Weichhaariger Hohlzahn – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Der Weichhaarige Hohlzahn (Galeopsis pubescens) ist eine einjährige, krautige Wildpflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Art besiedelt bevorzugt frische, nährstoffreiche und kalkfreie Lehm- sowie Sandböden.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Weichhaariger Hohlzahn“
- Botanischer Name: Galeopsis pubescens
- Deutscher Name: Weichhaariger Hohlzahn
- Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
- Gattung: Hohlzahn (Galeopsis)
- Andere Namen: Flaum-Hohlzahn, Hanfnessel, Weichhaarige Hanfnessel
- Lebensdauer: Einjährig
- Wuchsform: Krautig
- Wuchshöhe: 30 bis 60 cm
- Wurzelwerk: Flache Pfahlwurzel
- Blütezeit: Juli bis September
- Blütenstand: Scheinquirle in den oberen Blattachseln
- Fruchtreife: Spätsommer bis Herbst
- Boden/Standort: Frische, nährstoffreiche, meist kalkfreie Böden; Ruderalfluren, Waldschläge, Uferbereiche
- Hauptinhaltsstoffe: Kieselsäure, Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig in allen Teilen
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Der Weichhaarige Hohlzahn ist eine aufrecht wachsende, flaumig behaarte Pflanze mit markanten Blüten, die deutlich aus dem Kelch herausragen.
Vegetative Merkmale (Stängel, Blätter)
- Stängel: Dünn, aufrecht, verzweigt. An den Knotenpunkten verdickt und dort oft mit weichen Borsten versehen. Der restliche Stängel weist angedrückte Flaumhaare und schwarzköpfige Drüsenhaare auf.
- Blätter: Kreuzgegenständig, eiförmig-herzförmig mit 1 bis 4 cm langem Stiel. Der Blattrand weist beidseitig 12 bis 14 Sägezähne auf. Die Blattspreiten sind weichhaarig bis drüsig.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüten: Zygomorphe Lippenblüten in dichten Scheinquirlen. Die gelbliche Kronröhre (1,5 bis 2 cm) ragt weit aus dem Kelch. Die Krone ist purpurn-rosa, selten weiß oder gelb. Die Unterlippe weist eine purpurne Gitterzeichnung und einen dottergelben Schlundfleck auf. Die Oberlippe ist stark gewölbt und zottig behaart.
- Kelch: Die Kelchzähne sind lang und stachelspitzig.
- Frucht: Klausenfrucht, die in vier glatte, breit verkehrt-eiförmige Teilfrüchte mit stumpfem Ende zerfällt.
Verwechslungsgefahren:
- Gemeiner Hohlzahn (Galeopsis tetrahit): Stängel an den verdickten Knotenpunkten steif borstig behaart, Blätter kaum behaart. Die Blüten sind kleiner und ragen nicht so weit aus dem Kelch.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Galeopsidis herba (Hohlzahnkraut)
- Inhaltsstoffe: Kieselsäure, Saponine, Gerbstoffe
- Monographie-Status: Keine offizielle Monographie / Status unbekannt.
In der evidenzbasierten Medizin liegt keine gesicherte Indikation für Galeopsis pubescens vor. Die historische Volksheilkunde nutzte Aufgüsse der oberirdischen Teile aufgrund des Saponin- und Gerbstoffgehalts als Expektorans bei Atemwegserkrankungen. Die äußerliche Anwendung zerquetschter Blätter bei Schwellungen ist historisch dokumentiert, jedoch pharmakologisch nicht belegt.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Blätter weisen einen ausgeprägt bitteren Geschmack auf, weshalb sie vorrangig als streckende Beigabe und nicht als Hauptzutat fungieren. Die Blüten sind geschmacklich neutral bis süßlich.
- Blätter und Triebspitzen (Mai bis Oktober): Gekocht als Beigabe in Suppen, Aufläufen oder Pürees verwendbar. Roh aufgrund der Bitterstoffe nur in geringen Mengen (z. B. in Salaten oder Smoothies) nutzbar.
- Blüten (Juni bis Oktober): Roh als essbare Dekoration.
- Samen (Herbst): Historische Nutzung zur Ölgewinnung. Samen wurden geschrotet und ausgepresst oder abgekocht (heute unwirtschaftlich).
- Wurzeln (Frühjahr): Historische Nutzung als Streckmehl.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Blütenökologie und Fortpflanzung
Die Blüten des Weichhaarigen Hohlzahns zählen zu den Eigentlichen Lippenblumen. Die ausgeprägte Unterlippe mit ihren Höckern dient bestäubenden Insekten, vorrangig Bienen und Hummeln, als Landeplatz und Kopfführung. Bei Ausbleiben von Insektenbesuchen ist am Ende der Anthese eine spontane Selbstbestäubung möglich. Die Ausbreitung der Samen erfolgt durch Wind sowie epizoochor (Klett- und Klebausbreitung durch vorbeistreifende Tiere).
Systematik und Hybridisierung
Galeopsis pubescens ist systematisch eng mit dem Gemeinen Hohlzahn (Galeopsis tetrahit) verwandt. In Überschneidungsgebieten treten häufig morphologische Zwischenformen auf, die in der botanischen Literatur vereinzelt als Galeopsis tetrahit var. fallax klassifiziert werden. Innerhalb der Art Galeopsis pubescens werden zudem zwei Unterarten unterschieden: Der Gewöhnliche Flaum-Hohlzahn (Galeopsis pubescens subsp. pubescens) mit purpurroter Krone und der Murr-Flaum-Hohlzahn (Galeopsis pubescens subsp. murriana) mit weißer oder gelblicher Krone und violetter Zeichnung auf dem Mittellappen der Unterlippe.
Videobeitrag zu „Weichhaariger Hohlzahn“
Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge (kommentierter) Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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