Quitte – Echte - essbar

Quitte - Echte (Cydonia oblonga)
Quitte - Echte

Quitte (Echte) – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Die Echte Quitte ist eine faszinierende und traditionsreiche Vertreterin der Rosengewächse (Rosaceae), die im Herbst mit ihren leuchtend gelben Früchten einen unvergleichlichen, aromatischen Duft verströmt. Botanisch gesehen bildet sie eine eigene Gattung und vereint in sich Eigenschaften, die an eine Mischung aus Apfel und Birne erinnern. Während sie im erwerbsmäßigen Obstbau Mitteleuropas heute eher eine Nebenrolle spielt, erlebt sie in Hausgärten eine kulinarische Renaissance und bietet zudem im späten Frühjahr Insekten eine späte, aber wertvolle Nektar- und Pollenquelle.

Baum-Steckbrief „Quitte“

  • Botanischer Name: Cydonia oblonga
  • Deutscher Name: Echte Quitte
  • Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Gattung: Quitten (Cydonia)
  • Andere Namen: Gemeine Quitte
  • Lebensdauer: Mehrjährig (durchschnittlich 50 Jahre)
  • Wuchsform: Sommergrüner Strauch oder kleiner Baum
  • Wuchshöhe: 4 bis 8 Meter
  • Wurzelwerk: Flachwurzler (viele feine, oberflächennahe Wurzeln)
  • Blütezeit: Mai bis Juni
  • Blütenstand: Große Einzelblüten (an den Spitzen einjähriger Triebe)
  • Fruchtreife: September bis November
  • Boden/Standort: Anspruchslos, bevorzugt jedoch durchlässige, warme, sandige bis mittelschwere Böden (schwach sauer bis neutral).
  • Hauptinhaltsstoffe: Pektin, Vitamin C, Gerbstoffe (Tannine), organische Säuren, Kalium. In den Samen: Schleimstoffe und cyanogene Glykoside (Amygdalin).
  • Giftigkeit: Das Fruchtfleisch ist für den Menschen ungiftig. Die Samen sind beim Zerkauen schwach giftig.

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Bilder & Fotos „Quitte“

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Bestimmung/Beschreibung des Baumes

Die Quitte wächst meist als vielstämmiger Strauch oder (durch Veredelung) als kleiner, oft etwas sparriger Baum. Im Frühsommer besticht sie durch auffällig große, weiße bis zartrosa Blüten, im Herbst durch die markanten, pelzigen und stark duftenden gelben Früchte.

Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)

  • Rinde/Borke: Junge Zweige sind violett überlaufen und dicht behaart. Bei älteren Bäumen wird die Rinde bräunlich-violett, glatt und löst sich oft in langen Streifen vom Stamm ab.
  • Blätter: Sie stehen wechselständig, sind 5 bis 10 Zentimeter lang und eiförmig bis elliptisch mit glattem Rand. Die Blattoberseite ist stumpfgrün, die Blattunterseite dicht weiß- bis graufilzig behaart.
  • Knospen: Die kleinen Blattknospen sind behaart und werden nur von wenigen Knospenschuppen geschützt.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Die zwittrigen, fünfzähligen Blüten erscheinen relativ spät. Sie stehen einzeln, weisen einen beachtlichen Durchmesser von 4 bis 5 Zentimetern auf und besitzen weiße bis rosafarbene Kronblätter. Der Kelch ist behaart.
  • Früchte: Die großen, duftenden Apfelfrüchte (4 bis 12 cm lang) sind leuchtend gelb und mit einem grauen Flaum überzogen, der sich abwischen lässt. Je nach Sorte sind sie apfelförmig (Apfelquitte) oder birnenförmig (Birnenquitte). An der Spitze sind die laubblattartigen Reste der Kelchblätter deutlich zu erkennen. Das Fruchtfleisch ist extrem hart.

