Bunter Hohlzahn – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Der Bunte Hohlzahn (Galeopsis speciosa) ist eine heimische, einjährige Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Die Art tritt überwiegend in der gemäßigten Zone Eurasiens auf und besiedelt bevorzugt nährstoffreiche, frische bis wechselnasse Böden an Waldrändern, in Gebüschen sowie in Uferstaudenfluren.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Bunter Hohlzahn“
- Botanischer Name: Galeopsis speciosa
- Deutscher Name: Bunter Hohlzahn
- Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
- Gattung: Hohlzahn (Galeopsis)
- Andere Namen: Bunte Hanfnessel
- Lebensdauer: Einjährig
- Wuchsform: Krautige Pflanze
- Wuchshöhe: 50 bis 100 cm
- Wurzelwerk: Flaches, faseriges Wurzelsystem
- Blütezeit: Juni bis Oktober
- Blütenstand: Scheinquirle in den oberen Blattachseln
- Fruchtreife: September bis Oktober
- Boden/Standort: Nährstoff- und basenreich, frisch bis wechselfeucht; Gebüsche, Waldränder, Feuchtgrünlandbrachen, Hackfruchtkulturen
- Hauptinhaltsstoffe: Kieselsäure, Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe
- Giftigkeit: Für den Menschen in allen Pflanzenteilen ungiftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Pflanze wächst als aufrechtes, borstig behaartes Kraut, dessen markantestes Merkmal die zweifarbige Lippenblüte sowie der unter den Blattknoten verdickte Stängel ist.
Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)
- Stängel: Deutlich vierkantig, an den Knoten (Nodien) stark verdickt. Unterhalb der Knoten weist der Stängel eine steife, borstige Behaarung auf.
- Blätter: Kreuzgegenständig angeordnet. Die Blattspreite ist eiförmig bis breit lanzettlich, zugespitzt und am Rand deutlich gezähnt.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüten: Jeweils 6 bis 15 Blüten stehen quirlartig in den Achseln der oberen Blätter. Der Kelch ist 12 bis 17 mm lang und mit stachelig begrannten Zähnen besetzt. Die 22 bis 34 mm lange Blütenkrone ist hellgelb, während der mittlere Lappen der Unterlippe tief violett gefärbt und oft dunkelviolett gepunktet ist.
- Frucht: Klausenfrucht, die zur Reife in vier glatte, breit verkehrt-eiförmige und stumpf endende Teilfrüchte (Klausen) zerfällt.
Verwechslungsgefahren:
- Gemeiner Hohlzahn (Galeopsis tetrahit): Besitzt kleinere Blüten, die meist einfarbig rötlich, purpurn oder weiß gefärbt sind. Es fehlt der markante Kontrast aus hellgelber Röhre und violetter Unterlippe.
- Zweispaltiger Hohlzahn (Galeopsis bifida): Die Blüten sind ebenfalls meist purpurn bis rötlich, die Unterlippe ist deutlich gespalten und der Stängel ist oft weniger verdickt.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Galeopsidis herba (historisch)
- Inhaltsstoffe: Kieselsäure, Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe
- Monographie-Status: Keine offizielle Monographie für Galeopsis speciosa vorhanden.
Für den Bunten Hohlzahn existiert keine gesicherte, evidenzbasierte medizinische Anwendung. In der historischen Volksheilkunde wurden Aufgüsse der oberirdischen Pflanzenteile aufgrund des Saponingehaltes gelegentlich als schleimlösendes Mittel bei Husten verabreicht. Äußerlich fanden frisch zerquetschte Blätter als Kompressen bei oberflächlichen Schwellungen oder unkomplizierten Hautirritationen Anwendung. Die Art besitzt in der modernen Phytotherapie keine Bedeutung mehr.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die vegetativen Pflanzenteile besitzen einen sehr milden, kaum würzigen Eigengeschmack. Die Blüten schmecken neutral bis leicht süßlich.
- Blätter & Triebspitzen (Mai bis Oktober): Zarte Blätter eignen sich roh als milde Basis für Blattsalate oder als Zugabe zu Kräuterquark. Gedünstet oder gekocht können sie ähnlich wie Spinat zubereitet oder Gemüsesuppen und Aufläufen beigefügt werden.
- Blüten (Juni bis Oktober): Roh als essbare Dekoration verwendbar.
- Samen (Herbst): Historische Nutzung. Die Samen wurden früher geschrotet und ausgepresst oder in heißem Wasser abgekocht, um ein zartbitteres Speiseöl abzuschöpfen. Diese Praxis ist heute unwirtschaftlich.
- Wurzeln: Keine gesicherte kulinarische Nutzung bekannt.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Morphologie und Systematik
Innerhalb der artenreichen Familie der Lippenblütengewächse zeichnet sich die Gattung der Hohlzähne (Galeopsis) durch die zwei hohlen, zahnartigen Ausstülpungen auf der Unterlippe der Blütenkrone aus. Der Bunte Hohlzahn differenziert sich innerhalb dieser Gattung visuell durch seine auffällige, zweifarbige Blütenkrone. Dieser Farbkontrast ist eine evolutionäre Anpassung zur Anlockung spezifischer Bestäuber, primär langrüsseliger Insekten wie Hummeln.
Historische Ressourcennutzung
Krautige Ackerwildkräuter wie der Bunte Hohlzahn spielten in vergangenen Jahrhunderten eine Rolle in der subsistenten Landwirtschaft. Die fettreichen Klausen (Samen) der Pflanze wurden in Notzeiten gesammelt, um daraus ein zartbitteres Pflanzenöl zu gewinnen. Da die Ernte und Verarbeitung der winzigen Samen äußerst arbeitsintensiv war, wurde diese Praxis mit dem Aufkommen industriell gepresster Ölpflanzen vollständig eingestellt.
Videobeitrag zu „Bunter Hohlzahn“
Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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