Hohlzahn – Weichhaariger - essbar

Hohlzahn - Weichhaariger (Galeopsis pubescens)
Hohlzahn - Weichhaariger

Weichhaariger Hohlzahn – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Der Hohlzahn (Galeopsis) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Die etwa zehn Arten sind hauptsächlich in Eurasien verbreitet. Auf dieser Seite wird stellvertretend der “Weichhaarige Hohlzahn” beschrieben. Der Weichhaarige Hohlzahn ist sehr eng mit dem Gemeinen Hohlzahn (Galeopsis tetrahit) verwandt. Vielfach werden Zwischenformen dieser beiden Art beobachtet. 👉 Hinweis: Manche Hohlzahnarten sind regional im Bestand gefährdet. Essbar/essbare Teile!

Wildpflanzen-Steckbrief “Weichhaariger Hohlzahn”

Botanischer Name: Galeopsis pubescens
Deutscher Name: Weichhaariger Hohlzahn
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Gattung: Hohlzahn (Galeopsis)
Art: Weichhaariger Hohlzahn
Weitere Synonyme/Volksnamen: Flaum-Hohlzahn, Hanfnessel, Weichhaarige Hanfnessel;

Hauptblütezeit: Juli bis September;
Blütenfarbe: Purpurn bis hellrosa (selten weiß oder gelb);
Blütenform/Anzahl: ca. sechs bis fünfzehn lange Lippenblüten stehen quirlig in den oberen Blattachseln;
Frucht-/Samenreife: Spätsommer/Herbst;

Vorkommen: Der Weichhaarige Hohlzahn kommt vom Ost- bis Mitteleuropa, Südostfrankreich und Oberitalien und auch im Kaukasus vor.
Verbreitungsschwerpunkt: Der Weichhaarige Hohlzahn wächst in unkrautigen Gesellschaften, Waldschlägen, Gebüschen und an Bach- und Flussufern. Er bevorzugt mehr oder weniger frische, nährstoffreiche, oft kalkfreie Lehm- und Sandböden.

Wuchshöhe: ca. 30 cm bis 60 cm;
Typisch: Stängel an den Knotenpunkten verdickt und dort oft borstig, Blätter und Stiele flaumig bis weichhaarig, die gelbliche Kronröhre ragt weit aus dem Kelch, die Unterlippe besitzt eine purpurne Gitterzeichnung und meist einen dottergelben Schlundfleck.

Sammelgut/essbare Teile: Blätter, Blüten, Samen, Wurzel;
Energiereiche Teile: Samen;
Inhaltsstoffe: Kieselsäure, Saponine, Gerb- und Bitterstoffe;
Nötige Ver-/Bearbeitung: kann roh verwendet werden (Rohkost-Tauglich);

Verwechslungsgefahr: mit anderen Hohlzahn-Arten, jedoch besonders mit dem Gemeinen Hohlzahn. Seine Stängel, besonders bei den auffällige verdicken Knotenpunkte, sind borstig, der Kelch ist stachelig begrannt, die Blüten sind kleiner und die Blätter kaum behaart.

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Bilder & Fotos “Weichhaariger Hohlzahn”

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Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Erscheinungsbild/Eigenschaften: Die einjährige krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 60 cm. Der Stängel ist dünn, aufrecht, ausgebreitet ästig und manchmal doppelt verzweigt. An den Knoten ist er sowohl mit weichen Borstenhaaren als auch mit angedrückten Flaumhaaren und schwarzköpfigen Drüsenhaaren besetzt.

Blatt/Blätter: Die Laubblätter sind eiförmig-herzförmig gestaltet, weichhaarig bis drüsig und jederseits mit 12 bis 14 Sägezähnen ausgestattet. Sie besitzen einen ca. 1 bis 4 cm langen Stiel und sind 3 bis 7 cm lang bzw. 1,5 bis 4 cm breit.

Blüte/Blüten: Die Blüten sitzen in dichten Scheinquirlen mit verdornten, ziemlich langen Vorblättern. Die Kelchzähne sind lang stachelspitzig. Die Kronröhre ist gelblich und etwa 1,5 bis 2 cm lang. Die Krone ist purpurn-rosa gefärbt, die Unterlippe besitzt eine purpurne Gitterzeichnung und einen dottergelben Schlundfleck. Die Oberlippe ist meist hellrot, etwas zottig behaart und stark gewölbt. Es kommt selten vor, dass die Krone gänzlich gelb ist.

