Lampionblume – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Lampionblume ist mit ihren auffälligen, leuchtend orange-roten Blütenkelchen eine der bekanntesten Zierpflanzen in unseren herbstlichen Gärten. Als einzige in Europa heimische (bzw. früh eingebürgerte) Vertreterin der Gattung der Blasenkirschen ist sie botanisch faszinierend, erfordert aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Nachtschattengewächsen jedoch einen respektvollen und informierten Umgang, wenn es um die kulinarische Nutzung geht.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Lampionblume“
- Botanischer Name: Physalis alkekengi
- Deutscher Name: Lampionblume
- Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
- Gattung: Blasenkirschen (Physalis)
- Andere Namen: Wilde Blasenkirsche, Judenkirsche, Gemeine Schlutte
- Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: Krautige Pflanze
- Wuchshöhe: 40 bis 80 cm (Kulturformen teils bis 100 cm)
- Wurzelwerk: Weit kriechendes, stark ausbreitendes Rhizom
- Blütezeit: Juni bis August
- Blütenstand: Einzelne, nickende Blüten in den Blattachseln
- Fruchtreife: September bis Oktober
- Boden/Standort: Lockere, kalkhaltige Böden; lichte Auwälder, Weinberge, Schutthalden und sehr häufig als Gartenflüchtling
- Hauptinhaltsstoffe: Carotinoide (Physalien), Vitamin C, organische Säuren (Zitronen-, Apfelsäure), schwache Steroidalkaloide in grünen Teilen
- Giftigkeit: Alle grünen Pflanzenteile sowie unreife Beeren sind giftig. Die vollreife Beere ist für den Menschen essbar (aber teils individuell unverträglich).
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Im Frühjahr und Sommer ist die Lampionblume eher unscheinbar. Erst im Herbst, wenn sich die charakteristischen Fruchthüllen intensiv verfärben, wird die Pflanze zum unübersehbaren Blickfang.
Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)
- Stängel: Der Stängel wächst meist aufrecht, ist stumpfkantig, wenig verzweigt und oft flaumig behaart. An der Basis kann er leicht verholzen.
- Blätter: Die Laubblätter stehen oft paarweise genähert am Stängel. Sie sind schmal- bis breit-eiförmig, laufen spitz zu und besitzen meist eine asymmetrische Basis.
- Blattrand: Der Rand ist glatt, grob gezähnt oder manchmal unregelmäßig gelappt. Die Blätter sind leicht weichhaarig.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüten: Die einzeln stehenden, radiärsymmetrischen Blüten hängen an gebogenen Stielen nach unten (nickend). Die fünf Kronblätter sind glocken- bis radförmig verwachsen, weiß gefärbt und weisen oft ein gelbliches oder grünliches Zentrum auf.
- Der Lampion (Fruchthülle): Nach der Blüte wachsen die fünf Kelchblätter stark heran, schließen sich lückenlos zusammen und bilden den namensgebenden, laternenartigen Hohlraum. Zur Fruchtreife färbt sich diese papierartige Hülle leuchtend orange bis scharlachrot.
- Beere & Samen: Im Inneren des Lampions reift eine glänzende, 1 bis 1,5 cm große, orange-rote Beere heran, die zahlreiche kleine, linsenförmige Samen enthält.
