Schwarzer Holunder – Bestimmen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Der Schwarze Holunder ist wohl einer der bekanntesten, kulturhistorisch bedeutendsten und am häufigsten anzutreffenden Wildsträucher in Mitteleuropa. Als klassischer Kulturfolger aus der Familie der Moschuskrautgewächse wächst er bereitwillig in Hecken, an Waldrändern und in der Nähe menschlicher Siedlungen. Ökologisch ist er ein wahrer Schatz: Seine stark duftenden Blüten ziehen unzählige Insekten an, und die dunklen, saftigen Beeren sind eine wichtige Nahrungsquelle für unsere Vogelwelt. Auch für uns Menschen bietet der Holunder wertvolle kulinarische und heilkundliche Schätze – vorausgesetzt, man weiß ihn richtig zuzubereiten.
Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch
Baum-Steckbrief „Schwarzer Holunder“
- Botanischer Name: Sambucus nigra
- Deutscher Name: Schwarzer Holunder
- Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
- Gattung: Holunder (Sambucus)
- Andere Namen: Holler, Holderbusch, Fliederbeerbusch
- Lebensdauer: Mehrjähriges Gehölz (bis zu 100 Jahre)
- Wuchsform: Großwüchsiger, aufrechter, sommergrüner Strauch bis kleiner Baum
- Wuchshöhe: 3 bis 11 Meter
- Wurzelwerk: Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelsystem
- Blütezeit: Mai bis Juni
- Blütenstand: Bis zu 30 cm breite, flache Schirmrispen
- Fruchtreife: August bis September
- Boden/Standort: Halbschatten bis Sonne. Liebt mittelschwere, frische, humus- und vor allem stickstoffreiche Böden (Ruderalflächen, Waldlichtungen).
- Hauptinhaltsstoffe: Blüten: Ätherische Öle, Flavonoide, Schleimstoffe, Kaliumsalze. Früchte: Anthocyane (Farbstoffe), Vitamin C, B-Vitamine, Fruchtsäuren, ätherische Öle. Blätter/Rinde/unreife Früchte: Cyanogene Glykoside (Sambunigrin).
- Giftigkeit: Blüten und vollständig durchgekochte reife Früchte sind ungiftig. Rohe Früchte, Rinde, Blätter und grüne Pflanzenteile sind schwach giftig bis giftig.
Bestimmung/Beschreibung des Baumes
Der Schwarze Holunder ist leicht an seinen ausladenden, weißen Blütentellern im Frühsommer und den schwer herabhängenden, tiefschwarzen Fruchtständen im Spätsommer zu erkennen.
Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)
- Rinde/Borke: Die Rinde älterer Äste ist graubraun, längsgefurcht und korkartig. Auf jüngeren Zweigen sitzen deutlich sichtbare, helle Korkporen (Lentizellen).
- Zweiginneres (Mark): Die jungen Zweige enthalten ein weiches, fast schaumstoffartiges Mark. Beim Schwarzen Holunder ist dieses Mark reinweiß.
- Blätter: Gegenständig angeordnet und unpaarig gefiedert (ca. 10 bis 35 cm lang). Ein Blatt besteht meist aus 5 oder 7 elliptischen, zugespitzten Fiederblättchen mit gesägtem Rand.
- Geruch: Zerreibt man die Blätter zwischen den Fingern, verströmen sie einen strengen, charakteristischen Geruch.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Hunderte kleine, cremeweiße bis leicht gelbliche Einzelblüten stehen in flachen, hand- bis tellergroßen Schirmrispen zusammen. Sie verströmen einen extrem intensiven, fruchtig-süßen Duft.
- Frucht: Erbsengroße, schwarz glänzende Steinfrüchte (oft „Beeren“ genannt), die burgunderroten, stark färbenden Saft und drei Samen enthalten. Zur Fruchtreife färben sich auch die Fruchtstiele rötlich. Durch ihr Eigengewicht hängen die reifen Fruchtstände schwer nach unten.
Verwechslungsgefahren:
- Roter Holunder (Sambucus racemosa): Hat beim Blattaustrieb bronzefarbene Blätter. Die Blüten stehen nicht flach, sondern in eiförmigen bis kegeligen Rispen aufrecht. Die Früchte reifen leuchtend rot. Das Mark im Inneren der Zweige ist zimtbraun.