Früchte/Samen: Die Klausenfrucht zerfällt in vier glatte Klausen, die breit verkehrt-eiförmig mit stumpfem Ende sind. Die Samen werden vom Wind und vorbeisteifenden Tieren ausgesträut. Es kommt auch zur Klett- und Klebausbreitung auf der Oberfläche von Tieren.

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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Wegen der im Hohlzahn enthaltenen Gerbstoffe und Saponine wurde ein Tee aus den oberirdischen Pflanzenteilen früher manchmal als (schleimlösendes) Hustenmittel angewendet.

Frisch zerquetschte Blätter eigenen sich äußerlich als Kompresse bei Schwellungen und Hauterkrankungen.

Als Heilpflanze hat er heute aber nur noch historische Bedeutung.

👉 HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden Wild- und Wiesenkräuter viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Pflanzen in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Pflanzen vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gute Literatur.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Wurzeln: Sie sind vermutlich genießbar. Es deutet nichts auf unverträgliche Stoffe hin. Eine Nutzung als Streckmehl oder als Kaffeeersatz wäre im Frühjahr denkbar.

Blätter und Triebspitzen: In vielen Quellen werden die Blätter als sehr mild, und somit als Grundlage für Salate und Spinate beschrieben. Ich persönlich, und ich bin was gewöhnt 😀, empfinde sie als bitter bist stark bitter. Wen das nicht stört, kann die Blätter von Mai bis Oktober als Beigabe für verschiedene Salate nutzen. Sie können auch Kräutertopfen/Kräuterquark beigegeben werden. Erwärmt kann man sie als Gemüsefüllungen, als Beigabe zu lasagneartigen Aufläufen, in Suppen sowie zu weiteren Gemüsegerichten und Kräuterpüree nutzen.

Blütenstängel: xxx

Blüten: Sie können von etwa Juni bis Oktober als essbare Dekoration genutzt werden.

Samen: Aus den Samen (reife ca. im Oktober) wurde früher ein zartbitteres Speiseöl gewonnen. Dafür wurden die Samen geschrotet und das Öl entweder ausgepresst oder das Pressgut in heißes Wasser eingelegt und das Öl abgeschöpft.

Geschmack: Der Grundgeschmack ist doch eher Bitter. Ich persönlich sehe sie eher als Beigabe denn als Grundlage für Gerichte. Die Blüten sind neutral bis süßlich im Geschmack.

Tauglichkeit für Grüne-Smoothies: Die Pflanze ist merklich bitter und sollte deshalb wohl besser nur als Beigabe Einzug in den Smoothie halten.

👉 HINWEIS: Natürlich gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Auf meiner Seite werden Pflanzen in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Rezepte fehlen sogar gänzlich. Für Küchen- und Kochbegeisterte gibt es eine Menge gute Wildkräuter-Kochbücher.

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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Blütenökologisch handelt es sich um „Eigentliche Lippenblumen“. Die beiden Höcker auf der Unterlippe dienen als Kopfführung für Nektar suchende Besucher (vor allem Bienen und Hummeln). Am Ende der Anthese ist spontane Selbstbestäubung möglich.

Der Weichhaarige Hohlzahn ist sehr eng mit dem Gemeinen Hohlzahn (Galeopsis tetrahit) verwandt. Vielfach werden Zwischenformen dieser beiden Art beobachtet, die in der Literatur manchmal als Galeopsis tetrahit var. fallax beschrieben werden.

Beim Weichhaarigen Hohlzahn werden folgende zwei Unterarten unterschieden:

  • Gewöhnlicher Flaum-Hohlzahn (Galeopsis pubescens subsp. pubescens) mit purpurroter Krone mit gelbem Schlund.
  • Murr-Flaum-Hohlzahn (Galeopsis pubescens subsp. murriana) mit weißer oder gelblicher Krone, die oft eine violette Zeichnung auf dem Mittellappen der Unterlippe aufweist.

Videobeitrag zu “Weichhaariger Hohlzahn”

Weichhaariger Hohlzahn (Galeopsis pubescens)

Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge (kommentierter) Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.

Quellen und weitere Informationen

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