Herbst-Löwenzahn - essbar

Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis)
Herbst-Löwenzahn

Herbst-Löwenzahn – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Der Herbst-Löwenzahn ist ein ausdauernder Spätsommerblüher, der unsere Wiesen und Wegränder oft bis weit in den November hinein mit seinen leuchtend gelben Blüten überzieht. Auch wenn er auf den ersten Blick an den allgegenwärtigen Gewöhnlichen Löwenzahn erinnert, offenbart er bei genauerer Betrachtung botanisch völlig andere Merkmale – wie etwa seinen verzweigten, nicht hohlen Stängel. Ökologisch ist er eine überaus wertvolle Nektar- und Pollenquelle für späte Insekten und bringt gleichzeitig eine feine, bittere Würze in die herbstliche Wildkräuterküche.

Wildpflanzen-Steckbrief „Herbst-Löwenzahn“

  • Botanischer Name: Scorzoneroides autumnalis (Synonym: Leontodon autumnalis)
  • Deutscher Name: Herbst-Löwenzahn
  • Familie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Gattung: Schuppenlöwenzähne (Scorzoneroides)
  • Andere Namen: Herbst-Schuppenlöwenzahn, Herbst-Leuenzahn, Herbst-Milchkraut
  • Lebensdauer: Mehrjährig (ausdauernd)
  • Wuchsform: Krautige Pflanze (Halbrosettenpflanze)
  • Wuchshöhe: 5 bis 60 cm
  • Wurzelwerk: Pfahlwurzel / kurzes Rhizom
  • Blütezeit: Juli bis September
  • Blütenstand: Körbchenblüte (nur Zungenblüten)
  • Fruchtreife: August bis November
  • Boden/Standort: Nährstoffreiche, meist kalkarme Wiesen, Weiden, Parkrasen und Wegränder
  • Hauptinhaltsstoffe: Bitterstoffe, Inulin (in der Wurzel)
  • Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig (alle Pflanzenteile)
BuchTipps

Wildpflanzen-Wissen, das mit nach draußen darf.

📖 Entdecke meine handverlesenen Buchtipps zum Sammeln, Kochen und Heilen. Authentisch, praxiserprobt und voller Liebe zur Natur.

Bilder & Fotos „Herbst-Löwenzahn“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Der Herbst-Löwenzahn ist eine filigrane, oft reich verzweigte Wiesenpflanze, die ihre Hauptblütezeit erst entfaltet, wenn viele andere Korbblütler bereits verblüht sind.

Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)

  • Stängel: Der aufsteigende Stängel ist etwas gerillt und nicht hohl (wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Gewöhnlichen Löwenzahn). Er ist oft verzweigt, verdickt sich nach oben hin allmählich und trägt kleine, schuppenartige Blättchen.
  • Blätter: Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Blätter sind meist völlig kahl. Sie sind länglich-lanzettlich (2 bis 30 cm lang) und tief fiederspaltig bis buchtig gezähnt, wobei die schmalen Blattabschnitte oft waagerecht abstehen oder leicht zurückgebogen sind. Sie sind auf Ober- und Unterseite gleichmäßig grün gefärbt.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Die Blütenkörbchen (2 bis 3,5 cm breit) sitzen einzeln an den Enden der verzweigten Stängel. Sie bestehen ausschließlich aus gelben Zungenblüten. Ein tolles Detail: Die äußersten Zungenblüten weisen auf ihrer Unter- bzw. Außenseite einen markanten, rötlichen Streifen auf. Vor dem Aufblühen stehen die Körbchen aufrecht.
  • Frucht: Es bilden sich zylindrische, rötlich-braune Nussfrüchte (Achänen), die 3,5 bis 7 mm lang sind. An ihrer Spitze sitzt ein fedriger Haarkranz (Pappus), der ohne Stielchen (ungeschnäbelt) direkt mit dem Samen verbunden ist.

Verwechslungsgefahren:

  • Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum officinale): Besitzt einen dicken, unverzweigten, glatten und vor allem streng hohlen Blütenstängel. Die Blütezeit liegt primär im Frühjahr.
  • Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata): Dessen Blätter sind steif bis borstig behaart und auf der Unterseite oft leicht bläulich bereift. Zudem sitzt der Flughaarkranz (Pappus) der Samen auf einem feinen Stielchen. Da auch das Ferkelkraut essbar ist, birgt eine Verwechslung keinerlei Risiken.
Pflanzenbestimmung

Mein Bestimmung ❤️ Buch-Tipp:

Dieses Buch garantiert schnelles und sicheres Bestimmen durch die bewährte Einteilung nach Blütenfarbe und Blütenform und mehr als 2.000 naturgetreuen Zeichnungen.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Keine offizinelle Nutzung.
  • Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Inulin.
  • Monographie-Status: Keine Bearbeitung durch HMPC oder Kommission E.

