Wiesen-Pippau – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Der Wiesen-Pippau ist ein zweijähriger Frühlings- und Sommerbote, der mit seinen leuchtend goldgelben Blütenkörbchen unsere heimischen Wiesen und Wegränder schmückt. Da er dem Löwenzahn optisch auf den ersten Blick verblüffend ähnlich sieht, wird er von vielen Naturfreunden oft schlichtweg übersehen. Botanisch betrachtet ist der milchsaftführende Korbblütler jedoch eine eigenständige und überaus anpassungsfähige Pflanze, die sich durch raffinierte Fortpflanzungsmechanismen und eine hohe ökologische Bedeutung für bestäubende Insekten auszeichnet.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Wiesen-Pippau“
- Botanischer Name: Crepis biennis
- Deutscher Name: Wiesen-Pippau
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Pippau (Crepis)
- Andere Namen: Zweijähriger Pippau, Vogeldistel, Wiesen-Feste
- Lebensdauer: Zweijährig
- Wuchsform: Krautige Halbrosettenpflanze
- Wuchshöhe: 30 bis 120 cm
- Wurzelwerk: Tiefreichende Pfahlwurzel
- Blütezeit: Mai bis August
- Blütenstand: Lockere Doldenrispe mit körbchenförmigen Teilblütenständen
- Fruchtreife: Sommer bis Frühherbst
- Boden/Standort: Nährstoffreiche, eher basenarme und sonnige Böden; Fettwiesen, Mähwiesen, Wegränder.
- Hauptinhaltsstoffe: Bitterstoffe, Luteolin, Alkaloide, Flavonoide, Glucoside, Kaffeesäure, Inulin (in der Wurzel).
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Der Wiesen-Pippau ist eine hochwüchsige, frischgrüne Wiesenpflanze, die beim Abreißen von Blättern oder Stängeln sofort einen weißen Milchsaft abgibt.
Vegetative Merkmale (z. B. Stamm/Stängel, Rinde, Blätter)
- Stängel: Aufrecht wachsend und erst im oberen Bereich verzweigt. Er ist milchsaftführend.
- Grundblätter: Bilden eine flach am Boden anliegende Rosette. Sie sind grob behaart, buchtig gezähnt bis tief fiederspaltig. Die einzelnen Blattlappen sind spitz und oft markant zum Blattgrund hin gebogen. Die Rosette vertrocknet meist schon frühzeitig während der Blüte.
- Stängelblätter: Wechselständig angeordnet. Die unteren Stängelblätter sind gestielt, während die oberen ungestielt (sitzend) sind und den Stängel pfeilförmig umfassen.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blütenkörbchen: Sie erreichen einen Durchmesser von 25 bis 35 mm und sind in Form einer lockeren Doldenrispe angeordnet.
- Einzelblüten: Jedes Körbchen besteht ausschließlich aus goldgelben Zungenblüten, die unterseits nicht rötlich gestreift sind. Auch die herausragenden Griffel sind rein gelb.
- Körbchenhülle: Die Hüllblätter (10 bis 13 mm lang) sind auffällig schwärzlich-grün, filzig bis flockig behaart und weisen gelegentlich schwarze Drüsen auf. Die äußeren Hüllblätter sind abstehend behaart, die inneren auf der Innenseite seidenhaarig.
- Früchte & Samen: Die Nussfrüchte (Achänen) besitzen 10 bis 13 Längsrippen und verjüngen sich nach oben hin, haben jedoch keinen „Schnabel“ (stielartige Verlängerung). An der Spitze tragen sie einen reinweißen Haarkranz (Pappus), der als Flugschirm dient.
Verwechslungsgefahren:
- Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum officinale): Besitzt einen völlig unverzweigten, blattlosen und hohlen Blütenstängel. Jede Pflanze trägt pro Stängel nur ein einziges Blütenkörbchen. Die Früchte haben einen langen, dünnen Schnabel.
- Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata): Die Stängel sind blattlos und nur mit winzigen, schuppenartigen Hochblättern besetzt. Die äußeren Zungenblüten sind auf der Unterseite oft graugrün bis bläulich überlaufen.
