Süßgräser (Poaceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Süßgräser (Poaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Süßgräser (Poaceae) sind mit rund 12.000 Arten in etwa 780 Gattungen eine der weltweit größten und ökologisch bedeutendsten Pflanzenfamilien innerhalb der Ordnung der Grasartigen (Poales). Sie besiedeln nahezu alle terrestrischen Lebensräume und zeichnen sich durch ihre charakteristischen, meist runden und hohlen Halme sowie die unscheinbaren, auf Windbestäubung spezialisierten Blüten aus. Zu dieser Familie gehören fast alle globalen Grundnahrungsmittel (Getreide) sowie die landschaftsprägenden Gräser unserer Wiesen, Weiden und Steppen.
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder verholzende Riesenformen (Bambus); die runden Stängel (Halme) sind hohl und durch verdickte Knoten (Nodien) gegliedert.
- Blätter: Wechselständig und zweizeilig (distich) angeordnet; bestehend aus einer den Halm umschließenden Blattscheide, der Blattspreite und oft einem häutigen Blatthäutchen (Ligula) am Übergang.
- Blüten & Blütenstand: Unscheinbar, zwittrig (selten eingeschlechtig wie bei Mais) und auf Windbestäubung (Anemophilie) reduziert; organisiert in Ährchen, die von Spelzen umhüllt sind und meist in Ähren, Rispen oder Trauben stehen.
- Früchte: Meist einsamige Schließfrüchte (Karyopsen), bei denen die Samenschale fest mit der Fruchtwand verwachsen ist; reich an Stärke (Endosperm).
- Wichtige Inhaltsstoffe: Vorwiegend Kohlenhydrate (Stärke), Kieselsäure (in den Halmen zur Festigung), Klebereiweiße (Gluten) und in den Pollen allergene Proteine; selten cyanogene Glykoside.
Verwendung & ökologische Bedeutung
Die Süßgräser sind die für den Menschen wichtigste Pflanzenfamilie überhaupt, da sie mit Weizen, Reis und Mais die Basis der weltweiten Ernährung bilden. Neben der Nutzung als Getreide (Marktfrüchte) sind sie als Hauptbestandteil von Grünland (Wiesen, Weiden) essenziell für die Viehzucht und als Erosionsschutz. Bambusarten dienen zudem in weiten Teilen Asiens als schnell nachwachsender Bau- und Werkstoff sowie als Rohstoff für die Papierherstellung.
Kultur- & Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Dinkel (Triticum spelta)
Der Dinkel ist eine historische Getreideart und gilt als enger Verwandter des Weichweizens. Im Gegensatz zu Nacktweizen ist das Korn fest mit den Spelzen verwachsen, was einen zusätzlichen Schälvorgang (das sogenannte Gerben oder Ventschen) erfordert, es aber vor Umwelteinflüssen schützt.
Einkorn (Triticum monococcum)
Das Einkorn zählt zu den ältesten domestizierten Getreidearten und stammt wildbiologisch vom Wilden Einkorn ab. Typisch für dieses Spelzgetreide ist die brüchige Ährenspindel sowie der hohe Gehalt an Carotinoiden, der dem Mehl eine gelbliche Färbung verleiht.
Emmer/Zweikorn (Triticum dicoccum)
Der Emmer ist eine der ältesten kultivierten Weizenarten und bildet zusammen mit Einkorn die Gruppe der primitiven Spelzgetreide. Seine Ähren sind durch die dichte Packung im Querschnitt seitlich zusammengedrückt und enthalten pro Ährchen meist zwei von Spelzen umschlossene Körner.
Gerste (Hordeum vulgare)
Die Gerste ist ein einjähriges Gras, das an den sehr langen, oft rauen Grannen der Ähren auch vom Laien leicht zu erkennen ist. Sie gehört zu den ältesten Ackerfrüchten der Menschheit und wird heute primär als Futtermittel sowie als Braugerste für die Bierherstellung genutzt.
Hafer – Saat (Avena sativa)
Der Saat-Hafer unterscheidet sich von den meisten anderen Getreidearten optisch stark durch seinen Aufbau als Rispengras, da die Ährchen an verzweigten Seitenästen und nicht direkt an der Hauptachse (Ähre) sitzen. Als „Gesundheitsgetreide“ ist er reich an Beta-Glucanen, Fetten und Mineralstoffen und wird vorwiegend für Flocken und Breie angebaut.
Hartweizen (Triticum durum)
Der wärmeliebende Hartweizen bildet glasige, sehr proteinhaltige Körner, die ihn vom stärkereicheren Weichweizen unterscheiden. Aufgrund seiner speziellen Kleberstruktur eignet er sich weniger zum Backen von Brot, ist jedoch der ideale Rohstoff für die Herstellung von bissfester Pasta und Couscous.
Mais/Kukuruz (Zea mays)
Der Mais ist ein kräftiges, hochwüchsiges Getreide tropischen Ursprungs, das im Gegensatz zu heimischen Gräsern getrenntgeschlechtige Blütenstände an einer Pflanze trägt (einhäusig). Während die männliche Rispe an der Spitze steht, entwickeln sich die weiblichen Blütenkolben in den Blattachseln zu den bekannten Fruchtständen.
Roggen (Secale cereale)
Der Roggen ist das winterhärteste unserer Getreide und zeichnet sich durch ein tiefreichendes Wurzelsystem aus, das ihm das Gedeihen auf sandigen, nährstoffarmen Böden ermöglicht. Sein Mehl ist die Basis für dunkle, aromatische Sauerteigbrote, da es erst durch Säuerung backfähig wird.
Schilfrohr (Phragmites australis)
Essbar/essbare Teile | Das Schilfrohr ist das größte heimische Gras und bildet in Feuchtgebieten und Uferzonen ausgedehnte Röhrichtbestände, die als wichtiger Lebensraum für spezialisierte Vogelarten dienen. Es vermehrt sich vegetativ über kräftige Rhizome und besitzt stärkereiche Rhizome sowie junge Sprosse, die essbar sind.
Triticale (Triticosecale)
Die Triticale ist eine vom Menschen gezüchtete Kreuzung (Hybride) aus Weizen und Roggen, die versucht, die Ertragsstärke des Weizens mit der klimatischen Anspruchslosigkeit des Roggens zu vereinen. Sie wird überwiegend als energiereiches Futtergetreide oder zur Energiegewinnung in Biogasanlagen angebaut.
Weichweizen (Triticum aestivum)
Der Weichweizen ist das weltweit am häufigsten angebaute Brotgetreide und besitzt Ähren, die je nach Sorte unbegrannt oder begrannt sind. Durch seinen hohen Gehalt an Klebereiweiß (Gluten) verfügt sein Mehl über hervorragende Backeigenschaften für lockere Teige und Gebäcke.
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