Traubeneiche - Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden!

Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit.

Die Eichen (Quercus) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Gattung enthält etwa 400 Arten. Die Gattung wird in die Untergattungen Quercus (die wiederum in Sektionen, darunter Weißeichen, Zerreichen und Roteichen gegliedert ist) und Cyclobalanopsis unterteilt. Auf dieser Seite wird, als ein bei uns häufig zu findender Vertreter, die "Traubeneiche" beschrieben. Essbar/essbare Teile!

Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch

Baum/Strauch-Kurz-Steckbrief "Traubeneiche"

Botanischer Name: Quercus petraea

Deutscher Name: Traubeneiche

Gattung: Eichen (Quercus)

Familie: Buchengewächse (Fagaceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: Trauben-Eiche, Winter-Eiche;

 Blüten & Blütenfarbe: Blüten unscheinbar, in eingeschlechtigen Ständen. Männliche Kätzchen bis 6 cm lang, schlaff hängend. Weibliche Blüten zu 1-5.

Hauptblütezeit: April bis Mai;

Früchte/Samen: Eicheln in vielschuppigen ungestielten Fruchtbechern, bis 3 cm lang und 1,5 cm, im 1. Jahr reifend.

Fruchtreife/Erntezeit: September/Oktober;

 

Vorkommen: Die Traubeneiche ist nach der Stieleiche die in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Eichenart. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Italien und Nordgriechenland im Süden bis zu den Britischen Inseln und Südskandinavien im Norden. Sie kommt von Nordspanien im Westen bis Polen, Südwestrussland und dem Schwarzen Meer im Osten vor.

Verbreitungsschwerpunkt: Die Traubeneiche kommt auf trockenen bis frischen, mittel- bis tiefgründigen Stein- und Lehmböden vor (der wissenschaftliche Artname "petraea" (Felsen) weist auf die Steinböden hin). Sie toleriert auch schlecht nährstoffversorgte Standorte. Im Gegensatz zur Stieleiche meidet sie staunasse und wechselfeuchte Böden.

 

Wuchsform: Baum;

Wuchshöhe: 30 bis 40 Meter;

Typisch: Stamm ist gut bis in den oberen Kronenbereich zu verfolgen. Früchte sitzen in ungestielten Fruchtbechern beieinander. (Fruchtstand erinnert an Weintraubenrispe. Namensgebend)

Rinde/Borke: Die Rinde ist dünn, hellgrau bis gelblich und im Alter schuppig mit flachen Rissen.

Alter: bis zu 700 Jahre; (Einzelexemplare bis 1000 Jahre);

 

Sammelgut/essbare Teile: Früchte, Blätter, Rinde;

Energiereiche Teile: Früchte;

Inhaltsstoffe: In den Blättern (und der Rinde) 8-20% Gerbsotoffe, Triterpene, in den Eicheln darüber hinaus fettes Öl und Stärke.

Prozessierung: Gerbstoffe der Früchte durch Wässern ausspülen.

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): mit anderen Eichen (besonders mit der Stieleiche).

Eigenschaft(en) des Holzes

Eigenschaften: Traubeneiche lässt sich in sehr dünne Furniere schälen und messern, ohne das der Leim durchschlägt. Das Eichenholz ist hart, zäh, sehr dauerhaft und gut zu bearbeiten.

 

Merkmale: Die Traubeneiche ist ein ringporiger Kernholzbaum. Der gelblich-weiße Splint ist nur schmal ausgebildet, das Kernholz hat eine hell- bis dunkelbraune Farbe. 

 

Verwendung: Das Holz der Traubeneiche wird vielseitig verwendet: im Wasserbau, als Bauholz, für Schwellen und Pfähle, im Innenausbau für Treppen und Fußböden und massiv als Möbelholz. Hochwertiges Eichenholz stammt meist von der Traubeneiche und wird zur Furnierherstellung und zum Fass- und Barriquebau verwendet. Berühmte Wertholzbestände finden sich im Spessart, im Steigerwald und im Pfälzerwald. Auch als Brennholz eignet sich das Eichenholz hervorragend.

