Futterrübe (Rübe)

Futterrübe (Beta vulgaris)
Futterrübe (Beta vulgaris)

Futterrübe – Erkennen und Nutzen

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Ackerpflanze/Feldfrucht (bzw. Zwischenfrucht) sowie ihr Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Die Futterrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris, Crassa-Gruppe), regional auch Runkelrübe oder Dickwurzel genannt, ist eine traditionelle landwirtschaftliche Kulturpflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Als klassische Hackfrucht lieferte sie lange Zeit ein wichtiges Winter-Saftfutter für die Rindervieh- und Schafhaltung. Auch wenn sie heute im großflächigen Anbau durch ertragreichere Silomais- und Grassilagebestände stark zurückgedrängt wurde, besitzt sie aufgrund ihrer hervorragenden diätetischen Eigenschaften als Futtermittel sowie zunehmend als Substrat für Biogasanlagen weiterhin agronomische Relevanz.

Ackerpflanze-Steckbrief „Futterrübe“

  • Botanischer Name: Beta vulgaris subsp. vulgaris (Crassa-Gruppe)
  • Deutscher Name: Futterrübe
  • Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
  • Gattung: Rüben (Beta)
  • Weitere Namen: Runkelrübe, Dickrübe, Dickwurz, Raahner, Runkel
  • Lebensdauer: zweijährig (wird landwirtschaftlich einjährig genutzt)
  • Wuchsform: krautige Rosettenpflanze mit fleischigem Rübenkörper
  • Wuchshöhe: Laub ca. 30 bis 50 cm; Blütenstand (im 2. Jahr) bis 1,5 m
  • Blütezeit: Juni bis August (nur bei Samenbau im zweiten Standjahr)
  • Fruchtreife/Ernte: September bis November (zwingend vor dem ersten Frost)
  • Standort/Boden: tiefgründig, nährstoffreich, wärmeliebend (anspruchslosere Alternative zur Zuckerrübe)
  • Landwirtschaftlicher Nutzen: Grundfutter (Saftfutter) für Wiederkäuer, Biogas-Substrat

Bilder & Fotos „Futterrübe“

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Bestimmung/Beschreibung der Ackerpflanze

Die Futterrübe ist eine zweijährige Pflanze, die auf dem Acker im ersten Jahr eine bodennahe, üppige Blattrosette und den markanten, verdickten Speicher-Rübenkörper ausbildet. Erst im zweiten Jahr (der generativen Phase) würde sie einen hohen Blütenstand treiben, was in der landwirtschaftlichen Praxis durch die Vorwinterernte jedoch meist verhindert wird.

Vegetative Merkmale (Wurzel, Stängel, Blätter)

  • Wurzel (Rübenkörper): Es bildet sich eine kräftige Pfahlwurzel, die bis zu 1,5 Meter tief in den Boden reichen kann. Der verdickte Rübenkörper wächst – anders als bei der Zuckerrübe – oft zu einem großen Teil oberirdisch. Die Form variiert je nach Sorte stark (walzen-, oliven-, kugel- oder pfahlartig). Die Schalenfarbe kann weiß, gelb oder orangerot sein.
  • Blätter: Die Pflanze bildet im ersten Jahr eine grundständige Rosette aus etwa 20 großflächigen, grünen Laubblättern, die bis zu 30 cm lang werden können.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Bleibt die Pflanze über Winter stehen, treibt sie im zweiten Jahr einen bis zu 1,5 m hohen, stark verzweigten Blütenstand aus. Die Blüten sind unscheinbar, grünlich und fünfzählig. Futterrüben sind Fremdbefruchter.
  • Frucht/Samen: Nach der Samenreife im Spätsommer des zweiten Jahres sind alle Reservestoffe der Rübe aufgebraucht und die Mutterpflanze stirbt ab.

Anbau der Ackerpflanze/Feldfrucht

Standortbedingungen: Als Hackfrucht bevorzugt die Futterrübe tiefgründige und gut durchwurzelbare Böden, stellt aber etwas geringere Ansprüche an die Bodenqualität als die eng verwandte Zuckerrübe. Sie ist absolut frostempfindlich, was die Erntefenster im Herbst streng diktiert.

Aussaat & Pflege: Die Aussaat erfolgt im Frühjahr in Reihen. In der Fruchtfolge gilt die Futterrübe als hervorragende Vorfrucht (Blattfrucht), da sie den Boden intensiv durchwurzelt und in der Regel unkrautfrei hinterlässt. In der Züchtung unterscheidet man zwischen „Massenrüben“ (geringe Trockensubstanz von 8–13 %, viel Wasser) und „Gehaltsrüben“ (höhere Trockensubstanz von 16–19 %). Agronomisch sind Gehaltsrüben meist vorteilhafter, da mehr Nährstoffe auf derselben Fläche erzeugt werden.

