Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) bilden eine sehr formenreiche Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Kardenartigen (Dipsacales), die nach aktueller APG-Systematik auch die ehemals eigenständigen Baldrian- und Kardengewächse umfasst. Charakteristisch für diese weltweit verbreitete Gruppe sind die meist gegenständigen Laubblätter sowie die oft zygomorphen, nektarreichen Röhren- oder Trichterblüten.
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Sehr variabel, von ein- und mehrjährigen krautigen Pflanzen (wie Baldrian) bis hin zu verholzenden Sträuchern und Lianen (wie Heckenkirschen).
- Blätter: Überwiegend kreuzgegenständig angeordnet, meist ohne Nebenblätter, von einfacher bis tief gefiederter Blattspreite.
- Blüten & Blütenstand: Meist zwittrige, oft zygomorphe (spiegelgleiche) Blüten mit verwachsener Kronröhre, die in zymösen, trugdoldigen oder köpfchenartigen Blütenständen (z. B. Dipsacoideae) zusammenstehen.
- Früchte: Trockene, meist einsamige Schließfrüchte (Achänen), die teils mit einem flugfähigen Haarkranz (Pappus) ausgestattet sind, oder fleischige Beeren (z. B. Lonicera).
- Wichtige Inhaltsstoffe: Häufig Iridoidglykoside zur Fraßabwehr, Saponine sowie spezifische ätherische Öle und Valepotriate (besonders ausgeprägt in der Unterfamilie der Baldriangewächse).
Verwendung & ökologische Bedeutung
Zahlreiche verholzende Arten wie das Geißblatt (Lonicera) oder die Schneebeere (Symphoricarpos) sind beliebte und robuste Ziergehölze, die im Gartenbau geschätzt werden und durch ihre nektarreichen Blüten essenzielle Nahrungsquellen für Schmetterlinge und Wildbienen darstellen. Medizinisch von herausragender Bedeutung ist der Echte Baldrian (Valeriana officinalis), dessen beruhigende, valepotriathaltige Rhizome weltweit als pflanzliches Sedativum genutzt werden. Ökologisch spielen die hochgewachsenen, distelartigen Blütenstände der Karden (Dipsacus) eine wichtige Rolle, da sie im Sommer unzähligen Insekten Nektar bieten und im Winter als hartnäckige Fruchtstände überdauern, wodurch ihre Samen spezialisierten Vögeln wie dem Stieglitz eine wichtige Überwinterungsnahrung garantieren.
Baum-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Heckenkirsche – Rote (Lonicera xylosteum)
Giftig | Die Rote Heckenkirsche wächst als vergleichsweise standorttoleranter, sommergrüner Strauch in heimischen Laub- und Mischwäldern und zeichnet sich durch weich behaarte Blätter aus. Nach der Blüte im Frühjahr entwickeln sich paarig angeordnete, leuchtend rote Beeren, die giftige Saponine und Alkaloide enthalten und beim Menschen zu Übelkeit führen. Für Vögel sind die Beeren der Roten Heckenkirsche jedoch eine gut verträgliche und begehrte Nahrungsquelle im Spätsommer.
Schneebeere – Gewöhnliche (Symphoricarpos albus)
Giftig | Die aus Nordamerika stammende Gewöhnliche Schneebeere ist ein stadtklimafester, Ausläufer treibender Zierstrauch, der umgangssprachlich oft als Knallerbse bezeichnet wird. Im Spätsommer reifen die auffälligen, schwammig-weißen Beeren heran, die giftige Saponine, Iridoide und Alkaloide enthalten und beim Zerdrücken mit einem hörbaren Knall platzen. Obwohl sie für Menschen giftig ist, dient die Gewöhnliche Schneebeere in der kalten Jahreszeit vielen Vogelarten als wichtiges Winterfutter.
Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)
Essbar/essbare Teile | Die Acker-Witwenblume ist eine ausdauernde krautige Pflanze, deren blauviolette, flache Blütenköpfchen auf mageren Wiesen unzählige Schmetterlinge und Wildbienen anlocken. Entgegen ihrem tristen Namen ist die Acker-Witwenblume ein wertvolles, eiweißreiches Wildgemüse, dessen zarte, junge Rosettenblätter sich hervorragend für Frühlingssalate eignen. Botanisch gehört sie zur Unterfamilie der Kardengewächse, was an den rauen, borstig behaarten Stängeln deutlich erkennbar ist.
Baldrian – Echter (Valeriana officinalis)
Essbar/essbare Teile | Der Echte Baldrian wächst als hochgewachsene, feuchtigkeitsliebende Staude, die im Sommer filigrane, weiß-rosa Trugdolden ausbildet. Seine getrockneten, stark nach Isovaleriansäure riechenden Wurzelstöcke werden seit der Antike als wissenschaftlich anerkanntes Phytotherapeutikum bei innerer Unruhe und Schlafstörungen eingesetzt. In der Wildkräuterküche können die ganz jungen Blätter des Echten Baldrians in kleinen Mengen als würzige, teils streng schmeckende Salatzutat Verwendung finden.
Feldsalat – Gewöhnlicher (Valerianella locusta)
Essbar/essbare Teile | Der Gewöhnliche Feldsalat, regional auch Rapunzel genannt, ist eine einjährige Pflanze, die meist im Herbst keimt und frosthart überwintert. Seine spatelförmigen, vitaminreichen Blätter bilden dichte Rosetten und gehören zu den beliebtesten und mildesten heimischen Wintersalaten. Nach moderner APG-Systematik zählt der Gewöhnliche Feldsalat zur Unterfamilie der Baldriangewächse, was sich spätestens an seinen unscheinbaren, blassblauen bis weißlichen Blüten zeigt.
Karde – Schlitzblatt (Dipsacus laciniatus)
Essbarkeit fragwürdig | Die Schlitzblatt-Karde ist eine imposante, zweijährige Ruderalpflanze, die sich von anderen Karden durch ihre tief gelappten, namensgebenden Stängelblätter unterscheidet. Diese Blätter sind am Grund paarweise miteinander verwachsen und bilden so kleine Wassertrichter (Phytotelmen), in denen sich Regenwasser und ertrunkene Insekten sammeln. Im Hochsommer erblühen die walzenförmigen Blütenstände der Schlitzblatt-Karde ringförmig von der Mitte ausgehend nach oben und unten.
Karde – Wilde (Dipsacus fullonum)
Essbarbarkeit fragwürdig | Die Wilde Karde ist eine markante, zweijährige Pflanze mit stacheligem Stängel und distelartigem Habitus, die jedoch systematisch nicht mit echten Disteln (Asteraceae) verwandt ist. Ihre eiförmigen Blütenköpfe besitzen lange, stachelige Hüllblätter, die bei der verwandten Weber-Karde in der Vergangenheit zum Aufrauen von Wollstoffen genutzt wurden. In der Naturheilkunde findet ein Wurzelauszug der Wilden Karde oft Anwendung bei der begleitenden Therapie von Borreliose, wobei eine klinische Wirksamkeit bisher nicht wissenschaftlich belegt ist (reine Volksheilkunde).
Weitere Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon
Pflanzenfamilien und ihre Merkmale – Übersicht A-Z
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