Bilder "Traubeneiche" - Bestimmungshilfen

Beschreibung des Baumes/Strauches - Bestimmung

Erscheinungsbild: Die Traubeneiche wächst als sommergrüner Baum, der Wuchshöhen von 25 bis 30 (maximal 40) Meter und Stammdurchmesser bis zu 2 Meter erreicht. Durch ihre kräftige Pfahlwurzel ist sie äußerst sturmfest. Ihr Höchstalter liegt bei 800 bis 1000 Jahren. Die Baumkrone ist auf geradem Stamm hoch gewölbt mit strahlenförmig abgehenden Ästen, die viel gerader als bei der Stieleiche sind. Die Rinde der Traubeneiche ist in der Jugend glatt und schwach grau-grün glänzend, später wird eine dicke, tief längsrissige, graubraune Borke gebildet. Die Rinde der Zweige ist dunkelgrau, teilweise gerötet und grau bereift. Die Knospen sind groß, spitz kegelförmig, schwach fünfkantig, eiförmig und vielschuppig und sitzen an den Triebenden gehäuft. Jede Knospenschuppe ist hell orangebraun mit einer dunkelbraunen Spitze.

Blätter: Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 1 bis 2 cm lang und gelb. Die einfache, ledrigen Blattspreite ist 8 bis 12 (selten bis 16) Zentimeter lang, 5 bis 7 (selten bis 10) cm breit, an der Basis kurz keilförmig verschmälert und in fünf bis acht, selten bis zehn engen Buchten abgerundet gelappt. Die Blattoberseite ist tiefgrün glänzend und die Unterseite ist heller, anfangs büschelig flaumig und seidig behaart, später verkahlend.

Blüte: Die Traubeneiche ist einhäusig getrennt geschlechtig (monözisch). Die männlichen Kätzchen sind 5 bis 8 cm lang. Die weiblichen Blüten sitzen endständig sowie in den Blattachseln der jungen Triebe gruppiert zu zwei bis sechsen; sie sind weißlich und kugelig mit purpurroten Narben. Sie blüht von April bis Mai.

Früchte/Samen: Die Eicheln sitzen gehäuft (daher der Name Traubeneiche!) an fast ungestielten Fruchtbechern. Die Eicheln sind 1,6 bis 2,6 Zentimeter lang (damit sind sie etwas kürzer als die der Stieleiche). Der Fruchtbecher umhüllt etwa die Hälfte der Eichel und ist dicht flaumig behaart. Die Eicheln dienen verschiedenen Tieren als Nahrung und werden von ihnen verbreitet. Vor allem der Eichelhäher sorgt durch Anlage von Nahrungsdepots für die Verbreitung der Traubeneiche (Hähersaaten). Die Eicheln reifen von September bis Oktober.

Unterscheidung zur Stieleiche

Die Stieleiche und die Traubeneiche ähneln sich sehr. Viele Systematiker und Genetiker sehen in der Traubeneiche nur eine Standortsrasse der Stieleiche. In der Verbreitung und der Morphologie gibt es jedoch einige Unterschiede: Die Traubeneiche kommt bevorzugt in den Hügel- und niedrigen Berglagen vor, zum Beispiel im Spessart und im Pfälzerwald. Ihre Früchte sitzen gehäuft an sehr kurzen Stielen. Die Blätter sind zwei bis drei Zentimeter lang gestielt. Die Blattbasis ist keilförmig und nicht geöhrt. Im mittleren Spreitenbereich der Blätter enden die Seitennerven nie in den Buchten.

Stieleiche und Traubeneiche können bastardisieren. Ob solche Bastarde in realen Beständen eine Rolle spielen, ist unklar. Meist erwiesen sich Pflanzen mit intermediären Merkmalen doch als einer der beiden Arten zugehörig.

