Herbstzeitlose – Bestimmen/Erkennen
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze. Diese Pflanze ist GIFTIG und NICHT für die menschliche Ernährung geeignet
Die Herbstzeitlose ist eine der faszinierendsten, aber auch gefährlichsten heimischen Wildpflanzen. Als Vertreterin der Zeitlosengewächse zeichnet sie sich durch einen stark asynchronen Lebenszyklus aus: Sie blüht im Herbst völlig blattlos und schiebt erst im darauffolgenden Frühjahr ihre Blätter samt der Samenkapsel aus dem Boden. Während sie auf feuchten, nährstoffreichen Wiesen einen wichtigen späten Nektarspender für Insekten darstellt, ist sie für den Menschen und viele Weidetiere aufgrund ihres Alkaloidgehalts lebensgefährlich.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Herbstzeitlose“
- Botanischer Name: Colchicum autumnale
- Deutscher Name: Herbstzeitlose
- Familie: Zeitlosengewächse (Colchicaceae)
- Gattung: Zeitlose (Colchicum)
- Andere Namen: Giftkrokus, Butterwecken, Giftblume, Nackte Jungfer
- Lebensdauer: Mehrjährig (ausdauernd)
- Wuchsform: Krautige Pflanze (Geophyt)
- Wuchshöhe: 8 bis 30 cm
- Wurzelwerk: Unterirdische, braunschuppige Sprossknolle
- Blütezeit: September bis Oktober
- Blütenstand: 1 bis 3 trichterförmige Einzelblüten, die direkt dem Boden entspringen
- Fruchtreife: Mai bis Juni (des Folgejahres)
- Boden/Standort: Feuchte, nährstoffreiche Wiesen und Böschungen in sonniger bis halbschattiger Lage
- Hauptinhaltsstoffe: Colchicin (ein stark toxisches Alkaloid)
- Giftigkeit: Für den Menschen stark giftig (alle Pflanzenteile, höchste Konzentration in Blüten und Samen)
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Herbstzeitlose fällt vor allem durch ihren zweigeteilten Jahreszyklus auf. Man sieht niemals Blüten und Blätter zur selben Zeit, was die Bestimmung stark von der Jahreszeit abhängig macht.
Vegetative Merkmale (Knolle & Blätter im Frühjahr)
- Knolle: Die Pflanze überdauert als braunhäutige Sprossknolle (2,5 bis 5 cm dick) tief im Erdboden.
- Blätter: Erst im Frühjahr (April bis Juni) erscheinen kräftige, grundständige Blattrosetten. Die Blätter sind länglich-lanzettlich, tiefgrün, fleischig, am Rand glatt und können bis zu 40 cm lang werden.
- Geruch: Die Blätter sind völlig geruchlos (wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Bärlauch).
Generative Merkmale (Blüte im Herbst & Frucht im Frühjahr)
- Blüte (Herbst): Aus dem nackten Boden treiben im September/Oktober ein bis drei trichterförmige Blüten. Sie sind blassrosa bis zartviolett. Die sechs Blütenblätter sind zu einer langen, dünnen, unterirdisch ansetzenden Röhre verwachsen. Die Blüte besitzt sechs Staubblätter.
- Frucht (Frühjahr): Der Fruchtknoten überwintert unter der Erde. Im Frühjahr wird er zusammen mit den Blättern als grüne, blasig aufgeschwollene und länglich-eiförmige Kapselfrucht nach oben geschoben. Im Frühsommer reift sie braun ab und gibt schwarzbraune Samen mit einem weißen, ölhaltigen Anhängsel (Elaiosom) frei.
Verwechslungsgefahren:
- Zur Blattzeit im Frühjahr (Lebensgefahr!): Bärlauch (Allium ursinum). Die Blätter der Herbstzeitlosen ähneln stark denen des Bärlauchs. Bärlauchblätter riechen beim Zerreiben jedoch intensiv nach Knoblauch, haben einen deutlich abgesetzten Blattstiel und wachsen aus einer schlanken Zwiebel (nicht aus einer dicken Sprossknolle). Auch eine Verwechslung mit Maiglöckchen ist möglich.
- Zur Blütezeit im Herbst: Krokusse (Crocus). Insbesondere herbstblühende Krokusse sehen identisch aus. Das unfehlbare Merkmal: Krokusse gehören zu den Schwertliliengewächsen und haben immer genau drei Staubblätter. Die Herbstzeitlose hat sechs Staubblätter.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Colchici semen (Herbstzeitlosensamen)
- Inhaltsstoffe: Alkaloide (insbesondere Colchicin, Demecolcin)
- Monographie-Status: Kommission E (positiv für streng standardisierte Extrakte)
Trotz ihrer enormen Giftigkeit ist die Herbstzeitlose eine hochpotente und evidenzbasierte Arzneipflanze. Das aus den Samen isolierte Alkaloid Colchicin ist ein Zell- und Mitosegift. In der modernen Medizin wird es als isolierter und exakt dosierter Wirkstoff in verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Behandlung eines akuten Gichtanfalls (Podagra) eingesetzt. Es hemmt die Entzündungsreaktion, die durch Harnsäurekristalle in den Gelenken ausgelöst wird. Das verwandte Demecolcin fand Anwendung in der Krebstherapie, da es die Zellteilung stoppt. In der Homöopathie wird Colchicum autumnale ebenfalls bei rheumatischen Beschwerden oder Gicht genutzt.
