Ackerbohne - (eingeschränkt) essbar

Ackerbohne (Vicia faba)
Ackerbohne (Vicia faba)

Ackerbohne – Erkennen und Nutzen

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Ackerpflanze/Feldfrucht (bzw. Zwischenfrucht) sowie ihr Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Die Ackerbohne (Vicia faba), oft auch Dicke Bohne oder Saubohne genannt, ist eine alte und vielseitige Kulturpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). In der Landwirtschaft schätzt man sie vor allem als wertvolle, proteinreiche Körnerleguminose und als hervorragende Vorfrucht zur Gründüngung. Während sie historisch als Grundnahrungsmittel in Mitteleuropa unverzichtbar war, wird sie heute hauptsächlich als hochwertiges Futtermittel angebaut, feiert aber in der modernen vegetarischen Küche zunehmend ihr Comeback.

Ackerpflanze-Steckbrief „Ackerbohne“

  • Botanischer Name: Vicia faba
  • Deutscher Name: Ackerbohne
  • Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
  • Gattung: Wicken (Vicia)
  • Weitere Namen: Saubohne, Dicke Bohne, Puffbohne, Favabohne, Pferdebohne, Schweinsbohne
  • Lebensdauer: Einjährig (meist sommerannuell, in milden Klimaten auch winterannuell)
  • Wuchsform: Krautige, aufrecht wachsende Pflanze
  • Wuchshöhe: ca. 50 bis 200 cm (sortenabhängig)
  • Blütezeit: Mai bis Juni
  • Fruchtreife/Ernte: Juni bis August
  • Standort/Boden: Tiefgründige, gut wasserspeichernde Böden (z. B. schwerer Lehm, Marschland)
  • Landwirtschaftlicher Nutzen: Körnerfutter, menschliche Ernährung, Zwischenfrucht, Gründüngung

Bilder & Fotos „Ackerbohne“

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Bestimmung/Beschreibung der Ackerpflanze

Die Ackerbohne wächst auf dem Feld als kräftige, nicht rankende, aufrechte Pflanze und fällt besonders zur Blütezeit durch ihre markanten, oft auffällig gezeichneten und duftenden Schmetterlingsblüten auf.

Vegetative Merkmale (Wurzel, Stängel, Blätter)

  • Wurzel: Kräftiges Wurzelsystem aus Haupt- und Seitenwurzeln. Daran befinden sich zahlreiche Wurzelknöllchen, in denen die Pflanze in Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien (Rhizobium leguminosarum) lebt.
  • Stängel: Aufrecht, hohl, kantig und unverzweigt.
  • Blätter: Gefiederte Laubblätter, die im Gegensatz zu vielen anderen Wickenarten meist ohne Ranken enden.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Zygomorphe Schmetterlingsblüten (ca. 12 bis 15 mm), die zu ein bis sechs in den Blattachseln stehen. Die Kronblätter sind weiß, wobei die sogenannten „Flügel“ oft einen markanten dunkel-purpurfarbenen Fleck tragen. Die Blüten verströmen einen intensiven Duft.
  • Frucht/Samen: Große, abstehende, unbehaarte Hülsen (8 bis 20 cm lang und bis zu 3 cm dick). Bei Vollreife färben sie sich braun bis schwarz. Eine Hülse enthält zwei bis sechs dicke, glatte Samen. Deren Farbe variiert je nach Sorte stark von rötlich-braun über grünlich bis dunkelpurpur, oft gepunktet oder gefleckt.

Anbau der Ackerpflanze/Feldfrucht

Standortbedingungen: Die Ackerbohne hat einen hohen Wasserbedarf und verträgt keine ausgeprägte Trockenheit. Sie gedeiht am besten auf tiefgründigen, schweren Böden mit guter Wasserhaltkapazität, wie Marsch- oder Lehmböden. Zudem besitzt sie eine gewisse Salztoleranz.

Aussaat & Pflege: Die Pflanze ist relativ frostunempfindlich und bedürftig nach einem Kältereiz (Vernalisation). Daher kann die Saat bei frostfreiem Boden bereits im Februar erfolgen, da die Samen schon bei 2 bis 3 °C Bodentemperatur keimen. In wintermilden Regionen (maritimes Klima) ist auch eine Herbstaussaat als Winterfrucht üblich. Um eine tiefe, stabile Bewurzelung und gute Standfestigkeit zu gewährleisten, muss tief gesät werden (6 bis 10 cm; bei Herbstaussaat bis zu 15 cm).

Ernte: Im konventionellen Ackerbau erfolgt die Ernte per Mähdrescher (Mähdrusch). Das verbleibende Stroh der Ackerbohne enthält noch beachtliche Nährstoffmengen und wird meist direkt auf dem Acker gehäckselt, um in den Boden eingearbeitet zu werden (Bodenverbesserung). Der Körnerertrag schwankt witterungsbedingt meist zwischen 15 und 70 dt/ha.