- Herbst-Löwenzahn (Scorzoneroides autumnalis): Der Stängel ist im oberen Bereich unterhalb des Blütenkörbchens meist keulenförmig verdickt.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Keine offizielle pharmakologische Droge.
- Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Flavonoide, Kaffeesäurederivate, Inulin.
- Monographie-Status: Keine (Weder HMPC noch Kommission E haben diese Pflanze bearbeitet).
Der Wiesen-Pippau besitzt weder in der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie noch in der traditionellen europäischen Volksheilkunde eine dokumentierte medizinische Bedeutung. Es gibt keine gesicherten medizinischen Anwendungen für diese Pflanze.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Wiesen-Pippau ist essbar, zeichnet sich aber durch einen sehr ausgeprägten, teils scharfen Bittergeschmack aus, der durch den enthaltenen Milchsaft bedingt ist. Er eignet sich daher eher als Würzkraut denn als alleiniges Basisgemüse.
- Blätter (Frühjahr bis Frühsommer): Vor der Blüte können die Blätter in feine Streifen geschnitten und Wildkräutersalaten oder Gemüsefüllungen beigemischt werden. Um die starken Bitterstoffe zu mildern, legt man die zerkleinerten Blätter traditionell für etwa zwei Stunden in handwarmes Wasser.
- Blütenknospen (April bis Mai): Die noch fest verschlossenen Knospen können nach einem kurzen Entbittern in Salzwasser kapernähnlich in Essig oder Salzlake eingelegt werden.
- Blüten (Mai bis August): Abgezupfte, goldgelbe Zungenblüten eignen sich als herb-würzige, optisch ansprechende essbare Dekoration auf kalten und warmen Speisen.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Klonen in der Natur: Die Apomixis
Der Wiesen-Pippau bedient sich einer botanisch höchst faszinierenden Vermehrungsstrategie. Obwohl seine Blüten reichlich Nektar produzieren und gerne von Bienen und Schwebfliegen zur regulären Bestäubung besucht werden, ist die Pflanze auf diese Insekten gar nicht zwingend angewiesen. Sie beherrscht die sogenannte Apomixis (ungeschlechtliche Fortpflanzung über Samen). Das bedeutet, sie kann voll keimfähige Samen (Achänen) entwickeln, ohne dass jemals eine Befruchtung der weiblichen Eizelle durch Pollen stattgefunden hat. Die daraus keimenden Nachkommen sind somit exakte genetische Klone der Mutterpflanze.
Ökologische Rolle auf der landwirtschaftlichen Wiese
Auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist der Wiesen-Pippau ein exzellenter Zeiger für sogenannte Fettwiesen (nährstoffreiche Mähwiesen). Während das frische Grün der Pflanze vom Vieh auf der Weide durchaus gerne gefressen wird, offenbart der Pippau eine große Schwäche: Er ist absolut nicht trittfest. Wird eine Mähwiese in eine Kuh- oder Schafweide umgewandelt, verschwindet er in kürzester Zeit. Landwirte, die reines Heu produzieren, sehen ihn hingegen oft nicht gerne. Beim Trocknensprozess verhärten sich seine Stängel so stark, dass das Vieh sie später im Heu als zu starr empfindet und rigoros aussortiert. In der Vogelzucht sind die kleinen, fedrigen Samen hingegen als hochwertiges Futter für Kanarienvögel und andere Ziervögel sehr beliebt.
Herkunft des kuriosen Namens
Der eigenartig klingende Name „Pippau“ ist kein germanisches Wort, sondern ein Lehnwort aus dem Slawischen. Er leitet sich vom polnischen Wort pępawa ab. Interessanterweise bezeichnete dieses Wort in seinem Ursprung gar nicht die Gattung Crepis, sondern war ein volkstümlicher Sammelbegriff für den allgegenwärtigen, optisch sehr ähnlichen Löwenzahn. Erst später wurde der Name in der deutschen Botanik spezifisch auf den Pippau übertragen.
Videobeitrag zu „Wiesen-Pippau“
Weitere Bestimmungsvideos für den Wiesen-Pippau findest du auf dem YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Begleite dieses Wildkraut durch die Jahreszeiten und lerne es anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Auch viele weitere heimische (essbare) Wildpflanzen, Bäume und Sträucher werden für Bestimmung und Nutzung näher gebracht.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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