Der Herbst-Löwenzahn spielt in der evidenzbasierten Pflanzenheilkunde und in der Schulmedizin keine Rolle; es gibt keine zugelassenen Präparate oder klinischen Studien zu seiner Wirksamkeit. Auch in der historischen Volksheilkunde wird er kaum spezifisch erwähnt. Dennoch profitiert der menschliche Organismus bei einem Verzehr von den enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen: Wie bei den meisten verwandten Korbblütlern regen die enthaltenen Bitterstoffe sanft die Produktion von Verdauungssäften an und unterstützen so die Leber- und Gallenfunktion. Das in den Wurzeln gespeicherte Inulin dient zudem als wertvoller Ballaststoff für die Darmflora.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Medizin ❤️ Buch-Tipp:

Wissenswertes über 300 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe, Anwendung und Heilwirkung.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Der Herbst-Löwenzahn bietet ein herb-würziges bis deutlich bitteres Aroma, das sich hervorragend als rustikales Würzmittel oder verdauungsfördernde Salatbeigabe eignet.

  • Blätter (April bis Juni): Die zarten, jungen Rosettenblätter ergeben eine feine, herbe Beigabe zu Wildkräutersalaten, Kräuterquark, Bratlingen oder Gemüsefonds. Sind die Blätter zu bitter, kann man sie durch Wässern (etwa 1 bis 2 Stunden in kaltem oder handwarmem Wasser) abmildern. In Grünen Smoothies sollten sie wegen der Bitternoten nur sparsam dosiert werden.
  • Blütenknospen (Juni bis August): Die geschlossenen Knospen lassen sich, nachdem man sie kurz in Salzwasser ziehen ließ, hervorragend als pikante Kapernalternative in Essig oder Salzlake einlegen.
  • Blüten (Juli bis September): Die abgezupften, gelben Zungenblüten sind deutlich milder als das Laub und setzen farbenfrohe Akzente auf Salaten, Suppen oder Aufstrichen.
  • Wurzeln (September bis Winter): Die inulinreichen Pfahlwurzeln können geschält als herbes Koch- oder Backgemüse zubereitet werden. Trocknet und röstet man die zerkleinerten Wurzeln, lassen sie sich zu einem aromatischen, koffeinfreien Kaffeeersatz vermahlen.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

Für alle, die tiefer in die Themen Survival und Notnahrung eintauchen möchten, sind die Bücher und Kurse von Johannes „Joe“ Vogel * eine erstklassige Empfehlung. Als renommierter Experte für Wildnis-Wissen vermittelt er praxisnah, wie man sich autark aus den Ressourcen der Natur versorgen kann.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Kochen/Küche ❤️ Buch-Tipp:

Infos über Vorkommen, Blütezeit und Verwendung in der Küche, Ernährung und Medizin von 2000 Pflanzen- & Baumarten!

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Die optische Täuschung der Bestäuber

Die Blüten des Herbst-Löwenzahns haben im Laufe der Evolution einen raffinierten optischen Trick entwickelt. Für das menschliche Auge erscheint das Blütenkörbchen durchgehend gelb. Bienen und andere bestäubende Insekten, die im ultravioletten Bereich sehen können, nehmen die Blüte jedoch völlig anders wahr: Nur die äußeren Randblüten reflektieren das UV-Licht stark, während das Zentrum der Blüte dieses Licht schluckt (UV-Absorbtion). Dadurch erscheint das Blütenkörbchen für Insekten am Rand leuchtend hell und im Zentrum tiefdunkel. Dieses starke Kontrastmuster fungiert als präzises „Landebahn-Signal“, das die Insekten treffsicher zu den Nektarien im Zentrum navigiert.

Namenswirrwarr und Systematik

Wer ältere Bestimmungsbücher aufschlägt, wird den Herbst-Löwenzahn meist noch unter dem wissenschaftlichen Namen Leontodon autumnalis finden. Erst molekulargenetische Untersuchungen der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass er sich von den „echten“ Löwenzähnen (Leontodon) abspaltet, weshalb er in die Gattung der Schuppenlöwenzähne (Scorzoneroides) überführt wurde. Der Name „Schuppenlöwenzahn“ verweist dabei auf die kleinen, markanten Blattschuppen, die sich am ansonsten blattlosen oberen Stängelbereich befinden.

Wetterfühlige Flugsamen

Auch die Ausbreitungsstrategie der Pflanze ist perfekt an die oft nasskalten und wechselhaften Witterungsbedingungen im Herbst angepasst. Die kleinen Fallschirme (Pappusstrahlen) an den Samen reagieren stark auf Feuchtigkeitswechsel. Während sie sich bei trockenem Wetter weit aufspreizen, um vom Wind getragen zu werden, legen sie sich bei feuchtem Herbstwetter dicht zusammen. Dadurch wird der Flug gezielt unterbrochen, die Samen sinken rasch zu Boden und können an der nassen Erde haften bleiben, wenn ein klassischer Schirmflug durch den Regen ohnehin unmöglich ist.

Videobeitrag zu „Herbst-Löwenzahn“

Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis)

Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge (kommentierter) Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.

Quellen und weitere Informationen

Unterstützte das Lexikon

Hilf das Lexikon zu erhalten! 🙏

Kleine Dinge für dich, große Hilfe für mich & das Wildkräuter-Lexikon!

Mehr essbare & giftige Wildkräuter & Pflanzen

Wildpflanzen und Kräuter Lexikon - Seiten A-Z Übersicht
Wildpflanzen A-Z

Essbare & giftige Wildpflanzen A-Z
Online Lexikon Hauptübersicht. Hier findest du ALLE beschriebenen (essbaren & giftigen) Wildkräuter, Wiesenkräuter, Wildblumen & Pflanzen auf einen Blick!