Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Malvengewächse (Malvaceae)
Malvengewächse

Malvengewächse (Malvaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Malvengewächse (Malvaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Malvengewächse (Malvaceae) bilden eine weltweit verbreitete, artenreiche Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Malvenartigen (Malvales). Sie zeichnen sich morphologisch oft durch sternhaarige Blätter und physiologisch durch einen sehr hohen Gehalt an pflanzlichen Schleimstoffen aus. Zu dieser wirtschaftlich enorm wichtigen Familie gehören sowohl heimische Wildkräuter als auch globale Nutzpflanzen wie Baumwolle, Kakaobaum und Eibisch.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Sehr variabel; von ein- bis mehrjährigen krautigen Pflanzen über Sträucher bis hin zu massiven Bäumen, wobei verholzende Arten oft eine stark faserige Borke aufweisen.
  • Blätter: Meist wechselständig, gestielt, oft handförmig gelappt bis geteilt, typischerweise mit Sternhaaren besetzt und mit fast immer vorhandenen Nebenblättern ausgestattet.
  • Blüten & Blütenstand: Zumeist radiärsymmetrische, zwittrige und fünfzählige Blüten mit doppeltem Perianth und einer charakteristischen Staubblattröhre (Staubfadenröhre), welche den Stempel umschließt, deren Kronblätter sich oft gedreht (contort) überlappen und bei denen häufig ein Nebenkelch (Epicalyx) ausgebildet ist.
  • Früchte: Häufig charakteristische Spaltfrüchte (die in nussartige Teilfrüchte zerfallen) oder lokulizide Kapselfrüchte, deren Samen oft auffällig behaart sind.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Reichhaltige Vorkommen von pflanzlichen Schleimstoffen (Polysacchariden) in spezialisierten Schleimzellen, zudem fette Öle in den Samen und mitunter sekundäre Pflanzenstoffe wie Anthocyane in den Blüten.

Verwendung & ökologische Bedeutung

Die Malvengewächse haben eine immense globale Bedeutung sowohl als Faserpflanzen (Baumwolle, Kenaf) als auch als wertvolle Nahrungs- und Genussmittel (Kakaobaum, Okra, Durian). Ökologisch dienen die oft großen, nektar- und pollenreichen Blüten vieler heimischer und exotischer Arten als essenzielle Nahrungsquelle für eine Vielzahl von spezialisierten und generalistischen Bestäuberinsekten, darunter Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge. In der Pflanzenheilkunde werden vor allem heimische Vertreter aufgrund ihres hohen Gehalts an lindernden Schleimstoffen traditionell zur Behandlung von Entzündungen der Atemwege und der Magen-Darm-Schleimhäute eingesetzt.

Baum-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Linde - Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
Linde – Sommerlinde

Linde – Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
Essbar/essbare Teile | Die Sommerlinde ist ein imposanter, sommergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen von meist 25 bis 35 Meter (unter Idealbedingungen bis 40 Meter) erreicht und eine hochgewölbte Krone ausbildet. Charakteristisch sind die herzförmigen, unterseits auf den Blattadern weißlich und meist auf der gesamten Blattunterseite weich behaarten Blätter und die in hängenden Trugdolden angeordneten, stark duftenden Blüten. Die nektarreichen Blüten der Sommerlinde dienen als essenzielle Bienenweide, während die getrockneten Blütenstände traditionell aufgrund ihrer Schleimstoffe als reizlindernder und begleitend als schweißtreibender Tee genutzt werden.

Linde - Winterlinde (Tilia cordata)
Linde – Winterlinde

Linde – Winterlinde (Tilia cordata)
Essbar/essbare Teile | Die Winterlinde ist ein langlebiger Laubbaum mit einer unregelmäßigen, hochgewölbten Krone, der Wuchshöhen von bis zu 40 Metern erreichen kann. Im Gegensatz zur Sommerlinde sind ihre herzförmigen Blätter kleiner und weisen auf der Unterseite in den Nervenachseln Bärtchen aus Haaren (Domatien), die sich im Sommer meist rostbraun verfärben, auf. Die späte Blütezeit der Winterlinde im Hochsommer macht sie zu einer der wichtigsten späten Nektarquellen für heimische Insekten.

Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Eibisch - Echter (Althaea officinalis)
Eibisch – Echter

Eibisch – Echter (Althaea officinalis)
Essbar/essbare Teile | Der Echte Eibisch wächst als aufrechte, ausdauernde krautige Pflanze, die dicht mit filzigen Sternhaaren bedeckt ist und Höhen von bis zu 150 Zentimetern erreicht. Seine blassrosa bis weißen Blüten erscheinen von Juli bis August aus den Blattachseln der samtig behaarten, handförmig gelappten Laubblätter. Aufgrund des extrem hohen Schleimstoffgehalts in Wurzeln und Blättern ist der Echte Eibisch eine seit der Antike hochgeschätzte Heilpflanze zur Reizlinderung.

Malve - Moschus-Malve (Malva moschata)
Malve – Moschus-Malve

Malve – Moschus-Malve (Malva moschata)
Essbar/essbare Teile | Die Moschus-Malve ist eine buschig wachsende, mehrjährige Staude, die auffällig große, zartrosa bis weiße Blüten hervorbringt. Ihr Name rührt von dem leichten Moschusduft her, den besonders die stark zerschlitzten, fiederspaltigen Stängelblätter bei Berührung verströmen. Ökologisch ist die Moschus-Malve eine wertvolle Pollen- und Nektarquelle für spezialisierte Wildbienenarten und zahlreiche Schmetterlinge.

Malve - Rosen-Malve (Malva alcea)
Malve – Rosen-Malve

Malve – Rosen-Malve (Malva alcea)
Essbar/essbare Teile | Die Rosen-Malve präsentiert sich als ausdauernde, bis zu 125 Zentimeter hochwachsende Krautpflanze mit leuchtend rosafarbenen, tief gekerbten Kronblättern. Im Gegensatz zur ähnlichen Moschus-Malve sind ihre Blütenstiele mit Sternhaaren statt mit einfachen Haaren besetzt, und ihr fehlt der typische Moschusgeruch. In naturnahen Gärten und auf Ruderalfluren ist die Rosen-Malve ein robuster Dauerblüher und ein wichtiger Anziehungspunkt für nektarsuchende Insekten.

Malve - Weg-Malve (Malva neglecta)
Malve – Weg-Malve

Malve – Weg-Malve (Malva neglecta)
Essbar/essbare Teile | Die Weg-Malve wächst als unscheinbare, meist niederliegend bis aufsteigend kriechende ein- bis zweijährige Pflanze bevorzugt an Wegrändern und auf Schuttplätzen. Sie bildet kleine, blassrosa bis fast weiße Blüten aus, die tief in den Achseln der rundlich-nierenförmigen, schwach gelappten Blätter sitzen. Die scheibenförmigen Spaltfrüchte der Weg-Malve werden im Volksmund oft „Käselaibe“ genannt und sind ebenso wie die schleimstoffreichen Blätter essbar.

Malve - Wilde-Malve (Malva sylvestris)
Malve – Wilde-Malve

Malve – Wilde-Malve (Malva sylvestris)
Essbar/essbare Teile | Die Wilde Malve ist eine aufrecht oder aufsteigend wachsende, meist zweijährige bis ausdauernde Pflanze, die durch ihre markanten rosa-violetten Blüten mit dunklerer Aderung besticht. Ihre handförmig gelappten Blätter und die Blüten sind reich an wertvollen Schleimstoffen sowie blauen Anthocyanen, die traditionell als reizlindernder Heiltee genutzt werden. Als klassische Pionierpflanze besiedelt die Wilde Malve bevorzugt sonnige Ruderalstellen und bietet zahlreichen Bestäubern wertvolle Nahrung.

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Pflanzenfamilien und ihre Merkmale – Übersicht A-Z
Weltweit gibt es mehrere hundert Pflanzenfamilien und selbst in diesem bescheidenen Wildpflanzen-Lexikon tummeln sich Pflanzen aus über 50 Familien. Die 30 wichtigsten/prominentesten Familien finden sich in der folgenden Auflistung.