Hanf (Nutzhanf) – Erkennen und Nutzen
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Ackerpflanze/Feldfrucht „Hanf (Cannabis)“ sowie ihr Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Der Nutzhanf (Cannabis sativa L.) ist eine extrem schnellwüchsige, anspruchslose und vielseitige Kulturpflanze aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Während die Gattung durch ihre psychoaktiven Verwandten oft in einem kontroversen Licht steht, spielen im landwirtschaftlichen Anbau ausschließlich speziell gezüchtete, zertifizierte Sorten eine Rolle. Diese zeichnen sich durch einen verschwindend geringen THC-Gehalt (unter 0,2 %) aus und dienen als herausragende Rohstoffquelle für hochwertige Fasern, nahrhafte Samen und vielseitig nutzbare Schäben. Zudem gilt Nutzhanf im Ackerbau als exzellente Vorfrucht zur Bodenverbesserung.
Informationskategorien zu dieser Ackerpflanze/Feldfrucht
Ackerpflanze-Steckbrief „Hanf (Nutzhanf)“
- Botanischer Name: Cannabis sativa L.
- Deutscher Name: Hanf (Nutzhanf / Industriehanf)
- Familie: Hanfgewächse (Cannabaceae)
- Gattung: Hanf (Cannabis)
- Weitere Namen: Faserhanf, Körnerhanf
- Lebensdauer: einjährig (sommerannuell)
- Wuchsform: aufrechte, krautige Pflanze
- Wuchshöhe: 2 bis 4 Meter (unter günstigen Anbaubedingungen bis 5 Meter)
- Blütezeit: Juli bis August
- Fruchtreife/Ernte: Juli bis September (Faserhanf), September bis Oktober (Körnerhanf)
- Standort/Boden: tiefgründig, gute Nährstoff- und Wasserversorgung, sehr empfindlich gegen Staunässe
- Landwirtschaftlicher Nutzen: Industrielle Faserproduktion, menschliche Ernährung (Öl, Samen), Tierfutter, Tiereinstreu (Schäben)
Bestimmung/Beschreibung der Ackerpflanze
Im landwirtschaftlichen dichten Bestand (Faserhanf) wächst die Pflanze stramm aufrecht und weitgehend unverzweigt, während sie im Einzelstand deutliche Seitenäste ausbildet.
Vegetative Merkmale (Wurzel, Stängel, Blätter)
- Wurzel: Hanf bildet ein kräftiges, tiefreichendes Pfahlwurzelsystem aus, das den Boden intensiv lockert und aufschließt.
- Stängel: Der Stängel ist gerippt, im Inneren oft hohl und verholzt mit zunehmender Reife. Er enthält die wertvollen, extrem reißfesten Bastfasern.
- Blätter: Die Blätter sind markant handförmig zusammengesetzt (palmat) mit einem gesägten Rand. Sie bestehen meist aus sieben bis neun (seltener bis zu 13) Einzelblättchen. Im unteren Bereich stehen sie gegenständig, in der oberen Pflanzenhälfte wechsel ständig.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Hanf ist von Natur aus meist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also rein männliche und rein weibliche Pflanzen. In der modernen Landwirtschaft werden jedoch häufig einhäusige (monözische) Sorten angebaut, um einen gleichmäßigeren Bestand zu erzielen. Die männlichen Blüten sitzen in blattachselständigen, gelbgrünen Trugdolden und hängen herab. Die weiblichen Blüten sind unscheinbar, grün, ungestielt und bilden knäuelige Blütenstände mit auffälligen, oft rötlichen Narben. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.
- Frucht/Samen: Die Früchte sind kleine Nussfrüchte (Achänen), die meist als „Hanfnüsse“ oder „Hanfsamen“ bezeichnet werden. Sie sind braun bis grüngrau, etwa 3 bis 4 mm groß und weisen eine Tausendkornmasse von 15 bis 20 Gramm auf.
Anbau der Ackerpflanze/Feldfrucht
Standortbedingungen: Nutzhanf benötigt für eine optimale Jugendentwicklung tiefgründige, warme Böden mit ausreichend Bodenfeuchte. Staunässe, Verdichtungen und extrem leichte Sandböden ohne Bewässerung eignen sich nicht.
Aussaat & Pflege: Die Aussaat erfolgt als Sommerung zwischen Mitte April und Mitte Mai mit einer herkömmlichen Getreidedrillmaschine auf 4 bis 6 cm Saattiefe. Nutzhanf verwertet organische Dünger (wie Gülle) sehr gut. Der Nährstoffbedarf liegt bei etwa 60 bis 150 kg N/ha, abhängig von der Nutzungsrichtung (Faser- oder Doppelnutzung). Agronomisch ist Hanf äußerst pflegeleicht: Aufgrund seines rasanten Längenwachstums und der starken Beschattung des Bodens unterdrückt er Unkräuter extrem effizient. Herbizide oder Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge sind im Hanfanbau in der Regel nicht erforderlich.
