Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Hülsenfrüchtler (Fabaceae) bilden eine der artenreichsten Familien innerhalb der Ordnung der Schmetterlingsblütenartigen (Fabales) und sind global mit fast 20.000 Arten vertreten. Ihr namengebendes Hauptmerkmal ist die als Hülse ausgebildete Frucht, die aus einem einzigen Fruchtblatt entsteht und sich meist an Bauch- und Rückennaht öffnet. Viele Vertreter leben in einer essenziellen Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien, was ihnen die Besiedlung nährstoffarmer Böden ermöglicht.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Sehr variabel; umfasst ein- und mehrjährige krautige Pflanzen, Stauden, Sträucher, Lianen sowie mächtige Bäume, deren Wurzelsysteme oftmals artspezifische Wurzelknöllchen ausbilden.
  • Blätter: Meist wechselständig angeordnet, häufig gefiedert oder dreizählig, fast immer mit Nebenblättern (Stipeln) versehen, die bei einigen Arten zu Dornen oder Ranken umgebildet sind.
  • Blüten & Blütenstand: In der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) überwiegend stark zygomorphe, zwittrige Blüten; bestehend aus einer großen aufgerichteten Fahne, zwei seitlichen Flügeln und einem aus zwei an der Unterkante verwachsenen Kronblättern bestehenden Schiffchen. Die Blüten stehen meist in traubigen, ährigen oder köpfchenartigen Blütenständen.
  • Früchte: Die namensgebende Hülsenfrucht, ein oberständiges, einkarpelliges Gynoeceum, das bei Reife meist klappig aufspringt, in Glieder zerfällt oder seltener als nussartige Schließfrucht erhalten bleibt.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Charakteristisch ist der extrem hohe Gehalt an pflanzlichen Speicherproteinen (wie Legumin) in den Samen; parallel dazu bilden viele Arten toxische Lektine (z. B. Phasin), cyanogene Glykoside sowie giftige Chinolizidinalkaloide (z. B. Cytisin).

Verwendung & ökologische Bedeutung

Hülsenfrüchte zählen weltweit zu den wichtigsten pflanzlichen Proteinlieferanten für die menschliche und tierische Ernährung, wobei Arten wie Soja, Erbsen, Bohnen und Linsen die Basis vieler Agrarsysteme bilden. Ökologisch sind sie als Pionierpflanzen von unschätzbarem Wert, da sie durch die Symbiose mit Rhizobien (Knöllchenbakterien) in der Lage sind, atmosphärischen Stickstoff im Boden zu binden und somit die Bodengesundheit maßgeblich zu verbessern. Trotz ihres hohen Nährwerts sind viele rohe Samen und Früchte dieser Familie durch den Gehalt an toxischen Lektinen und Alkaloiden giftig; sie müssen daher vor dem Verzehr durch gründliches Erhitzen zwingend denaturiert werden.

Baum-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Robinie - Gewöhnliche (Robinia pseudoacacia)
Robinie – Gewöhnliche

Robinie – Gewöhnliche (Robinia pseudoacacia)
Stark giftig | Die Gewöhnliche Robinie ist ein robuster, anspruchsloser Laubbaum nordamerikanischen Ursprungs, der sich in Europa aufgrund seiner Ausbreitungskraft oft als invasiver Neophyt erweist. Im Frühsommer bildet sie dichte, hängende Trauben aus stark duftenden, weißen Blüten, die eine exzellente und ergiebige Bienenweide darstellen. Alle Teile der Gewöhnlichen Robinie, insbesondere die Rinde und die Samen, enthalten hochtoxische Toxalbumine (wie Robin und Phasin), die bei Verzehr schwere Vergiftungssymptome auslösen.

Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Ackerbohne (Vicia faba)
Ackerbohne (Vicia faba)

Ackerbohne/Dicke Bohne (Vicia faba)
Essbar/essbare Teile | Die Ackerbohne, oftmals auch Dicke Bohne genannt, ist eine aufrecht wachsende, einjährige Nutzpflanze mit einer kräftigen, tief greifenden Pfahlwurzel. Sie zeichnet sich durch weiße Schmetterlingsblüten mit markanten schwarzen Flecken aus und bildet große, fleischige Hülsenfrüchte, deren eiweißreiche Samen seit Jahrtausenden verzehrt werden. Dank ihrer exzellenten Stickstofffixierungsleistung ist die Ackerbohne zudem eine hochgeschätzte Pflanze für die Gründüngung in der Landwirtschaft.

Esparsette - Saat (Onobrychis viciifolia)
Esparsette – Saat

Esparsette – Saat (Onobrychis viciifolia)
Essbar/essbare Teile | Die Saat-Esparsette ist eine tief wurzelnde, ausdauernde Futterpflanze, die magere und stark kalkhaltige Böden in warmen Lagen bevorzugt. Auffällig sind ihre lang gestielten, aufrecht stehenden Blütentrauben, die in leuchtenden Rosa- bis Hellrottönen blühen und zahlreiche Insekten anlocken. In der Landwirtschaft gilt die Saat-Esparsette als diätetisch äußerst wertvolles, eiweißreiches und blähungsfreies Futter für Wiederkäuer.

Hornklee - Gewöhnlicher (Lotus corniculatus)
Hornklee – Gewöhnlicher

Hornklee – Gewöhnlicher (Lotus corniculatus)
Schwach giftig | Der Gewöhnliche Hornklee wächst als niederliegende bis aufsteigende ausdauernde Pflanze auf Wiesen, Weiden und an Wegrändern. Namensgebend sind die schmalen, gerade und hornartig abstehenden Hülsenfrüchte, die sich aus den markant goldgelben, oft rötlich überlaufenen Blüten entwickeln. Aufgrund enthaltener cyanogener Glykoside (Blausäureverbindungen) ist der frische Gewöhnliche Hornklee schwach giftig, verliert diese Eigenschaft jedoch beim Trocknen zu Heu.

Klee - Weiß-Klee (Trifolium repens)
Klee – Weiß-Klee

Klee – Weiß-Klee (Trifolium repens)
Essbar/essbare Teile | Der Weiß-Klee besitzt kriechende, an den Knoten wurzelnde Stängel, wodurch er sehr trittfest ist und dichte, flächige Teppiche auf Wiesen bilden kann. Seine kugeligen, weißen bis cremefarbenen Blütenköpfchen sind extrem nektarreich und werden von unzähligen Bestäubern stark frequentiert. In der Wildkräuterküche sind die proteinreichen Blätter und Blüten des Weiß-Klees essbar und können roh in Salaten verzehrt werden.

Klee - Wiesenklee / Rotklee (Trifolium pratense)
Klee – Wiesenklee / Rotklee

Klee – Wiesenklee / Rotklee (Trifolium pratense)
Essbar/essbare Teile | Der Wiesenklee, meist Rotklee genannt, ist eine ausdauernde Pflanze mit aufrechtem Wuchs und charakteristischen, meist weißlich gefleckten, dreizähligen Laubblättern. Wegen der langen, schmalen Kronröhren seiner purpurroten Blütenköpfchen kann er vorwiegend nur von langrüsseligen Hummelarten effektiv bestäubt werden. Der essbare Wiesenklee ist nicht nur eine wichtige Futterpflanze, sondern dient auch in der Volksheilkunde als Lieferant pflanzlicher Östrogene.

Kronwicke - Bunte (Securigera varia)
Kronwicke – Bunte

Kronwicke – Bunte (Securigera varia)
Giftig | Die Bunte Kronwicke rankt sich mit niederliegenden bis aufsteigenden Stängeln oft teppichartig an sonnigen Böschungen und Magerwiesen empor. Ihre doldenartigen Blütenstände formen eine regelrechte Krone, in der die zierlichen Einzelblüten harmonisch in Weiß, Rosa und Violett schattiert sind. Da sie kardiologisch hochwirksame Herzglykoside (Coronillin) enthält, ist die gesamte Bunte Kronwicke für Mensch und Tier giftig.