Ernte: Die Ernte findet im Herbst des ersten Jahres statt. Da der Rübenkörper bei vielen Sorten weit aus dem Boden ragt, kann er leicht von Hand gezogen werden. Die maschinelle Ernte erfordert spezielle Futterrübenvollernter, die die Pflanze schonend am Blattapparat aus der Erde ziehen, bevor Rübe und Blatt getrennt werden. Zuckerrübenvollernter eignen sich nur für tiefsitzende, pfahlförmige Sorten. Die Frischmasse-Erträge schwanken je nach Typ zwischen 70 t/ha (Gehaltsrüben) und 100 t/ha (Massenrüben).

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Nutzung der Ackerpflanze/Feldfrucht

Ernährung & Inhaltsstoffe: Im Gegensatz zur Zuckerrübe liegt das Zuchtziel der Futterrübe nicht primär auf einem maximalen Saccharosegehalt, sondern auf einem ausgewogenen Verhältnis von Proteinen, Mineralstoffen und leicht verdaulichen Kohlenhydraten.

  • Tierfutter: Futterrüben sind ein äußerst schmackhaftes, diätetisch wertvolles Saftfuttermittel, das sich positiv auf Verdauung und Stoffwechsel von Rindern und Schafen auswirkt. Neben der Rübe selbst werden traditionell auch die Rübenblätter und -köpfe frisch oder siliert verfüttert.
  • Energetische Nutzung: Aufgrund ihres hohen Ertrags an fermentierbarer Biomasse wird die Futterrübe zunehmend als energiereiches Substrat in Biogasanlagen genutzt.
  • Menschliche Ernährung: Historisch und regional wurden Futterrübenstückchen in Eintöpfen oder Suppen verarbeitet. Die jungen Herzblätter lassen sich ähnlich wie Mangold oder Spinat zubereiten.

Geschichte & Entwicklung

Ursprung & Domestizierung: Alle Kulturrüben stammen genetisch von der Wilden Rübe (Beta vulgaris subsp. maritima) ab, die an den Küsten Westeuropas und des Mittelmeerraums beheimatet ist. Durch gezielte Selektion entstanden die heutigen dickwurzeligen Formen.

Historische Bedeutung: Bis ins 18. Jahrhundert wurde agrikulturell nicht strikt zwischen Nahrungs- und Futterrüben unterschieden. Erst ab etwa 1750 begannen Landwirte im Rheinland, spezielle gelbfleischige und gut lagerfähige Sorten explizit für die Winterfütterung des Viehs zu selektieren. Diese etablierten sich schnell unter den Namen Runkel- oder Futterrübe und revolutionierten die winterliche Tierhaltung, bevor sie ab dem späten 20. Jahrhundert durch die Silagewirtschaft weitgehend abgelöst wurden.

Zusatzinformationen & Wissenswertes

Gefahr der Entmineralisierung bei Nutztieren

Futterrüben weisen einen sehr hohen Wasser- und Kaliumgehalt, aber vergleichsweise wenig Strukturkohlenhydrate und Calcium auf. Bei sehr hohen Rationsanteilen kann dies bei Rindern zu einer Entmineralisierung führen. Um Stoffwechselstörungen zu vermeiden, muss bei der Verfütterung zwingend auf einen entsprechenden Ausgleich durch Futterkalk (Calciumcarbonat) und ausreichend strukturreiches Raufutter geachtet werden.

Richtige Einlagerung (Rübenmiete)

Da die Futterrübe den Winter nicht im Boden übersteht, wird sie nach der Ernte klassischerweise am Feldrand oder Hof in sogenannten Mieten gelagert. Die optimale Lagertemperatur beträgt 2 bis 4 °C. Werden die Rüben zu hoch aufgestapelt (über 1,25 Meter), droht Schimmelbildung durch Selbsterwärmung. Eine Erdmiete muss in der Abkühlphase zunächst offen oder nur leicht bedeckt bleiben und darf erst nach vollständiger Auskühlung winterfest isoliert werden.

Brauchtum und historische Medizin

In der Volksmedizin galten Rübenarten seit der Antike als Heilmittel bei Verdauungsbeschwerden oder als herzstärkendes Mittel. Eine kulturelle Besonderheit hat sich im Brauchtum erhalten: Ähnlich wie Kürbisse zu Halloween, werden im Herbst (vor allem in der Eifel und in Luxemburg) Laternen aus ausgehöhlten Futterrüben geschnitzt. Dieses Brauchtum ist als „Rübengeistern“ oder „Traulicht“ bekannt.

Videobeitrag zu „Futterrübe“

Futterrübe (Beta vulgaris)
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Quellen und weitere Informationen

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