Mohngewächse (Papaveraceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Mohngewächse (Papaveraceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Mohngewächse (Papaveraceae) bilden eine vielgestaltige Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Hahnenfußartigen (Ranunculales), die weltweit verbreitet und für ihre pharmakologisch hochwirksamen Inhaltsstoffe bekannt ist. Charakteristisch für die meisten Vertreter ist der in speziellen Röhren geführte, alkaloidhaltige Milch- oder Farbsaft, der bei Verletzungen der Pflanze rasch austritt. Zu dieser wirtschaftlich und medizinisch bedeutsamen Familie zählen rund 800 Arten, darunter global kultivierte Nutzpflanzen wie der Schlafmohn, aber auch vertraute heimische Wildkräuter.
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Meist ein- bis mehrjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen (selten verholzend), die häufig einen arttypischen, farbigen oder weißen Milchsaft in gegliederten Milchröhren führen.
- Blätter: Überwiegend wechselständig angeordnet, meist ohne Nebenblätter, mit häufig tief fiederteiligen, gelappten oder stark zerschnittenen Blattspreiten.
- Blüten & Blütenstand: Die stets zwittrigen Blüten sind je nach Unterfamilie radiärsymmetrisch (Papaveroideae) oder zygomorph (Fumarioideae), besitzen zwei hinfällige (früh abfallende) Kelchblätter, eine doppelte Blütenhülle und meist vier leicht abfallende Kronblätter.
- Früchte: Oberständige Fruchtknoten entwickeln sich meist zu Porenkapseln (bei denen die Samen durch Wind aus Poren unter der Narbenscheibe gestreut werden), Klappen- oder Schotenkapselfrüchten; Samen tragen bei vielen Arten fettreiche Anhängsel (Elaiosomen) zur Verbreitung durch Ameisen.
- Wichtige Inhaltsstoffe: Sehr reich an hochwirksamen Isochinolin-Alkaloiden (z. B. Morphin, Codein, Chelidonin, Rhoeadin), die den Pflanzen einen starken Fraßschutz verleihen und diese für den Menschen durchgängig als giftig (bis hochgiftig) einstufen.
Verwendung & ökologische Bedeutung
Viele Vertreter der Mohngewächse besitzen aufgrund ihrer eindrucksvollen Blüten einen hohen Zierwert, bergen aber vor allem ein enormes pharmakologisches und landwirtschaftliches Potenzial. Der weltweit kultivierte Schlafmohn (Papaver somniferum) liefert extrem ölreiche, essbare Samen für die Lebensmittelindustrie und ist über das gewonnene Opium zugleich die wichtigste Rohstoffquelle für schmerzstillende und hustenstillende Alkaloide wie Morphin und Codein. Ökologisch spielen die oft nektarlosen, aber äußerst pollenreichen Blüten vieler Papaveroideae eine wichtige Rolle als Nahrungsquelle für pollensammelnde Insekten wie Hummeln und Schwebfliegen. Zudem setzen einige heimische Arten, wie der Lerchensporn oder das Schöllkraut, bei der Samenverbreitung gezielt auf Ameisen (Myrmekochorie), die von den nahrhaften Elaiosomen an den Samen angelockt werden.
Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Klatschmohn (Papaver rhoeas)
Essbar/essbare Teile | Der Klatschmohn ist eine ein- bis zweijährige, aufrecht wachsende Pionierpflanze, die mit ihren leuchtend roten, extrem zarten Kronblättern Getreidefelder und Wegränder prägt. Während die Blüten reichlich Pollen für Insekten bereithalten, reifen später markante Porenkapseln heran, deren feine, nussartig schmeckende Samen in der Wildkräuterküche genutzt werden können. Alle grünen Pflanzenteile des Klatschmohns führen jedoch einen weißen, schwach giftigen Milchsaft, der das artspezifische Alkaloid Rhoeadin enthält.
Lerchensporn – Hohler (Corydalis cava)
Giftig | Der Hohle Lerchensporn ist ein ausdauernder, frühjahrsblühender Geophyt, der in Laubmischwäldern dichte Bestände bildet und aus einer charakteristisch hohlen Knolle sprießt. Seine traubigen Blütenstände bestehen aus purpurroten oder weißen, zygomorphen Blüten, die aufgrund ihres langen Sporns primär von langrüsseligen Bienen und Hummeln bestäubt werden. Wegen des hohen Gehalts an diversen toxischen Isochinolin-Alkaloiden in der gesamten Pflanze ist der Hohle Lerchensporn in hohem Maße giftig.
Schöllkraut (Chelidonium majus)
Giftig | Das Schöllkraut ist eine ausdauernde, stark verzweigte Ruderalpflanze, die sich durch tief gelappte, unterseits blaugrün bereifte Blätter und leuchtend gelbe, vierzählige Blüten auszeichnet. Ein untrügliches Erkennungsmerkmal ist der bei Verletzung der Stängel sofort austretende, intensiv orange-gelbe Milchsaft, der traditionell in der Volksmedizin zur äußeren Behandlung von Warzen eingesetzt wird. Dieser Saft enthält ein komplexes Gemisch aus toxischen Alkaloiden wie Chelidonin, weshalb das Schöllkraut stark giftig ist und bei unsachgemäßer innerlicher Anwendung schwere Leberschäden verursachen kann.
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