Platterbse - Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis)
Platterbse – Wiesen-Platterbse

Platterbse – Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis)
Giftig | Die Wiesen-Platterbse ist eine ausdauernde, klimmende Krautpflanze, die sich mittels Ranken an den Enden ihrer gefiederten Laubblätter in der Wiesenvegetation emporzieht. Sie schmückt im Sommer feuchte Wiesen und Waldränder mit ihren leuchtend goldgelben, mehrblütigen Blütentrauben. Da der übermäßige Verzehr der Samen aufgrund spezieller Aminosäuren die neurologische Krankheit Lathyrismus auslösen kann, wird die Wiesen-Platterbse als ungenießbar eingestuft.

Saat-Luzerne / Alfalfa (Medicago sativa)
Saat-Luzerne / Alfalfa

Saat-Luzerne / Alfalfa (Medicago sativa)
Essbar/essbare Teile | Die Saat-Luzerne ist eine ausdauernde, überaus trockenheitsresistente Nutzpflanze, deren Wurzeln auf der Suche nach Wasser und Nährstoffen mehrere Meter tief ins Erdreich vordringen können. Sie bildet dichte, violette bis blaue Blütentrauben aus, auf die typischerweise kleine, schneckenartig gewundene Hülsenfrüchte folgen. Als bekanntes „Alfalfa“ werden vor allem die vitalstoffreichen Keimlinge der Saat-Luzerne weltweit als essbare und gesunde Bereicherung geschätzt.

Steinklee - Gelber (Melilotus officinalis)
Steinklee – Gelber

Steinklee – Gelber (Melilotus officinalis)
Schwach giftig | Der Gelbe Steinklee ist eine zweijährige, aufrecht und hoch wachsende Pionierpflanze, die oft trockene Schuttplätze, Böschungen und Straßenränder besiedelt. Beim Welken und Trocknen der gefiederten Blätter und gelben Blütentrauben entfaltet sich ein intensiver, an Waldmeister erinnernder Cumarin-Duft. Dieses Cumarin macht den Gelben Steinklee schwach giftig, da es bei fehlerhafter Trocknung durch Pilze in das stark gerinnungshemmende und toxische Dicumarol umgewandelt werden kann.

Wicke - Vogel-Wicke (Vicia cracca)
Wicke – Vogel-Wicke

Wicke – Vogel-Wicke (Vicia cracca)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Die Vogel-Wicke ist eine formenreiche, ausdauernde Rankpflanze, deren lang gefiederte Blätter in verzweigten Ranken enden, mit denen sie Halt in Hecken und Gräsern sucht. Sehr auffällig sind die einseitswendigen, dichten Trauben aus leuchtend blauvioletten Schmetterlingsblüten, die im Hochsommer blühen. Zwar sind Blüten und junge Triebe der Vogel-Wicke essbar, jedoch ist bei den ausgereiften Samen wegen potenziell toxischer Blausäureglykoside auf die Verzehrmenge zu achten.

Wundklee - Echter (Anthyllis vulneraria)
Wundklee – Echter

Wundklee – Echter (Anthyllis vulneraria)
Essbar/essbare Teile | Der Echte Wundklee gedeiht als trockenheitstolerante, ausdauernde Pflanze bevorzugt auf kargen Kalkmagerrasen und weist eine auffällig seidige Behaarung an Stängeln und Blättern auf. Die typischerweise goldgelben, manchmal jedoch auch rötlich überlaufenen Blüten drängen sich in dichten Köpfchen zusammen, die von tief eingeschnittenen Hüllblättern getragen werden. Die ungiftigen, hübschen Blüten des Echten Wundklees sind essbar und wurden früher traditionell zur Wundheilung oder als Teezubereitung genutzt.

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Pflanzenfamilien und ihre Merkmale – Übersicht A-Z
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