Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Knöterichgewächse

Knöterichgewächse (Polygonaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Knöterichgewächse (Polygonaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Knöterichgewächse (Polygonaceae) sind eine weltweit verbreitete, formenreiche Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). Das unverkennbare taxonomische Hauptmerkmal fast aller Vertreter ist die sogenannte Ochrea, eine röhrenförmige Nebenblattscheide, die den Stängel an den auffällig verdickten Blattknoten umschließt. Zudem sind sie für ihren hohen Gehalt an Gerbstoffen und freier Oxalsäure bekannt, die vielen Arten ihren typisch säuerlichen Geschmack verleiht.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Überwiegend ein- bis mehrjährige krautige Pflanzen, in den Tropen auch kletternde Lianen, Sträucher oder kleine Bäume; die knotigen (genikulierten) Stängel sind oft hohl oder markig.
  • Blätter: Meist wechselständig angeordnet, einfach und ganzrandig; charakteristisch ist die röhrige Nebenblattscheide (Ochrea) an der Blattbasis.
  • Blüten & Blütenstand: Die meist unauffälligen, kleinen und oft zwittrigen Blüten stehen in ährigen, rispigen oder scheinquirligen Blütenständen zusammen und besitzen ein meist als einfaches Perigon ausgebildetes Perianth aus drei bis sechs, oft kronblattartig gefärbten und teils verwachsenen Tepalen.
  • Früchte: Es bilden sich einsamige, typischerweise dreikantige Nussfrüchte, die häufig von den haltbaren, manchmal flügelartig vergrößerten Perianthblättern umhüllt bleiben.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Charakteristisch sind hohe Konzentrationen an Oxalsäure und wasserunlöslichem Calciumoxalat (besonders in der Gattung Rumex), stark adstringierende Gerbstoffe (Tannine), Anthrachinone sowie diverse Flavonoide wie Rutin.

Verwendung & ökologische Bedeutung

Als Agrarpflanzen und traditionelle Nahrungsmittel spielen einige Arten eine immense Rolle, allen voran der Echte Buchweizen als glutenfreies Pseudogetreide oder der Rhabarber als beliebtes, säurereiches Stielgemüse. Ökologisch dienen heimische Vertreter zahlreichen spezialisierten Insekten, wie den Raupen der Feuerfalter, als essenzielle Raupenfutterpflanzen. Gleichzeitig gelten einige invasive Neophyten dieser Familie, wie der wuchernde Japanische Staudenknöterich, oder tief wurzelnde Ackerkräuter wie der Stumpfblättrige Ampfer, in der Landwirtschaft und im Naturschutz als äußerst konkurrenzstarke und schwer zu bekämpfende Problempflanzen.

Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Ampfer - Krauser (Rumex crispus)
Ampfer – Krauser

Ampfer – Krauser (Rumex crispus)
Schwach giftig | Der Krause Ampfer ist eine ausdauernde, tief wurzelnde Ruderalpflanze, die durch ihre auffällig gewellten und gekräuselten Blattränder leicht zu erkennen ist. Nach der unauffälligen Blütezeit entwickeln sich rostbraune Fruchtstände, deren dreikantige Nussfrüchte mit korkigen Schwielen versehen sind, um die Schwimmausbreitung in feuchten Habitaten zu erleichtern. Wegen des hohen Oxalsäuregehalts ist der Krause Ampfer aufgrund löslicher Oxalate und Calciumoxalat-Kristalle roh als schwach giftig einzustufen und kann bei Weidetieren in großen Mengen zu massiven Nierenschäden führen.

Ampfer - Stumpfblättriger (Rumex obtusifolius)
Ampfer – Stumpfblättriger

Ampfer – Stumpfblättriger (Rumex obtusifolius)
Schwach giftig | Der Stumpfblättrige Ampfer gilt aufgrund seiner enormen Samenproduktion und der tiefreichenden, regenerationsfreudigen Pfahlwurzel als gefürchtetes und äußerst hartnäckiges Weideunkraut. Seine basalen Laubblätter sind breit und namensgebend abgerundet bis stumpf, während der kräftige Stängel im Hochsommer dichte, unscheinbare Blütenstände in meist rötlich anlaufenden Scheinquirlen trägt. Wie viele Arten der Gattung reichert auch der Stumpfblättrige Ampfer große Mengen an Calciumoxalat an, was ihn roh verzehrt schwach giftig und stark schleimhautreizend macht.

