Rosengewächse (Rosaceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Rosengewächse (Rosaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Rosengewächse (Rosaceae) bilden eine wirtschaftlich und ökologisch enorm bedeutende Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Rosenartigen (Rosales) nach dem aktuellen APG-System. Mit weltweit über 3000 Arten umfassen sie nicht nur fast alle unsere wichtigen mitteleuropäischen Obstgehölze, sondern zeichnen sich morphologisch besonders durch ihren markanten Blütenbecher (Hypanthium) aus.
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Sehr vielgestaltig, von sommer- oder immergrünen Bäumen und Sträuchern (häufig mit Sprossdornen oder Stacheln) bis hin zu ausdauernden krautigen Pflanzen, die oft Rhizome, Stolonen oder kräftige Pfahlwurzeln als Überdauerungsorgane bilden.
- Blätter: Meist wechselständig angeordnet, mit einfacher oder gefiederter Blattspreite und fast immer mit deutlichen Nebenblättern (Stipeln) an der Basis des Blattstiels.
- Blüten & Blütenstand: Radiärsymmetrisch, meist zwittrig und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, charakterisiert durch einen stark ausgeprägten Blütenbecher (Hypanthium) und sekundär vervielfachte, freie Staubblätter (sekundäre Polyandrie).
- Früchte: Äußerst divers; historisch wurden die Rosengewächse anhand ihrer Früchte in vier Unterfamilien geteilt. Auch wenn die moderne Genetik (APG) diese Einteilung heute teils zusammenfasst (z. B. zur großen Unterfamilie der Amygdaloideae), bleibt das Spektrum morphologisch unverändert: Es reicht von ursprünglichen Balgfrüchten (z. B. Spierstrauch) über Nüsschen und Sammelnussfrüchte (z. B. Rosen, Erdbeeren) bis hin zu Steinfrüchten (z. B. Kirschen, Pflaumen) und Apfelfrüchten (z. B. Apfel, Weißdorn).
- Wichtige Inhaltsstoffe: Dominiert von Gerbstoffen (Tanninen), organischen Säuren (Apfel-, Zitronensäure), Flavonoiden, Vitamin C sowie in den Samen vieler Obstarten von cyanogenen Glykosiden (z. B. Amygdalin), aus denen toxische Blausäure abgespalten werden kann.
Verwendung & ökologische Bedeutung
Die Rosengewächse besitzen eine überragende wirtschaftliche Relevanz, da sie nahezu alle in unseren Breiten kultivierten Obstsorten – darunter Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Erdbeeren – hervorbringen. Ökologisch sind ihre frei zugänglichen, oft pollen- oder nektarreichen Blüten eine essenzielle Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Bestäuberinsekten im Frühjahr, während die nahrhaften und energiereichen Früchte Vögeln und Säugetieren als lebenswichtige Winter- und Herbstnahrung dienen. Darüber hinaus werden zahlreiche krautige Vertreter der Familie, wie der Frauenmantel oder der Odermennig, aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehalts traditionell als adstringierende Heilpflanzen genutzt.
Baum- & Strauch-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Apfel – Holzapfel (Malus sylvestris)
Essbar/essbare Teile | Der Holzapfel ist die in Mitteleuropa heimische Wildform und ein wichtiger Genpool für unsere Kulturäpfel. Er wächst meist als sparriger, sommergrüner Großstrauch und bringt kleine, sehr herbe Früchte hervor, die bei Wildtieren als Winternahrung äußerst beliebt sind.
Birne – Holz-/Wildbirne (Pyrus pyraster)
Essbar/essbare Teile | Die Wildbirne wächst als mittelgroßer Baum mit dornigen Kurztrieben und grauer, kleinschuppiger Rinde in warmen Laubmischwäldern. Ihre kleinen, holzharten Früchte sind roh für den Menschen ungenießbar, bieten jedoch zahlreichen Tierarten eine wertvolle Nahrungsquelle.
Brombeeren (Rubus)
Essbar/essbare Teile | Als typische Spreizklimmer bilden Brombeeren mit ihren stark bestachelten, teils verholzenden Ruten oft undurchdringliche Gestrüppe, die vielen Tieren essenziellen Schutz bieten. Ihre schmackhaften, meist dunkel gefärbten Sammelsteinfrüchte sind eine wertvolle Vitaminquelle für Mensch und Tier gleichermaßen.
