Apfel-Rose – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Apfel-Rose ist eine bemerkenswerte Wildrose, die besonders durch ihre ungewöhnlich großen, apfelförmigen und borstigen Hagebutten ins Auge fällt. In Mitteleuropa ist dieser sommergrüne Strauch aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) vor allem in kalkhaltigen Berg- und Gebirgsregionen zu finden. Ökologisch ist sie ein wertvoller Rückzugsort und eine exzellente Nahrungsquelle: Ihre pollenreichen Blüten locken im Sommer Insekten an, während die vitaminreichen Hagebutten im Winter Vögeln und Kleinsäugern das Überleben sichern.
Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch
Baum-Steckbrief „Apfel-Rose“
- Botanischer Name: Rosa villosa (Synonym: Rosa pomifera)
- Deutscher Name: Apfel-Rose
- Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
- Gattung: Rosen (Rosa)
- Andere Namen: Zottige Rose
- Lebensdauer: Mehrjährig (meist 15 bis 80 Jahre)
- Wuchsform: Sommergrüner, gedrungen wachsender Strauch
- Wuchshöhe: 1,5 bis 2 Meter
- Wurzelwerk: Weitreichend, neigt zur Bildung von unterirdischen Ausläufern
- Blütezeit: Juni bis Juli
- Blütenstand: Doldenartig (1 bis 3 Blüten)
- Fruchtreife: September bis Oktober
- Boden/Standort: Trockene, steinige, feinerdearme und oft kalkhaltige Böden; Felsenhänge und Trockengebüsche.
- Hauptinhaltsstoffe: Vitamin C (enorm hoch), Pektin, Fruchtsäuren, Gerbstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl.
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig im Bereich des Fruchtfleisches und der Blüten. Samen (Nüsschen) enthalten cyanogene Glykoside.
Bestimmung/Beschreibung des Baumes
Die Apfel-Rose wächst als dicht verzweigter Strauch. Du erkennst sie am besten an den weich behaarten Blättern (die ihr den Beinamen „Zottige Rose“ gaben), den großen karminroten Blüten und den unverkennbaren, mit weichen Stacheln besetzten großen Hagebutten.
Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)
- Rinde/Zweige: Die Borke älterer Äste ist dunkelbraun. Junge Zweige sind rötlich, leicht bereift und meist samtig weich behaart.
- Stacheln: Botanisch gesehen besitzen Rosen Stacheln (keine Dornen). Bei der Apfel-Rose sind diese fast immer ganz gerade, mit einer nur kurzen (1 bis 4 mm), rundlichen Ansatzfläche am Zweig.
- Blätter: Sie stehen wechselständig und sind unpaarig gefiedert (5 bis 7 Einzelblättchen). Die länglich-elliptischen Blättchen sind auf beiden Seiten anliegend weich behaart, was ihnen einen leichten seidigen Glanz verleiht. Der Blattrand ist scharf doppelt gesägt.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die radiärsymmetrischen, fünfzähligen Blüten werden bis zu 5 cm groß. Die Kronblätter sind karminrot bis rosafarben. Die stark drüsigen Kelchblätter richten sich nach dem Verblühen auf und bleiben an der reifenden Frucht dauerhaft haften.
- Früchte (Hagebutten): Sie sind kugelig bis apfelförmig, mit bis zu 2,5 cm Durchmesser sehr groß, lebhaft rot gefärbt und markanterweise weichstachelig (borstig).
Verwechslungsgefahren:
- Hunds-Rose (Rosa canina): Die häufigste heimische Wildrose. Sie hat glatte, unbehaarte Hagebutten und stark sichelförmig gebogene (nicht gerade) Stacheln.
- Kartoffel-Rose (Rosa rugosa): Ein oft an Küsten oder Straßen gepflanzter Neophyt. Besitzt ebenfalls extrem dicke Hagebutten, aber stark runzelige (kartoffelblattähnliche) Blätter ohne weiche Behaarung.
Mein Bestimmung ❤️ Buch-Tipp:
Mit diesem Buch erkennst & bestimmst du jeden heimischen Baum – im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mit über 1000 Fotos!
* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich
Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Hagebuttenschalen (Rosae pseudo-fructus)
- Inhaltsstoffe: Vitamin C (Ascorbinsäure, sehr hoher Gehalt), Pektine, Fruchtsäuren, Gerbstoffe
- Monographie-Status: Positive Monographien durch HMPC und Kommission E (für Hagebutten allgemein).