Ernte: Die Erntetechnik hängt von der Nutzung ab. Faserhanf wird zur Zeit der männlichen Vollblüte gemäht. Danach verbleibt das Hanfstroh meist zur „Röste“ (einem mikrobiologischen Abbauprozess der Pektine, der das Lösen der Fasern erleichtert) auf dem Feld, wird gewendet und schließlich gepresst. Körnerhanf wird erst zur Samenreife im Herbst mit speziellen oder angepassten Mähdreschern geerntet. Oft wird auch eine Doppelnutzung (Körnerernte und anschließende Faser- bzw. Schäbengewinnung) praktiziert.
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Nutzung der Ackerpflanze/Feldfrucht
Ernährung & Inhaltsstoffe: Hanfsamen sind hochgradig nahrhaft. Sie enthalten etwa 28 bis 35 % hochwertiges Öl, 20 bis 24 % Proteine sowie B-Vitamine und Mineralstoffe. Das Protein besteht zu einem großen Teil aus Edestin, welches für den menschlichen Organismus besonders leicht verdaulich ist.
- Menschliche Ernährung: Geschälte oder ungeschälte Hanfsamen werden direkt verzehrt oder zu Hanfmehl und Hanfproteinpulver verarbeitet. Das schonend kaltgepresste Hanföl zeichnet sich durch ein ernährungsphysiologisch optimales Verhältnis von essenziellen Omega-6- (Linolsäure) zu Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure) aus.
- Industrielle Verwertung (Fasern & Schäben): Die reißfesten Lang- und Kurzfasern werden für Spezialpapiere (z. B. Zigarettenpapier), Dämmstoffe, technische Textilien und naturfaserverstärkte Kunststoffe in der Automobilindustrie genutzt. Die verholzten Stängelteile (Schäben), die beim Faseraufschluss abfallen, dienen als hochwertige Tiereinstreu (Pferde, Kleintiere) oder als Rohstoff für Leichtbau- und Dämmplatten.
- Tierfutter: Hanfsamen und der bei der Ölgewinnung anfallende Presskuchen sind ein wertvolles Kraftfutter, insbesondere für Vögel und Fische.
Geschichte & Entwicklung
Ursprung & Domestizierung: Die Nutzung von Hanf lässt sich Jahrtausende zurückverfolgen. Die ältesten Funde von Seilen aus Hanffasern stammen aus China (ca. 2800 v. Chr.). Auch das erste nachgewiesene Papier der Welt wurde in China aus Hanf hergestellt.
Historische Bedeutung: Über den Vorderen Orient gelangte der Hanf im Mittelalter nach Mitteleuropa. Seine absolute Blütezeit erlebte er im 17. und 18. Jahrhundert durch die Segelschifffahrt. Für Segeltuche und widerstandsfähiges Tauwerk war Hanf (neben Flachs) unersetzlich. Mit dem Aufkommen von Baumwolle, Sisal und später synthetischen Fasern verlor Hanf an Bedeutung. Im 20. Jahrhundert führten strenge Betäubungsmittelgesetze weltweit zu einem fast vollständigen Erliegen des Anbaus. Erst in den 1990er Jahren wurden in der EU die Verbote für THC-arme Sorten (unter 0,2 % THC) aufgehoben, was zu einer landwirtschaftlichen Renaissance der Pflanze führte.
Zusatzinformationen & Wissenswertes
Agrarökologischer Wert in der Fruchtfolge
Nutzhanf ist eine pflanzenbauliche Bereicherung für jede Fruchtfolge. Durch seine tiefgehende Pfahlwurzel lockert er Bodenverdichtungen auf und hinterlässt eine exzellente Bodengare. Zudem reinigt er das Feld durch sein enormes Wuchstempo fast vollständig von Ackerunkräutern. Da Hanf äußerst selbstverträglich ist, könnte er theoretisch im Nachbau (Monokultur) kultiviert werden, in der Praxis wird er jedoch meist als wertvolle Vorfrucht für Wintergetreide genutzt.
Strikte Trennung von THC-haltigen Sorten
Es ist agronomisch und rechtlich wichtig zu betonen: Landwirtschaftlicher Nutzhanf ist zur Gewinnung von Rauschmitteln absolut unbrauchbar. Der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) ist durch strenge EU-Zertifizierungsverfahren züchterisch auf ein Minimum herabgesetzt worden, sodass selbst bei theoretischem Konsum großer Mengen pflanzlichen Materials keine psychoaktive Wirkung erzielt werden kann. Landwirte dürfen in der EU ausschließlich Saatgut aus dem offiziellen Sortenkatalog anbauen und müssen den Anbau staatlichen Behörden melden.
Videobeitrag zu „Hanf (Nutzhanf)“
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Quellen und weitere Informationen
- Ackerpflanzen und Feldfrüchte – von Margot Spohn
- www.landwirtschaft-bw.info – Kulturpflanzen im Ackerbau
- de.wikipedia.org – voll mit Baum & Strauch-Wissen
- www.lko.at – Wissensbeiträge der Landwirtschaftskammer
- www.biolib.de (Illustrationen von Bäumen & Sträuchern)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über Ackerpflanzen, Feld- & Zwischenfrüchte
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