- Zwerg-Holunder / Attich (Sambucus ebulus): Kein verholzender Strauch, sondern eine staudenartig wachsende krautige Pflanze (stirbt im Winter oberirdisch ab). Die Fruchtstände hängen nicht, sondern stehen starr aufrecht. Er blüht unangenehm riechend (Staubblätter oft rötlich) und ist in allen Teilen giftig.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Holunderblüten (Sambuci flos)
- Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Flavonoide (u. a. Rutin), Schleimstoffe, Kalium
- Monographie-Status: Positiv bewertet (HMPC, Kommission E, ESCOP)
In der evidenzbasierten Phytotherapie haben ausschließlich die getrockneten Holunderblüten einen gesicherten Status. Ein Heißaufguss (Tee) aus Holunderblüten ist ein hervorragendes und anerkanntes Mittel bei fieberhaften Erkältungskrankheiten, trockenem Reizhusten und leichten Entzündungen der oberen Atemwege. Die Kombination aus ätherischen Ölen und Flavonoiden wirkt stark schweißtreibend (diaphoretisch) sowie leicht schleimlösend und unterstützt den Körper so bei der natürlichen Infektabwehr.
In der Volksheilkunde wird zudem der heiße Muttersaft aus den gekochten Beeren traditionell zur Immunstärkung bei Grippe und Erkältungen getrunken, was auf den extrem hohen Gehalt an Vitamin C und zellschützenden Anthocyanen (Radikalfängern) zurückzuführen ist. Die volksheilkundliche Nutzung von Rinde oder Blättern bei Nierenleiden oder Rheuma ist heute aufgrund fehlender Belege und potenzieller Toxizität nicht mehr zeitgemäß.
- Giftigkeit der rohen Teile: Rohe Beeren, grüne Fruchtstiele, Blätter und Rinde enthalten das cyanogene Glykosid Sambunigrin (eine Blausäurevorstufe). Der Verzehr ungekochter oder nicht vollständig durchgegarter Beeren führt schnell zu Übelkeit, schweren Magenkrämpfen, Erbrechen und Durchfall – besonders empfindlich reagieren Kinder. Hitze zerstört diese Gifte zuverlässig.
Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Gehölze (Bäume und Sträucher) nehmen in der Phytotherapie und Homöopathie seit jeher einen bedeutenden Stellenwert ein. Sie enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Linderung verschiedenster Beschwerden beitragen können. Die Informationen auf diesen Seiten bieten dir einen fundierten Überblick über die botanischen Merkmale und traditionellen Anwendungen. Sie stellen jedoch keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Heilkraft von Pflanzen empfiehlt sich ein Blick in die einschlägige Fachliteratur. Ein bewährtes Standardwerk ist beispielsweise „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt darin detailliert die Anwendungsmöglichkeiten in der Schulmedizin, Phytotherapie und Volksheilkunde sowie die Nutzung innerhalb der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Holunder schenkt uns gleich zwei Ernten: den zart-süßen Duft der Blüten im Frühsommer und die herben, säurearmen und extrem farbintensiven Früchte im Spätsommer.
- Blüten (Mai bis Juni): Im Ganzen in Bierteig oder Pfannkuchenteig getaucht und knusprig ausgebacken („Hollerküchle“), ergeben sie eine weltbekannte Delikatesse. Zudem lassen sich die Blütenansätze hervorragend zu Sirup, Gelee, Limonade oder Holunderblüten-Sekt aromatisieren.
- Früchte (August bis September): Zwingend zu erhitzen! Aus den reifen schwarzen Beeren (ohne Stiele) wird Muttersaft, Gelee, „Fliederbeersuppe“, Rote Grütze oder Fruchtwein gewonnen. Vollreife, mühsam von den Dolden entrappte Beeren bilden zudem eine gute Grundlage für Holunder-Obstbrände.
