Odermennig – Gemeiner - essbar

Odermennig - Gemeiner (Agrimonia eupatoria)
Odermennig - Gemeiner

Gemeiner/Kleiner Odermennig – Erkennen und Sammeln

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Der Gewöhnliche Odermennig (Agrimonia eupatoria) ist eine traditionelle, heimische Heil- und Wildpflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Mit seinen leuchtend gelben, langen Blütenkerzen ziert er magere, sonnige Wiesenränder und lichte Wälder in weiten Teilen Eurasiens. Ökologisch zeichnet sich die Pflanze durch ein reiches Pollenangebot für Insekten und eine ausgeklügelte Ausbreitungsstrategie über Klettfrüchte aus.

Wildpflanzen-Steckbrief „Gewöhnlicher Odermennig“

  • Botanischer Name: Agrimonia eupatoria
  • Deutscher Name: Gewöhnlicher Odermennig
  • Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Gattung: Odermennige (Agrimonia)
  • Andere Namen: Gemeiner Odermennig, Kleiner Odermennig, Ackerkraut, Leberklee, Kirchturm, Magenkraut
  • Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
  • Wuchsform: Krautig, aufrecht
  • Wuchshöhe: 30 bis 150 cm (selten bis 180 cm)
  • Wurzelwerk: Tiefreichendes Rhizom
  • Blütezeit: Juni bis September
  • Blütenstand: Langgestreckte, lockere Traube
  • Fruchtreife: Spätsommer bis Herbst
  • Boden/Standort: Sonnig; besonnte Magerwiesen, lichte Waldränder
  • Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe (Catechintyp, Gallotannin), Bitterstoffe, Flavonoide, Kieselsäure, ätherisches Öl
  • Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig in allen Pflanzenteilen.
BuchTipps

Wildpflanzen-Wissen, das mit nach draußen darf.

📖 Entdecke meine handverlesenen Buchtipps zum Sammeln, Kochen und Heilen. Authentisch, praxiserprobt und voller Liebe zur Natur.

Bilder & Fotos „Gewöhnlicher Odermennig“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Der Gewöhnliche Odermennig ist eine stattliche krautige Pflanze, die durch ihre auffällig gefiederten, dicht behaarten Blätter und die schlanken, leuchtend gelben Blütenstände gut zu erkennen ist.

Vegetative Merkmale (Stängel, Wurzel, Blätter)

  • Stängel: Aufrecht, behaart (mit kurzen und langen Deckhaaren), jedoch nicht drüsig-klebrig.
  • Wurzel: Die Pflanze entspringt einem tief im Boden verwurzelten Rhizom.
  • Blätter: An der Basis rosettenartig gehäuft, nach oben hin wechselständig angeordnet. Sie sind unpaarig unterbrochen gefiedert (größere und kleinere Fiederblättchen wechseln sich ab). Das große Endblättchen ist gestielt.
  • Blattbeschaffenheit: Der Blattrand ist grob gezähnt. Die Blattunterseite ist grau-grün gefärbt und dicht graufilzig behaart. Im Filz verbergen sich vereinzelte, sitzende Drüsenhaare.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blütenstand: Eine langgestreckte, blattlose, traubige Anordnung vieler Einzelblüten.
  • Blüte: Fünfzählig, radiärsymmetrisch und gelb. Die Blüten besitzen einen krugförmigen Blütenbecher, an dessen oberem Rand hakenförmige Borsten sitzen. Ein Außenkelch fehlt.
  • Frucht: Meist ein bis zwei Nussfrüchte, die in einem verkehrtkegelförmigen, verholzenden Blütenbecher eingeschlossen bleiben. Sie weisen markante, hakig gekrümmte Borsten an der Spitze auf, die die Frucht zu einer typischen Klette machen.

Verwechslungsgefahren:

  • Großer Odermennig (Agrimonia procera): Sehr ähnlich, jedoch sind Stängel und Blätter deutlich drüsig behaart, wodurch die Pflanze klebrig ist und aromatisch duftet. Zudem ist die Blattunterseite beim Großen Odermennig grün bis graugrün, aber niemals filzig behaart. Die Blüten sind etwas größer. Auch diese Art ist ungiftig.
Pflanzenbestimmung

Mein Bestimmung ❤️ Buch-Tipp:

Dieses Buch garantiert schnelles und sicheres Bestimmen durch die bewährte Einteilung nach Blütenfarbe und Blütenform und mehr als 2.000 naturgetreuen Zeichnungen.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Agrimoniae herba (Odermennigkraut)
  • Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (Catechintyp, Corilagin), Bitterstoffe, Flavonoide (Quercetin, Apigenin), Kieselsäure
  • Monographie-Status: HMPC (Traditional use), Kommission E (Positiv)

In der evidenzbasierten Phytotherapie ist das getrocknete Odermennigkraut fest etabliert. Durch den hohen Gehalt an Gerbstoffen wirkt die Droge stark adstringierend (zusammenziehend) und leicht entzündungshemmend. Teeaufgüsse oder Spülungen werden medizinisch anerkannt zur Behandlung von unspezifischen, leichten Durchfallerkrankungen, bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie äußerlich in Form von Umschlägen bei oberflächlichen Hautentzündungen und kleinen Wunden eingesetzt.

