Gewöhnliches Tellerkraut – Bestimmen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Das Gewöhnliche Tellerkraut (Claytonia perfoliata), vielen besser bekannt als Winterportulak oder Postelein, ist ein aus Nordamerika stammender Neophyt, der unsere winterliche Flora enorm bereichert. Die Pflanze aus der Familie der Quellkrautgewächse ist nicht nur ein optisches Highlight mit ihren unverwechselbaren, den Stängel umschließenden Blättern, sondern auch ein wertvoller, nitratarmer Vitaminspender in der kalten Jahreszeit.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Gewöhnliches Tellerkraut“
- Botanischer Name: Claytonia perfoliata
- Deutscher Name: Gewöhnliches Tellerkraut
- Familie: Quellkrautgewächse (Montiaceae)
- Gattung: Tellerkräuter (Claytonia)
- Andere Namen: Kuba-Spinat, Winterportulak, Postelein, Winterpostelein
- Lebensdauer: Einjährig (sommer- oder winterannuell)
- Wuchsform: Krautig, fleischig
- Wuchshöhe: 7 bis 30 cm
- Wurzelwerk: Feines, flaches Faserwurzelsystem
- Blütezeit: Februar bis Juni
- Blütenstand: Gruppen von 5 bis 40 Blüten oberhalb der Hochblätter
- Fruchtreife: Mai bis Juli
- Boden/Standort: Frische, feuchte Äcker, Wegränder, Gärten und kurzlebige Unkrautfluren
- Hauptinhaltsstoffe: Vitamin C, Magnesium, Calcium, Eisen
- Giftigkeit: Für den Menschen in allen Pflanzenteilen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Das Gewöhnliche Tellerkraut ist eine zarte, fleischige Pflanze, die durch ihre einzigartige Blattarchitektur im blühenden Zustand nahezu unverwechselbar ist. Es wächst bevorzugt in den kühlen und feuchten Monaten.
Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)
- Grundblätter: Die Pflanze bildet zunächst eine grundständige Rosette. Diese ersten Blätter sind lang gestielt, fleischig und im Umriss rhombisch-eiförmig.
- Stängel & Hochblätter: Die späteren Stängelblätter sind das namensgebende Erkennungsmerkmal: Zwei gegenständige Blätter verwachsen an ihrer Basis so stark miteinander, dass sie einen kreisrunden, bis zu 30 mm großen „Teller“ oder eine „Schüssel“ bilden. Der Stängel scheint dieses Hochblattgebilde in der Mitte förmlich zu durchstoßen (perfoliat).
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Genau aus der Mitte dieses Blatttellers wächst der Blütenstand empor. Er trägt Gruppen von 5 bis 40 winzigen Blüten. Die Blüten sind lediglich 2 bis 4 mm groß, verfügen über fünf Kronblätter und sind weiß bis zartrosa gefärbt.
- Frucht & Samen: Es bilden sich kleine Kapselfrüchte, die schwarze, stark glänzende Samen entlassen.
Verwechslungsgefahren:
- Sommer-Portulak (Portulaca oleracea): Vor der Ausbildung der markanten Tellerblätter im jungen Rosettenstadium oberflächlich ähnlich. Der Sommer-Portulak wächst jedoch niederliegend, liebt heiße Sommertemperaturen (kein Winterkeimer) und hat spatelförmige Blätter. (Ebenfalls essbar).
- Vogelmiere (Stellaria media): Besitzt ebenfalls eiförmige, frischgrüne Blätter im Winter, bildet aber niemals die tellerartig verwachsenen Hochblätter aus. (Ebenfalls essbar).
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Keine offizielle Droge gebräuchlich.
- Inhaltsstoffe: Vitamin C, Mineralstoffe.
- Monographie-Status: Keine Bearbeitung durch HMPC oder Kommission E.
In der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie hat das Gewöhnliche Tellerkraut keine Bedeutung. Wissenschaftliche Monographien oder anerkannte medizinische Anwendungsgebiete existieren nicht. In der traditionellen Volksheilkunde der nordamerikanischen Ureinwohner spielte die Pflanze jedoch eine Rolle: Verschiedene Stämme, wie die Shoshonen, nutzten Umschläge aus dem zerstoßenen Kraut äußerlich zur Linderung von rheumatischen Gelenkschmerzen. Die Nlaka’pamux wandten Pflanzenextrakte bei Augenbeschwerden an, während die Mahuna den frisch gepressten Pflanzensaft traditionell zur Appetitanregung einsetzten.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Das Gewöhnliche Tellerkraut ist ein exzellenter, knackiger Wintersalat. Der Geschmack ist sehr mild, frisch und erinnert an eine gelungene Mischung aus Feldsalat und Portulak. Ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen typischen Wintersalaten (wie Kopfsalat aus dem Treibhaus) ist sein extrem niedriger Nitratgehalt bei gleichzeitig hoher Nährstoffdichte.
- Blätter & Triebspitzen (November bis April): Die zarten Blätter, die runden Hochblätter und die weichen Stängel ergeben einen hervorragenden, milden Rohkostsalat. Sie lassen sich auch kurz andünsten und wie Spinat servieren, wobei roh die hitzeempfindlichen Vitamine besser erhalten bleiben. Wenn die Blätter nicht zu tief abgeschnitten werden, treibt die Pflanze nach und erlaubt mehrere Ernten pro Saison. Im Kühlschrank halten sich die Blätter (leicht feucht eingeschlagen) bis zu einer Woche.
- Blüten (Frühjahr): Die winzigen weißen Blüten sind voll essbar und eine wunderschöne, filigrane Dekoration für Salate oder kalte Vorspeisen.
- Wurzeln: Das feine Faserwurzelsystem der Pflanze besitzt keinen nennenswerten kulinarischen Wert und wird in der Regel vor der Zubereitung entfernt.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Von Nordamerika über Kuba nach Europa
Die ursprüngliche Heimat der Pflanze liegt an den Westküsten Nordamerikas, wo sie von Alaska bis Mittelamerika wächst. Dass das Tellerkraut bei uns oft unter dem Trivialnamen „Kuba-Spinat“ angeboten wird, verdankt es einer historischen Reiseroute: Europäische Siedler und Seefahrer brachten das Kraut zunächst in die Karibik (Kuba), von wo aus es erst viel später (etwa Mitte des 18. Jahrhunderts) den Weg bis nach Westeuropa und Australien fand. Heute ist es in Mitteleuropa völlig eingebürgert und wächst als Neophyt vor allem in vom milden Klima geprägten, atlantischen Regionen.
Ein echter Kaltkeimer
Das Gewöhnliche Tellerkraut besitzt eine faszinierende ökologische Nische: Es ist an Kühle angepasst. Die Samen der Pflanze sind strikte Kaltkeimer, was bedeutet, dass sie erst zu wachsen beginnen, wenn die Bodentemperaturen unter 12 °C fallen. Aus diesem Grund taucht die Pflanze in Gärten und auf Äckern fast wie aus dem Nichts auf, sobald die ersten feucht-kalten Herbsttage einsetzen. Diese Eigenschaft macht sie zu einem der wertvollsten frischen Gemüse in der nahrungsarmen Winterzeit, da sie Frost und Schnee unbeschadet übersteht und bei jedem Temperaturhoch über dem Gefrierpunkt weiterwächst.
Videobeitrag zu „Gewöhnliches Tellerkraut“
👉 Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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