Verwechslungsgefahren:
- Kapstachelbeere / Andenbeere (Physalis peruviana): Dies ist die bekannte Supermarkt-Frucht. Die Pflanze sieht sehr ähnlich aus, wächst aber meist höher, ist frostempfindlich (wird bei uns meist einjährig kultiviert) und ihr reifer „Lampion“ ist unscheinbar blassgelb bis hellbraun, niemals leuchtend rot.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Historisch Blasenkirschenfrüchte (Alkekengi fructus)
- Inhaltsstoffe: Carotinoide, Vitamin C, Bitterstoffe
- Monographie-Status: Keine (weder HMPC noch Kommission E)
Die Lampionblume besitzt in der evidenzbasierten Phytotherapie keine gesicherte medizinische Anwendung und es existieren keine positiven Monographien für ihre Wirksamkeit. In der historischen europäischen Volksheilkunde und der traditionellen Unani-Medizin wurden die reifen Beeren aufgrund ihres Vitamin-C-Gehalts und der organischen Säuren als harntreibendes Mittel bei Harnwegsinfekten, Gicht und Nierensteinen eingesetzt. Die Homöopathie nutzt Aufbereitungen der Pflanze („Physalis alkekengi“) unter anderem bei Nierenleiden. Zur Selbstmedikation ist die Pflanze heute jedoch nicht empfohlen.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die vollreifen Beeren im Inneren des Lampions schmecken säuerlich-erfrischend mit einer mehr oder weniger ausgeprägten, leicht bitteren Note.
- Reife Früchte (Herbst): Ausschließlich die vollreifen, intensiv gefärbten Beeren können roh genascht werden. In der feinen Küche nutzt man sie – oft zur Hälfte in Schokolade oder Zuckerguss getaucht – als essbare und sehr dekorative Zierde auf Desserts. Sie lassen sich auch zu Marmelade verkochen oder in Alkohol für Liköre einlegen.
Die Lampionblume ist ein Nachtschattengewächs. Alle grünen Pflanzenteile (Blätter, Stängel, Wurzeln) sowie unreife Früchte sind giftig! Sie enthalten schädliche Alkaloide, die bei Verzehr zu Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darm-Krämpfen führen können. Es dürfen ausnahmslos nur die tiefroten, vollkommen durchgereiften Beeren aus dem Inneren der vertrockneten Lampions gegessen werden. Auch bei vollreifen Beeren können empfindliche Personen bei größeren Verzehrmengen mit Magenreizungen reagieren – herantasten ist hier geboten.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Der Lampion: Ein geniales botanisches Schutzschild
Der leuchtende Ballon, der die Lampionblume so beliebt macht, ist botanisch gesehen keine Frucht, sondern der stark vergrößerte Kelch (Calyx) der Blüte. Nachdem die Bestäubung stattgefunden hat, hüllt dieser Kelch die heranwachsende Beere vollständig ein. Dieser Trick dient einem doppelten Zweck: Er schützt die reifende, weiche Beere vor Fressfeinden und Witterung. Wenn die Frucht im Winter abfällt, verrottet das zarte orangefarbene Gewebe des Lampions mit der Zeit. Übrig bleibt oft nur noch das zähe, feine Adernetz – ein wunderschönes, filigranes „Blattskelett“, in dessen Mitte die schützende Beere liegt, bereit, ihre Samen im Frühjahr keimen zu lassen.
Invasive Tendenzen im Garten
Wer die Lampionblume wegen ihrer dekorativen Herbstzweige in den eigenen Garten pflanzt, sollte ihre Wuchskraft nicht unterschätzen. Was oberirdisch nach einer kompakten, kleinen Staude aussieht, breitet sich unterirdisch über dicke, weiße Rhizome (Kriechsprosse) rasend schnell aus. Die Pflanze kann in wenigen Jahren beträchtliche Flächen überwuchern und ist schwer wieder einzudämmen, da aus jedem im Boden verbliebenen Wurzelstück eine neue Pflanze austreiben kann. Daher wird sie von Gärtnern oft in Wurzelsperren (Kübeln) kultiviert.
Bedeutung in der Floristik
Die papierartigen, intensiv leuchtenden Fruchthüllen behalten ihre Farbe auch im getrockneten Zustand über viele Monate hinweg. Das macht die Lampionblume zu einer der gefragtesten Schnittblumen für herbstliche Trockensträuße und Gestecke. Werden die Stängel geschnitten, wenn die Lampions gerade ihre volle rote Farbe erreicht haben, und kopfüber an einem dunklen, luftigen Ort getrocknet, konservieren sie den Hauch des Spätsommers bis weit in den Winter hinein.
Videobeitrag zu „Lampionblume“
Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für die Lampionblume. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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