Verwechslungsgefahren:

  • Zierquitte (Chaenomeles spp.): Häufig in Parks und Gärten gepflanzt. Sie wächst jedoch als deutlich kleinerer, meist dorniger Strauch, blüht sehr früh (März/April) in kräftigem Rot, Orange oder Rosa und bildet viel kleinere, sehr harte Früchte (die nach dem Kochen ebenfalls essbar sind).
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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Quittensamen (Cydoniae semen)
  • Inhaltsstoffe: Schleimstoffe (ca. 20 %, überwiegend Pentosane), Amygdalin (bis 1,5 %), fettes Öl, Gerbstoffe im Fruchtfleisch.
  • Monographie-Status: Keine Bearbeitung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC (reine Erfahrungsheilkunde).

Die Quittensamen haben in der traditionellen Volksheilkunde eine langjährige Anwendung zur Reizlinderung bei leichten Schleimhautentzündungen und Hautrissen gefunden.

Sowohl in der anerkannten Phytotherapie als auch in der traditionellen Volksheilkunde wird hierfür vor allem der Quittenschleim genutzt. Dieser wird gewonnen, indem man die intakten (unverletzten!) Samen in Wasser einlegt. Dieser Schleim wird volksmedizinisch äußerlich als reizlinderndes Mittel bei rissiger Haut, aufgesprungenen Lippen, wunden Brustwarzen oder leichten Verbrennungen aufgetragen. Innerlich wird der Schleim in der Erfahrungsheilkunde als mildes Abführmittel und zur Linderung von trockenem Hustenreiz beschrieben. Der gerbstoffreiche Saft der ganzen Frucht wird zudem traditionell bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei unspezifischen Darmstörungen getrunken.

⚠️ Sicherheit & Gegenanzeigen:
  • Blausäure-Gefahr: Die Quittensamen enthalten das cyanogene Glykosid Amygdalin. Werden die Samen zerkaut, gemörsert oder geschrotet, spaltet sich im Körper giftige Blausäure ab. Für den volksmedizinischen Quittenschleim dürfen die Samen daher niemals zerkleinert, sondern nur im Ganzen in Wasser eingeweicht werden!

Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Gehölze (Bäume und Sträucher) nehmen in der Phytotherapie und Homöopathie seit jeher einen bedeutenden Stellenwert ein. Sie enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Linderung verschiedenster Beschwerden beitragen können. Die Informationen auf diesen Seiten bieten dir einen fundierten Überblick über die botanischen Merkmale und traditionellen Anwendungen. Sie stellen jedoch keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Heilkraft von Pflanzen empfiehlt sich ein Blick in die einschlägige Fachliteratur. Ein bewährtes Standardwerk ist beispielsweise „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt darin detailliert die Anwendungsmöglichkeiten in der Schulmedizin, Phytotherapie und Volksheilkunde sowie die Nutzung innerhalb der Homöopathie.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Die in Mitteleuropa kultivierten Quittensorten sind roh extrem hart, holzig, adstringierend (zusammenziehend) und bitter. Sie entfalten ihr grandioses, süß-säuerliches und hocharomatisches Potenzial erst durch das Kochen.

  • Früchte (Oktober bis November): Aus gekochten und passierten Früchten lassen sich exzellente Gelees (Quittenkäs), Marmeladen, Mus, Säfte, Liköre oder Obstweine herstellen. In Kombination mit Äpfeln bereichern sie herbstliche Kuchen. Eine traditionelle Spezialität ist das „Quittenbrot“: eingedicktes Quittenmus, das auf Blechen getrocknet, in Rauten geschnitten und in Zucker gewendet wird.
  • Blüten (Mai): Die großen, dekorativen Blüten können als essbare Dekoration verwendet, sparsam kandiert oder für einen milden Blütentee überbrüht werden.
⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis zur Zubereitung:

Der graue Flaum (Pelz) auf der Schale der Quitte enthält extrem viele Bitterstoffe und unangenehme ätherische Öle. Dieser Flaum muss vor jeglicher Verarbeitung zwingend mit einem groben Küchentuch oder einer Bürste vollständig abgerieben werden. Zudem sollten die Kerngehäuse vor dem Pürieren oder Mixen komplett entfernt werden, um ein Freisetzen der Blausäure aus den Samen zu verhindern (beim bloßen Kochen im Ganzen verflüchtigt sich das Gift bei offenem Topf, dennoch ist das Entfernen der Kerne sicherer).