- Absolute Lebensgefahr bei Einnahme: Das therapeutische Fenster von Colchicin ist extrem schmal. Selbst geringfügige Überdosierungen führen zu schweren, oft tödlichen Vergiftungen.
- Keine Eigenanwendung: Pflanzenteile dürfen unter keinen Umständen gesammelt und als Tee oder Tinktur verwendet werden.
- Vergiftungssymptome: Die Giftwirkung setzt oft mit einer Latenzzeit von 2 bis 6 Stunden ein. Symptome sind Brennen im Mund, unstillbares Erbrechen, schwerste (oft blutige) Durchfälle. Der Tod tritt meist durch Atemlähmung und Herz-Kreislauf-Versagen ein. Bei geringstem Verdacht sofort den Notarzt oder Giftnotruf kontaktieren!
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Herbstzeitlose hat in der Ernährung absolut nichts zu suchen. Sie ist kein Wildgemüse, sondern eine Giftpflanze.
- Alle Pflanzenteile (Knolle, Blätter, Blüten, Samen): Sind strengstens zu meiden und bei Verzehr potenziell tödlich.
Jedes Frühjahr kommt es zu teils tödlichen Vergiftungen, weil ahnungslose Sammler die aus dem Boden sprießenden Blätter der Herbstzeitlosen mit Bärlauch verwechseln. Kontrolliere jedes Blatt einzeln auf den typischen Knoblauchgeruch. Wenn die Blätter geruchlos sind: Hände weg! Die in den Blättern enthaltenen Gifte werden auch durch Erhitzen, Einfrieren oder Trocknen nicht zerstört.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Die Namensgebung: Eine pflanzliche Wahrsagerin
Der Name „Herbstzeitlose“ ist sprachlich überaus interessant. „Zeitlos“ bedeutet hier nicht, dass die Pflanze unsterblich ist oder ewig blüht. Es leitet sich vom althochdeutschen Wort liozan ab, was so viel bedeutet wie „losen“, „vorhersagen“ oder „wahrsagen“. Da die Pflanze spät im Jahr, oft erst im Oktober und scheinbar völlig „zur Unzeit“ (nämlich ohne Blätter) blüht, sah man sie als Botin an, die unweigerlich das Nahen des Herbstes und des Winters „ausloste“ oder prophezeite. Ein weiterer passender Volksname ist „Nackte Jungfer“, da die Blüte ungeschützt, blattlos und nackt aus dem Erdboden stößt.
Die toxische Gefahr für die Landwirtschaft
Die Herbstzeitlose wuchert mitunter massenhaft auf feuchten Wiesenböden und wird dort zum massiven Problem für die Landwirtschaft. Die Pflanze ist nicht nur für den Menschen stark giftig, sondern auch für Pferde, Schweine und Hunde. Zwar reagieren Wiederkäuer wie Rinder und Schafe etwas weniger empfindlich, doch auch sie meiden das Kraut auf der Weide instinktiv. Das eigentliche Drama spielt sich bei der Heuernte ab: Das Toxin Colchicin baut sich beim Trocknen nicht ab. Befindet sich das Kraut im Heu, können die Tiere es nicht mehr heraussortieren. Besonders heimtückisch ist, dass das Gift bei laktierenden Kühen oder Schafen in die Milch übergeht und so potenziell auch Kälber oder den menschlichen Konsumenten gefährden kann.
Colchicin in der modernen Pflanzenzucht
Trotz seiner schädlichen Wirkung auf Lebewesen machen sich Botaniker und Agrarwissenschaftler das Gift der Herbstzeitlosen gezielt zunutze. Da Colchicin als Mitosegift die Zellteilung exakt im Stadium der Chromosomen-Trennung unterbricht, ohne die Zelle sofort zu töten, entstehen sogenannte polyploide Zellen. Diese haben einen doppelten oder vierfachen Chromosomensatz. Das Resultat sind Pflanzen, die deutlich kräftiger wachsen und sehr viel größere Blüten oder Früchte ausbilden. Dieser züchterische Kunstgriff mit Colchicin wurde beispielsweise bei der Entwicklung vieler heutiger großfruchtiger Kulturerdbeeren angewendet.
Videobeitrag zu „Herbstzeitlose“
Der YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET bietet noch mehr Bestimmungsvideos für die Herbstzeitlose. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren ganzen Lebenszyklus kennen lernen. Begleite sie durch die Jahreszeiten und lerne sie anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Im Kanal findest du außerdem viele Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen Wildkräutern, Pflanzen, Bäumen und Sträuchern ermöglichen/erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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