Johanniskraut – Echtes - schwach giftig

Johanniskraut - Echtes (Hypericum perforatum)
Johanniskraut - Echtes

Echtes Johanniskraut – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Das Echte Johanniskraut ist eine der faszinierendsten und medizinisch bedeutendsten heimischen Wildpflanzen. Mit seinen leuchtend gelben Blüten, die beim Zerreiben einen blutroten Saft absondern, hat es die Menschen seit der Antike geprägt. Als ausdauernde Pionierpflanze besiedelt es karge, sonnige Standorte und Brachflächen. In der modernen Phytotherapie ist es ein unverzichtbares, evidenzbasiertes Mittel gegen Depressionen, fordert jedoch aufgrund seiner massiven Wechselwirkungen mit Medikamenten einen äußerst bewussten und respektvollen Umgang.

Wildpflanzen-Steckbrief „Echtes Johanniskraut“

  • Botanischer Name: Hypericum perforatum
  • Deutscher Name: Echtes Johanniskraut
  • Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
  • Gattung: Johanniskräuter (Hypericum)
  • Andere Namen: Tüpfel-Johanniskraut, Durchlöchertes Johanniskraut, Hartheu, Herrgottsblut, Johannisblut
  • Lebensdauer: Mehrjährig (ausdauernd)
  • Wuchsform: Krautig, aufrecht, im oberen Bereich buschig verzweigt
  • Wuchshöhe: 15 bis 100 cm
  • Wurzelwerk: Spindelförmige, bis zu 50 cm tief reichende Pfahlwurzel mit stark verzweigten Kriechsprossen
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Blütenstand: Trugdoldig, reichblütig
  • Fruchtreife: August bis Oktober
  • Boden/Standort: Magerwiesen, Waldränder, Böschungen, Gebüschsäume, Bahnschotter; bevorzugt trockene bis mäßig frische, sonnige Standorte
  • Hauptinhaltsstoffe: Flavonoide, Hypericin (roter Farbstoff), Hyperforin, ätherisches Öl, Gerbstoffe
  • Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig, besitzt jedoch stark pharmakologische Wirkungen (Fotosensibilisierung, Wirkungsverlust von Medikamenten). Für hellhäutige Weidetiere giftig.
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Bilder & Fotos „Echtes Johanniskraut“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Das Echte Johanniskraut ist eine aufrecht wachsende, im Hochsommer leuchtend gelb blühende Pflanze, die sich durch zwei ganz spezifische Merkmale an Blättern und Stängel zweifelsfrei von ihren Verwandten unterscheiden lässt.

Vegetative Merkmale (Stängel & Blätter)

  • Stängel: Der aufrechte Stängel ist zweikantig (er besitzt zwei deutlich erhabene Längslinien) und im Inneren markig gefüllt (nicht hohl).
  • Blätter: Die gegenständigen, sitzenden Blätter sind oval bis länglich. Hält man sie gegen das Licht, wirken sie wie von winzigen Nadelstichen durchlöchert (daher der Name perforatum). Der Blattrand ist zudem mit winzigen schwarzen Drüsen besetzt.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Die goldgelben Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die asymmetrischen, an einer Seite gezähnten Kronblätter erzeugen eine an ein Windrad erinnernde Optik. Zerreibt man die Blüten oder Knospen zwischen den Fingern, tritt ein blutroter Saft (Hypericin) aus, der die Haut intensiv violettrot färbt.
  • Staubblätter: Die Blüten besitzen sehr viele (50 bis 100) Staubblätter, die in drei auffälligen Büscheln angeordnet sind.
  • Frucht: Eine schmal-eiförmige, geriefte Spaltkapsel, die winzige, länglich-gebogene Samen entlässt.

Verwechslungsgefahren:

  • Geflecktes Johanniskraut (Hypericum maculatum): Hat einen vierkantigen und innen hohlen Stängel. Die Blätter weisen keine (oder nur sehr wenige) durchscheinenden Punkte auf.
  • Behaartes Johanniskraut (Hypericum hirsutum): Der Stängel ist rund und deutlich flaumig behaart.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Hyperici herba (Johanniskraut)
  • Inhaltsstoffe: Hypericin, Pseudohypericin, Hyperforin, Flavonoide (Rutin, Hyperosid), Gerbstoffe
  • Monographie-Status: Positiv bewertet (HMPC, Kommission E, ESCOP).

Das Echte Johanniskraut ist eines der bestuntersuchten pflanzlichen Antidepressiva. Die evidenzbasierte Medizin nutzt standardisierte Extrakte (meist in Kapselform) zur Behandlung von leichten bis mittelschweren depressiven Episoden sowie bei psychovegetativen Störungen und nervöser Unruhe. Äußerlich wird das traditionelle Johanniskrautöl („Rotöl“ – ein Mazerat der Blüten in nativem Öl) laut Kommission E zur Behandlung und Nachsorge von scharfen und stumpfen Verletzungen, Myalgien (Muskelschmerzen) sowie leichten Verbrennungen ersten Grades anerkannt.

