Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Nachtschattengewächse

Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Nachtschattengewächse (Solanaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Nachtschattengewächse (Solanaceae) bilden eine weltweit verbreitete, wirtschaftlich und pharmakologisch enorm bedeutsame Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Nachtschattenartigen (Solanales). Sie zeichnen sich morphologisch oft durch die schräge Stellung des oberständigen Fruchtknotens zur Symmetrieebene der Blüte aus und sind chemisch für ihre komplexe Ausstattung mit teils hochgiftigen Alkaloiden bekannt. Zur Familie zählen sowohl essenzielle globale Nahrungspflanzen wie die Kartoffel und Tomate als auch historisch bedeutende Heil- und Rauschpflanzen.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Überwiegend ein- bis mehrjährige krautige Pflanzen und ausdauernde Stauden, in den Tropen auch häufig kletternde Sträucher, Lianen oder kleine Bäume.
  • Blätter: Zumeist wechselständig, im Bereich der Blütenstände oft paarig (scheinbar gegenständig) angeordnet, ungeteilt oder fiederspaltig, stets ohne Nebenblätter und auffällig oft mit Drüsenhaaren besetzt.
  • Blüten & Blütenstand: Meist in wickeligen Blütenständen angeordnete, radiärsymmetrische (selten zygomorphe) Blüten; Kelch und Krone sind typischerweise verwachsen. Ein anatomisches Leitmerkmal ist der schräg zur medianen Symmetrieebene der Blüte stehende, oberständige und meist zweikammerige Fruchtknoten.
  • Früchte: Zumeist saftige, vielsamige Beeren (wie bei Tomate und Tollkirsche) oder fachspaltige, teils bestachelte Kapselfrüchte (wie beim Stechapfel).
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Herausragender Reichtum an pharmakologisch hochwirksamen, teils extrem toxischen Substanzen, insbesondere Tropanalkaloide (Atropin, Scopolamin), Steroidalkaloide (Solanin, Chaconin) sowie Pyridinalkaloide (Nikotin).

Verwendung & ökologische Bedeutung

Die Vertreter der Nachtschattengewächse haben die menschliche Kultur- und Ernährungsgeschichte massiv geprägt. Globale Grundnahrungsmittel wie Kartoffel, Tomate, Aubergine und Paprika entstammen dieser Familie und bilden die unverzichtbare Basis zahlloser regionaler Küchen. Gleichzeitig besitzen viele Arten aufgrund ihres hohen Gehalts an stark psychoaktiven und toxischen Tropanalkaloiden eine jahrtausendealte Tradition als Ritual-, Rausch- und Giftpflanzen. In der modernen Medizin werden isolierte Inhaltsstoffe wie Atropin in der Augenheilkunde zur Pupillenerweiterung oder Scopolamin als Krampflöser präzise dosiert eingesetzt. Ökologisch spielen die röhrigen bis radförmigen Blüten eine wichtige Rolle für spezialisierte und generalistische Insekten, während die fleischigen Beerenfrüchte vieler Wildarten von Vögeln verzehrt und die Samen so endozoochor verbreitet werden.

(Wild)Pflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Kartoffel (Solanum tuberosum)
Kartoffel (Solanum tuberosum)

Kartoffel (Solanum tuberosum)
Die Kartoffel ist eine ausdauernde, krautige Nutzpflanze, die unterirdische, stärkereiche Sprossknollen ausbildet, welche weltweit ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel darstellen. Während die stärkereichen Knollen nach dem Erhitzen problemlos essbar sind, enthalten alle oberirdischen grünen Pflanzenteile sowie die kleinen, runden Beerenfrüchte das giftige Steroidalkaloid Solanin. Mit ihren weißen bis blassvioletten, radförmigen Blüten lockt die Kartoffel im Hochsommer zudem zahlreiche pollensammelnde Insekten wie Hummeln an.

