Stachel-Lattich – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Der Stachel-Lattich ist ein faszinierendes Wildkraut unserer Wegränder und Schuttplätze. Kaum jemand ahnt beim Anblick dieser wehrhaften, bitteren und stacheligen Pflanze, dass sie die direkte wilde Stammpflanze unseres milden, weichen Gartensalats ist. Eine ihrer bemerkenswertesten Eigenschaften ist zudem ihr eingebauter „Sonnenschutz“, der ihr den Beinamen Kompass-Lattich eingebracht hat.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Stachel-Lattich/Kompass-Lattich“
- Botanischer Name: Lactuca serriola
- Deutscher Name: Stachel-Lattich
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Lattiche (Lactuca)
- Andere Namen: Kompass-Lattich, Wilder Lattich, Zaun-Lattich
- Lebensdauer: Ein- bis zweijährig
- Wuchsform: Krautige Pflanze
- Wuchshöhe: 40 bis 120 cm (an idealen Standorten bis 200 cm)
- Wurzelwerk: Tiefe Pfahlwurzel (bis zu 2 Meter tief)
- Blütezeit: Juli bis September
- Blütenstand: Rispiger Blütenstand aus vielen kleinen Körbchen
- Fruchtreife: August bis Oktober
- Boden/Standort: Sonnig, trocken, nährstoffreich; Wegränder, Schuttplätze, Bahndämme, Mauern
- Hauptinhaltsstoffe: Bitterstoffe (Lactucin, Lactucopicrin), Triterpene, Flavonoide, Cumarine, Eisen, Vitamine
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig. Der enthaltene Milchsaft kann bei empfindlichen Personen jedoch zu Kontaktallergien auf der Haut führen.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Der Stachel-Lattich ist eine hochwüchsige, steif wirkende Pionierpflanze, die durch ihre markante Blattstellung und die bedornten Blattunterseiten leicht zu erkennen ist. Verletzt man die Pflanze, tritt sofort ein weißer Milchsaft aus.
Vegetative Merkmale (Stängel, Blätter & Wurzel)
- Stängel: Der Stängel wächst aufrecht, ist hell-weißlich bis gelblich-grün gefärbt und im unteren Bereich oft mit feinen Stacheln besetzt.
- Blätter (Form): Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Sie treten in zwei erblichen Formen auf: Entweder sind sie tief buchtig gelappt (forma serriola) oder ungelappt und lanzettlich (forma integrifolia). Der Blattrand ist immer grob gezähnt.
- Stachel-Merkmal: Ein eindeutiges Erkennungsmerkmal ist die Blattunterseite: Auf der deutlich hervortretenden Mittelrippe sitzt eine Reihe von harten, spitzen Stacheln.
- Blattstellung (Kompass-Merkmal): An vollsonnigen Standorten stehen die Blattspreiten oft senkrecht und weisen mit ihren Kanten exakt nach Norden und Süden.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blütenstand: An der verzweigten Spitze der Pflanze stehen zahlreiche kleine, körbchenförmige Blütenstände in einer Rispe.
- Blüten: Jedes Körbchen enthält nur etwa 12 bis 20 blassgelbe Zungenblüten (Röhrenblüten fehlen völlig). Die Blüten sind oft auf der Unterseite leicht violett überlaufen.
- Früchte (Samen): Die Pflanze bildet hell-graubraune, raue Achänen (Schließfrüchte) von knapp 3 mm Länge. Sie tragen an einem langen Schnäbelchen einen weißen Haarkranz (Pappus), der als Flugschirmchen dient.
Verwechslungsgefahren:
- Gift-Lattich (Lactuca virosa): Besitzt einen unangenehmen, fast betäubenden Geruch. Seine Blätter stehen meist waagerecht (nicht senkrecht gedreht) und sind weniger stark eingeschnitten. (Leicht giftig / stark wirksam).
Mein Bestimmung ❤️ Buch-Tipp:
Dieses Buch garantiert schnelles und sicheres Bestimmen durch die bewährte Einteilung nach Blütenfarbe und Blütenform und mehr als 2.000 naturgetreuen Zeichnungen.
* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich
Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Keine offizielle Droge (historisch: Lactucarium / getrockneter Milchsaft)
- Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone wie Lactucin), Cumarine, Flavonoide
- Monographie-Status: Keine (weder HMPC noch Kommission E)
In der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie hat der Stachel-Lattich keine Bedeutung. In der Volksheilkunde wurde früher der an der Luft getrocknete Milchsaft (Lactucarium) gesammelt und als Hustenstiller, leichtes Schmerzmittel und Beruhigungsmittel verwendet. Diese Anwendung, die der Nutzung von Opium ähnelte, basierte auf den enthaltenen Bitterstoffen. Allerdings wurde für diese Zwecke meist der wirkstoffreichere Gift-Lattich (Lactuca virosa) bevorzugt. Interessant ist eine aktuelle Forschungserkenntnis: Die Bitterstoffe Lactucin und Lactucopicrin zeigen im Labor eine Wirkung gegen den Malaria-Erreger. Da diese Stoffe jedoch in der wesentlich leichter verfügbaren Wegwarte (Cichorium intybus) ebenfalls vorkommen, spielt der Stachel-Lattich in diesem Bereich keine praktische Rolle.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.
