Gemeine Schafgarbe – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Gemeine Schafgarbe ist eine der bekanntesten und traditionellsten heimischen Wiesenpflanzen. Ihre fein gefiederten Blätter und die markanten weißen Blütenschirme sind aus dem sommerlichen Landschaftsbild kaum wegzudenken. Als robustes und genügsames Wildkraut ist sie nicht nur ökologisch bedeutsam, sondern punktet auch als historisch tief verwurzelte, hocharomatische Heil- und Gewürzpflanze.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Gemeine Schafgarbe“
- Botanischer Name: Achillea millefolium
- Deutscher Name: Gemeine Schafgarbe
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Schafgarben (Achillea)
- Andere Namen: Achilleskraut, Blutstillkraut, Feldgarbe, Gänsezunge, Grundheil, Zangeblume, Grützblume
- Lebensdauer: ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: krautig, aufrecht wachsend
- Wuchshöhe: 20 bis 100 cm
- Wurzelwerk: kriechendes Rhizom (Wurzelstock)
- Blütezeit: Mai bis Oktober
- Blütenstand: trugdoldenartiger (schirmrispiger) Blütenstand aus vielen kleinen Körbchen
- Fruchtreife: August bis November
- Boden/Standort: sonnige Lagen auf Äckern, Wiesen, Weiden, Geröllhalden und an Wegränder; bevorzugt stickstoffhaltige Böden ohne Staunässe
- Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl (inkl. Chamazulen), Proazulene, Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe (Achillein), Kampfer, Kalium
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Gemeine Schafgarbe erkennst du leicht an ihren extrem fein zerschnittenen, fedrigen Blättern, die ihr den Artnamen „millefolium“ (Tausendblatt) eingebracht haben. Beim Zerreiben verströmt die Pflanze zudem einen unverkennbaren, intensiv würzig-kampferartigen Duft.
Vegetative Merkmale (Stängel, Wurzel, Blätter)
- Stängel: Der aufrechte Stängel ist sehr zäh, hart, im Inneren markig und oft leicht wollig behaart.
- Blätter: Aus einer flach am Boden anliegenden Grundrosette treiben die länglichen Stängelblätter. Die Blätter sind zwei- bis vierfach fiederteilig, also extrem fein bis auf den Mittelnerv in kleine, 0,5 bis 1 mm breite lanzettliche Zipfel zerschnitten.
- Wurzel: Die Pflanze breitet sich unterirdisch über ein kriechendes Rhizom aus, wodurch oft dichte Bestände entstehen.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die vielen kleinen Blütenköpfchen (4 bis 10 mm groß) stehen in einer dichten Scheindolde (genauer: Schirmrispe) eng zusammen. Jedes Köpfchen besteht in der Mitte aus gelblich-weißen Röhrenblüten und am Rand aus meist fünf weißen (selten zartrosa) zungenförmigen Blüten, die kürzer als die Blütenhülle sind. Die Hüllblätter sind auffällig braun berandet.
- Frucht: Aus den befruchteten Blüten reifen winzige, bis 2 mm lange, silbergraue bis gelbliche, seitlich kurz geflügelte Schließfrüchte (Achänen), in denen sich die bräunlichen Samen befinden.
Verwechslungsgefahren:
- Weißblühende Doldenblütler (z. B. Wilde Möhre oder Wiesen-Kerbel): Obwohl die Schafgarbe zu den Korbblütlern gehört, ahmt ihr flacher Blütenstand optisch eine Dolde nach. Eine Verwechslung mit (teils giftigen!) Doldenblütlern lässt sich durch einen genauen Blick auf die Blätter (die bei der Schafgarbe wie feine Federn aussehen) und die Blütenköpfchen vermeiden. Die Schafgarbe hat kleine, margeritenähnliche Einzelkörbchen, keine echten Doldenstrahlen.
- Andere Schafgarben-Arten (z. B. Sumpf-Schafgarbe oder Hügel-Schafgarbe): Innerhalb der Gattung gibt es Doppelgänger, deren Unterscheidung teils nur Experten möglich ist. Da diese in Mitteleuropa jedoch ein sehr ähnliches Wirkungsspektrum aufweisen und ungiftig sind, ist eine Verwechslung unbedenklich.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Millefolii herba (Schafgarbenkraut), Millefolii flos (Schafgarbenblüten)
- Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (Chamazulen, Kampfer), Bitterstoffe (Achillein), Gerbstoffe, Flavonoide.
