechsprosse. Ein einziges Rhizom-Stück, das beim Pflügen im Boden verbleibt oder zerschnitten wird, treibt unweigerlich zu einer neuen Pflanze aus. Weil die Rhizome bis zu 80 Zentimeter tief in die Erde vordringen können, entziehen sie Nutzpflanzen Wasser und Nährstoffe. Das hat der Quecke den Ruf des „Ackerunkrauts schlechthin“ eingebracht. Gleichzeitig ist sie ökologisch wertvoll: Sie schützt als Pioniergras offene Böden effektiv vor Erosion. In nordeuropäischen Ländern wie Finnland wird das Gras auf gut gedüngten Böden aufgrund seines Nährstoffreichtums sogar gezielt als Futtergras für Weidevieh angebaut.

Etymologie und historische Nutzung

Der Name „Quecke“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „queck“ oder „quick“ ab, was so viel bedeutet wie „lebendig“ oder „zählebig“ (verwandt mit dem englischen „quick“). Dies spiegelt die kaum zu bändigende Wuchskraft des Grases wider. In der Historie war die Quecke jedoch nicht nur lästig, sondern überlebenswichtig: Vor allem in Not- und Kriegszeiten waren die getrockneten und vermahlenen Rhizome eine wertvolle Kohlenhydratquelle zum Strecken des knappen Brotmehls. Aus den süßlich schmeckenden Rhizomen wurde sogar Alkohol gewonnen: Bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein war es in Teilen Deutschlands durchaus üblich, aus den stärkehaltigen Wurzelstöcken der Quecke Bier zu brauen – eine Methode, die heute aufgrund unrentabler Ernteverfahren rein historisch zu betrachten ist.

Videobeitrag zu „Kriech-Quecke“

Kein Video verfügbar!

Quellen und weitere Informationen

Unterstützte das Lexikon

Hilf das Lexikon zu erhalten! 🙏

Kleine Dinge für dich, große Hilfe für mich & das Wildkräuter-Lexikon!

Mehr essbare & giftige Wildkräuter & Pflanzen

Wildpflanzen und Kräuter Lexikon - Seiten A-Z Übersicht
Wildpflanzen A-Z

Essbare & giftige Wildpflanzen A-Z
Online Lexikon Hauptübersicht. Hier findest du ALLE beschriebenen (essbaren & giftigen) Wildkräuter, Wiesenkräuter, Wildblumen & Pflanzen auf einen Blick!