In der evidenzbasierten Phytotherapie ist der Einsatz von Hagebuttenschalen (meist in Form von Teeaufgüssen) zur Prophylaxe und unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten anerkannt. Der extrem hohe Vitamin-C-Gehalt stärkt das Immunsystem. Zudem wirken die enthaltenen Fruchtsäuren und Pektine leicht harntreibend und mild abführend.
In der Volksheilkunde wird Hagebuttentee traditionell zur Durchspülungstherapie bei rheumatischen Beschwerden, Gicht, leichten Harnwegsinfekten und Magen-Darm-Verstimmungen getrunken. Die klinische Evidenz für diese tiefgreifenden Wirkungen ist jedoch unzureichend belegt.
Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Gehölze (Bäume und Sträucher) nehmen in der Phytotherapie und Homöopathie seit jeher einen bedeutenden Stellenwert ein. Sie enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Linderung verschiedenster Beschwerden beitragen können. Die Informationen auf diesen Seiten bieten dir einen fundierten Überblick über die botanischen Merkmale und traditionellen Anwendungen. Sie stellen jedoch keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Heilkraft von Pflanzen empfiehlt sich ein Blick in die einschlägige Fachliteratur. Ein bewährtes Standardwerk ist beispielsweise „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt darin detailliert die Anwendungsmöglichkeiten in der Schulmedizin, Phytotherapie und Volksheilkunde sowie die Nutzung innerhalb der Homöopathie.
* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.
Mein Medizin ❤️ Buch-Tipp:
Wissenswertes über 300 einheimische und fremdländische Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe, Anwendung und Heilwirkung.
* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich
Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Hagebutten gehören zu den vitaminreichsten Wildfrüchten Europas. Das musartige Fruchtfleisch besticht durch ein feines, süß-säuerliches Aroma. Auch die duftenden Blütenblätter sind eine edle Küchenzutat.
- Früchte (September bis Winter): Aus dem weichen, entkernten Fruchtfleisch lässt sich hervorragendes Hagebuttenmark herstellen, das pur als Konfitüre oder traditionell als Füllung für Krapfen genutzt wird. Auch für Früchtetees, Fruchtweine oder süße Suppen (z. B. in Schweden) sind sie ideal. Die Früchte werden süßer, je später sie geerntet werden (oft nach dem ersten Frost).
- Blüten (Juni bis Juli): Die Kronblätter können frisch für Blütensirup, Gelee, Bowlen oder als schmucke Dekoration für Salate und Desserts verwendet werden. Kandiert sind sie eine süße Delikatesse.
- Blätter (Frühjahr): Ganz junge, noch völlig weiche Blätter wurden früher als Blattgemüse oder Teeersatz genutzt, haben heutzutage aber wegen ihres hohen Gerbstoffgehalts kulinarisch keine Bedeutung mehr.
Die Samen (Nüsschen) im Inneren der Hagebutte sind dicht von feinen Haaren mit Widerhaken umgeben. Diese Härchen verursachen bei Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten starken Juckreiz (das klassische „Juckpulver“). Bei der Zubereitung von Mus oder Marmelade müssen die Früchte halbiert und die Kerne samt Haaren sorgfältig ausgekratzt oder nach dem Kochen durch ein sehr feines Sieb (Flotte Lotte) passiert werden. Zudem enthalten die Samen cyanogene Glykoside (spalten Blausäure ab) und dürfen nicht im rohen Zustand zerkaut werden. Von der historischen Praxis, die Kerne zu rösten, ist wegen des hohen Aufwands abzuraten.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die heimische Flora bietet faszinierende Möglichkeiten für eine naturnahe Ernährung. Auf diesen Seiten erfährst du alles Wissenswerte über die Bestimmung und Nutzung der wichtigsten Bäume und Sträucher. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Pflanzenteile, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da der Fokus dieses Lexikons auf der botanischen Fachkunde liegt, findest du hier keine detaillierten Rezepte. Zur kulinarischen Umsetzung empfehle ich dir stattdessen diese spezialisierten Bücher über die Wildkräuter-Küche.