In der traditionellen Volksheilkunde (woher auch der Name „Leberklee“ rührt) wird die Pflanze weitaus umfangreicher angewendet, unter anderem bei Galle- und Leberleiden, Magen-Darm-Verstimmungen, Bronchitis sowie Bettnässen. Für viele dieser historischen Einsatzgebiete steht ein strenger wissenschaftlicher Wirkungsnachweis jedoch noch aus.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Medizin ❤️ Buch-Tipp:

Wissenswertes über 300 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe, Anwendung und Heilwirkung.

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Odermennig ist aufgrund seiner Gerb- und Bitterstoffe geschmacklich eher herb, adstringierend und mild-würzig. Er eignet sich weniger als Hauptgemüse, sondern primär als feines Gewürz oder Haustee.

  • Blätter & Triebspitzen (Frühjahr): Nur sehr junge, noch weiche Blätter können fein gehackt in kleinen Mengen Frühlingssalaten beigegeben oder für Wildkräutersalz genutzt werden. Ältere Blätter werden zu zäh und bitter.
  • Getrocknete Blätter (Mai bis vor der Blüte): Eignen sich hervorragend für Teemischungen, oft kombiniert mit Himbeer-, Brombeer- oder Melissenblättern.
  • Blüten (Juni bis September): Die zarten gelben Blüten können frisch als essbare Dekoration oder getrocknet als optisches Element in Teemischungen dienen. Traditionell wurden sie auch genutzt, um Wein oder Bier leicht zu aromatisieren.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

Für alle, die tiefer in die Themen Survival und Notnahrung eintauchen möchten, sind die Bücher und Kurse von Johannes „Joe“ Vogel * eine erstklassige Empfehlung. Als renommierter Experte für Wildnis-Wissen vermittelt er praxisnah, wie man sich autark aus den Ressourcen der Natur versorgen kann.

* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.

Mein Kochen/Küche ❤️ Buch-Tipp:

Infos über Vorkommen, Blütezeit und Verwendung in der Küche, Ernährung und Medizin von 2000 Pflanzen- & Baumarten!

* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich

Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Ökologische Verbreitungsstrategie (Epizoochorie)

Der Gewöhnliche Odermennig verlässt sich bei der Ausbreitung seiner Samen voll auf vorbeiziehende Tiere. Der Fruchtbecher bildet hakige Borsten aus, die im reifen Zustand hart werden und die kleine Nussfrucht zu einer effektiven Klette machen. Diese verfangen sich im Fell von Rindern, Schafen, Wildschweinen oder Damwild (sowie in der Kleidung von Spaziergängern) und fallen oft erst hunderte Meter weiter wieder zu Boden. Zudem ist die Pflanze blütenökologisch interessant: Als einfach gestaltete „Scheibenblume“ bietet sie keinen Nektar, dafür aber reichlich Pollen, was gezielt Schwebfliegen, Honigbienen und Fliegen zur Bestäubung anlockt.

Färberpflanze der Tradition

Bevor synthetische Farbstoffe aufkamen, war der Odermennig eine nützliche Färberpflanze. Mit den unterirdischen Pflanzenteilen oder dem gesamten Kraut lässt sich auf mit Alaun vorgebeizter Wolle oder Baumwolle ein schöner, warmer Gelbton erzielen. Dabei galt die handwerkliche Regel: Je später im Herbst die Pflanze für das Färbebad geerntet wird, desto dunkler und intensiver fällt die Gelbfärbung aus.

Volksnamen erzählen Geschichten

Kaum eine Pflanze hat so sprechende Volksnamen wie der Odermennig. Bezeichnungen wie „Leberklee“ oder „Milzblüh“ – vor allem im süddeutschen Raum geläufig – spiegeln die Jahrhunderte alte volksheilkundliche Nutzung für innere Organe wider. Der Name „Kirchturm“ hingegen ist eine liebevolle, rein optische Assoziation: Die straff aufrecht stehenden, langen und nach oben spitz zulaufenden Blütenkerzen erinnern aus der Ferne tatsächlich an filigrane, gelbe Kirchtürme im Gras.

Videobeitrag zu „Gewöhnlicher Odermennig“

Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria)

Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.

Quellen und weitere Informationen

Unterstützte das Lexikon

Hilf das Lexikon zu erhalten! 🙏

Kleine Dinge für dich, große Hilfe für mich & das Wildkräuter-Lexikon!

Mehr essbare & giftige Wildkräuter & Pflanzen

Wildpflanzen und Kräuter Lexikon - Seiten A-Z Übersicht
Wildpflanzen A-Z

Essbare & giftige Wildpflanzen A-Z
Online Lexikon Hauptübersicht. Hier findest du ALLE beschriebenen (essbaren & giftigen) Wildkräuter, Wiesenkräuter, Wildblumen & Pflanzen auf einen Blick!