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Kleines Immergrün – Bestimmen/Erkennen

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze. Diese Pflanze ist GIFTIG und NICHT für die menschliche Ernährung geeignet

Das Kleine Immergrün ist ein teppichbildender, immergrüner Halbstrauch, der auch im tiefsten Winter für grüne Farbtupfer im Wald sorgt. Als klassisches Kulturrelikt zeigt es oft noch Jahrhunderte später die Standorte ehemaliger Burgen oder Siedlungen an. Doch Vorsicht ist geboten: Die attraktive Pflanze aus der Familie der Hundsgiftgewächse ist in allen Teilen giftig und hat in der modernen Selbstmedikation nichts mehr verloren.

Wildpflanzen-Steckbrief „Kleines Immergrün“

  • Botanischer Name: Vinca minor
  • Deutscher Name: Kleines Immergrün
  • Familie: Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
  • Gattung: Immergrün (Vinca)
  • Andere Namen: Jungfernkraut, Singrün, Totengrün, Wintergrün, Bärwinkel
  • Lebensdauer: Mehrjährig (ausdauernder Halbstrauch)
  • Wuchsform: Kriechend (teppichbildend), mit aufrechten Blütentrieben
  • Wuchshöhe: 10 bis 15 cm (Blütentriebe), Kriechtriebe bis 2 m lang
  • Wurzelwerk: Bewurzelung an den Knoten der kriechenden Triebe
  • Blütezeit: April bis Mai (Nachblüte möglich)
  • Blütenstand: Einzelblüten in den Blattachseln
  • Fruchtreife: Juni bis Juli (bildet in Mitteleuropa selten Früchte aus)
  • Boden/Standort: Nährstoffreiche, frische Lehm- oder Tonböden; Laub- und Mischwälder, Parkanlagen, Friedhöfe
  • Hauptinhaltsstoffe: Indol-Alkaloide (v. a. Vincamin, Eburnamenin), Gerbstoffe, Bitterstoffe
  • Giftigkeit: In allen Pflanzenteilen giftig.
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Bilder & Fotos „Kleines Immergrün“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Das Kleine Immergrün bildet dichte, flächendeckende Polster am Waldboden. Charakteristisch ist die Unterscheidung in zwei Triebarten: Die sterilen Sprossteile kriechen am Boden und wurzeln an den Knoten an, während die fertilen (blühenden) Triebe aufrecht stehen.

Vegetative Merkmale (Blätter & Stängel)

  • Stängel: Die kriechenden Triebe verholzen an der Basis leicht (Halbstrauch) und können bis zu zwei Meter lang werden.
  • Blätter: Die gegenständigen Blätter sind lederartig fest, immergrün und lanzettlich bis elliptisch geformt. Die Oberseite glänzt dunkelgrün (durch eine Wachsschicht als Verdunstungsschutz), die Unterseite ist heller. Der Blattrand ist – im Gegensatz zum Großen Immergrün – kahl (nicht behaart).

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Die zwittrigen Blüten stehen einzeln in den Blattachseln der aufrechten Triebe. Sie sind lang gestielt, fünfzählig und meist hellblau bis violett (selten weiß). Die fünf Kronblätter sind am Grund zu einer Röhre verwachsen und breiten sich oben propellerartig flach aus.
  • Frucht: Es bilden sich zwei balgartige Teilfrüchte (Doppel-Balgfrucht). In Mitteleuropa fruchtet die Pflanze jedoch sehr selten, da sie sich extrem erfolgreich vegetativ über ihre Ausläufer vermehrt.

Verwechslungsgefahren:

  • Großes Immergrün (Vinca major): Die Blätter sind größer, am Grund herzförmig und am Rand deutlich behaart (bewimpert). Zudem ist der Kelch bei V. major behaart, bei V. minor kahl.
  • Krautiges Immergrün (Vinca herbacea): Zieht im Winter ein (nicht immergrün) und hat schmalere Blätter.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Vincae minoris herba (Immergrünkraut) – OBSOLET!
  • Inhaltsstoffe: Über 40 Alkaloide (Gesamtgehalt 0,2–0,7 %), darunter Vincamin.
  • Monographie-Status: Negativ-Monographie (Kommission E). Zulassungswiderruf durch das Bundesgesundheitsamt (1986).

Warnung vor historischer Anwendung:
Früher wurde das Kraut in der Volksmedizin vielfältig genutzt (als „Blutreinigungsmittel“ oder gegen hohen Blutdruck). Diese Anwendungen sind heute streng verboten und gefährlich. Das Bundesgesundheitsamt widerrief 1986 die Zulassung für reine Immergrün-Tees und -Präparate, da im Tierversuch Blutschäden (Veränderungen des Blutbildes) nachgewiesen wurden.