- Monographie-Status: Positiv bewertet durch die Kommission E und das HMPC.
Die Schafgarbe ist eine hervorragend dokumentierte Arzneipflanze der evidenzbasierten Phytotherapie. Präparate und Tees aus dem Kraut wirken nachweislich gallenflussanregend (choleretisch), krampflösend (spasmolytisch), antibakteriell und zusammenziehend (adstringierend). Innerlich wird sie medizinisch anerkannt bei Appetitlosigkeit und leichten, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden (Dyspepsie) sowie Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Ein weiteres gesichertes Anwendungsgebiet sind krampfartige Beschwerden im kleinen Becken der Frau (Menstruationsbeschwerden), bei denen oft Schafgarben-Sitzbäder verordnet werden. Zudem gelten Extrakte der Pflanze als leberschützend (hepatoprotektiv).
In der Volksheilkunde greift man zudem äußerlich bei Wunden, Hautentzündungen, Hämorrhoiden und übermäßiger Schweißbildung auf Schafgarbenauszüge zurück, auch wenn die klinische Evidenz hierfür geringer ist als bei der innerlichen Anwendung.
- Korbblütler-Allergie: Personen mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (wie Arnika, Kamille, Ringelblume) sollten auf die Anwendung von Schafgarbe vorsichtshalber verzichten oder diese vorher kleinflächig testen, da allergische Hautreaktionen (Schafgarbendermatitis) auftreten können.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Schafgarbe besitzt ein kräftiges, herb-scharfes und leicht muskatnussartiges Aroma. Wegen der enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle wird sie meist sparsam als Würzkraut eingesetzt.
- Blätter und Triebspitzen (März bis September): Die frischen, noch sehr zarten Grundblätter im Frühjahr eignen sich gut als würzige Komponente in Wildkräutersalaten, Kräuterbutter oder Gemüsegerichten. Ältere Blätter werden zunehmend zäh und bitter; sie nutzt man besser getrocknet als Gewürz oder zur Teebereitung.
- Blüten und Knospen (Mai bis Oktober): Die noch geschlossenen Blütenknospen können Gemüsen beigemischt werden. Die voll aufgeblühten Blütenköpfchen sind hocharomatisch. Mit ihnen lässt sich Zucker aromatisieren. Durch das Aufkochen mit Wasser und Zucker entsteht ein hervorragender Sirup, der durch weiteres Einkochen auch zu einem süßen Aufstrich verarbeitet werden kann. Getrocknete Blüten veredeln jede Hausteemischung.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Geschichte & Etymologie: Die Wundarznei des antiken Helden
Der botanische Gattungsname Achillea ist tief in der griechischen Mythologie verwurzelt. Er geht auf den tapferen Helden Achilles aus dem Trojanischen Krieg zurück. Laut der Überlieferung (unter anderem im 11. Gesang von Homers Ilias) soll Achilles die blutstillenden und wundheilenden Eigenschaften der Schafgarbe genutzt haben, um die Verletzungen seiner Krieger auf dem Schlachtfeld zu behandeln. Dieser sagenumwobene Ruf als „Blutstillkraut“ für Verwundungen hielt sich bis weit in das Mittelalter hinein und prägte die historische Nutzung der Pflanze massiv. Der Artname millefolium setzt sich aus den lateinischen Wörtern „mille“ (tausend) und „folium“ (Blatt) zusammen und ist eine absolut treffende Beschreibung der extrem fein gefiederten Blattstruktur.
Historische Nutzung: Ein natürlicher Farbstoff
Lange bevor synthetische Farben erfunden wurden, spielte die Natur die Hauptrolle beim Färben von Textilien. Die Schafgarbe war dabei ein geschätzter Helfer. Aus den getrockneten Blättern, Stängeln und Blüten ließ sich ein natürlicher Farbsud herstellen, der Schafwolle in einen warmen Gelbton färbte. Damit die Farbe dauerhaft in den Fasern hielt und nicht beim nächsten Waschen verblasste, musste die Wolle vor dem Färbegang zwingend mit Alaun gebeizt (vorbehandelt) werden.
Videobeitrag zu „Gemeine Schafgarbe“
👉 Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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