Echte Brunnenkresse – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale) ist ein heimisches „Superfood“, das schon lange vor dem Begriff existierte. Als spezialisierte Sumpf- und Wasserpflanze besiedelt sie kühle, fließende Gewässer und gilt als Indikator für sauberes Wasser. Sie gehört zur Familie der Kreuzblütler und bringt selbst im Winter frisches Grün auf den Teller. Ihre senfartige Schärfe ist nicht nur kulinarisch ein Highlight, sondern auch medizinisch hochwirksam. Vorsicht ist jedoch beim Sammelort geboten: Nicht jedes Gewässer ist hygienisch unbedenklich.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Echte Brunnenkresse“
- Botanischer Name: Nasturtium officinale
- Deutscher Name: Echte Brunnenkresse
- Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
- Gattung: Brunnenkressen (Nasturtium)
- Synonyme/Volksnamen: Wasserkresse, Bachbitterkraut, Kersche, Bornkresse
- Lebensdauer: Ausdauernd (perennierend), wintergrün
- Wuchsform: Krautige Sumpf- oder Wasserpflanze, teils flutend
- Lebensform (nach Raunkiær): Hydrophyt (Wasserpflanze) bis Hemikryptophyt (Sumpfpflanze)
- Wuchshöhe: 15 cm bis 90 cm (im Wasser flutend)
- Wurzelwerk: Sprossbürtige Wurzeln (Adventivwurzeln) an den im Schlamm liegenden Stängelknoten (Nodien)
- Blütezeit: Mai bis Juli (Nachblüte bis Herbst möglich)
- Blüten: Weiß, 4 Blütenblätter, gelbe Staubbeutel
- Fruchtreife: September bis Oktober
- Boden/Standort: Nährstoffreiche, fließende, kühle Gewässer (Quellfluren, Bäche), sonnig bis halbschattig
- Hauptinhaltsstoffe: Senfölglykoside (Gluconasturtiin), Vitamin C, Bitterstoffe, Jod, Eisen, ätherische Öle
- Giftigkeit: Für Menschen ungiftig (aber Parasitengefahr, siehe unten!)
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Brunnenkresse ist an ihren Standort (fließendes Wasser) gebunden. Um sie sicher zu erkennen, achte auf folgende Merkmale:
- Stängel: Die Stängel sind hohl, kantig gefurcht, kahl und schwimmen oft im Wasser oder kriechen am Ufer. An den Knoten bilden sich oft feine weiße Wurzeln.
- Blätter: Die Blätter sind unpaarig gefiedert (fleischig, dunkelgrün, glänzend). Ein wichtiges Merkmal: Das Endfiederblättchen ist deutlich größer als die seitlichen Fiederblättchen. Die Blattränder sind leicht gekerbt oder ganzrandig.
- Blüten: Typische Kreuzblüten mit 4 weißen Kronblättern. Entscheidendes Detail zur Unterscheidung: Die Staubbeutel sind gelb.
- Früchte: Aus den Blüten entwickeln sich waagerecht abstehende, leicht gekrümmte Schoten (8–20 mm lang), in denen die Samen zweireihig sitzen.
Verwechslungsgefahr:
Die häufigste Verwechslung geschieht mit dem Bitteren Schaumkraut (Cardamine amara), welches ähnliche Standorte besiedelt („Falsche Brunnenkresse“).
Unterscheidung: Das Bittere Schaumkraut hat violette Staubbeutel (die Brunnenkresse gelbe) und der Stängel ist markgefüllt (bei der Brunnenkresse hohl). Das Bittere Schaumkraut ist ebenfalls essbar, schmeckt aber meist bitterer und weniger aromatisch.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
- Droge (Verwendeter Teil): Brunnenkressekraut (Nasturtii herba)
- Inhaltsstoffe: Senfölglykoside (werden bei Verletzung zu scharfem Senföl/PEITC), Kalium, Vitamin C.
- Monographie-Status: Kommission E (positiv).
Behördliche Einschätzung (Schulmedizin):
Die Kommission E befürwortet die Anwendung bei Katarrhen der Luftwege (Husten, Bronchitis). Die enthaltenen Senföle wirken antibiotisch, virusstatisch und antimykotisch (gegen Pilze). Sie werden teilweise über die Lunge abgeatmet und wirken dort direkt desinfizierend und schleimlösend.
Volksheilkunde & Tradition:
Traditionell wird die Pflanze als „Blutreinigungsmittel“ bei Frühjahrskuren eingesetzt. Sie soll den Stoffwechsel anregen und die Verdauung (Galleproduktion) fördern. Äußerlich wurde der Saft früher gegen Sommersprossen und als Haarwuchsmittel verwendet.
- Nicht anwenden bei: Magen- und Darmgeschwüren oder entzündlichen Nierenerkrankungen (Senföle reizen die Schleimhäute und Nieren).
- Kleinkinder: Nicht für Kinder unter 4 Jahren geeignet.
- Schwangerschaft: Wegen der reizenden Wirkung auf die Nieren und potenzieller wehenfördernder Eigenschaften nur in kulinarischen Mengen verzehren, nicht therapeutisch überdosieren.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil:
Geschmack: Scharf, rettichartig, leicht pfeffrig und frisch. Die Schärfe stammt von den Senfölen.
Nutzwert: Exzellentes Wildgemüse und Gewürz, Vitamin-C-Spender im Winter.
Verwendung nach Pflanzenteilen:
- Blätter & Triebspitzen (September bis Mai): Am besten vor der Blüte ernten (danach werden sie bitter und sehr scharf). Ideal für Quark, Pestos, Kartoffelsalat oder auf dem Butterbrot. In Suppen erst ganz zum Schluss einrühren, um die hitzeempfindlichen Senföle und Vitamine zu erhalten.
- Blüten (Mai bis Juli): Essbare Dekoration mit würziger Schärfe.
- Samen (Herbst): Können getrocknet und gemörsert als Pfefferersatz dienen oder zu senfartigen Pasten verarbeitet werden.
Verarbeitung & Tipps:
Die Brunnenkresse welkt extrem schnell. Verarbeite sie sofort oder lagere sie kurzzeitig in feuchtem Küchenpapier im Kühlschrank.
Sammle Brunnenkresse niemals an Gewässern, die durch Weidewirtschaft (Schafe, Rinder) oder Abwässer belastet sein könnten. Gefahr durch den Großen Leberegel (Fasciola hepatica)! Die Larven dieses Parasiten haften an Wasserpflanzen. Eine Infektion kann schwere Leberschäden verursachen. Sammle nur an sauberen, abgeschlossenen Quellläufen oder koche das Sammelgut im Zweifelsfall ab (wobei die Vitamine verloren gehen).
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Kultivierung: In Erfurt entwickelte Christian Reichart im 18. Jahrhundert das sogenannte „Klingensystem“. Dabei wurde Brunnenkresse in flachen Gräben mit langsam fließendem Quellwasser professionell angebaut. Erfurt war lange Zeit die Brunnenkresse-Metropole Europas („Erfurter Brunnenkresse“).
Ökologie: Die Pflanze ist Futterpflanze für die Raupen des Aurorafalters (Anthocharis cardamines) und des Kleinen Kohlweißlings.
Videobeitrag zu „Echte Brunnenkresse“
Weitere Bestimmungsvideos für die Echte Brunnenkresse findest du auf dem YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Begleite dieses Wildkraut durch die Jahreszeiten und lerne es anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Auch viele weitere heimische (essbare) Wildpflanzen, Bäume und Sträucher werden für Bestimmung und Nutzung näher gebracht.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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