Evidenzbasierte Medizin (Isolate):
Vom Verbot ausgenommen sind industriell isolierte Reinstoffe (z. B. das Alkaloid Vincamin) in exakt dosierten Fertigpräparaten. Diese werden ärztlich verordnet bei zerebralen Durchblutungsstörungen und zur Verbesserung der Hirnleistung eingesetzt. Dies hat jedoch nichts mit einer häuslichen Kräuteranwendung zu tun.

⚠️ Sicherheit & Gegenanzeigen:

  • Lebensgefahr bei Selbstmedikation: Von der Verwendung selbst gesammelter Pflanzen (Tee, Tinktur) wird dringend abgeraten!
  • Wirkung: Die Inhaltsstoffe können das Blutbild verändern (Leukopenie/Senkung der weißen Blutkörperchen), das Immunsystem schwächen und zu schweren Kreislaufproblemen führen.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Viele Wildpflanzen werden seit Langem in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und in der Volksheilkunde verwendet. Auf diesen Seiten erfährst du, was über ihre Anwendung bekannt ist – und wie gut es belegt ist: Steht eine Monographie (HMPC oder Kommission E) dabei, wurde die Anwendung fachlich bewertet. Formulierungen wie „traditionell“, „in der Volksheilkunde“ oder „der Überlieferung nach“ bedeuten, dass ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis fehlt. Angaben zur Homöopathie beschreiben nur die Verwendung, keine nachgewiesene Wirkung.

Diese Informationen sind keine medizinische Beratung und ersetzen nicht den Rat von Ärztin, Arzt oder Apotheke. Selbst gesammelte Kräuter sind keine geprüften Arzneimittel: Ihr Wirkstoffgehalt schwankt, und Verwechslungen sind möglich. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Vorerkrankungen und bei Einnahme von Medikamenten wende Heilpflanzen nur nach ärztlicher Rücksprache an.

Weiterführende Fachliteratur findest du in meiner Buchtipp-Ecke „Medizin & Heilung“. Ein bewährtes Nachschlagewerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt die Pflanzen aus Sicht der Phytotherapie und der Volksheilkunde und geht auch auf die Homöopathie ein.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Keines. Das Kleine Immergrün ist keine Nahrungspflanze.

⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Die Pflanze ist giftig! Sie ist nicht für die menschliche Ernährung geeignet. Weder Blüten noch Blätter dürfen verzehrt oder als Dekoration auf Speisen verwendet werden. Vergiftungssymptome umfassen Magen-Darm-Beschwerden, Blutdruckabfall und Herz-Kreislauf-Störungen.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Sammle und iss nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst. Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort Hilfe holen – in Österreich Rettung 144 oder Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43, in der Schweiz 145, in Deutschland 112 oder den Giftnotruf deines Bundeslandes.

So sammelst du richtig: Sammle abseits stark befahrener Straßen, gespritzter Felder und Hundewiesen, wasche alles gründlich und nimm nur so viel, wie du brauchst. Geschützte Pflanzen sind tabu: Beachte die Naturschutzbestimmungen deines Bundeslandes, und grabe Wurzeln nur mit Erlaubnis des Grundeigentümers aus. Probiere neue Pflanzen zuerst in kleinen Mengen – vor allem, wenn du zu Allergien neigst.

Rezepte findest du hier bewusst nicht. Für die Küche empfehle ich dir diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Etymologie: Das „bindende“ Kraut

Der botanische Gattungsname Vinca leitet sich vom lateinischen Wort vincire (binden, umwinden) ab. Dies bezieht sich auf die langen, biegsamen und zähen Triebe, die schon in der Antike und im Mittelalter genutzt wurden, um Kränze zu binden. Besonders junge Mädchen flochten sich „Zum Tanz“ Kränze aus Immergrün, was den Volksnamen „Totentanz“ oder „Jungfernkraut“ erklärt.

Ein lebendes Geschichtsbuch (Kulturrelikt)

Das Kleine Immergrün gilt in Mitteleuropa vielfach als Kulturrelikt. Da sich die Pflanze über Samen nur schwer ausbreitet (Ameisenverbreitung), aber vegetativ extrem langlebig und standorttreu ist, markieren ihre Wuchsorte im Wald oft historische Stätten. Wo man heute im Wald dichte Teppiche von Vinca minor findet, standen oft vor Jahrhunderten römische Gutshöfe, mittelalterliche Burgen oder aufgegebene Siedlungen. Die Pflanze hat die Gebäude überdauert.

Ökologie: Der Trick mit dem Elaiosom

Wenn die Pflanze doch einmal Samen bildet, nutzt sie Ameisen als Transportunternehmen. Die Samen besitzen ein nährstoffreiches Anhängsel (Elaiosom), das von Ameisen begehrt wird. Diese schleppen den Samen in ihren Bau, fressen das Anhängsel und entsorgen den unversehrten Samen wieder – so wird die Pflanze verbreitet (Myrmekochorie).

Videobeitrag zu „Kleines Immergrün“

Kleines Immergrün (Vinca minor)

Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.

Quellen und weitere Informationen

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