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die heimische Flora bietet faszinierende Möglichkeiten für eine naturnahe Ernährung. Auf diesen Seiten erfährst du alles Wissenswerte über die Bestimmung und Nutzung der wichtigsten Bäume und Sträucher. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Pflanzenteile, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da der Fokus dieses Lexikons auf der botanischen Fachkunde liegt, findest du hier keine detaillierten Rezepte. Zur kulinarischen Umsetzung empfehle ich dir stattdessen diese spezialisierten Bücher über die Wildkräuter-Küche.

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Eigenschaften & Verwendung des Holzes

Holzeigenschaften: Das Holz der Quitte ist zerstreut- und feinporig, schwer, sehr hart und dicht. Optisch ähnelt es dem Apfelbaumholz und entwickelt durch Dämpfen einen warmen, rötlichen Farbton. Ein erheblicher handwerklicher Nachteil ist, dass das Holz beim Trocknen enorm schwindet, sich wirft, reißt und oft sehr drehwüchsig oder spannrückig wächst.

  • Nutzung & Handwerk: Da die Quitte als Baum relativ klein bleibt und dicke Stämme extrem selten sind, hat das Holz keine industrielle Bedeutung. Aufgrund seiner Härte und Polierbarkeit wird es jedoch punktuell im feinen Kunstgewerbe für kleine Schnitzereien, Intarsien, in der Drechslerei oder im Modellbau (als Furnier) geschätzt.

Geschichtliches zu diesem Baum

Der flauschige Schutzmantel

Der dichte graue Filz auf den Blättern und vor allem auf den unreifen Früchten erfüllt in der Natur einen wichtigen biologischen Zweck. Er dient dem Baum als natürlicher Verdunstungsschutz in heißen, trockenen Phasen und schützt die junge Fruchthaut vor intensiver UV-Strahlung und vor dem Eindringen von Schädlingen. Erst im Laufe des Herbstes, wenn die Sonneneinstrahlung nachlässt und die Quitte voll ausreift, wird dieser Filz lockerer und lässt sich leicht abwischen.

Der „Liebesapfel“ der Antike

Die Quitte blickt auf eine über 4000 Jahre alte Kulturgeschichte zurück. Ursprünglich im Kaukasus beheimatet, fand sie schnell ihren Weg in die Gärten der Antike. Bei den alten Griechen war die Frucht der Liebesgöttin Aphrodite geweiht. Die goldgelbe Farbe, die vielen Samen im Inneren und der intensive, betörende Duft machten die Quitte zu einem starken Symbol für Liebe, Glück, Fruchtbarkeit und Beständigkeit. Nach historischer Überlieferung warfen Bräute in Athen Quittenfrüchte in den Brautwagen, um eine fruchtbare und glückliche Ehe zu symbolisieren.

Das Pektin-Wunder

Dass sich Quitten so hervorragend zu Gelee (in Österreich und Bayern oft „Quittenkäs“ genannt) verarbeiten lassen, liegt an ihrem extrem hohen Pektin-Gehalt. Pektin ist ein natürliches Geliermittel, das beim Kochen mit Zucker und Säure ein festes Gerüst bildet. Die Quitte geliert so stark, dass bei ihrer Verarbeitung oft auf zusätzliche, künstliche Geliermittel verzichtet werden kann. Sogar das Wort „Marmelade“ hat hier seinen linguistischen Ursprung: Das portugiesische Wort für Quitte lautet „marmelo“, und das daraus gekochte Mus war das ursprüngliche „marmelada“.

Videobeitrag zu „Quitte“

Quitte (Cydonia oblonga)

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Quellen und weitere Informationen

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