Elsbeere (Sorbus torminalis)
Essbar/essbare Teile | Die Elsbeere ist ein wärmeliebender, sommergrüner Laubbaum, der in der Forstwirtschaft aufgrund seines wertvollen, harten Holzes sehr geschätzt wird. Ihre braunen, apfelförmigen Früchte werden nach dem ersten Frost weich und dienten historisch aufgrund ihres Gerbstoffgehalts als Heilmittel bei Magen-Darm-Beschwerden.
Felsenbirne – Gewöhnliche (Amelanchier ovalis)
Essbar/essbare Teile | Die Gewöhnliche Felsenbirne ist ein trockenheitsresistenter, sommergrüner Strauch, der im frühen Frühjahr durch eine üppige, strahlend weiße Blütenpracht auffällt. Ihre blauschwarzen, apfelförmigen Scheinbeeren schmecken mehlig-süß und werden besonders von heimischen Vogelarten rasch verzehrt.
Kirschpflaume (Prunus cerasifera)
Essbar/essbare Teile | Die Kirschpflaume wächst als vielgestaltiger, oft mehrstämmiger kleiner Baum und gehört zu den frühesten und wichtigsten Blütenlieferanten im Vorfrühling. Ihre kugeligen Steinfrüchte variieren farblich stark von gelb bis dunkelrot und besitzen ein ausgeprägt süß-säuerliches Aroma.
Kirsche – Gewöhnliche Traubenkrische (Prunus padus)
Essbar/essbare Teile | Die Gewöhnliche Traubenkirsche bevorzugt feuchte Standorte in Auwäldern und präsentiert ihre intensiv duftenden, weißen Blüten in dichten, hängenden Trauben. Ihre erbsengroßen, schwarzen Steinfrüchte schmecken stark adstringierend, weshalb sie vorrangig von Vögeln als Nahrung genutzt werden.
Kirsche – Vogelkirsche (Prunus avium)
Essbar/essbare Teile | Als sommergrüner Baum mit glänzender, geringelter Borke ist die Vogelkirsche die wilde Stammform unserer kultivierten Süßkirschen. Im Frühjahr stellt sie eine essenzielle Bienenweide dar, bevor im Hochsommer ihre süßen Steinfrüchte heranreifen.
Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca)
Essbar/essbare Teile | Die Mirabelle ist eine Unterart der Pflaume und wächst als dornenloser, stark sparrig verzweigter Obstbaum. Ihre leuchtend wachsgelben, kugeligen Steinfrüchte zeichnen sich durch ein besonders süßes Fruchtfleisch aus, das sich leicht vom Steinkern lösen lässt.
Mispel – Echte (Mespilus germanica)
Essbar/essbare Teile | Die Echte Mispel bildet unregelmäßig geformte, laubabwerfende kleine Bäume mit großen, auffälligen und einzeln stehenden Blüten. Ihre braunen, apfelförmigen Früchte besitzen markante Kelchblätter an der Spitze und werden erst durch Frosteinwirkung oder längere Lagerung weich und essbar.

Quitte – Echte (Cydonia oblonga)
Essbar/essbare Teile | Die Echte Quitte wächst als kleiner, wärmeliebender Baum mit charakteristisch filzig behaarten jungen Zweigen. Die namensgebenden, intensiv duftenden Apfelfrüchte sind im rohen Zustand ungenießbar hart, lassen sich aber durch Kochen hervorragend zu Gelees verarbeiten.
Rose – Apfel-Rose (Rosa villosa)
Essbar/essbare Teile | Die vor allem in europäischen Gebirgsregionen verbreitete Apfel-Rose fällt durch ihre tief rosafarbenen Blüten und die graugrün filzig behaarten Laubblätter auf. Im Herbst bildet sie markante, borstig behaarte und stark an Äpfel erinnernde Hagebutten aus, die besonders reich an Vitamin C sind.

Rose – Feld-Rose (Rosa arvensis)
Essbar/essbare Teile | Als kriechender oder kletternder Strauch kann die Feld-Rose oft dichte, undurchdringliche Schleier über andere Vegetationsteile legen. Sie trägt leuchtend weiße, ungefüllte Blüten und kleine, eiförmige Hagebutten, die an einem auffällig langen Fruchtstiel sitzen.