Ampfer - Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
Ampfer- Wiesen-Sauerampfer

Ampfer – Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
Essbar/essbare Teile | Der Wiesen-Sauerampfer ist eine klassische Zeigerpflanze für nährstoffreiche, oft feuchte Fettwiesen und besticht durch seine pfeilförmigen, sattgrünen Grundblätter. Er ist zweihäusig getrenntgeschlechtig, weshalb männliche und weibliche Blütenrispen, die sich zur Fruchtreife leuchtend rötlich färben, auf unterschiedlichen Pflanzen wachsen. Die jungen Blätter des Wiesen-Sauerampfers sind essbar und werden in der traditionellen Wildkräuterküche wegen ihres erfrischenden, zitronenähnlichen Geschmacks sehr geschätzt.

Buchweizen - Echter (Fagopyrum esculentum)
Buchweizen – Echter

Buchweizen – Echter (Fagopyrum esculentum)
Essbar/essbare Teile | Der Echte Buchweizen ist eine einjährige, frostempfindliche Nutzpflanze, deren stärkehaltige, dreikantige Früchte seit Jahrhunderten als wertvolles, glutenfreies Pseudogetreide kultiviert werden. Die Pflanze lockt mit ihren zahlreichen weißen bis rosafarbenen Blütenständen enorm viele Bienen an und gilt als hervorragende Trachtpflanze in der späten Sommerzeit. Neben den nahrhaften Samen sind auch die jungen Blätter des Echten Buchweizens essbar, wobei das vor allem in Blüten und Fruchtschalen konzentrierte Fagopyrin bei extremem Verzehr und gleichzeitiger UV-Strahlung phototoxisch wirken kann.

Knöterich - Ampfer (Persicaria lapathifolia)
Knöterich – Ampfer

Knöterich – Ampfer (Persicaria lapathifolia)
Essbar/essbare Teile | Der Ampfer-Knöterich besiedelt als feuchtigkeitsliebende Pionierpflanze bevorzugt schlammige Uferzonen, nasse Gräben und frische Ackerböden. Seine aufrechten bis leicht nickenden, grünlich-weißen bis blassrosafarbenen Scheinähren stehen in deutlichem Kontrast zu den lanzettlichen Laubblättern, die auf der Unterseite oftmals drüsig punktiert sind. Die milden, zarten Blätter des Ampfer-Knöterichs sind essbar und lassen sich vor der Blüte hervorragend als feines Blattgemüse in Wildkräutersalaten verwenden.

Knöterich - Milder (Persicaria dubia)
Knöterich – Milder

Knöterich – Milder (Persicaria dubia)
Essbar/essbare Teile | Der Milde Knöterich wächst oft niederliegend oder aufsteigend an Waldwegen und in nährstoffreichen, wechselfeuchten Habitaten, wobei er aufgrund der variablen Blattfleckung anderen Arten der Gattung Persicaria stark ähneln kann. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die lockerblütigen, schlanken und oftmals leicht nickenden Blütenähren sowie das völlige Fehlen des brennend-scharfen Geschmacks, den der eng verwandte Wasserpfeffer aufweist. Als ungiftige Wildpflanze ist der Milde Knöterich essbar und bietet eine neutrale bis leicht säuerliche Bereicherung für Frühlingsgerichte.

Knöterich - Schlangen (Bistorta officinalis)
Knöterich – Schlangen

Knöterich – Schlangen (Bistorta officinalis)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Der Schlangen-Knöterich, häufig auch Wiesenknöterich genannt, ist eine markante Erscheinung nährstoffreicher, feuchter Bergwiesen, die er im Frühsommer mit seinen rosafarbenen, zylindrischen Scheinähren prägt. Sein dickes, s-förmig gewundenes Rhizom, dem die Pflanze ihren deutschen Namen verdankt, speichert beträchtliche Mengen an Stärke und extrem adstringierenden Gerbstoffen. Während die grundständigen Blätter des Schlangen-Knöterichs problemlos essbar sind, sollte man bei der kulinarischen Nutzung des stärkereichen Rhizoms wegen der hohen Tanninkonzentration stets auf die Menge achten.

Staudenknöterich - Japanischer (Reynoutria japonica)
Staudenknöterich – Japanischer

Staudenknöterich – Japanischer (Reynoutria japonica)
Essbar/essbare Teile | Der Japanische Staudenknöterich ist ein extrem durchsetzungsstarker, aus Ostasien stammender Neophyt, der durch sein massives Rhizomwachstum heimische Vegetation an Flussufern rasant verdrängt. Im Spätsommer schiebt die bis zu drei Meter hohe Staude aus den Blattachseln feine, cremeweiße Blütenrispen aus, die spät fliegenden Insekten als reiche Nektarquelle dienen. Die säuerlichen, hohlen jungen Triebe des Japanischen Staudenknöterichs sind im zeitigen Frühjahr essbar und lassen sich kulinarisch ähnlich wie Rhabarber zu Kompott oder feinem Chutney verarbeiten.

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