Kleine Wasserlinse – Bestimmen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Kleine Wasserlinse, im Volksmund meist „Entengrütze“ genannt, ist eine winzige, frei schwimmende Wasserpflanze, die nährstoffreiche, stehende Gewässer oft in kurzer Zeit mit einem dichten, leuchtend grünen Teppich überzieht. Was auf den ersten Blick wie lästiges Unkraut auf dem Gartenteich wirken mag, ist botanisch gesehen ein faszinierendes Anpassungswunder. Aufgrund ihres außergewöhnlich hohen Proteingehaltes birgt die Pflanze ein enormes kulinarisches Potenzial, fordert beim Sammeln jedoch größte Achtsamkeit bezüglich der Wasserqualität.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Kleine Wasserlinse“
- Botanischer Name: Lemna minor
- Deutscher Name: Kleine Wasserlinse
- Familie: Aronstabgewächse (Araceae), Unterfamilie Wasserlinsengewächse
- Gattung: Wasserlinsen (Lemna)
- Andere Namen: Entengrütze, Entengrün, Entenflott
- Lebensdauer: Ausdauernd (überwintert am Gewässergrund)
- Wuchsform: Frei schwimmende Wasserpflanze (Pleustophyt)
- Wuchshöhe: 2 bis 6 mm (Länge der einzelnen Blattglieder)
- Wurzelwerk: Eine einzige, kurze Wasserwurzel pro Sprossglied
- Blütezeit: Mai bis Juni (blüht in Mitteleuropa sehr selten)
- Blütenstand: Mikroskopisch kleine, stark reduzierte Einzelblüten
- Fruchtreife: Sommer bis Herbst
- Boden/Standort: Stehende, nährstoffreiche (eutrophe) Gewässer wie Teiche, Tümpel und ruhige Altwasser
- Hauptinhaltsstoffe: Hochwertiges Protein (ähnlich der Sojabohne), Stärke, Flavonoide, Kalium, Calcium, Phosphor, Provitamin A
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig. (Hinweis: Starke Neigung zur Bioakkumulation von Umweltgiften aus dem Wasser).
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Kleine Wasserlinse bildet dichte, flächige Teppiche auf der Wasseroberfläche. Da sie keine klassische Gliederung in Stängel und Blätter besitzt, besteht sie aus sogenannten Sprossgliedern (Phyllokladien), die botanisch eine Verschmelzung aus beidem darstellen.
Vegetative Merkmale (Sprossglieder & Wurzel)
- Sprossglieder (Phyllokladien): Die schwimmenden Glieder sind länglich-oval bis rundlich, flach und messen nur 2 bis 6 Millimeter im Durchmesser. Sie sind oberseits saftig grün und besitzen im Inneren luftgefüllte Hohlräume (Aerenchym), die für den nötigen Auftrieb sorgen.
- Wurzel: Von der Unterseite jedes Sprossgliedes senkt sich exakt eine einzige, unverzweigte, feine Wasserwurzel wie ein Kiel ins Wasser herab. Sie dient der Nährstoffaufnahme und Stabilisierung.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die Blütenbildung ist äußerst selten und mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die winzigen, grünen Blüten sitzen in einer seitlichen Tasche des Sprossgliedes. Sie sind eingeschlechtig: Männliche Blüten bestehen aus nur einem Staubblatt, weibliche aus nur einem Stempel.
- Frucht: Eine winzige (ca. 1 mm große), ein- bis mehrsamige Frucht, die auf der Wasseroberfläche schwimmt.
Verwechslungsgefahren:
- Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza): Besitzt pro Sprossglied mehrere Wurzeln (meist 5 bis 15) anstelle von nur einer. Die Unterseite ist oft deutlich rötlich gefärbt.
- Dreifurchige Wasserlinse (Lemna trisulca): Die Sprossglieder sind länglich, kreuzförmig miteinander verbunden und schwimmen meist knapp unterhalb der Wasseroberfläche (submers), nicht direkt darauf.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Lemnae minoris herba
- Inhaltsstoffe: Flavonoide, Schleimstoffe, Mineralien
- Monographie-Status: Keine positive Monographie durch die Kommission E oder das HMPC (evidenzbasierte medizinische Anwendung nicht gesichert).
