Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Nelkengewächse (Caryophyllaceae) bilden eine artenreiche und weltweit, vorwiegend aber auf der nördlichen Hemisphäre, verbreitete Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). Charakteristisch für diese Familie sind die oft knotig verdickten Stängel mit kreuzgegenständigen Blättern sowie die meist radiärsymmetrischen Blüten, aus denen hervorgehend Kapselfrüchte oder seltener einsamige Schließfrüchte dominieren. Neben beliebten Zierpflanzen umfasst die Familie zahlreiche essbare Wildkräuter sowie Arten, die durch ihren hohen Gehalt an Saponinen medizinisch und seifentechnisch von großer Bedeutung sind.
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Meist ein- bis mehrjährige krautige Pflanzen oder Stauden, deren Stängel an den Blattansätzen (Nodien) oftmals auffällig knotig verdickt sind.
- Blätter: Stets ungeteilt, ganzrandig und fast immer kreuzgegenständig am Stängel angeordnet, wobei Nebenblätter bei den heimischen Arten in der Regel fehlen.
- Blüten & Blütenstand: Typischerweise in gabeligen Trugdolden (Dichasien) angeordnete, meist zwittrige Blüten mit oft fünf (oft tief zweispaltigen) Kronblättern und einer doppelten Blütenhülle.
- Früchte: Zumeist oberständige Fruchtknoten mit Zentralplazenta, die sich zu charakteristischen, mit Zähnen oder Klappen aufspringenden Kapselfrüchten entwickeln; seltener Beeren oder einsamige Schließfrüchte.
- Wichtige Inhaltsstoffe: Viele Arten weisen einen beachtlichen Gehalt an Saponinen (Seifenstoffen) auf, die einen natürlichen Fraßschutz bieten und sich beim Schütteln in Wasser stark schäumen.
Verwendung & ökologische Bedeutung
Die Nelkengewächse haben durch die jahrhundertelange Züchtung unzähliger Arten zu Schnittblumen und Gartenstauden eine immense wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Ökologisch bieten die röhrenförmigen Blüten mit ihrem tiefliegenden Nektar vor allem langrüsseligen Schmetterlingen (Tag- und Nachtfaltern) eine essenzielle Nahrungsquelle. Für den Menschen sind viele Wildarten dieser Familie, wie etwa die Vogelmiere, als wertvolle, mineralstoffreiche und milde Salatkräuter nutzbar. Andere, stark saponinhaltige Arten wie das Seifenkraut werden seit der Antike als umweltschonendes, pflanzliches Waschmittel und in der Volksmedizin als schleimlösendes Mittel bei Atemwegserkrankungen geschätzt.
Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi)
Essbar/essbare Teile | Die Kuckucks-Lichtnelke ist eine feuchtigkeitsliebende, krautige Wiesenpflanze, die durch ihre tief rosa gefärbten, vierfach zerschlitzten Kronblätter unverkennbar ist. Sie blüht zeitgleich mit dem ersten Ruf des Kuckucks im späten Frühjahr und lockt mit ihrem Nektar vor allem Tagfalter an. Junge, noch nicht blühende Triebe der Kuckucks-Lichtnelke können in kleinen Mengen als würzige Zutat in Frühlingssalaten verzehrt werden.
Lichtnelke – Rote (Silene dioica)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Die Rote Lichtnelke ist eine zweihäusige, mehrjährige Waldrandpflanze, die durch ihre leuchtend karminroten Blüten und den weich behaarten Stängel auffällt. Während ihre nektarreichen Blüten ökologisch wichtig für Tagfalter und Hummeln sind, wurden die saponinhaltigen Wurzeln früher als Seifenersatz genutzt. Die jungen Blätter der Roten Lichtnelke sind gekocht essbar (Kochwasser verwerfen), sollten jedoch wegen des Saponingehalts stets nur in moderaten Mengen verzehrt werden.
Lichtnelke – Weiße (Silene latifolia)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Die Weiße Lichtnelke ist eine weit verbreitete Pionierpflanze, die ab den Abendstunden ihre strahlend weißen Blüten öffnet und einen leichten Duft verströmt. Mit dieser Strategie zieht sie gezielt nachtaktive Schwärmer und Falter zur Bestäubung an. Wie bei ihrer roten Verwandten sind die jungen Triebe der Weißen Lichtnelke zwar essbar, ihr Verzehr sollte aber wegen der enthaltenen Seifenstoffe begrenzt bleiben.
Seifenkraut – Gewöhnliches (Saponaria officinalis)
Schwach giftig | Das Gewöhnliche Seifenkraut ist eine ausdauernde, weiß bis blassrosa blühende Uferpflanze, die kräftige, tief reichende unterirdische Rhizome bildet. Wie der Name verrät, enthalten vor allem die Wurzeln hohe Konzentrationen an Saponinen, weshalb die Pflanze seit der Antike zum Waschen empfindlicher Stoffe genutzt wird. Innerlich angewendet wirkt das Gewöhnliche Seifenkraut zwar schleimlösend, kann jedoch aufgrund des Saponingehalts bei Überdosierung toxisch wirken und verursacht Magenreizungen.
Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris)
Essbar/essbare Teile | Das Taubenkropf-Leimkraut zeichnet sich optisch durch seinen stark aufgeblasenen, netznervigen Blütenkelch aus, der an den Kropf einer Taube erinnert. Als tiefwurzelnde Pflanze gedeiht es bestens auf trockenen Magerwiesen und bietet Nachtfaltern in der Dämmerung eine ergiebige Nektarquelle. Kulinarisch sind die jungen, knackigen Triebe des Taubenkropf-Leimkrauts eine hervorragende, an Erbsen erinnernde Delikatesse in der Wildkräuterküche.
Vogelmiere – Gewöhnliche (Stellaria media)
Essbar/essbare Teile | Die Gewöhnliche Vogelmiere ist ein polsterbildendes, beinahe ganzjährig blühendes Wildkraut, das durch eine feine Haarlinie am Stängel Regenwasser direkt zu den Wurzeln leiten kann. Wegen ihres extrem schnellen Wachstums und des milden Geschmacks ist sie eine der ergiebigsten und beliebtesten Salatpflanzen der heimischen Flora. Zudem kann die Gewöhnliche Vogelmiere hohe Gehalte an Vitamin C, Eisen und Kalium haben, was sie zu einer hochgeschätzten Nährstoffquelle macht.
Wasserdarm (Stellaria aquatica)
Essbar/essbare Teile | Der Wasserdarm, oft auch Wassermiere genannt, ist eine weiche, niederliegend bis aufsteigend wachsende Pflanze, die bevorzugt an feuchten Ufern und in Auwäldern gedeiht. Er bildet im oberen Bereich drüsig behaarte Stängel und zartweiße, bis zum Grund tief zweispaltige Kronblätter aus. Die saftigen, mild schmeckenden Blätter und Triebspitzen des Wasserdarms eignen sich hervorragend als feine Grundlage für Wildkräutersalate oder als schonend gegartes Gemüse.
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