Die rohen Beeren sind stark unbekömmlich und schwach giftig. Du musst die Früchte vor dem Verzehr immer für mindestens 15 bis 20 Minuten kochen, um das Blausäure-Glykosid Sambunigrin vollständig abzubauen. Noch grüne, unreife Beeren am besten vorab aussortieren. Trage bei der Fruchtverarbeitung Handschuhe und eine Schürze – der burgunderrote Saft färbt extrem und lässt sich aus Kleidung kaum noch entfernen.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die heimische Flora bietet faszinierende Möglichkeiten für eine naturnahe Ernährung. Auf diesen Seiten erfährst du alles Wissenswerte über die Bestimmung und Nutzung der wichtigsten Bäume und Sträucher. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Pflanzenteile, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da der Fokus dieses Lexikons auf der botanischen Fachkunde liegt, findest du hier keine detaillierten Rezepte. Zur kulinarischen Umsetzung empfehle ich dir stattdessen diese spezialisierten Bücher über die Wildkräuter-Küche.
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Eigenschaften & Verwendung des Holzes
Holzeigenschaften: Das Holz des Holunders weist eine Besonderheit auf: Es besteht aus einem sehr harten, hellen Außenholz und einem extrem weichen, dicken, reinweißen Mark-Kanal in der Mitte. Für den konstruktiven Holzbau ist es aufgrund unregelmäßiger, krummer Wuchsformen und der geringen Stammdurchmesser ungeeignet.
- Nutzung & Handwerk: Traditionell wird das Holz in der Schnitzerei, der Drechslerei und im Kunsthandwerk geschätzt. Ein Spezialgebiet ist der Instrumentenbau: Das weiche Mark lässt sich sehr leicht herausschieben oder -bohren. Dadurch eignet sich Holunderholz perfekt zur Anfertigung von Flöten, Pfeifen oder rustikalen Blasrohren.
- Brennwert & Energetische Nutzung: Hat als Brennholz eine verschwindend geringe Bedeutung, trocknet aber sehr gut.
Geschichtliches zu diesem Baum
Von Hausgeistern und dem Abnehmen des Hutes
Kulturhistorisch ist kaum ein Strauch in Mitteleuropa so sagenumwoben wie der Holunder. Früher pflanzte man fast zwingend einen „Hollerbusch“ neben den Bauernhof, da er als Lebensbaum und Sitz der gutmütigen Hausgeister galt, die Haus und Hof vor Feuer, Blitzeinschlägen und böser Magie beschützen sollten. Es galt als absolutes Tabu, einen gesunden Holunderstrauch ohne Not zu fällen oder zu verstümmeln – tat man es doch, befürchtete man Krankheit oder Tod in der Familie. Diese tiefe Ehrfurcht gipfelte in dem berühmten alten Bauernsprichwort: „Vor dem Holunder muss man den Hut ziehen.“
Der Zeiger für den beginnenden Herbst
In der Phänologie – der Wissenschaft, die den Jahreslauf nach den Entwicklungsstadien der Pflanzen einteilt – übernimmt der Schwarze Holunder eine wichtige Rolle als Kalenderpflanze. Wenn die ehemals weißen Blütenteller sich in schwere, tiefschwarze Beerenstände verwandelt haben und die Fruchtreife beginnt, signalisiert die Natur den Beginn des Frühherbstes. Je nach Witterungsbedingungen fällt dieser Zeitpunkt meist auf die Wochen zwischen Mitte August und Anfang September.
Eine jahrhundertealte Färbepflanze
Die intensive Farbe der Holunderbeeren war den Menschen schon lange vor der industriellen Chemie bekannt. Der violette Pflanzenfarbstoff Sambicyanin (ein Anthocyan), der bis zu 60 Prozent in den Beerenschalen konzentriert ist, wurde historisch vielfältig eingesetzt. Mit dem Saft ließen sich Naturstoffe, Leder und Garne tiefviolett färben. Er wurde sogar als frühes Haarfärbemittel verwendet und diente geschäftstüchtigen Winzern dazu, die Farbe blasser Rotweine optisch kräftiger wirken zu lassen.
Videobeitrag zu „Schwarzer Holunder“
Noch mehr Informationen und Bestimmungsvideos zum Schwarzen Holunder findest du im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Durch kurze Videos kannst du den gesamten Lebenszyklus dieses Baumes/Strauches verfolgen. Außerdem kannst du viele weitere heimische (essbare) Wildkräuter, Bäume und Sträucher in ihrem Werden und Vergehen kennen und bestimmen lernen.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden
- Kosmos-Baumführer – 370 Bäume und Sträucher (Mitteleuropa)
- de.wikipedia.org – voll mit Baum & Strauch-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Bäumen & Sträuchern)
- www.baumkunde.de – Baumarten Datenbank
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über Bäume und Sträucher
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