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Nutzung der Ackerpflanze/Feldfrucht

Ernährung & Inhaltsstoffe: Die Samen der Ackerbohne sind äußerst nahrhaft. Sie enthalten 25 bis 30 % pflanzliches Protein, 40 bis 50 % Kohlenhydrate, wichtige Ballaststoffe und nur wenig Fett (1 bis 2 %). Im Gegensatz zur Gartenbohne enthalten Ackerbohnen kaum Phasine, sodass sie theoretisch auch roh genießbar sind (gesundheitliche Einschränkungen siehe unten).

  • Menschliche Ernährung: Traditionell wird die junge, unvollständig ausgereifte Bohne mitsamt Hülse gegessen. Später werden nur noch die Kerne frisch oder getrocknet verarbeitet. Beliebt ist sie in regionalen Klassikern („Dicke Bohnen mit Speck“) oder in der arabischen Küche (Ful, Falafel). Heute dient das extrahierte Ackerbohnenprotein auch oft als Fleischersatz in der Lebensmittelindustrie.
  • Tierfutter: Eine der Hauptnutzungen heute. Es wird sowohl der gesamte Sprossteil als Grünfutter/Silage als auch das trockene Korn als wertvoller, heimischer Eiweißträger in der Nutztierfütterung eingesetzt.
  • Gründüngung & Bodenverbesserer: Als klassische Leguminose fixiert die Ackerbohne über ihre Knöllchenbakterien Luftstickstoff, lockert durch ihr tiefes Wurzelsystem den Boden und ist somit eine hervorragende Vorfrucht in der Fruchtfolge.

Geschichte & Entwicklung

Ursprung & Domestizierung: Die ursprüngliche Wildform der Ackerbohne ist bis heute unbekannt; sie existiert ausschließlich als Kulturpflanze. Frühe, noch eher kleinsamige Formen wurden bei archäologischen Grabungen im Nahen Osten (Steinzeitsiedlung bei Nazareth) gefunden und auf ca. 6800 bis 6500 v. Chr. datiert. Im Mittelmeerraum ist sie seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. etabliert.

Historische Bedeutung: Von der Antike bis ins europäische Mittelalter war die Ackerbohne (neben Erbsen und Linsen) der absolute Hauptlieferant für pflanzliches Protein. An der Nordseeküste florierte der Anbau dank ihrer Toleranz gegenüber salzigen Böden. Im 17. Jahrhundert verlor sie jedoch drastisch an Bedeutung, als die aus Amerika stammenden Garten- und Feuerbohnen sowie später die Kartoffel Europa eroberten. Aus dem Grundnahrungsmittel wurde allmählich eine klassische Viehfutterpflanze.

Zusatzinformationen & Wissenswertes

Lebensgefahr durch Favismus (G6PD-Mangel)

Während Ackerbohnen für die meisten Menschen sehr gesund sind, können sie für Personen mit einer speziellen, vererbbaren Stoffwechselstörung (Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel) lebensgefährlich sein. Diese Erbkrankheit wird auch als Favismus (abgeleitet von Vicia faba) bezeichnet. In Mitteleuropa ist etwa 1 % der Bevölkerung betroffen, in traditionellen Malaria-Gebieten (Mittelmeerraum, Asien, Afrika) ist der Gendefekt weitaus häufiger. Bei Betroffenen führt der Kontakt mit der Pflanze zu einem rapiden Zerfall der roten Blutkörperchen.

⚠️ Medizinischer Warnhinweis zum Favismus:

  • Bei Menschen mit G6PD-Mangel kann der Verzehr roher oder gekochter Bohnen sowie bereits das bloße Einatmen des Blütenstaubs eine schwere hämolytische Anämie auslösen.
  • Symptome (5 bis 48 Stunden nach Kontakt): Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Durchfall, Bauchschmerzen. In schweren Fällen kann der Verlauf letal (tödlich) sein.

Toxizität für Nutz- und Weidetiere

Obwohl die Ackerbohne ein wichtiges Futtermittel ist, muss die Fütterung artgerecht und rationiert erfolgen. Zu große oder unzureichend aufbereitete Mengen von Vicia-Arten können bei bestimmten Tieren zu schweren Vergiftungserscheinungen führen. Besonders bei Pferden, aber auch bei Rindern und Schweinen, sind Intoxikationen bekannt. Bei Pferden äußert sich das Krankheitsbild unter anderem durch schwerwiegende Koliken und eine gefährliche Degeneration der Leber.

Videobeitrag zu „Ackerbohne“

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