In der Volksheilkunde wird das Rotöl breitflächig als Einreibung bei Hexenschuss, Rheuma, Gicht und Gürtelrose sowie zur Narbenpflege eingesetzt. Tees und Ansatzschnäpse werden volksmedizinisch bei Menstruationsbeschwerden oder Einschlafstörungen gereicht.

⚠️ Sicherheit & Gegenanzeigen:
  • Gefährliche Wechselwirkungen: Johanniskraut (insbesondere Hyperforin) aktiviert Enzyme in der Leber (v. a. CYP3A4). Dadurch werden viele lebenswichtige Medikamente beschleunigt abgebaut und verlieren ihre Wirkung! Dazu gehören Immunsuppressiva, Blutverdünner (Marcumar), Herzmedikamente, HIV-Therapeutika und die Antibabypille.
  • Fotosensibilisierung: Das Hypericin lagert sich in der Haut an und erhöht die Lichtempfindlichkeit. Bei Einnahme oder großflächiger äußerlicher Anwendung von Rotöl ist intensive Sonnenbestrahlung zu meiden (Gefahr schwerer sonnenbrandähnlicher Reaktionen).
  • Schwangerschaft & Kinder: Darf in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren mangels ausreichender Daten und wegen der starken pharmakologischen Effekte nicht angewendet werden.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Der Geschmack der vegetativen Pflanzenteile ist herb-aromatisch, leicht harzig und erinnert entfernt an Schwarztee, weshalb die Pflanze in der Wildkräuterküche primär als Würzmittel und nicht als Sattmacher dient. Die Blüten sind zart süßlich.

  • Blätter und Triebspitzen (März bis Mai): Sehr junge Blättchen können in minimalen Mengen fein gehackt als Würze in Kräuteraufstrichen, Eintöpfen oder Wildkräutersalaten verwendet werden.
  • Tee & Spirituosen (April bis Juni): Getrocknete Blätter dienen als Haus-Tee, frische Triebe aromatisieren Bitterliköre, Kräuterweine oder Schnaps.
  • Blüten (Juni bis August): Beliebt als leuchtend gelbe, essbare Streudekoration. Sie färben eingelegt in Essig, Öl oder Alkohol die Flüssigkeit durch das Hypericin tiefrot.
⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Wer regelmäßig (verschreibungspflichtige) Medikamente einnimmt, muss auf den kulinarischen Verzehr von Johanniskraut (auch als Zutat in Grünen Smoothies oder als Teekur) zwingend verzichten, um gefährliche Wirkungsverluste der eigenen Arznei zu vermeiden. Für gesunde Menschen ohne Medikamenteneinnahme ist die gelegentliche kulinarische Nutzung in haushaltsüblichen Mengen unbedenklich.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.

Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Das Geheimnis der „durchlöcherten“ Blätter

Hält man ein Johanniskrautblatt gegen die Sonne, sieht es aus, als hätte jemand mit einer feinen Nadel Dutzende kleiner Löcher in das Gewebe gestochen. Dies trug der Pflanze den lateinischen Artnamen perforatum (durchlöchert) ein. Botanisch betrachtet handelt es sich dabei jedoch nicht um Löcher, sondern um winzige, kugelige Öldrüsen (Schizogene Exkretbehälter). Diese Hohlräume im Gewebe sind mit hellen, stark lichtbrechenden ätherischen Ölen gefüllt, die das Licht durchlassen und die Flecken dadurch völlig transparent wirken lassen.

Johanniblut: Legende und Etymologie

Die Pflanze ist eng mit dem christlichen Glauben und dem Hochsommer verwoben. Ihr Name leitet sich vom Johannistag (24. Juni) ab, dem Tag, an dem sie in der Regel in voller Blüte steht und traditionell geerntet wird. Eine alte Legende besagt, dass der rote Saft, der beim Zerdrücken der Blüten austritt, das Blut von Johannes dem Täufer sei, der enthauptet wurde. Eine andere Überlieferung nennt die Pflanze „Herrgottsblut“, da sie angeblich unter dem Kreuz Christi wuchs und dessen Blutstropfen auffing. Chemisch gesehen ist das „Blut“ der intensiv rot färbende Inhaltsstoff Hypericin.

Ökologische Schattenseite: Die Lichtkrankheit der Weidetiere

Was für den Menschen ein Segen in der Pflanzenheilkunde ist, kann für Tiere gefährlich werden. In der Landwirtschaft gilt das Echte Johanniskraut als gefürchtetes Weideunkraut. Fressen Weidetiere (insbesondere Pferde, Schafe und Rinder) größere Mengen der Pflanze, nehmen sie massiv Hypericin auf. Bei Tieren mit unpigmentierter, heller Haut und dünnem Fell (wie z. B. weißen Pferden) führt die UV-Strahlung der Sonne in Kombination mit dem Hypericin zu schweren phototoxischen Reaktionen. Diese Erkrankung wird in der Tiermedizin als „Hyperizismus“ bezeichnet und äußert sich in schweren Hautentzündungen, Schwellungen am Kopf und im schlimmsten Fall durch einen tödlichen Schock.

Videobeitrag zu „Echtes Johanniskraut“

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für das Echte Johanniskraut. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.

Quellen und weitere Informationen

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