Lampionblume / Blasenkirsche (Physalis alkekengi)
Lampionblume / Blasenkirsche

Lampionblume / Blasenkirsche (Physalis alkekengi)
Leicht giftig | Die Lampionblume wächst als ausdauernde, rhizombildende Staude und verdankt ihren Namen dem auffällig leuchtend orange-roten, stark vergrößerten Blütenkelch, der die reifende Frucht wie eine papierartige Hülle umschließt. In diesem Lampion verbirgt sich eine glänzende Beere, die im vollreifen Zustand zwar theoretisch als essbar gilt, aber oft bitter schmeckt, während alle grünen Pflanzenteile schwach giftig sind. Aufgrund ihrer dekorativen Fruchtstände ist die Lampionblume eine beliebte herbstliche Zierpflanze, die in Mitteleuropa gelegentlich aus Gärten in die freie Natur verwildert.

Nachtschatten - Bittersüßer (Solanum dulcamara)
Nachtschatten – Bittersüßer

Nachtschatten – Bittersüßer (Solanum dulcamara)
Leicht giftig | Der Bittersüße Nachtschatten ist ein kletternder oder niederliegend wachsender Halbstrauch, der bevorzugt in feuchten Erlenbruchwäldern, Gebüschen und Uferröhrichten gedeiht. Seine markanten violetten Blüten mit leuchtend gelbem Staubblattkegel entwickeln sich im Spätsommer zu eiförmigen, weichen und glänzend roten Beeren. Aufgrund der enthaltenen Steroidalkaloide und Saponine ist der Bittersüße Nachtschatten giftig, wurde jedoch in der traditionellen Volksmedizin früher bei Hauterkrankungen vorsichtig äußerlich eingesetzt.

Nachtschatten - Schwarzer (Solanum nigrum)
Nachtschatten – Schwarzer

Nachtschatten – Schwarzer (Solanum nigrum)
Leicht giftig | Der Schwarze Nachtschatten ist eine einjährige, oft stark verzweigte Ruderalpflanze, die lockere Trugdolden aus weißen, radförmigen Blüten mit einem kompakten gelben Staubblattkegel hervorbringt. Aus den Blüten entwickeln sich erbsengroße, zur Reifezeit meist tiefschwarze Beeren, die von Vögeln gefressen und dadurch weiträumig verbreitet werden. Obwohl vollreife Früchte mancher Zuchtformen regional verzehrt werden, gelten die grünen Pflanzenteile und vor allem unreifen Beeren des Schwarzen Nachtschattens wegen ihres Solaningehalts als gesundheitlich bedenklich.

Stechapfel - Gemeiner (Datura stramonium)
Stechapfel – Gemeiner

Stechapfel – Gemeiner (Datura stramonium)
Stark giftig | Der Gemeine Stechapfel ist eine wärmeliebende, krautige Pionierpflanze, die durch große, weiße trichterförmige Blüten und die namensgebenden stacheligen, eiförmigen Kapselfrüchte sofort ins Auge fällt. Die gesamte Pflanze verströmt einen unangenehmen, süßlich-betäubenden Geruch und enthält gefährlich hohe Konzentrationen an halluzinogenen Tropanalkaloiden wie Scopolamin und Hyoscyamin. Bereits geringe verzehrte Mengen der Samen oder Blätter des Gemeinen Stechapfels können beim Menschen schwerste, mitunter tödlich verlaufende Vergiftungen auslösen.

Tollkirsche - Schwarze (Atropa belladonna)
Tollkirsche – Schwarze

Tollkirsche – Schwarze (Atropa belladonna)
Stark giftig | Die Schwarze Tollkirsche ist eine stattliche, ausdauernde Waldstaude, die einzeln stehende, trübe braunviolette Glockenblüten aus den Blattachseln treibt. Ihre zur Reifezeit glänzend schwarzen, kirschähnlichen Beeren schmecken verlockend süßlich, was sie besonders für neugierige Kinder extrem gefährlich macht. Da alle Pflanzenteile der Schwarzen Tollkirsche reich an dem parasympatholytischen Tropanalkaloid Atropin sind, führt ein Verzehr rasch zu zentralnervösen Störungen und lebensbedrohlichen Atemlähmungen.

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