Rose – Hunds-Rose (Rosa canina)
Essbar/essbare Teile | Die Hunds-Rose wächst als lockerer Strauch mit bogig überhängenden, stark bestachelten Ästen an sonnigen Hecken und Waldrändern. Ihre roten, glattwandigen Hagebutten (Sammelnussfrüchte) sind ein klassisches Wildobst und dienen in der kalten Jahreszeit als essenzielle Nahrungsreserve für Vögel.
Rose – Kartoffel-Rose (Rosa rugosa)
Essbar/essbare Teile | Die ursprünglich ostasiatische Kartoffel-Rose breitet sich durch unterirdische Ausläufer rasenartig aus und etabliert sich sehr gut auf salzigen oder sandigen Böden. Sie ist leicht an ihren tief gerunzelten Laubblättern und den außergewöhnlich dicken, fleischigen Hagebutten zu erkennen.
Schlehdorn / Schlehe (Prunus spinosa)
Essbar/essbare Teile | Der Schlehdorn bildet sehr dornige, undurchdringliche Heckensträucher, die bereits weit vor dem Blattaustrieb in ein reinweißes Blütenmeer getaucht sind. Seine blauschwarz bereiften Steinfrüchte sind anfangs extrem herb und entfalten ein angenehmeres, süßeres Aroma erst nach längerer Frosteinwirkung.
Vogelbeere / Eberesche (Sorbus aucuparia)
Essbar/essbare Teile | Die Vogelbeere ist ein äußerst anpassungsfähiger Pionierbaum, dessen Blätter charakteristisch unpaarig gefiedert sind. Die leuchtend roten, apfelartigen Früchte hängen in schweren Doldenrispen und stellen in der herbstlichen Natur eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Singvögel dar.
Weißdorn – Eingriffeliger (Crataegus monogyna)
Essbar/essbare Teile | Der Eingriffelige Weißdorn ist ein tief wurzelnder, dorniger Strauch oder Baum, der in der Volksmedizin für seine herzstärkenden Inhaltsstoffe hoch geschätzt wird. Man erkennt ihn an seinen tief gelappten Blättern und den roten, mehligen Früchten, die exakt einen einzigen Steinkern enthalten.
Zwetschge – Echte (Prunus domestica subsp. domestica)
Essbar/essbare Teile | Die Echte Zwetschge wächst als Obstbaum, dessen ältere Äste oft von einer markant rissigen Borke überzogen sind. Im Gegensatz zu anderen Pflaumenarten sind ihre länglich-ovalen Steinfrüchte festfleischig, dunkel violett bereift und lösen sich im reifen Zustand sehr leicht vom Kern.
Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Erdbeere – Walderdbeere (Fragaria vesca)
Essbar/essbare Teile | Die Wald-Erdbeere ist eine mehrjährige, wintergrüne Krautpflanze, die sich über lange, oberirdische Ausläufer rasch teppichartig ausbreitet. Ihre kleinen, leuchtend roten Früchte sind botanisch gesehen Sammelnussfrüchte und bestechen durch ein unübertroffen intensives, süßes Waldaroma.
Fingerkraut – Kriechendes (Potentilla reptans)
Essbar/essbare Teile | Das Kriechende Fingerkraut wurzelt oft an den Knoten seiner langen, bodennahen Stängel und formt auf diese Weise dichte, flache Polster. Die sattgelben, fünfzähligen Blüten stehen einzeln an langen Stielen und heben sich auffallend von dem fingerförmig geteilten Laub ab.
Frauenmantel – Gewöhnlicher (Alchemilla vulgaris)
Essbar/essbare Teile | Der Gewöhnliche Frauenmantel ist eine charakteristische, halbrosettenbildende Staude mit rundlich-lappigen Blättern, auf denen sich morgens oft große Guttationstropfen sammeln. Aufgrund seines hohen natürlichen Gerbstoffgehalts wird er in der traditionellen Phytotherapie häufig zur Linderung von Magen-Darm- und Frauenleiden eingesetzt.
Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)
Essbar/essbare Teile | Das Gänsefingerkraut fällt besonders durch die seidig-silbrig behaarte Unterseite seiner tief gefiederten Blätter auf. Als klassische Heilpflanze wird es wegen seiner stark krampflösenden Eigenschaften geschätzt und breitet sich über seine langen Stolonen auf feuchten Böden rasch aus.
Himbeeren (Rubus idaeus)
Essbar/essbare Teile | Der Himbeerstrauch bildet zweijährige, nur fein bestachelte Ruten aus, die aus einem ausdauernden, unterirdischen Wurzelstock treiben. Die weichen, aromatischen Sammelsteinfrüchte lassen sich im Gegensatz zur Brombeere im vollreifen Zustand leicht wie ein hohler Fingerhut vom Zapfen abziehen.
Kratzbeere (Rubus caesius)
Essbar/essbare Teile | Die Kratzbeere wächst als spärlich mit kleinen Stacheln besetzter Halbstrauch, dessen feine Ruten oft niederliegend über den Boden kriechen. Die Beeren bestehen nur aus wenigen, blauschwarz bereiften Steinfrüchtchen und schmecken im Vergleich zu Brombeeren deutlich säuerlicher.
Mädesüß – Echtes (Filipendula ulmaria)
Essbar/essbare Teile | Das Echte Mädesüß bevorzugt nasse Ufer- und Wiesenstandorte, wo es mit seinen cremeweißen, intensiv nach Honig und Mandel duftenden Blütenständen die umgebende Vegetation überragt. Als natürliche Quelle pflanzlicher Salicylsäureverbindungen besitzt es erwiesenermaßen schmerzlindernde sowie entzündungshemmende Eigenschaften.
Nelkenwurz – Echte (Geum urbanum)
Essbar/essbare Teile | Die Echte Nelkenwurz ist eine ausdauernde Wald- und Heckenpflanze, deren unscheinbare gelbe Blüten zu klettenartigen Fruchtständen heranreifen, die zwecks Ausbreitung im Tierfell hängen bleiben. Ihr rötlicher Wurzelstock duftet nach dem Ausgraben intensiv nach Gewürznelken und enthält reichlich adstringierende Gerbstoffe.
Odermennig – Gemeiner (Agrimonia eupatoria)
Essbar/essbare Teile | Der Gewöhnliche Odermennig treibt aus einer bodenständigen Rosette unterbrochen gefiederter Blätter schlanke, kerzenartige gelbe Blütenstände in die Höhe. Auch er zählt aufgrund seines Gerbstoffprofils zu den traditionsreichen heimischen Heilkräutern und verlässt sich zur Samenverbreitung auf kleine Klettfrüchte.
Scheinerdbeere – Indische (Duchesnea indica)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Die Indische Scheinerdbeere breitet sich mit ihren wuchsfreudigen Ausläufern als invasiver Neophyt rasch auf Gärten und Parkrasen aus. Im Gegensatz zur echten Erdbeere blüht sie gelb und bringt nach oben gerichtete rote Sammelnussfrüchte hervor, die zwar ungiftig sind, aber geschmacklich wässrig und fad bleiben.
Wiesenknopf – Großer (Sanguisorba officinalis)
Essbar/essbare Teile | Der Große Wiesenknopf sticht durch seine blutroten, ei- bis walzenförmigen Blütenköpfchen hervor, die an kräftigen, oft kahlen Stängeln thronen. Die auf feuchten Wiesen wachsende Pflanze spielt ökologisch eine unersetzliche Schlüsselrolle als einzige Futterpflanze für die Raupen hochspezialisierter Bläulings-Schmetterlinge.
Wiesenknopf – Kleiner (Sanguisorba minor)
Essbar/essbare Teile | Der Kleine Wiesenknopf besiedelt im Gegensatz zu seinem Verwandten bevorzugt trockene Mager- und Kalkwiesen, wo er unscheinbare, rötlich-grüne Blütenköpfchen hervorbringt. Seine zarten jungen Blätter zeichnen sich durch ein frisches, an Gurken erinnerndes Aroma aus und sind klassischer Bestandteil regionaler Kräutersoßen.
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Pflanzenfamilien und ihre Merkmale – Übersicht A-Z
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