Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
Moschuskrautgewächse

Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), nach aktueller Nomenklatur der APG oft auch als Schneeballgewächse (Viburnaceae) geführt, bilden eine kleine, aber ökologisch hochrelevante Gehölz- und Staudenfamilie innerhalb der Ordnung der Kardenartigen (Dipsacales). Charakteristisch für ihre vorwiegend auf der Nordhalbkugel verbreiteten Vertreter sind die stets kreuzgegenständigen Blätter sowie die dichten, trugdoldigen Blütenstände, aus denen sich farbenprächtige Steinfrüchte entwickeln. Zu dieser Familie gehören mit dem Holunder und dem Schneeball einige unserer bekanntesten heimischen und kulturhistorisch bedeutsamsten Heckenpflanzen.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Überwiegend sommergrüne, teils stark verholzende Sträucher oder kleine Bäume (wie Holunder und Schneeball), seltener ausdauernde krautige Pflanzen (Moschuskraut).
  • Blätter: Stets kreuzgegenständig angeordnet; die Blattspreiten sind je nach Gattung ungeteilt, handförmig gelappt oder unpaarig fiedrig zusammengesetzt und verströmen beim Zerreiben oft einen markanten Eigengeruch.
  • Blüten & Blütenstand: Die meist kleinen, radiärsymmetrischen und fünfzähligen Blüten mit verwachsenen Kronblättern stehen zumeist in flachen, schirmförmigen oder kegeligen Zymen (Trugdolden) zusammen.
  • Früchte: Aus den halbunterständigen bis unterständigen Fruchtknoten entwickeln sich saftige, oft auffällig rot oder schwarz gefärbte Steinfrüchte, die ein bis fünf Samen (Steinkerne) enthalten.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Charakteristisch sind cyanogene Glykoside (wie Sambunigrin), die bei einer Erhitzung auf über 80 °C instabil sind und zerfallen, sowie Iridoidglykoside, Triterpene, ätherische Öle und ein hoher Vitamin-C-Gehalt in den reifen Früchten.

Verwendung & ökologische Bedeutung

Die Vertreter der Moschuskrautgewächse sind als fruchttragende Hecken- und Pionierpflanzen von überragender ökologischer Bedeutung. Ihre nektar- und pollenreichen Schirmrispen dienen unzähligen Insekten, darunter spezialisierten Schwebfliegen und Wildbienen, als wertvolle Nahrungsquelle, während ihre Früchte im Herbst und Winter eine essenzielle und energiereiche Futtergrundlage für frugivore Vögel darstellen. Der Mensch nutzt vor allem den Schwarzen Holunder intensiv; seine duftenden Blüten und die vollständig ausgereiften, zwingend erhitzten Früchte sind hochgeschätzte Rohstoffe für Tees, Extrakte und Säfte in der Lebensmittelherstellung sowie in der traditionellen Phytotherapie zur Behandlung von Erkältungskrankheiten. Zudem werden viele Arten der Gattung Schneeball aufgrund ihrer prachtvollen Blütenstände und leuchtenden Herbstfärbung weltweit als dekorative Ziergehölze gepflanzt.

Baum-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Holunder - Roter (Sambucus racemosa)
Holunder – Roter

Holunder – Roter (Sambucus racemosa)
Leicht giftig | Der Rote Holunder, oft auch Hirschholunder genannt, wächst als sommergrüner Strauch in lichten Wäldern und zeichnet sich durch seine kegelförmigen, gelblich-grünen Blütenrispen im Frühjahr aus. Im Hochsommer bildet er leuchtend korallenrote Steinfrüchte, deren Samen giftige cyanogene Glykoside enthalten, weshalb sie roh keinesfalls vom Menschen verzehrt werden dürfen. Für unzählige Vogelarten stellen die markanten Früchte des Roten Holunders jedoch eine essenzielle und ungefährliche Nahrungsquelle dar.

Holunder - Schwarzer (Sambucus nigra)
Holunder – Schwarzer

Holunder – Schwarzer (Sambucus nigra)
Leicht giftig | Der Schwarze Holunder ist ein stark verzweigter, wuchskräftiger Strauch oder Kleinbaum, der an waldrandnahen und stickstoffreichen Standorten allgegenwärtig ist. Seine flachen, stark duftenden Blütenstände und die reifen, schwarzvioletten Früchte liefern nach ausreichendem Erhitzen wertvolle Rohstoffe für die Naturheilkunde und Wildkräuterküche. Da alle grünen Pflanzenteile des Schwarzen Holunders sowie die rohen Früchte das Toxin Sambunigrin enthalten, ist der unzubereitete Verzehr schwach giftig und führt unweigerlich zu Übelkeit.

Holunder - Zwerg (Sambucus ebulus)
Holunder – Zwerg

Holunder – Zwerg (Sambucus ebulus)
Giftig | Der Zwerg-Holunder, auch Attich genannt, ist im Gegensatz zu seinen strauchigen Verwandten eine ausdauernde krautige Pflanze, die im Winter oberirdisch vollständig abstirbt und über ein starkes Rhizom ausgedehnte Bestände bildet. Im Hochsommer präsentiert er flache, weiß bis rötlich überlaufene Trugdolden, aus denen sich tiefschwarze, unangenehm riechende Früchte entwickeln. Da die gesamte Pflanze und insbesondere die Früchte des Zwerg-Holunders einen hohen Gehalt an toxischen Iridoidglykosiden aufweisen, ist er für den Menschen stark giftig.

Schneeball - Gewöhnlicher (Viburnum opulus)
Schneeball – Gewöhnlicher

Schneeball – Gewöhnlicher (Viburnum opulus)
Giftig | Der Gewöhnliche Schneeball ist ein feuchtigkeitsliebender, sommergrüner Strauch, der durch seine handförmig gelappten Blätter und die großen, tellerförmigen Blütenstände mit sterilen, stark vergrößerten weißen Randblüten, die als Schauapparat dienen, besticht. Im Herbst trägt der Strauch leuchtend rote, glasig wirkende Steinfrüchte, die als begehrtes Winterfutter für Vögel bis zum Frühjahr an den Zweigen haften bleiben. Für den Menschen sind Rinde, Blätter und rohe Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs aufgrund enthaltener Saponine und des Bitterstoffs Viburnin giftig und rufen Reizungen im Magen-Darm-Trakt hervor.

Schneeball - Wolliger (Viburnum lantana)
Schneeball – Wolliger

Schneeball – Wolliger (Viburnum lantana)
Giftig | Der Wollige Schneeball wächst als wärmeliebender Strauch bevorzugt auf trockenen, kalkhaltigen Böden und verdankt seinen Namen der dichten, sternhaarigen Filzbehaarung an Jungtrieben und Blattunterseiten. Seine creme-weißen, unangenehm riechenden Blütenstände entwickeln sich zu ovalen Steinfrüchten, die während des Reifeprozesses einen faszinierenden Farbwechsel von Grün über Rot zu glänzendem Schwarz vollziehen, wobei an einer Dolde oft gleichzeitig rote und schwarze Früchte zu finden sind. Auch beim Wolligen Schneeball gelten die Früchte und Blätter wegen ihrer Triterpene und Iridoidglykoside für den Menschen als giftig.

Weitere Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Pflanzenfamilien A-Z

Pflanzenfamilien und ihre Merkmale – Übersicht A-Z
Weltweit gibt es mehrere hundert Pflanzenfamilien und selbst in diesem bescheidenen Wildpflanzen-Lexikon tummeln sich Pflanzen aus über 50 Familien. Die 30 wichtigsten/prominentesten Familien finden sich in der folgenden Auflistung.