Drüsiges Springkraut – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Das Drüsige Springkraut ist eine imposante, rasch wüchsige Erscheinung, die durch ihre orchideenartigen Blüten und ihre enorme Wuchshöhe beeindruckt. Ursprünglich im Himalaya beheimatet, wurde es als exotische Zierpflanze nach Europa gebracht und gilt heute als einer der dominantesten Neophyten unserer Auen- und Uferlandschaften. Ökologisch ist es ein faszinierendes Phänomen: Einerseits verdrängt es durch sein explosives Wachstum heimische Arten, andererseits ist es durch seine extrem reiche Nektarproduktion ein Magnet für Bienen und Hummeln.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Drüsiges Springkraut“
- Botanischer Name: Impatiens glandulifera
- Deutscher Name: Drüsiges Springkraut
- Familie: Balsaminengewächse (Balsaminaceae)
- Gattung: Springkräuter (Impatiens)
- Andere Namen: Indisches Springkraut, Rotes Springkraut, Himalaya-Balsamine, Bauernorchidee, Riesenbalsamine
- Lebensdauer: einjährig (Therophyt)
- Wuchsform: krautig, aufrecht, stark verzweigt
- Wuchshöhe: 50 bis 250 cm
- Wurzelwerk: Flachwurzler
- Blütezeit: Juni bis Oktober (bis zum ersten Frost)
- Blütenstand: traubig, üppig verzweigt
- Fruchtreife: August bis Oktober
- Boden/Standort: feuchte bis nasse, nährstoffreiche Böden; Ufer, Auwälder, Halbschatten
- Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe, Bitterstoffe, Glykoside im Laub; Parinarsäure und fettes Öl in den Samen
- Giftigkeit: Grüne Pflanzenteile roh schwach giftig; Samen und Blüten für den Menschen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Das Drüsige Springkraut bildet massive, oft undurchdringliche Bestände und überragt als einjährige krautige Pflanze die meisten heimischen Uferpflanzen mühelos.
Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)
- Stängel: Der Stängel ist sehr dick, fleischig, aber innen hohl. Er ist oft rötlich überlaufen, knotig verdickt und verzweigt sich im oberen Bereich stark.
- Blätter: Die großen, eilanzettlichen Blätter (bis 25 cm lang) sind am Rand scharf gezähnt. Sie stehen meist zu dritt in Quirlen am Stängel.
- Drüsen: Namensgebend sind die unangenehm riechenden, rötlichen Drüsen, die sich am Blattstiel und am Blattgrund befinden.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die 3 bis 4 cm großen, purpurroten bis zartrosa (selten weißen) Blüten hängen an dünnen Stielen herab. Sie sind zygomorph (spiegelsymmetrisch) und besitzen einen auffällig weiten Helm sowie einen kurzen, gekrümmten Sporn. Sie verströmen einen intensiven, süßlichen Duft.
- Frucht & Samen: Es entwickeln sich länglich-keulenförmige Kapselfrüchte (14 bis 18 mm lang). Bei Fruchtreife stehen die Kapselwände unter hoher Spannung. Die kugeligen, etwa 3 mm großen Samen sind anfangs weiß und im ausgereiften Zustand schwarzbraun.
Verwechslungsgefahren:
- Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere): Das einzige in Mitteleuropa heimische Springkraut. Es bleibt deutlich kleiner (bis 100 cm) und blüht rein gelb.
- Kleines Springkraut (Impatiens parviflora): Ebenfalls ein Neophyt, bleibt aber sehr klein (bis 60 cm) und hat winzige, blassgelbe Blüten.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Keine offizielle pharmakologische Droge.
- Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, Glykoside.
- Monographie-Status: Keine HMPC- oder Kommission-E-Monographie vorhanden.
Das Drüsige Springkraut besitzt in der modernen, evidenzbasierten Medizin keinerlei Relevanz. Auch in der europäischen Naturheilkunde spielt es kaum eine Rolle, da es erst im 19. Jahrhundert eingeschleppt wurde. In ländlichen Regionen nutzte man Abkochungen der Pflanze lokal in sehr geringen Dosen als harntreibenden Tee oder in toxischen Höchstdosen als Brechmittel. Da die enthaltenen Glykoside jedoch die Schleimhäute reizen und kaum einen nachweisbaren therapeutischen Nutzen bieten, ist von einer medizinischen Anwendung heute gänzlich abzuraten.