Für tiefergehende Einblicke in die Themen Survival und Notnahrung sind die Bücher und Kurse von Johannes „Joe“ Vogel * eine exzellente Wahl. Als Experte für Wildnispädagogik vermittelt er fundiertes Wissen zur autarken Versorgung aus den Ressourcen der Natur.
* Die mit einem Sternchen gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision zur Unterstützung dieses Projekts. Der Preis ändert sich für dich dadurch nicht.
Mein Kochen/Küche ❤️ Buch-Tipp:
Infos über Vorkommen, Blütezeit und Verwendung in der Küche, Ernährung und Medizin von 2000 Pflanzen- & Baumarten!
* Amazon-Affiliate-Link (Werbung): Wenn du über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich gleich
Eigenschaften & Verwendung des Holzes
Holzeigenschaften: Das Holz der Rosen ist extrem hart, schwer, dicht und weist eine starke, attraktive Maserung in einem mittelbraunen Ton auf.
- Nutzung & Handwerk: Da Rosen als Sträucher wachsen, fallen kaum brauchbar große oder dicke Holzstücke an. Wenn überhaupt, wird das extrem zähe Holz gelegentlich in der feinen Kunsttischlerei für kleine Einlegearbeiten (Intarsien), Messergriffe oder filigrane Drechseleien gesucht.
- Brennwert & Energetische Nutzung: Hat aufgrund der geringen Querschnitte keine Bedeutung als Brennholz.
Geschichtliches zu diesem Baum
Botanische Täuschung: Scheinfrüchte und Nüsschen
Was wir umgangssprachlich als „Hagebutte“ oder „Frucht“ bezeichnen, ist botanisch gesehen eine Täuschung. Die rote, fleischige Kapsel ist gar keine echte Frucht, sondern der stark fleischig verdickte und hohle Blütenboden (eine sogenannte Scheinfrucht). Die tatsächlichen Früchte der Rose sind die vielen kleinen, steinharten, pelzigen Körner im Inneren, die von Laien oft für Samen gehalten werden. Botanisch handelt es sich dabei um kleine Nussfrüchte. Man spricht bei der Hagebutte daher von einer Sammelnussfrucht.
Von Stacheln und Dornen
„Keine Rose ohne Dornen“ lautet ein uraltes Sprichwort. Botanisch gesehen ist das jedoch falsch. Rosen haben keine Dornen, sondern Stacheln. Der Unterschied ist elementar: Dornen sind umgebildete Blätter oder Sprossachsen, die fest mit dem Holzkörper der Pflanze verwachsen sind (wie beim Weißdorn). Stacheln hingegen – wie bei der Rose – sind lediglich Ausstülpungen der Rinde (Epidermis). Man kann einen Rosenstachel relativ leicht mit dem Daumen seitlich abknicken, ohne das tiefere Holz zu verletzen, was bei einem Dorn unmöglich wäre.
Kulturgeschichte und Symbolik
Die Rose ist die unangefochtene Königin der Symbolik. Bereits in der Antike war sie Aphrodite (der Göttin der Liebe und Schönheit) sowie dem Eros geweiht. In der griechischen Mythologie entstand die erste Rose aus dem Blut des sterbenden Adonis. Eine andere Legende besagt, dass alle Rosen ursprünglich weiß waren, bis eine Nachtigall sich so tief in eine Rose verliebte, dass sie sich an deren Stacheln die Brust aufriss und die Blüte mit ihrem Blut ewig rot färbte. So verbindet die Rose seit Jahrtausenden die tiefsten menschlichen Emotionen: reine Schönheit und tiefe Liebe, unzertrennlich verbunden mit Vergänglichkeit und Schmerz.
Videobeitrag zu „Apfel-Rose“
👉 Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden
- Kosmos-Baumführer – 370 Bäume und Sträucher (Mitteleuropa)
- de.wikipedia.org – voll mit Baum & Strauch-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Bäumen & Sträuchern)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über Bäume und Sträucher
Hilf das Lexikon zu erhalten! 🙏
Kleine Dinge für dich, große Hilfe für mich & das Wildkräuter-Lexikon!
Mehr essbare & giftige Bäume & Sträucher
(Essbare) Bäume & Sträucher Lexikon | Übersicht A-Z
Besonders unsere heimischen Bäume und Sträucher bieten viele leckere und nahrhafte essbare Teile. Hier findest du ALLE im Lexikon beschriebenen Bäume & Sträucher auf einen Blick …