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Die Eiche wird auf Grund dieses Gerbstoffgehaltes ihrer Rinde als Heilpflanze eingesetzt. Gesammelt wird die frische Eichenrinde im Frühjahr. Getrocknet und gemahlen kann daraus ein Sud gekocht werden, der sowohl äußerlich als auch als Tee (nie mehr als zwei Tassen täglich) angewandt wird.


Als Droge dienen die getrocknete Rinde der jungen Zweige und Stockausschläge. Die pharmazeutische Drogenbezeichnung lautet Quercus cortex (lat. für Eichenrinde; alt: Cortex Quercus).


Die Rinde enthält zumeist 10 % (bis 20 %) Gerbstoffe, wobei es sich in erster Linie um Catechingerbstoffe (oligomere Proanthocyanidine) handelt. Daneben kommen auch Ellagitannine oder komplexe Gerbstoffe, z.B. Flavanoellagitannine sowie Quercitol und Triterpene vor. In den Blättern sowie in noch grünen Früchten liegen Gerbstoffe in einem Gehalt von bis zu 15 % vor.


Äußerlich kommen Vollbäder oder Umschläge mit Zubereitungen aus Eichenrinde zur Anwendung, vor allem bei entzündlichen Hautleiden (nicht bei nässenden Ekzemen/ großflächigen Hautschäden). Lokale Anwendungsgebiete von Eichenrinde sind leichte Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie im Genital- und Analbereich. Innerlich wird Eichenrinde bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen angewandt, etwa als Teezubereitung.


Im Vordergrund der Anwendungen steht die adstringierende, austrocknende blut- und juckreizstillende, aber auch die antiseptische Wirkung der Gerbstoffe, die den Heilungsprozess fördert.

✿ HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden auch Bäumen viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Bäume vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gut Literatur.

 

Meine bevorzugte Quelle für medizinisches Pflanzenwissen ist das Buch "Das große Buch der Heilpflanzen" von Apotheker M. Pahlow. In seinem Werk beschreibt Pahlow neben den Anwendungsbereichen von Schul-, Pflanzen- & Volksmedizin auch den Zugang der Homöopathie.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche / Survival- & Outdoor Nahrung / Grüne-Smoothie-Tauglichkeit

Blätter: Junge Blätter (März bis April) lassen sich getrocknet und vermahlen Wildpflanzensalz beimengen. Sie sind jedoch so bitter, das eine tatsächliche Verwebung wohl selten vorkommt.

 

Blüten: xxx

 

Früchte: Schon in ur- und frühgeschichtlicher Zeit sowie in Notzeiten wurden Eicheln von Menschen als Nahrungsmittel genutzt.  Eicheln sind zwar sehr nahrhaft, für Menschen in rohem Zustand aber nicht zu genießen. Wegen ihres hohen Anteils an Gerbsäure sind sie giftig und lösen starke Magen-Darm-Beschwerden aus.

 

Durch Wässern können die Gerbstoffe herausgelöst werden. Dazu müssen die geschälten und zerstoßenen (oder in dünne Scheiben geschnittenen) Eicheln durch mehrmaliges Baden in Wasser allmählich von den wasserlöslichen Gerbstoffen befreit werden, was sich durch die ausbleibende Verfärbung des Wassers leicht erkennen lässt, wobei eine höhere Temperatur den Vorgang beschleunigt. Eicheln lassen sich für verschiedene Zwecke verarbeiten. Eicheln sind sehr nahrhaft und enthalten bis zu 38 % Stärke.


Sowohl die jungreifen, also auch die ausgereiften Samen ergeben im September ein gutes Nussmus. Dafür werden sie zuerst überbrüht und geschält und anschließend püriert. Das Püree wird mit Wasser gespült. Je klarer das Spülwasser wird, desto mehr Gerbstoffe sind schon ausgespült. Das so bereitete Püree eignet sich zum Verfeinern von Dessert-Gerichten und Saucen. Es dient aber auch als Grundlage für Bratlinge und Gebäck.