Mein Medizin ❤️ Buch-Tipp:
Wissenswertes über 300 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe, Anwendung und Heilwirkung.
* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich
Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Stachel-Lattich ist extrem bitter – deutlich bitterer als jeder handelsübliche Radicchio oder Chicorée. Die Bitterkeit nimmt mit dem Alter der Pflanze stark zu.
- Blätter & Triebspitzen (April bis Juli): Ganz junge, weiche Blätter können als extrem feinherbes Gewürz in Gemüsesuppen oder Kräuterquark verwendet werden. Als Salatgrundlage sind sie pur nicht genießbar. Um die Bitterkeit abzumildern, müssen die Blätter zerkleinert und etwa 30 bis 60 Minuten in Wasser eingelegt (gewässert) werden, um den Milchsaft auszuspülen.
- Stängel (Mai bis Juli): Vor der Blüte können die weichen Triebspitzen und Stängel (gründlich geschält, um die stachelige Haut zu entfernen) gedünstet als herbes Bittergemüse serviert werden.
- Wurzel: Die extrem faserige Pfahlwurzel kann allenfalls sehr fein gerieben als Bitter-Gewürz (ähnlich wie Alantwurzel) dienen, ist kulinarisch jedoch kaum lohnenswert.
- Blüten: Die gelben Zungenblüten können abgezupft als hübsche und leicht würzige Dekoration für sommerliche Salate genutzt werden.
Der weiße Milchsaft der Pflanze ist stark bitter und kann beim Sammeln und Verarbeiten auf der Haut bei empfindlichen Personen zu Kontaktallergien oder Hautreizungen führen. Der Verzehr zu großer Mengen der rohen Pflanze (z. B. im Grünen Smoothie) kann zudem aufgrund der intensiven Bitterstoffe Übelkeit und Magenreizungen auslösen. Immer nur als kleine Beigabe verwenden!
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
Für alle, die tiefer in die Themen Survival und Notnahrung eintauchen möchten, sind die Bücher und Kurse von Johannes „Joe“ Vogel * eine erstklassige Empfehlung. Als renommierter Experte für Wildnis-Wissen vermittelt er praxisnah, wie man sich autark aus den Ressourcen der Natur versorgen kann.
* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.
Mein Kochen/Küche ❤️ Buch-Tipp:
Infos über Vorkommen, Blütezeit und Verwendung in der Küche, Ernährung und Medizin von 2000 Pflanzen- & Baumarten!
* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich
Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Die faszinierende Kompass-Strategie
Der Name „Kompass-Lattich“ ist kein Zufall, sondern beschreibt eine hochgradig spezialisierte Überlebensstrategie der Pflanze. An heißen, trockenen und vollsonnigen Standorten drohen Pflanzen über ihre breiten Blätter zu viel Wasser zu verdunsten. Der Stachel-Lattich hat dieses Problem elegant gelöst: Er dreht die Blattspreiten um 90 Grad, sodass sie senkrecht stehen. Gleichzeitig richtet er die Schmalseiten der Blätter exakt nach Norden und Süden aus. Der Effekt: Am kühleren Morgen und späten Nachmittag fängt die breite Blattfläche die milde Sonne voll ein, um Photosynthese zu betreiben. Zur gefährlichen Mittagszeit, wenn die Sonne extrem brennt, weisen jedoch nur die schmalen Blattkanten gen Himmel. Die Pflanze schützt sich so effektiv vor Überhitzung und Austrocknung.
Der wilde Urahn unseres Gartensalats
Es mag schwer vorstellbar sein, dass dieser stachelige, ledrige und bittere Geselle am Wegrand der direkte Vorfahre unserer zarten, süßlichen und wasserreichen Gartensalate (Lactuca sativa) wie Eisbergsalat oder Kopfsalat ist. Genetische Analysen belegen, dass beide Pflanzen derart eng verwandt sind, dass sie sich mühelos miteinander kreuzen lassen. Über Jahrtausende der Zucht hat der Mensch dem Lattich die Stacheln weggezüchtet, den Anteil der Bitterstoffe drastisch reduziert (was unsere Salate heute leider auch anfälliger für Fressfeinde wie Schnecken macht) und die Blätter so weich geformt, dass sie enge „Köpfe“ bilden.
Videobeitrag zu „Stachel-Lattich/Kompass-Lattich“
Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für den Stachel-Lattich (Kompass-Lattich). Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
Hilf das Lexikon zu erhalten! 🙏
Kleine Dinge für dich, große Hilfe für mich & das Wildkräuter-Lexikon!
Mehr essbare & giftige Wildkräuter & Pflanzen
Essbare & giftige Wildpflanzen A-Z
Online Lexikon Hauptübersicht. Hier findest du ALLE beschriebenen (essbaren & giftigen) Wildkräuter, Wiesenkräuter, Wildblumen & Pflanzen auf einen Blick!