- Verzichte auf medizinische Selbstversuche oder innere Anwendungen der grünen Pflanzenteile (Blätter, Stängel), da sie Übelkeit, Magenreizungen und starkes Erbrechen auslösen können.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Während die grünen Pflanzenteile ungenießbar und schwach giftig sind, bieten die reifen Samen und zarten Blüten eine überraschend lohnenswerte und schmackhafte Bereicherung für die Wildkräuterküche.
- Samen (Spätsommer bis Oktober): Die Samen schmecken angenehm nussig und können hervorragend roh genascht, geröstet über Salate gestreut oder zu Pesto und Bratlingen verarbeitet werden. Für eine effiziente Ernte stülpt man am besten eine Tüte über den reifen Fruchtstand und schüttelt ihn vorsichtig, um die „geschossenen“ Samen aufzufangen.
- Blüten (Juli bis Oktober): Die süßlich duftenden Blüten sind roh essbar und eine wunderschöne, milde Dekoration für Desserts oder Salate.
- Blätter und Stängel: Sind roh schwach giftig. Sie müssten mehrfach abgekocht (Wasser abgießen) werden, um essbar zu sein. Da sie danach ohnehin faserig, zäh und geschmacklich rau bleiben, rät es sich, sie in der Küche vollständig zu ignorieren.
Rohe Blätter und Stängel enthalten leicht reizende Glykoside und wirken beim Verzehr stark harntreibend und abführend. Iss ausschließlich die Blüten und Samen roh.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Die ballistische Samen-Kanone (Saftdruckstreuer)
Das Springkraut verdankt seinen Namen einem der faszinierendsten Ausbreitungsmechanismen im Pflanzenreich. Wenn die länglichen Kapselfrüchte im Spätsommer reifen, baut die Pflanze im Gewebe der Fruchtwand einen extremen Zellinnendruck (Turgordruck) auf. Bei der leichtesten Erschütterung – sei es durch einen Regentropfen, ein landendes Insekt oder einen Windstoß – reißt die Kapsel an den Nähten auf. Die Seitenwände rollen sich blitzartig nach innen zusammen und schleudern die kleinen Samen mit enormer Wucht bis zu sieben Meter weit weg. Eine einzige große Pflanze kann auf diese Weise über 4.000 Samen wie kleine Schrotkugeln in ihre Umgebung feuern.
Ein Nektar-Ozean für Insekten
In der Pflanzenwelt ist das Drüsige Springkraut ein echter Schwergewichtskämpfer im Wettbewerb um Bestäuber. Es produziert in seinem Blütensporn mit etwa 0,47 Milligramm pro Stunde fast 40-mal so viel Nektar wie heimische Konkurrenzpflanzen. Zudem ist der Nektar mit einem Zuckergehalt von fast 50 Prozent extrem energiereich. Hummeln und Bienen lernen diese lukrative Futterquelle schnell kennen und fliegen die Pflanze bevorzugt an. Da die Blüten vormännlich (proterandrisch) sind, also zuerst den Pollen und erst später die Narbe präsentieren, ist die Pflanze zwingend auf diese fleißigen Helfer angewiesen, um Kreuzbestäubung sicherzustellen.
Der Triumphzug der „Bauernorchidee“
Die Geschichte des Drüsigen Springkrauts in Europa begann 1839, als britische Botaniker die Samen aus der Region Kaschmir (Himalaya) als ornamentale Gartenpflanze („Bauernorchidee“) nach England brachten. Diese gezielte Einführung nennt man in der Botanik Ethelochorie. Von den englischen Ziergärten aus trat die Pflanze rasch ihren Siegeszug über den Kontinent an. Bereits in den 1890er Jahren verzeichnete man massive Wildbestände am Rhein. Da sie an heimischen Gewässern optimale feuchte Bedingungen vorfindet und kaum Fraßfeinde hat, besiedelt sie heute flächendeckend nahezu ganz Mitteleuropa.
Videobeitrag zu „Drüsiges Springkraut“
Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für das Drüsige Springkraut. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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