In der modernen, evidenzbasierten Schulmedizin spielt die Kleine Wasserlinse keine Rolle. In der traditionellen Volksheilkunde wird sie gelegentlich als harntreibendes Mittel und bei leichten Augenleiden beschrieben, wofür es jedoch keine klinischen Belege gibt. Die Homöopathie nutzt Aufbereitungen der Pflanze (Lemna minor) zur Behandlung von Schwellungen der Nasenschleimhaut und bei Nasenpolypen.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Grundgeschmack der Wasserlinse ist mild, leicht nussig und erinnert an Kopfsalat. Da sie jedoch Geruchs- und Geschmacksstoffe aus ihrem Standort aufnimmt, kann sie – je nach Gewässer – einen teichigen oder modrigen Beigeschmack aufweisen. Ernährungsphysiologisch ist sie durch ihr Aminosäurenprofil (vergleichbar mit Soja) hochinteressant.
- Sprossglieder (Gesamte Pflanze) & Erntezeit: Geerntet werden kann prinzipiell von Frühjahr bis Herbst durch einfaches Abschöpfen von der Wasseroberfläche (z. B. mit einem feinmaschigen Kescher). Die Wasserlinsen können püriert, in Gemüsefüllungen integriert oder wie Spinat gekocht werden.
Wasserlinsen dürfen niemals roh verzehrt werden! Stehende Gewässer beherbergen häufig Bakterien, Keime und gefährliche Parasiten (wie Zerkarien oder die Larven des Leberegels), die an der Pflanze haften. Zwingend vor dem Verzehr gründlich waschen und danach mehrere Minuten kochend erhitzen.
Zudem ist die Pflanze ein starker Bioakkumulator: Sie filtert und speichert Schwermetalle und andere Umweltgifte aus dem Wasser. Sammle ausschließlich in absolut sauberen, unbelasteten Gewässern (niemals an Straßenrändern, in konventionell landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder in städtischen Anlagen).
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Meisterin der vegetativen Vermehrung
Ihre namensgebenden, teppichartigen Bestände baut die Kleine Wasserlinse fast ausschließlich über ungeschlechtliche (vegetative) Fortpflanzung auf. Aus seitlichen Taschen der Mutterpflanze sprossen kontinuierlich neue Blattglieder hervor. Oft hängen mehrere Generationen noch eine Weile zusammen, bevor sie sich voneinander lösen. Unter optimalen Bedingungen kann die Pflanze ihre Biomasse in weniger als drei Tagen verdoppeln. Im Herbst verlangsamt die Pflanze ihr Wachstum. Die Sprossglieder überwintern meist direkt an der Wasseroberfläche oder knapp darunter, wo sie selbst ein Einfrieren im Eis erstaunlich gut überstehen können.
Ökologische Bedeutung und Phytosanierung
In der Ökologie spielen Wasserlinsen eine Doppelrolle: Einerseits beschatten dichte Bestände das Gewässer, reduzieren das Algenwachstum und kühlen das Wasser im Hochsommer. Andererseits verhindern sie bei vollständiger Bedeckung den Gasaustausch mit der Atmosphäre, was zum Sauerstoffmangel im Gewässer („Umkippen“) beitragen kann. In der modernen Umwelttechnik rückt die Pflanze zunehmend in den Fokus der sogenannten Phytosanierung: Sie besitzt die Fähigkeit, Schadstoffe (inklusive Schwermetalle und sogar Radionuklide) hochwirksam aus kontaminiertem Wasser zu filtern und in ihrem Gewebe einzulagern. Diese Eigenschaft macht sie zu einem nützlichen Werkzeug in der Abwasserreinigung, unterstreicht jedoch die Gefahr, Wildsammlungen aus ungeprüften Gewässern zu verzehren.
Videobeitrag zu „Kleine Wasserlinse“
Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr (kommentierte) Bestimmungsvideos für die kleine Wasserlinse. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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