Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) bilden eine weltweit verbreitete Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales), deren phylogenetischer Umfang durch das moderne APG-System stark neu geordnet wurde. Charakteristisch für diese meist krautigen Vertreter sind oft nur schwach zygomorphe bis fast radiärsymmetrische Blüten mit oft verwachsenen Kronblättern, die an Insektenbestäubung angepasst sind, wobei bei ausbleibendem Insektenbesuch oft spontane Selbstbestäubung eintritt. Zu den heute noch in der Familie verbliebenen, ökologisch bedeutsamen heimischen Leitgattungen zählen die imposanten Königskerzen (Verbascum) und die namensgebenden Braunwurzen (Scrophularia).
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Überwiegend ein- bis ausdauernde krautige Pflanzen, seltener Halbsträucher oder verholzende Sträucher (wie der Schmetterlingsflieder).
- Blätter: Meist wechselständig oder gegenständig angeordnet, oft ungeteilt oder gelappt, in der Regel ohne Nebenblätter.
- Blüten & Blütenstand: Zygomorphe (spiegelgleiche), seltener radiärsymmetrische, vier- oder fünfzählige Blüten mit meist verwachsener Kronröhre, die häufig in traubigen, ährigen oder rispigen Blütenständen (Thyrsen) zusammenstehen.
- Früchte: Vielsamige, aus oberständigen Fruchtknoten hervorgehende und trocken aufspringende Kapselfrüchte.
- Wichtige Inhaltsstoffe: Charakteristisch sind Iridoidglykoside (wie Aucubin oder Catalpol) zur Fraßabwehr, Saponine sowie hohe Mengen an Schleimstoffen (besonders in der Gattung Verbascum).
Verwendung & ökologische Bedeutung
Viele Arten der Braunwurzgewächse schätzt der Mensch wegen ihrer wertvollen sekundären Inhaltsstoffe seit der Antike als Heilpflanzen. Insbesondere die Königskerzen (Verbascum) enthalten reichlich Schleimstoffe und Saponine, weshalb ihre Blüten in der Naturheilkunde als wissenschaftlich anerkanntes, reizlinderndes Mittel bei Katarrhen der Atemwege eingesetzt werden. Die früher ebenfalls zu dieser Familie gezählten Halbschmarotzer wie der Augentrost (Euphrasia) wurden nach molekulargenetischen Erkenntnissen inzwischen den Sommerwurzgewächsen (Orobanchaceae) zugeordnet. Als Zierpflanzen sind Vertreter der Braunwurzgewächse ebenfalls bedeutsam; der aus Asien stammende Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) ist als nektarreicher Zierstrauch in Gärten äußerst beliebt, breitet sich jedoch in der freien Landschaft teils stark invasiv aus und verdrängt heimische Flora.
Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Braunwurz – Knotige (Scrophularia nodosa)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Die Knotige Braunwurz ist eine ausdauernde, eher unauffällige Wald- und Saumpflanze, die an ihrem markant vierkantigen Stängel und den unangenehm riechenden Blättern gut zu erkennen ist. Ihre unscheinbaren, bräunlich-kugeligen Blüten sind primär auf Wespenbestäubung spezialisiert, weshalb man die Knotige Braunwurz in der Blütenökologie auch als klassische Wespenblume bezeichnet.
Königskerze – Großblütige (Verbascum densiflorum)
Essbar/essbare Teile | Die Großblütige Königskerze ist eine imposante, zweijährige Pionierpflanze, die mit ihren leuchtend gelben Blütenständen auf trockenen Ruderalflächen und Schotterfluren alle Blicke auf sich zieht. Da die Blüten der Großblütigen Königskerze reich an reizlindernden Schleimstoffen sind, stellen sie eine wertvolle Droge in der pflanzlichen Hustentherapie dar. Die gesamte Pflanze ist dicht filzig behaart, was sie hervorragend vor Austrocknung und starker Sonneneinstrahlung schützt.
Königskerze – Kleinblütige (Verbascum thapsus)
Essbar/essbare Teile | Die Kleinblütige Königskerze entwickelt im ersten Jahr eine dichte, graufilzige Blattrosette und schiebt im zweiten Jahr einen oft unverzweigten, kräftigen Blütenstand empor. Im Gegensatz zu ihren großblütigen Verwandten laufen die Laubblätter der Kleinblütigen Königskerze am Stängel deutlich herab, wodurch dieser stark geflügelt erscheint. Die Heilkunde nutzt auch ihre Blüten gerne bei Atemwegserkrankungen, während die dichten Blatthaare in der Vergangenheit oft als Zunder dienten.
Königskerze – Mehlige (Verbascum lychnitis)
Essbar/essbare Teile | Die Mehlige Königskerze bevorzugt trockenwarme, kalkhaltige Böden und fällt durch ihre stark verzweigten, rispenartigen Blütenstände auf, die im Hochsommer hellgelb oder weiß erblühen. Ihre Blätter sind auf der Oberseite oft fast kahl, weisen aber unterseits die namensgebende, mehlig-weißliche Behaarung auf, die der Mehligen Königskerze ein markantes Aussehen verleiht. Zahlreiche Wildbienen und Schwebfliegen schätzen die nektarfreien, jedoch pollenreichen Blüten als wichtige Nahrungsquelle.
Königskerze – Schwarze (Verbascum nigrum)
Essbar/essbare Teile | Die Schwarze Königskerze lässt sich leicht an ihren purpurviolett wollig behaarten Staubfäden erkennen, die einen starken farblichen Kontrast zu den gelben Kronblättern bilden. Meist wächst die Schwarze Königskerze als ausdauernde Pflanze an Waldrändern oder in lichten Gebüschen, wo sie im Gegensatz zu anderen Königskerzen auch leicht halbschattige Standorte toleriert. Ihre basalen Laubblätter sind herzförmig, lang gestielt und an der Unterseite nur schwach flaumig behaart.
Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii)
Ungenießbar | Der Schmetterlingsflieder, auch Sommerflieder genannt, ist ein anspruchsloser, aus Asien stammender Zierstrauch, der im Hochsommer mit langen, duftenden Blütenrispen unzählige Falter anlockt. Obwohl der Schmetterlingsflieder eine reiche Nektarquelle bietet, ist er als nicht-heimischer Neophyt umstritten, da er kaum Nahrung für heimische Schmetterlingsraupen bereitstellt und sich auf Brachflächen invasiv ausbreiten kann. Botanisch zählt der verholzende Strauch nach neueren molekularbiologischen Einteilungen der APG nun eindeutig zur Familie der Braunwurzgewächse.
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