Fein gehobelt findenden sie Verwendung als Brotteigbeigabe, in Schokolade und als Beigabe für Fruchtschnitten. Wenn sie nach dem Hobeln mit warmem Wasser ausgiebig spült, verringern sich die Bitter- & Gerbstoffe deutlich. Oft sind schon länger ausgefallene Eicheln (bis in das Frühjahr hinein zu finden) von sich aus milder, diese können, in kleinen Mengen, direkt verwendet werden.


Geröstet und gemahlen kann aus den Eicheln eine Art Kaffeeersatz gebrüht werden.
Wird das durch wässern behandelte Eichelmus (oder die fein geschnittene Scheiben) getrocknet und gemahlen, kann das entstandene Eichelmehl als Steckmehl für Getreidemehl dienen.

Geschmack: Verarbeitete Eicheln schmecken herb, nussig und stumpf. Die Blätter und Schalen sind sehr bitter.

 

Tauglichkeit für Grüne-Smoothies: Die Traubeneiche hat dem Smoothie-Freund nichts zu bieten.

 

✿ HINWEIS: Natürlich gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Auf meiner Seite werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Rezepte fehlen sogar gänzlich. Für Küchen- und Kochbegeisterte gibt es gute Literatur die auch Bäume küchen- und kochtechnisch behandeln.

 

Wenn du dich für den Bereich Survival-/Notnahrung interessierst, möchte ich dir den Zugang und die Werk von Johannes "Joe" Vogel ans Herz legen. Dieser geht weit über die "normale" Kräuterbestimmung hinaus und zeigt eine Vollversorgung aus der Wildnis auf.

Geschichtliches / Wissenswertes

Früher war die Bedeutung der Eichenwälder zur Schweinemast größer als zur Holznutzung. Viele der heute wertvollen Bestände wurden für diesen Zweck oder zur Wildäsung angelegt. Die durch Bitterstoffe für den Menschen (wenn unbehandelt) ungenießbaren Eicheln sind sehr nahrhaft und enthalten bis zu 38 % Stärke. Vor dem großflächigen Feldfutterbau ab dem 19. Jahrhundert war die Waldweide die wichtigste Art der Schweinemast. Aus dieser Zeit stammt der Spruch „Auf den Eichen wächst der beste Schinken“.

 

In den alten Religionen, Mythen und Sagen war die Eiche ein heiliger Baum. Häufig wurde sie mit blitztragenden Göttern oder Götterfürsten in Verbindung gebracht.

  • Christentum: Die Eiche galt als Lebensbaum, sie stand in ihrem dauerhaften Holz und dem langen Leben des Baumes für das ewige Leben und das ewige Heil. Auch wurde der Baum mit der glaubensstarken Heiligen Maria in Verbindung gebracht. Die Eiche findet sich in der Gotik und der frühen Neuzeit etwa auf Bibeleinbänden.
  • Antikes Griechenland: dem Zeus geweiht bei den Griechen (Eichenorakel von Dodona)
  • Rom: dem Jupiter geweiht bei den Römern,
  • Kelten: Dem Himmelsherrscher und Wettergott Taranis gewidmet. Durch den römischen Geschichtsschreiber Plinius dem Älteren ist überliefert, dass die Kelten ohne Eichenlaub keine kultischen Handlungen vollzogen. Nach einer Herleitung könnte das Wort Druide für Priester von der festlandkeltischen Wurzel dru abgeleitet sein.
  • Germanen: dem Gewittergott Donar (= Thor) geweiht. Der Legende nach fällte der heilige Bonifatius (Apostel der Deutschen) im Jahr 723 die Donareiche bei Geismar, um den zu bekehrenden Heiden zu beweisen, dass ihr Gott ein ohnmächtiges Wesen sei, das nicht einmal seinen Baum schützen könne.

Videobeitrag zu "Traubeneiche" - Bestimmungshilfe

Quellen

Bäume & Sträucher A-Z Online-Lexikon | Übersicht

Bäume & Sträucher A-Z Online-Lexikon | Übersicht

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